Ori­gi­na­le

Ei­ne län­ge­re SUV-Tra­di­ti­on als Jeep hat kei­ner. Mit dem ei­gen­wil­lig ge­styl­ten Che­ro­kee und dem kan­ti­gen Re­ne­ga­de tref­fen zwei un­ter­schied­li­che In­ter­pre­ta­tio­nen des The­mas auf­ein­an­der

AUTO ZEITUNG - - TEST · GROß GEGEN KLEIN: JEEP CHEROKEE – RENEGADE - El­mar Sie­pen

Es war 1963, als Jeep mit dem Wa­goneer im Ge­län­de­wa­gen­seg­ment Kom­fort ein­flie­ßen ließ. Ser­vo­len­kung und Au­to­ma­tik-Ge­trie­be hat­te es bis da­to bei den rus­ti­ka­len All­rad­ve­hi­keln nicht ge­ge­ben. Der 1966 er­schie­ne­ne Su­per Wa­goneer setz­te mit ein­stell­ba­rer Lenk­säu­le, Kli­ma­an­la­ge oder Ser­vo­len­kung noch eins drauf. Bis auf den heu­ti­gen Tag fährt Jeep mit Au­tos so­wohl fürs Gro­be als auch fürs Fei­ne zwei­glei­sig. In un­se­rem Ver­gleich ist es der be­lieb­te Re­ne­ga­de, der in der Trail­hawk-Ver­si­on mit All­rad­an­trieb, Dif­fe­ren­zi­al­sper­re und Ge­län­de­un­ter­set­zung durch Dick und Dünn geht und so­gar den Ru­bi­con-Trail, die wohl an­spruchs­volls­te Ge­län­destre­cken der Welt, meis­tern soll. Dar­auf wei­sen stolz die Trail­ra­ted-Pla­ket­ten auf den vor­de­ren Kot­flü­geln hin. Auf der Stra­ße je­doch ent­fal­tet er ei­nen eher rus­ti­ka­len Charme. Der 2,0-Li­ter-Mu­lit­jet-Die­sel mit 170 PS lässt sei­ne In­sas­sen stets an sei­ner Ar­beits­wei­se teil­ha­ben. 350 Nm sor­gen für ge­nü­gend Druck, und die auf­merk­sa­me Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik stellt stets die rich­ti­ge Über­set­zung pa­rat. Bei ho­hem Tem­po stei­gen die Wind­ge­räu­sche aber deut­lich an, und die recht straf­fe Fe­der-Dämp­fer-Ab­stim­mung ist bes­ser für gro­be Un­ter­grün­de aus­ge­legt. Kur­ze Bo­den­wel­len reicht der klei­ne Krax­ler mun­ter durch. Ab­seits be­fes­tig­ter We­ge be­rei­tet er da­für viel Spaß und zeigt den meis­ten Kon­kur­ren­ten keck die mar­kan­ten Rück­lich­ter.

Die Test­ver­bräu­che be­le­gen: Mo­der­ne SUV kön­nen auch spar­sam sein

Mit 7, 6 Li­ter Die­sel auf 100 Ki­lo­me­tern darf der Re­ne­ga­de an­ge­sichts sei­ner kan­ti­gen Ka­ros­se­rie als durch­aus spar­sam be­zeich­net wer­den. Da setzt der grö­ße­re Che­ro­kee mit dem neu­en, 200 PS star­ken 2,2-Li­ter-Die­sel zum Über­ho­len an: 7,2 Li­ter Test­ver­brauch sind ein Wort für das fast zwei Ton­nen schwe­re SUV. Die mar­gi­na­len Un­ter­schie­de in den Fahr­leis­tun­gen (sie­he Da­ten rechts) sind im All­tag kaum von Be­deu­tung. Eher schon die Fahr­ei­gen­schaf­ten: So bie­tet der Che­ro­kee ei­nen deut­lich bes­se­ren Ab­roll- und Ge­räusch­kom­fort. Auch auf den Sit­zen reist es sich vorn wie hin­ten be­que­mer als im Re­ne­ga­de. Kur­ven­künst­ler sind we­der Che­ro­kee noch Re­ne­ga­de, sie wol­len es auch gar nicht sein. Doch da, wo bei­den Kur­ven un­ter die Rä­der kom­men, re­agiert der klei­ne Re­ne­ga­de deut­lich spon­ta­ner auf Lenk­be­feh­le. Kein Wun­der, schleppt er doch auch über 300 kg we­ni­ger Leer­ge­wicht mit sich her­um. In der Li­mi­te­dAus­stat­tung ist man auch im Che­ro­kee jen­seits des As­phalts nicht gleich auf­ge­schmis­sen. Da­für sorgt der au­to­ma­tisch zu­schal­ten­de All­rad­an­trieb, der – sen­sor­ge­steu­ert – mit Hil­fe ei­nes Trans­fer­ge­trie­bes an der Vor­der­ach­se die An­triebs­kraft bei zu viel Schlupf an den Vor­der­rä­dern an die Hin­ter­rä­der lei­tet. Ge­ma­nagt wird

die stu­fen­lo­se Kraft­ver­tei­lung von ei­ner elek­tro-hy­drau­li­schen Kupp­lung. Wer möch­te, be­kommt den Che­ro­kee aber auch mit ei­nem Re­duk­ti­ons­ge­trie­be, dass die Of­f­road-Ei­gen­schaf­ten wei­ter stei­gert – oder auch als Trail­hawk mit mehr Bo­den­frei­heit und ei­ner zu­sätz­li­chen Hin­ter­achs­dif­fe­ren­zi­al­sper­re. In der ge­tes­te­ten Li­mi­ted-Aus­stat­tung kos­tet der Che­ro­kee zwar 45.900 Euro, ist da­für aber deut­lich bes­ser aus­ge­stat­tet als der Re­ne­ga­de in der Trail­hawk-Ver­si­on für 33.500 Euro. So ge­hö­ren bei ihm bei­spiels­wei­se ein Na­vi­sys­tem und ei­ne Rück­fahr­ka­me­ra zum se­ri­en­mä­ßi­gen Lie­fer­um­fang. Oben­drein sind die Sit­ze ab Werk elek­trisch ein­stell­bar.

Der La­de­raum des klei­nes Jeep fasst im­mer­hin 351 bis 1297 Li­ter – für Klein­fa­mi­li­en dürf­te das rei­chen

Re­ne­ga­de

Das Kof­fer­raum­vo­lu­men von 412 bis 1267 Li­tern er­leich­tert auch grö­ße­re Trans­port­auf­ga­ben

Che­ro­kee

Im Fond des Re­ne­ga­de sit­zen Pas­sa­gie­re et­was un­be­que­mer als auf der Rück­bank des Che­ro­kee

Re­ne­ga­de

Die Rück­sit­ze sind längs- und nei­gungs­ein­stell­bar, der Knie­raum ist deut­lich grö­ßer als im Re­ne­ga­de

Che­ro­kee

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