BMW 7er

Der neue 7er BMW bläst zum An­griff auf die Kon­kur­renz. Be­son­ders ge­fragt ist der Lu­xus­li­ner als 730d mit 265 PS star­kem Sechs­zy­lin­der-Die­sel

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

Um die Do­mi­nanz der Mer­ce­des SKlas­se im Lu­xus­seg­ment zu brechen, steckt BMW in den neu­en 7er die ge­ball­te Tech­nik­kom­pe­tenz. Dass die­se Rech­nung auf­zu­ge­hen scheint, hat der ers­te Ver­gleichs­test ge­zeigt (AU­TO ZEI­TUNG-Aus­ga­be 23). Dort konn­te das Münch­ner Flagg­schiff mit po­ten­tem V8-Ben­zi­ner der Kon­kur­renz be­reits da­von­fah­ren. Wich­ti­ger für den hie­si­gen Markt ist je­doch der ef­fi­zi­en­te­re Drei­li­ter-Die­sel, der stan­des­ge­mä­ße Fahr­leis­tun­gen mit ge­sit­te­ten Trink­ma­nie­ren kom­bi­nie­ren und so zum Lieb­ling der Chef­eta­gen avan­cie­ren soll. Mit grim­mi­gem Blick, rie­si­ger BMW-Nie­re und reich­lich Chrom­schmuck ist der 730d be­reits von au­ßen ei­ne im­po­san­te Er­schei­nung. Im In­te­ri­eur geht es im Ver­gleich zum Vor­gän­ger ei­ne gan­ze Ecke no­bler zu. Holz- und Chro­m­ap­pli­ka­tio­nen so­wie le­der­be­spann­te An­bau­tei­le sind fein kom­po­niert und sau­ber ver­ar­bei­tet. Do­mi­niert wird das Cock­pit vom gro­ßen Zen­tral­bild­schirm, der jetzt über ei­ne be­rüh­rungs­emp­find­li­che Ober­flä­che ver­fügt und ei­ne ge­sto­chen schar­fe Auf­lö­sung bie­tet.

Ge­lun­ge­ne Sym­bio­se aus Kom­fort und Dy­na­mik

Trotz der enor­men Fül­le las­sen sich die we­sent­li­chen Funk­tio­nen des iD­ri­ve BMW-ty­pisch leicht er­ler­nen. Wer je­doch in die Tie­fen der Un­ter­me­nüs vor­sto­ßen möch­te, um et­wa die Far­be und die In­ten­si­tät der Am­bi­ente­be­leuch­tung in­di­vi­du­ell zu kon­fi­gu­rie­ren, der soll­te schon et­was mehr Zeit ein­pla­nen. Ei­nen klei­nen Aus­blick auf zu­künf­ti­ge Be­di­en­kon­zep­te bie­tet die se­ri­en­mä­ßi­ge Ges­ten­steue­rung, bei der man per Hand­be­we­gung et­wa die Ra­dio­laut­stär­ke re­gu­lie­ren kann. Über den Schlüs­sel, der das For­mat ei­nes iPod hat und der über ei­nen Touch­screen ver­fügt, las­sen sich je­der­zeit Fahr­zeug­da­ten wie Öl­stand oder Rei­fen­druck ab­ru­fen. Trotz all die­ser tech­ni­schen Fi­nes­sen hat BMW auch bei den Kern­kom­pe­ten­zen des Lu­xus­li­ners sei­ne Haus­auf­ga­ben er­le­digt. Das Rau­m­an­ge­bot ist auf al­len Plät­zen fürst­lich, und die op­tio­na­len Kom­fort­sit­ze im Fond (2200 Eu­ro) samt Mas­sa­ge­funk­ti­on ver­wöh­nen auf lan­gen Rei­sen. Trotz­dem ist der 7er kei­ne klas­si­sche Chauf­feurs­li­mou­si­ne – im­mer­hin be­fin­det sich der bes­te Platz vorn links. Der Fah­rer wird dank viel­fach ein­stell­ba­rer Sit­ze op­ti­mal ins Fahr­zeug in­te­griert. Ein Druck auf den Start­knopf ge­nügt, und der V6-Die­sel nimmt kaum hör­bar sei­ne Ar­beit auf. Das aus an­de­ren Mo­dell­rei­hen be­kann­te Trieb­werk legt bes­te Ma­nie­ren an den Tag, läuft but­ter­weich und ver­braucht im Durch­schnitt knau­se­ri­ge sie­ben Li­ter pro 100 km. 265 PS und die ab 2000 Tou­ren an­lie­gen­den 620 Nm sor­gen für stan­des­ge­mä­ßen Vor­trieb und rund­um zu­frie­den­stel­len­de Fahr­leis­tun­gen. Das un­ter Last auf­tre­ten­de keh­lig-spor­ti­ve Klang­bild wirkt kei­nes­wegs un­an­ge­mes­sen, son­dern passt bes­tens zu den fahr­dy­na­mi­schen Ta­len­ten des Münch­ners. Dank der prä­zi­sen Len­kung und der im Sport­mo­dus

ge­straff­ten Fahr­werks­aus­le­gung wie­selt der fünf Me­ter lan­ge und knapp zwei Ton­nen schwe­re Trumm er­staun­lich be­hän­de um Kur­ven und fühlt sich eher nach Ober- denn Lu­xus­klas­se an. Die Ver­zö­ge­rungs­wer­te lie­gen so­wohl mit kal­ten als auch mit war­men Stop­pern auf Sport­wa­gen­ni­veau. Trotz­dem ist das ent­spann­te Da­hin­glei­ten die Pa­ra­de­dis­zi­plin des neu­en 7er: Die se­ri­en­mä­ßi­ge Luft­fe­de­rung agiert sehr sen­si­bel, bü­gelt selbst gro­be Une­ben­hei­ten oder Qu­er­fu­gen läs­sig aus. Die­sen Kom­fort er­kauft sich der BMW aber kei­nes­wegs mit ei­nem schau­ke­li­gen Fah­rein­druck, im Ge­gen­teil: Wank- und Nick­be­we­gun­gen der Ka­ros­se­rie wer­den selbst im Kom­fort-Plus-Mo­dus wir­kungs­voll ge­dämpft.

Reich­hal­ti­ge Se­ri­en­aus­stat­tung, ho­he Prei­se

Zu den über­zeu­gen­den Dy­na­mikund Kom­fort­ei­gen­schaf­ten ad­diert sich ei­ne be­acht­li­che Se­ri­en­aus­stat­tung. LED-Schein­wer­fer, Le­der­pols­te­rung und das on­lin­e­fä­hi­ge Na­vi­sys­tem sind im­mer mit an Bord. Eben­so zäh­len ein Not- ru­fas­sis­tent, Ein­park­hil­fe vorn und hin­ten so­wie die Ac­tive Pro­tec­tion ge­nann­te vor­aus­schau­en­de Crash­sen­so­rik zum Se­ri­en­um­fang. Den­noch lässt sich der Grund­preis von 83.180 Eu­ro mit der aus­ufern­den Preis­lis­te leicht über die 100.000-Eu­ro-Gren­ze hin­aus auf­sto­cken. Käu­fer er­hal­ten in je­dem Fall ei­ne au­ßer­ge­wöhn­lich gu­te Lu­xus­li­mou­si­ne, die in die­ser Ver­fas­sung ih­res­glei­chen sucht. Der nächs­te Ver­gleichs­test mit der selbst­zün­den­den Kon­kur­renz aus Stutt­gart und In­gol­stadt ist schon in der Vor­be­rei­tung. Cas­par Win­kel­mann

FA­ZIT: Mit der Neu­auf­la­ge der 7er-Rei­he ist BMW ein gro­ßer Wurf ge­lun­gen: Das Flagg­schiff ver­bin­det auf be­ein­dru­cken­de Wei­se Kom­fort mit Dy­na­mik. Der Drei­li­ter-Die­sel er­weist sich da­bei als idea­le Mo­to­ri­sie­rung: stark, schnell und ef­fi­zi­ent im Um­gang mit dem Sprit. Das al­les hat al­ler­dings sei­nen Preis.

Emp­feh­lens­wert: sehr hel­les und gleich­mä­ßig leuch­ten­des La­ser­licht (1200 Eu­ro)

Lu­xu­riö­se In­nen­rau­m­at­mo­sphä­re dank ed­lem Ma­te­ri­al­mix aus Le­der, Holz und Alu. Be­dien­lo­gik des iD­ri­ve auf ge­wohnt ho­hem Ni­veau

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