Ja­gu­ar XF

Die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on der Mit­tel­klas­se­li­mou­si­ne Ja­gu­ar XF ver­schreibt sich ganz der Ef­fi­zi­enz: Alu-Ka­ros­se­rie und Spar-Die­sel sol­len den Ver­brauch sen­ken. Der Kom­fort hin­ge­gen soll stei­gen

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

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er Ja­gu­ar XF war vor acht Jah­ren das Mo­dell, wel­ches die Neu­aus­rich­tung der bri­ti­schen Tra­di­ti­ons­mar­ke am nach­hal­tigs­ten ver­kör­pert hat. Sein De­sign war ge­gen­über dem re­gel­recht ba­rock an­mu­ten­den Vor­gän­ger S-Ty­pe ge­ra­de­zu re­vo­lu­tio­när. Der Vier­zy­lin­der-Die­sel mit an­fangs 190 PS, spä­ter 200 PS er­mög­lich­te selbst der statt­li­chen Fünf-Me­ter-Li­mou­si­ne ei­nen er­freu­lich nied­ri­gen Sprit-Ver­brauch. Und ge­nau dort soll der kom­plett neu kon­stru­ier­te Nach­fol­ger der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on an­knüp­fen: Die Op­tik wur­de die­ses Mal zwar nur be­hut­sam mo­di­fi­ziert, lässt den bis­he­ri­gen Ja­gu­ar XF aber den­noch er­staun­lich alt aus­se­hen. Für ei­ne noch bes­se­re Ef­fi­zi­enz set­zen die In­ge­nieu­re zum ei­nen auf ei­ne zu 75 Pro­zent aus Alu­mi­ni­um ge­fer­tig­te Ka­ros­se­rie. Zum an­de­ren rüs­ten sie das Ober­klas­se-Mo­dell erst­mals mit ih­rem in Ei­gen­re­gie ent­wi­ckel­ten und ge­fer­tig­ten Vier­zy­lin­der-Tur­bo­die­sel aus, der al­les in sich ver­eint, was der mo­der­ne Mo­to­ren­bau zu bie­ten hat.

Der XF 20d ist spar­sa­mer ge­wor­den, aber kein Ver­brauchs­wun­der

Laut Pro­spekt ver­spre­chen die Bri­ten ei­nen Durch­schnitts­ver­brauch von ge­ra­de ein­mal 4,3 Li­tern je 100 Ki­lo­me­ter. Doch un­ter rea­len Ver­kehrs­be­din­gun­gen konn­ten wir die­sen Wert nicht er­zie­len. Auf un­se­rer Mess­fahrt ha­ben wir ei­nen Kon­sum von 6,4 Li­tern er­mit­telt. Durch­aus ein gu­ter Wert, aber doch um ei­ni­ges mehr als er­hofft. Das liegt wahr­schein­lich nicht zu­letzt am tat­säch­li­chen Ge­wicht des Test­wa­gens, das mit 1760 Ki­lo in­klu­si­ve al­ler Aus­stat­tungs­op­tio­nen um 165 hö­her aus­fällt als vom Her­stel­ler aus­ge­wie­sen. Da­für über­zeugt die Alu-Ka­ros­se­rie mit ei­ner sehr gu­ten Tor­si­ons­stei­fig­keit und ei­nem spür­bar ge­wach­se­nen Rau­m­an­ge­bot. Be­son­ders im Fond sitzt man nun noch ent­spann­ter und be­que­mer als zu­vor. Die Rück­bank er­weist sich als aus­ge­spro­chen kom­mod und of­fe­riert ei­ne üp­pig be­mes­se­ne Bein­auf­la­ge. Ob­wohl der ak­tu­el­le XF ein paar Mil­li­me­ter (sie­ben) kür­zer ist als der Vor­gän­ger, wuchs der Rad­stand (plus 5,1 Zen­ti­me­ter), was im Fond mehr Knie­raum schafft. Und der Kof­fer­raum ist mit 540 Li­tern eben­falls groß­zü­gig be­mes­sen. Ob­wohl der ef­fek­ti­ve Ge­wichts­vor­teil zum Vor­gän­ger ge­ring aus­fällt, fühlt sich der Alu-XF er­heb­lich leicht­fü­ßi­ger an. Das stei­fe Chas­sis

und die auf­wän­di­ge Fahr­werks­kon­struk­ti­on mit Dop­pel­quer­len­kern vorn und In­te­gral­len­kern hin­ten sind die Grund­la­gen für ein prä­zi­ses Fahr­ver­hal­ten, zu dem auch die er­freu­lich ex­ak­te und ge­fühl­vol­le Ser­vo­len­kung bei­trägt. Der Ja­gu­ar setzt Len­k­im­pul­se dem­ent­spre­chend spon­tan und wil­lig um. Fer­ner er­zielt der XF sehr ho­he Kur­ven­ge­schwin­dig­kei­ten, was auch auf das Kon­to des op­tio­na­len Sport­fahr­werks (300 Eu­ro) so­wie der brand­neu­en Goo­dye­ar-Rei­fen geht.

Kna­cki­ges Hand­ling, aber mä­ßi­ger Lang­sam­fahr­kom­fort

Die Kehr­sei­te die­ser agi­len Fahr­werks­ab­stim­mung äu­ßert sich in ei­nem mä­ßig sen­si­blen An­spre­chen der Fe­der­ele­men­te bei nied­ri­gen Ge­schwin­dig­kei­ten auf Qu­er­fu­gen und der­ben Bo­den­wel­len. Hier wür­de das ge­gen 1200 Eu­ro Auf­preis ver­füg­ba­re ad­ap­ti­ve Fahr­werk er­heb­lich mehr Kom­fort bie­ten – oh­ne die Fahr­dy­na­mik des Ja­gu­ar XF zu schmä­lern. Auch der Ge­räusch­kom­fort ent­spricht nicht ganz den ho­hen An­sprü­chen an ei­ne Ober­klas­se-Li­mou­si­ne. Ei­ner­seits tönt der Tur­bo­die­sel recht pro­fan, oh­ne al­ler­dings stö­ren­de Fre­quen­zen oder Vi­bra­tio­nen zu ver­ur­sa­chen. An­de­rer­seits ent­wi­ckelt auch das Fahr­werk ver­nehm­li­che Ab­roll­ge­räu­sche. Das kön­nen an­de­re Pre­mi­um-Ver­tre­ter bes­ser. Zu den Stär­ken des XF zählt in­des die um­fang­rei­che Si­cher­heits­aus­stat­tung, die se­ri­en­mä­ßig et­wa mit au­to­no­mer Not­brem­se und au­to­ma­ti­schem No­t­ruf auf­war­tet. Hin­zu kom­men di­ver­se As­sis­tenz-Sys­te­me, die für noch mehr Si­cher­heit an Bord sor­gen. Auch die Ab­stim­mung der acht­stu­fi­gen Au­to­ma­tik darf als ge­lun­gen gel­ten, zu­mal sie die leich­te An­fahr­schwä­che des Mo­tors ge­schickt ka­schiert. Klar ver­bes­sert prä­sen­tiert sich dar­über hin­aus das In­Con­trol-Sys­tem, das mit­tels ka­pa­zi­ti­vem Touch­screen (acht Zoll) und we­ni­gen Tas­ten ge­steu­ert wird. Die Na­vi­ga­ti­on er­folgt schnell und un­kom­pli­ziert, die Kon­nek­ti­vi­tät ist voll auf der Hö­he der Zeit. Ein­zig der op­tio­na­le DAB-Tu­ner zeig­te sich im Test­be­trieb nicht be­son­ders emp­fangs­stark. Bei der Preis­ge­stal­tung liegt der XF auf dem Ni­veau der Kon­kur­renz. Al­ler­dings sind die Ser­vice-Ar­bei­ten der ers­ten drei Jah­re be­reits mit dem Grund­preis ab­ge­gol­ten – ein geld­wer­ter Vor­teil für den Kun­den.

XF-Cock­pit: lo­gisch und über­sicht­lich ge­glie­dert, klas­si­sche Rund­uh­ren, Schalt­wip­pen Das In­Con­trol-Sys­tem bie­tet Mul­ti­me­di­aFunk­tio­nen auf neu­es­tem Stand in­klu­si­ve On­line-An­bin­dung und Strea­m­ing (oben). In­fo­gra­fi­ken und Da­ten­ana­ly­se ani­mie­ren zu ei­ner spar­sa­men Fahr­wei­se (un­ten) Asym­me­trisch klapp­ba­re Rück­bank se­ri­en­mä­ßig, op­tio­nal so­gar drei­tei­lig (40:20:40)

In­ge­ni­um-Die­sel: Lauf­ru­hig und spar­sam, aber mit we­nig Ober­klas­se-Flair

To­p­ak­tu­el­le Goo­dye­ar-Pneus und ein Sport­fahr­werk stei­gern die Dy­na­mik des XF

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