WIRT­SCHAFT

Der Peu­geot-Ci­tro­ën-Kon­zern ist wie­der in der Ge­winn­zo­ne – wir nen­nen die Grün­de

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­kus Bach

Am An­fang stand der Ab­grund: Vor drei Jah­ren ge­riet der fran­zö­si­sche PSA-Kon­zern mit sei­nen Mar­ken Peu­geot und Ci­tro­ën in ei­ne exis­tenz­be­dro­hen­de Kri­se. In Fol­ge der Eu­ro­kri­se wa­ren die Märk­te in West- und Sü­d­eu­ro­pa ein­ge­bro­chen. Der stark auf die­se Län­der fi­xier­te PSA-Kon­zern ver­buch­te 2012 ei­nen Ver­lust von über ei­ner hal­ben Mil­li­ar­de Eu­ro – die Fi­nanz­re­ser­ven gin­gen zur Nei­ge. Nur der Ein­stieg des fran­zö­si­schen Staats und des chi­ne­si­schen Au­to­kon­zerns Dong­feng mit je­weils 800 Mil­lio­nen Eu­ro ret­te­ten den über 120 Jah­re al­ten Au­to­bau­er. Da­mit en­de­te je­doch die Vor­herr­schaft der Fa­mi­lie Peu­geot über den PSA-Kon­zern, die seit­dem – wie der fran­zö­si­sche Staat und Dong­feng – nur noch 14,1 Pro­zent der An­tei­le hält. Die neu­en Be­sit­zer hol­ten den Re­nault-Ma­na­ger Car­los Ta­va­res als Vor­stands­vor­sit­zen­den in die Zen­tra­le nach Pa­ris. Er soll­te den Kon­zern sa­nie­ren. Kei­ne zwei Jah­re spä­ter ist PSA wie­der im grü­nen Be­reich, er­ziel­te im ers­ten Halb­jahr 2015 ei­nen so­li­den Ge­winn von 1,42 Mil­li­ar­den Eu­ro. Auch der welt­wei­te Ab­satz hat sich kon­so­li­diert: 2015 wird der PSA-Kon­zern wie­der rund drei Mil­lio­nen Neu­wa­gen ver­kau­fen. Zum ei­nen pro­fi­tie­ren Peu­geot und Ci­tro­ën von der Er­ho­lung der eu­ro­päi­schen Au­to­märk­te, al­len vor­an Frank­reich, Spa­ni­en und Ita­li­en. Für PSA über­le­bens­wich­tig, denn der Kon­zern ver­kauft im­mer noch 63,6 Pro­zent sei­ner Au­tos in Eu­ro­pa. Hier leg­te der Halb­jah­res­ab­satz 2015 im Ver­gleich zu 2013 um sat­te 15 Pro­zent zu. Der

neue Peu­geot 308 ent­wi­ckel­te sich zum Best­sel­ler – er bringt we­sent­lich mehr Mar­ge als der klei­ne­re 208. Ci­tro­ën fei­ert da­ge­gen mit dem C4 Cac­tus Er­fol­ge: Seit des­sen Pro­duk­ti­ons­start 2014 wur­den über 90.000 Stück ver­kauft. Ein wei­te­res wich­ti­ges Stand­bein bil­den die er­folg­rei­chen Nutz­fahr­zeu­ge. Gleich­zei­tig ge­lang es Ta­va­res, die Fix­kos­ten in Eu­ro­pa um zehn Pro­zent zu sen­ken: Die Wer­ke in Pois­sy und Mul­hou­se wur­den mo­der­ni­siert, die de­fi­zi­tä­re Fa­b­rik in Aul­nay-sous-Bois ge­schlos­sen. Das Ver­hält­nis der Löh­ne zum Um­satz konn­te seit 2013 von 14,5 auf 12,4 Pro­zent ge­senkt wer­den. Zum Ver­gleich: In der Au­to­in­dus­trie sind elf Pro­zent Durch­schnitt. Mit dem Ein­stieg von Dong­feng star­te­te PSA zu­dem ei­ne Of­fen­si­ve in Chi­na, auf das heu­te 23,8 Pro­zent des Ab­sat­zes ent­fal­len. Die pri­mär für den chi­ne­si­schen Markt kon­stru­ier­ten Peu­geot 301 und Ci­tro­ën C-Ely­sée ver­kauf­ten sich im ers­ten Halb­jahr 2015 über 113.000 Mal. Da­her setzt Ta­va­res wei­ter auf die Volks­re­pu­blik: Mit Dong­feng wird ein Ent­wick­lungs­zen­trum in Shang­hai ge­plant, au­ßer­dem ei­ne ge­mein­sa­me Platt­form für Klein- und Kom­pakt­wa­gen. Auch in Afri­ka und dem Na­hen Os­ten läuft es wie­der für PSA. So ha­ben sich die Ver­käu­fe in der Tür­kei im ers­ten Halb­jahr 2015 um 85 Pro­zent er­höht. Und im Iran set­zen die Fran­zo­sen auf ei­nen Boom des Au­to­mark­tes nach dem En­de der west­li­chen Sank­tio­nen. Peu­geot ar­bei­tet schließ­lich schon seit Jah­ren mit dem Staats­kon­zern Iran Kho­dro zu­sam­men. Noch grö­ße­re Hoff­nun­gen macht sich Car­los Ta­va­res je­doch für Afri­ka: Bis 2025 sol­len sich die dor­ti­gen Ver­käu­fe zu­sam­men mit dem Na­hen Os­ten auf ei­ne Mil­li­on ver­fünf­fa­chen. Da­für baut PSA ein Werk in Ma­rok­ko. Ab 2019 sol­len dort 90.000, spä­ter bis zu 200.000 Klein­und Kom­pakt­wa­gen pro­du­ziert wer­den. Auf der an­de­ren Sei­te der Kon­zern­pa­let­te ran­giert die Pre­mium­mar­ke DS. Die­se soll lang­fris­tig die Kon­zern­mar­ge an­he­ben. Welt­weit wur­den bis­her neun groß­zü­gi­ge DS Sto­res und 65 DS Sa­lons als Ver­kaufs­stel­len er­öff­net. Noch sind die Ver­kaufs­zah­len al­ler­dings ge­ring. Aber Car­los Ta­va­res weiß, dass die Eta­b­lie­rung ei­ner Pre­mium­mar­ke Ge­duld und ei­nen lan­gen fi­nan­zi­el­len Atem er­for­dert. Dass der PSA-Kon­zern da­für die not­wen­di­gen Mit­tel auf­bringt, wä­re 2012 am Rand des Ab­grunds noch un­denk­bar ge­we­sen.

er­folgs­mo­dell: Ci­tro­Ën c4 cac­tus 45.984 Ver­käu­fe im ers­ten Halb­jahr 2015

er­folgs­mo­dell: Peu­geot 308 173.297 Ver­käu­fe im ers­ten Halb­jahr 2015 (+21,8 %)

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