To­tal Ver­netzt

Das Au­to geht on­li­ne. Bei Bosch be­deu­tet dies nicht, wäh­rend der Fahrt zu sur­fen. Da­hin­ter steckt der Da­ten­aus­tausch mit dem „Con­nec­ted Ho­ri­zon“– In­for­ma­tio­nen für si­che­res Rei­sen

AUTO ZEITUNG - - CONNECTIVITY · VERNETZTE MOBILITÄT - Hol­ger Ip­pen

Das Au­to wird zum ak­ti­ven Teil des In­ter­nets“, pro­pa­giert Bosch- Ge­schäfts­füh­rer Dr. Dirk Hoh­ei­sel. Da­zu sen­det es Da­ten ins World Wi­de Web und saugt hoch­ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen aus der Da­ten­wol­ke (kurz: Cloud) – und das al­les, um die künf­ti­ge Mo­bi­li­tät si­che­rer, ef­fi­zi­en­ter und kom­for­ta­bler zu ma­chen. Das Span­nen­de: Hier­bei geht es nicht nur um ei­ne Tech­nik oder Funk­ti­on, son­dern um ei­ne kaum über­schau­ba­re An­zahl von un­ter­schied­lichs­ten Ein­satz­mög­lich­kei­ten. Hoh­ei­sel: „Die Ver­net­zung re­vo­lu­tio­niert das Au­to­fah­ren.“Kein Wun­der, dass sich hier gera­de ein so breit auf­ge­stell­ter Au­to­zu­lie­fe­rer wie Bosch en­ga­giert. „Wir wol­len als Tech­no­lo­gie-Un­ter­neh­men am In­ter­net der Din­ge mit­ar­bei­ten“, er­klärt Hoh­ei­sel. Ne­ben der Ent­wick­lung von neu­en Tech­ni­ken stel­len die Stutt­gar­ter Sensoren, IT-Soft­ware und ei­ne Viel­zahl von Ser­vices für die künf­ti­ge Mo­bi­li­tät be­reit. Ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung ist die Kom­bi­na­ti­on der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Cloud und ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen Ver­net­zungs­hard­ware im Au­to. Ge­nau hier­für bie­tet Bosch ei­ne so­ge­nann­te Con­nec­tivi­ty-Con­trol-Unit (CCU) an. Die­se Black-Box in der Grö­ße ei­nes Stücks But- ter „spricht“per in­te­grier­tem Mo­bil­funk­mo­dul in­klu­si­ve SIM-Kar­te mit dem Web. Das eben­falls ein­ge­lö­te­te GPS-Mo­dul kennt den ei­ge­nen Stand­ort, was durch­aus wich­tig ist, um Da­ten­müll im Au­to zu ver­mei­den und nur die ak­tu­el­len, orts­re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zu nut­zen. Die­sel­be CCU über­nimmt auch die An­bin­dung an das Bord­netz im Au­to. Auf­wän­di­ge Si­cher­heits­schleu­sen sol­len zu­dem vor Ha­cker-An­grif­fen schüt­zen.

Fah­ren mit Weit­blick – viel wei­ter als das Au­ge sieht

Ein ers­tes wich­ti­ges Ein­satz-Sze­na­rio ist das vor­aus­schau­en­de Fah­ren. „Im ver­netz­ten Fahr­zeug sieht der Fah­rer auch über die nächs­te Kup­pe und um die nächs­te Kur­ve“, so Hoh­ei­sel. Mit die­sem so­ge­nann­ten „Con­nec­ted Ho­ri­zon“be­kommt das Fahr­zeug Echt­zeit-In­for­ma­tio­nen zu Staus auf der Stre­cke, Glatt­eis-War­nun­gen und Be­le­gungs- so­wie In­fra­struk­tur­da­ten von Park­häu­sern. Für Nut­zer von Elek­tro­fahr­zeu­gen sind auch In­for­ma­tio­nen zu und FernRe­ser­vie­run­gen für La­de­säu­len in­ter­es­sant. Als wei­te­rer wich­ti­ger Ein­satz gilt die Stei­ge­rung der Ef­fi­zi­enz der Fahr­zeu­ge. So lässt sich an­hand von Stau-, Wet­ter- und Stre­cken­da­ten ein rou­ten­op­ti­mier­tes La­de­ma­nage­ment

spe­zi­ell für Plug-in-Hy­brid- so­wie Elek­tro­fahr­zeu­ge rea­li­sie­ren. Und bei Au­tos mit Die­sel­mo­to­ren kann die vor­aus­schau­en­de Tech­nik kurz vor der Au­to­bahn­aus­fahrt den Par­ti­kel­fil­ter re­ge­ne­rie­ren. Das ver­rin­gert die Emis­sio­nen in dicht be­sie­del­ten Wohn­ge­bie­ten oder bei Stop-and-go-Ver­kehr. Ein ty­pi­sches Bei­spiel für die in­no­va­ti­ve Tech­nik, die un­se­re Si­cher­heit er­höht, ist der Falsch­fahr­war­ner von Bosch, der Au­to­fah­rer über die Cloud in­ner­halb von zehn Se­kun­den warnt, wenn ihm ein Geis­ter­fah­rer ent­ge­gen­kommt. Die­ser „ver­netz­te Le­bens­ret­ter“soll schon 2016 in Se­rie ge­hen. Gut ver­netz­te Au­tos wer­den zu­dem zu­ver­läs­si­ger sein. So kann ei­ne vor­aus­schau­en­de Dia­gno­se, die so­ge­nann­te „prä­ven­ti­ve Dia­gnos­tik“, Aus­fäl­le und Un­ter­wegs-Pan­nen ver­mei­den hel­fen: Rech­ner er­mit­teln über die Web-Fern­ab­fra­ge Fahr­zeug­pa­ra­me­ter und er­ken­nen die ver­blei­ben­de Le­bens­dau­er von Aus­fall­tei­len. So wird Cloud­ba­siert recht­zei­tig das Er­satz­teil be­schafft und die Werk­stattre­pa­ra­tur ge­ma­nagt.

Die Con­nec­tivi­ty-Con­trol-Unit (CCU) er­mög­licht die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Cloud und Bau­grup­pen im Au­to für As­sis­tenz, Dia­gno­se und Kom­fort

Cloud-ba­sier­te In­for­ma­tio­nen zum Stre­cken­pro­fil er­mög­li­chen ei­ne viel ge­naue­re Aus­sa­ge über die Reich­wei­te von Elek­tro­au­tos

Das Ta­blet mit Rönt­gen­blick er­leich­tert künf­tig die Werk­statt-Dia­gno­se

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