Ford Fo­cus RS – Mit­fahrt

Schon die Mit­fahrt im neu­en Ford Fo­cus RS lässt zwei Schlüs­se zu: Er ist all­tags­taug­li­cher ge­wor­den – und noch sport­li­cher

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Horst von Saurma

Wenn es bei der Ent­wick­lung ei­nes zu ver­hin­dern galt, dann das läs­ti­ge Un­ter­steu­ern.“Wer sol­che Sät­ze sagt, kann kein nor­ma­ler Au­to­ent­wick­ler sein. Ty­ro­ne John­son ist auch kein nor­ma­ler Au­to­ent­wick­ler. Bis vor ein paar Jah­ren war er der tech­ni­sche Kopf der werks­sei­ti­gen Ral­lye-Ab­tei­lung. Heu­te ver­ant­wor­tet er als Ford Per­for­mance Glo­bal En­genee­ring Ma­na­ger die Ent­wick­lung al­ler Per­for­mance-Mo­del­le, von de­nen es bis 2020 zwölf neue ge­ben soll. Ei­nes da­von: der neue Fo­cus RS, des­sen Aus­lie­fe­rung im Früh­jahr 2016 star­ten wird. Mr. John­son sagt aber noch ei­nen über­ra­schen­den Satz: „Der neue RS muss­te all­tags­taug­li­cher wer­den.“We­ni­ger Un­ter­steu­ern? All­tags­taug­li­cher? Ver­ber­gen sich da zwei See­len in der Brust des Ford-Ent­wick­lers? Ganz und gar nicht. Der neue RS, den wir im Ford-Test­zen­trum im bel­gi­schen Lom­mel zwar in­ten­siv, aber vor­erst nur vom Bei­fah­rer­sitz aus ken­nen­ler­nen durf­ten, lockt mit Leis­tun­gen und Zu­ge­ständ­nis­sen, die sich der kul­ti­ge Vor­gän­ger gar nicht, oder wenn, dann nur mit Mü­he ab­rin­gen konn­te. Mit zi­vi­li­sier­tem Auf­tritt zum Bei­spiel, aus­ge­wo­ge­ner Leis­tungs­ent­fal­tung, an­ge­mes­se­nem Ver­brauch, her­vor­ra­gen­der Trak­ti­on und nicht zu­letzt mit ei­ner Sta­te of the Art-Of­fer­te in Sa­chen Kom­fort, En­ter­tain­ment und Kom- mu­ni­ka­ti­on. Da wird man ja wohl, so John­sons The­se, auf den bis­he­ri­gen heiß ge­lieb­ten Fünf­zy­lin­der-Tur­bo und auch auf ein au­to­ma­ti­sier­tes Ge­trie­be ver­zich­ten kön­nen. Bei­des wur­de als zu schwer be­fun­den und als Grundur­sa­che für die läs­ti­ge Un­ter­steu­er-Nei­gung iden­ti­fi­ziert. Der neue RS ist nun mit ei­nem 350 PS star­ken, 2,3 Li­ter gro­ßen Vier­zy­lin­der-Tur­bo und ma­nu­el­lem Sechs­gang-Ge­trie­be am Start – und erst­mals auch mit ei­nem aus­ge­klü­gel­ten All­rad­an­trieb: Zwei elek­tro­hy­drau­lisch be­tä­tig­te Kupp­lun­gen di­rekt am hin­te­ren Dif­fe­ren­zi­al über­tra­gen in Kur­ven bis zu 100 Pro­zent des An­triebs­mo­ments auf ein ein­zel­nes Rad. Dank die­ses Tor­que Vec­to­ring-Ver­fah­rens wird der RS noch ef­fek­ti­ver in die Kur­ve ge­zwun­gen. Und es ge­stat­tet ne­ben­bei ei­nen Fahr­mo­dus, den es in die­ser Form welt­weit so noch nicht ge­ge­ben hat: Im ab­ruf­ba­ren Drift-Mo­dus kön­nen selbst un­ge­üb­te Len­ker Ken Block spie­len. Der Fo­cus RS be­schleu­nigt in 4,7 Se­kun­den auf 100 km/ h und ist 266 km/ h schnell. Aber wer will schon die Klas­sen­geg­ner aus dem VW- und Au­di-La­ger in die Schran­ken wei­sen, wenn man die Welt lo­cker bei ge­mä­ßig­tem Tem­po auch durch die Sei­ten­schei­be be­trach­ten kann? Fa­zit: Der Ford Fo­cus RS wird der Bren­ner der Sai­son 2016. Wer an ihm vor­bei­kom­men will, muss ver­mut­lich erst noch kon­stru­iert wer­den.

Per­fek­te Sitz­po­si­ti­on, über­sicht­li­ches Ar­ran­ge­ment, gu­te Ver­ar­bei­tung

Un­ter 1500 Ki­lo­gramm, ei­ne gu­te ae­ro­dy­na­mi­sche Ba­lan­ce und ei­ne renn­stre­ck­en­taug­li­che Brems­an­la­ge – sagt Ford

Der un­ter dem De­ckel ar­bei­ten­de Vier­zy­lin­derTur­bo stemmt ma­xi­mal

470 New­ton­me­ter

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