Star­ke Nach­fra­ge

2015 war ein gu­tes Jahr für die Au­to­kon­junk­tur in Deutsch­land. Rund 3,3 Mil­lio­nen Neu­zu­las­sun­gen be­wei­sen, dass das Au­to nichts von sei­ner At­trak­ti­vi­tät ver­lo­ren hat – Her­stel­ler und Händ­ler kön­nen auf ei­nes der bes­ten Jah­re in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG - Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

Das zu­rück­lie­gen­de Jahr war für die Au­to­in­dus­trie in vie­ler Hin­sicht au­ßer­ge­wöhn­lich: Die Flücht­lings­de­bat­te und die Angst vor den An­schlä­gen der IS-Mi­li­zen in Eu­ro­pa wa­ren die haupt­säch­li­chen po­li­ti­schen The­men der letz­ten Mo­na­te, die für ei­ne Au­to­mo­bil­kon­junk­tur an sich nicht för­der­lich sind. Hin­zu kam der VW-Ab­gas­skan­dal, der nicht nur die Mar­ken des VW-Kon­zerns, son­dern ins­be­son­de­re den Die­sel in vie­le un­sach­li­che Dis­kus­sio­nen ver­wi­ckel­te. Doch nichts da­von konn­te die Au­to­kon­junk­tur ins Sto­cken brin­gen. Auch der Volks­wa­genKon­zern selbst kam mit sämt­li­chen Mar­ken in Deutsch­land bis­lang bei den Zu­las­sun­gen oh­ne gro­ße Bles­su­ren durch die Kri­se. Al­le Mar­ken, auch Volks­wa­gen selbst, konn­ten (Stand No­vem­ber) mehr Fahr­zeu­ge zu­las­sen als im ver­gan­ge­nen Jahr. Die Mar­ke VW bleibt al­so mit deut­lich über 600.000 zu­ge­las­se­nen Fahr­zeu­gen mit wei­tem Ab­stand die Num­mer eins im Land. Auf Platz zwei eta­bliert sich Mer­ce­des mit ei­nem Markt­an­teil von neun Pro­zent. Die schwä­bi­sche Er­folgs­ge­schich­te macht die Mar­ke Por­sche kom­plett. Rund 30.000 Au­tos und ein Markt­an­teil von et­wa ei­nem Pro­zent sind ein neu­er Re­kord – und der neue Por­sche-Vor­stands­chef Oli­ver Blu­me (sie­he In­ter­view Sei­te 16) hat noch Grö­ße­res vor. Über­haupt war in Deutsch­land 2015 das Jahr der „Klei­nen“. Ni­schen­mar­ken pro­fi­tier­ten am meis­ten von der gu­ten Kon­junk­tur und ver­zeich­ne­ten die größ­ten Zu­wäch­se. Da­zu ge­hö­ren vor al­len Din­gen Jeep und Land Ro­ver, die ih­ren Er­folg dem un­ge­bro­che­nen Boom der SUV ver­dan­ken – und Ja­gu­ar. Die Bri­ten konn­ten ih­ren Markt­an­teil na­he­zu ver­dop­peln. Für die eng­li­schen An­bie­ter ist Deutsch­land ein gu­tes Pflas­ter, ih­re Au­tos sind der­zeit ge­fragt wie nie. Zu den Shoo­ting Stars ge­hört auch Tes­la. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Mar­ke du­el­liert sich auf Au­gen­hö­he mit Le­xus. Da­bei darf man nicht ver­ges­sen, dass die ja­pa­ni­sche Lu­xus­mar­ke be­reits seit über 20 Jah­ren in Deutsch­land prä­sent ist. Cham­pa­gner-Lau­ne dürf­te auch bei Ss­an­gYong herr­schen. Die Ko­rea­ner stie­gen wie Phoenix aus der Asche und konn­ten ih­re Zu­las­sun­gen mehr als ver­dop­peln. Bei den Im­por­teu­ren im Vo­lu­men­seg­ment zählt Nis­san zu den gro­ßen Ge­win­nern (Markt­an­teil 2,2 Pro­zent). Nis­san hat To­yo­ta über­holt und ist da­mit er­folg­reichs­ter ja­pa­ni­scher An­bie­ter im deut­schen Markt. Ver­hal­te­nen Zu­spruch ern­te­ten die fran­zö­si­schen Mar­ken. So rich­tig will der Fun­ke beim deut­schen Kun­den noch nicht über­sprin­gen – al­le fran­zö­si­schen Her­stel­ler muss­ten leich­te Markt­an­teils­ver­lus­te in Kauf neh­men. Man darf ge­spannt sein, wie die neue Pro­dukt­of­fen­si­ve, ins­be­son­de­re von Re­nault mit Mo­del­len wie Es­pace, Ta­lis­man und dem neu­en Mé­ga­ne, an­kommt. Ei­nes scheint si­cher, wenn man den Ex­per­ten glau­ben darf: Das Jahr 2016 ver­spricht eben­falls gu­te Per­spek­ti­ven für den Au­to­mo­bil­markt.

Das CO2-Pro­blem von Volks­wa­gen scheint sich weit­ge­hend in Luft auf­zu­lö­sen. Statt der ur­sprüng­lich pro­gnos­ti­zier­ten 800.000 sind nur noch 36.000 Au­tos von falsch de­kla­rier­ten Ab­gas­wer­ten be­trof­fen (sie­he Sei­te 25). Seit dem VW-Skan­dal fällt nun wohl je­dem auf, dass die an­ge­ge­be­nen EU-Wer­te ge­ne­rell mit dem rea­len Sprit­ver­brauch und den wah­ren CO2Wer­ten nichts zu tun ha­ben. AU­TO ZEITUNGLe­ser wis­sen das schon lan­ge. Das Test­team der AU­TO ZEI­TUNG hat jetzt die 75 wich­tigs­ten Mo­del­le im deut­schen Markt noch ein­mal mit ih­ren rea­len Ver­bräu­chen den je­weils an­ge­ge­be­nen EU-Ver­bräu­chen ge­gen­über­ge­stellt (Sei­te 148). Die ge­rings­te Ab­wei­chung zum EU-Ver­brauch er­zielt der Sko­da Ye­ti 2.0 TDI 4x4 mit 13,16 Pro­zent. Das Schluss­licht bil­det der Fi­at 0.9 Twi­nAir mit knapp 75 Pro­zent Über­schrei­tung. Viel­leicht fin­den auch Sie Ihr Fahr­zeug in un­se­rer Ge­schich­te wie­der …

Vor­bild­lich: Der Sko­da Ye­ti 2.0 TDI lag im rea­len Ver­brauch nur 13 Pro­zent über der EU-An­ga­be

Be­gehrt wie nie: Der Por­sche 911 ist der­zeit in Deutsch­land der meist­ge­or­der­te Por­sche

Der Er­folgs­ren­ner im Jeep Mo­dell­pro­gramm: der neue Re­ne­ga­de

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