Ford Mustang GT Con­ver­ti­ble V8

End­lich gibt es den Ford Mustang auch in Deutsch­land. Wir tes­te­ten das 5,0-Li­ter-V8-Ca­brio – ein star­kes An­ge­bot zu ei­nem un­schlag­ba­ren Preis

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Vol­ker Ko­erdt

Es gibt nur we­ni­ge Au­tos in der Ge­schich­te, die ei­ne solch ruhm­rei­che und lan­ge Tra­di­ti­on ha­ben wie der Ford Mustang. Seit mehr als 50 Jah­ren ge­baut, ist er ei­ne au­to­mo­bi­le Iko­ne – ver­gleich­bar mit ei­nem Por­sche 911. Nun end­lich wird der Mustang auch of­fi­zi­ell in Deutsch­land ver­kauft und den Händ­lern förm­lich aus den Hän­den ge­ris­sen. Im Ge­gen­satz zu sei­nen Vor­gän­gern ist der ak­tu­el­le Mustang kein un­ge­ho­bel­tes Wild­pferd, son­dern nun auch für Eu­ro­pa dres­siert. Das atem­be­rau­ben­de De­sign ist ge­blie­ben, da über­zeugt das Cou­pé noch mehr als das Ca­brio. Ein­zel­rad­auf­hän­gung, Sechs­kol­ben-Brem­bo-Brem­sen, ad­ap­ti­ve Len­kung oder die ab­schalt­ba­re Trak­ti­ons­kon­trol­le ma­chen Schluss mit dem Kli­schee, dass der Mustang nur für das Bou­le­vard-Ri­ding taugt. Ein Grin­sen huscht über das Ge­sicht, wenn man den Start­knopf drückt und der 5,0-Li­terV8 tief blub­bernd sei­ne Ar­beit auf­nimmt. Man glaubt ihm die Kraft schon im Stand. Mit 421 PS (310 kW) und ei­nem Dreh­mo­ment von 524 Nm ge­horcht er den Spo­ren aufs Wort. Mit die­ser im­mer wie­der be­tö­ren­den Acht­zy­lin­derKlang­ku­lis­se hebt sich die lan­ge Hau­be leicht in den Wind, und der Mustang schießt in 5,5 Se­kun­den auf 100 km/ h, um bei 250 km/ h Spit­ze elek­tro­nisch ab­ge­re­gelt zu wer­den. Das kna­cki­ge Sechs­gang-Ge­trie­be gibt da­bei klar de­fi­nier­te Schalt­gas­sen vor. Al­ler­dings for­dern die opu­len­te Tech­nik, die Voll­aus­stat­tung so­wie

der gro­ße V8 ih­ren Tri­but, nicht nur beim Ver­brauch (14,1 l/100 km): Der Mustang hat Speck an­ge­setzt, mit rund 1,8 Ton­nen be­wegt sich das Ca­brio nicht ge­ra­de leicht­fü­ßig. Den­noch ist die zü­gi­ge Gan­gart kein Pro­blem. Zum Ra­cer wird das Ca­brio aber nicht. Im Grenz­be­reich schiebt der Ford zu­nächst über die Vor­der­rä­der, um dann mit dem Heck ins Über­steu­ern zu ge­hen. Be­son­ders bei Näs­se ist hier Vor­sicht ge­bo­ten, denn der Mo­tor hat so viel Qualm, dass die Hin­ter­rä­der schnell zum Durch­dre­hen nei­gen und ein we­nig rup­pig von der Trak­ti­ons­kon­trol­le ge­bremst wer­den. Auf schlech­ten Stra­ßen oder beim Über­fah­ren von Bahn­über­gän­gen er­zit­tert die Ka­ros­se­rie spe­zi­ell bei ge­öff­ne­tem Ver­deck zum Teil deut­lich – ein Zu­ge­ständ­nis an den fai­ren Preis. Für 46.000 Eu­ro kann man nicht die (Ka­ros­se­rie-) Stei­fig­keit ei­nes Tre­sors er­war­ten. Auch Ab­rol­lund Fe­de­rungs­kom­fort sind manch­mal et­was rus­ti­kal. Qu­er­fu­gen und Schlag­lö­cher über­tra­gen sich bis in die Len­kung, und die Mit­fah­rer mer­ken eben­falls, dass der Mustang lan­ge Bo­den­wel­len bes­ser ver­daut als kur­ze An­re­gun­gen. Die Ver­ar­bei­tung ist ty­pisch ame­ri­ka­nisch: funk­tio­nal, ehr­lich und mit viel Plas­tik. Doch das ist Kri­tik auf ho­hem Ni­veau. Denn wo sonst gibt es ein voll­wer­ti­ges, vier­sit­zi­ges Ca­brio mit Acht­zy­lin­der und Fahr­leis­tun­gen ei­nes Sport­wa­gens zum Preis von un­ter 50.000 Eu­ro? Bei deut­schen Her­stel­lern Fehl­an­zei­ge. Der Mustang eig­net sich her­vor­ra­gend zum of­fe­nen Crui­sen. Der Wind weht den Sound des Acht­zy­lin­ders zu den In­sas­sen, man legt ge­nüss­lich den sechs­ten Gang ein, und schon brab­belt der Mo­tor mit et­was über Leer­lauf­dreh­zahl vor sich hin. Wer dann das lie­be­voll mit Alu-Ap­pli­ka­tio­nen ver­se­he­ne Gas­pe­dal be­tä­tigt, wird mit or­dent­li­chem Vor­trieb un­ter­stützt, oh­ne dass die Hand zum Schalt­he­bel grei­fen muss. Da­bei bie­tet der Mustang auch vier Groß­ge­wach­se­nen Platz. Und die Kopf­frei­heit hin­ten reicht selbst bei ge­schlos­se­nem Ver­deck durch­aus für Er­wach­se­ne aus. Mit nur 46.000 Eu­ro steht der Mustang GT Con­ver­ti­ble V8 in der Preis­lis­te. Da­für gibt es ein All-In­clu­si­ve-An­ge­bot vom Feins­ten: Tem­po­mat, Kli­ma­au­to­ma­tik, Le­der­sit­ze und -lenk­rad, Pe­da­le mit Alu-De­kor, Leicht­me­tall­rä­der, Rück­fahr­ka­me­ra, Xe­non-Schein­wer­fer und mehr sind be­reits an Bord. Wem das noch nicht reicht, der or­dert das Pre­mi­um­pa­ket für 2500 Eu­ro Auf­preis (u.a. mit Na­vi­sys­tem, Touch­screen, Pre­mi­um-So­und­sys­tem und Park­pi­lot). Da­zu gibt es ei­nen un­be­zahl­ba­ren Show-Fak­tor. Denn wo der Mustang auf­taucht, ge­hen den meis­ten die Gäu­le durch. Han­dys wer­den ge­zückt, Fo­tos ge­schos­sen, Dau­men ge­hen hoch – und Be­geis­te­rungs­stür­me be­glei­ten das Au­to wie kaum ein an­de­res. Wer mit we­ni­ger Pfer­den aus­kommt, kann auch den EcoBoost mit 2,3Li­ter-Tur­bo-Vier­zy­lin­der (317 PS) or­dern. Den gibt es schon ab 41.000 Eu­ro. Doch mal ehr­lich: Ein Mustang oh­ne V8 ist wie AC/DC un­plug­ged. Ein­fach un­vor­stell­bar.

Un­ter dem ge­schlos­se­nen Stoff­ver­deck geht die Kopf­frei­heit auch für Groß­ge­wach­se­ne in Ord­nung

Kan­ti­ge, mus­ku­lös de­sign­te Ar­ma­tu­ren­ta­fel mit Blen­de im Alu-Look, op­tio­na­lem Touch­screen und gut ab­les­ba­ren In­stru­men­ten

Im Fond fin­den auch Er­wach­se­ne ge­nug Platz

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.