bu­si­ness unusu­al

au­di s7 sport­back

AUTO ZEITUNG - - BMW 330I · TEST - [ TEXT Ger­rit Rei­chel FO­TOS Team AU­TO ZEI­TUNG ]

Sie ge­hö­ren zu den Exo­ten mit vier Rin­gen im Küh­ler­grill. Sie sind ech­te Hin­gu­cker, aber auf un­se­ren Stra­ßen nur sel­ten an­zu­tref­fen: die no­blen Au­di-Mo­del­le A7, S7 und RS 7. Wäh­rend auf die Bau­rei­hen A3 und A4 je­weils mehr als 20 Pro­zent al­ler Neu­zu­las­sun­gen der Pre­mium­mar­ke aus In­gol­stadt ent­fal­len, liegt der An­teil der sport­li­chen Ober­klas­se-Li­mou­si­nen mit dem ele­gan­ten Fließ­heck seit De­zem­ber 2013 bei un­ter zwei Pro­zent. Dies geht aus der Sta­tis­tik des Kraft­fahrt­bun­des­amts her­vor. Nur der Su­per­sport- wa­gen R8 ist noch sel­te­ner. Doch wen wun­dert’s, schließ­lich re­den wir über Au­tos der ge­ho­be­nen Klas­se mit über­durch­schnitt­li­chen Fahr­leis­tun­gen und mo­derns­ter Tech­no­lo­gi­en, die aber auch in an­de­ren Bau­rei­hen wie zum Bei­spiel im A6 zum Ein­satz kom­men. Der ed­le S7 je­doch hat ei­nen Ge­gen­wert, der das Jah­res­ge­halt ei­nes Durch­schnitts­ver­die­ners weit über­steigt.

Die gu­te Se­ri­en­aus­stat­tung um Ex­tras für Si­cher­heit und Kom­fort er­gänzt

Das trifft be­son­ders auf un­ser Dau­er­test­fahr­zeug zu, als die­ses in der Son­der­la­ckie­rung Schwar­zSchwarz-Sil­ber mit gera­de ein­mal 2344 Ki­lo­me­tern und ver­hei­ßungs­vol­lem Aus­puff­g­rum­meln auf den Re­dak­ti­ons­park­platz rollt. 80.850 Euro in­klu­si­ve Um­satz­steu­er be­trägt zu die­sem Zeit­punkt der

Grund­preis für den Au­di S7 Sport­back mit dem 420 PS star­ken 4.0 TFSI-V8-Mo­tor in­klu­si­ve quat­tro-An­trieb. Da­bei bleibt es frei­lich nur im sel­tens­ten Fall, denn das An­ge­bot an Son­der­aus­stat­tun­gen ist in die­sem Seg­ment tra­di­tio­nell be­son­ders lang und ver­lo­ckend. Was nicht hei­ßen soll, dass der S7 ab Werk ma­ger aus­ge­stat­tet wä­re: An­nehm­lich­kei­ten wie be­heiz­ba­re Vor­der­sit­ze und ei­ne Blue­tooth-Frei­sprech­ein­rich­tung sind se­ri­en­mä­ßig an Bord. Auch ein Auf­merk­sam­keits­as­sis­tent, Bi- Xe­n­on­schein­wer­fer und ei­ne ad­ap­ti­ve Dämp­f­er­re­ge­lung ge­hö­ren be­reits zur Stan­dard­aus­stat­tung. Doch für den Ein­satz als schnel­le Bu­si­ness-Li­mou­si­ne, die im All­tag be­vor­zugt auf Langstre­cken ein­ge­setzt wer­den soll, hat die Re­dak­ti­on ei­ni­ge Ex­tras ge­or­dert. So hat un­ser S7 statt der Xe­non-Tech­nik mo­der­ne LEDSchein­wer­fer (1800 Euro) an Bord, ein Fea­tu­re, das Au­di im ak­tu­el­len S7 in­zwi­schen oh­ne Auf­preis ver­baut. Wei­te­re Op­tio­nen: ein ak­ti­ves Sport­dif­fe­ren­zi­al an der Hin­ter­ach­se (1051 Euro), ein He­ad-up-Dis­play (1380 Euro) und ei­ne Dy­na­mik­len­kung (1156 Euro) so­wie das MMI Na­vi­ga­ti­on plus für 2420 Euro mit ka­me­ra­ba­sier­ter Tem­po­li­mit­an­zei­ge (151 Euro). Für Un­ter­hal­tung auf höchs­tem Klang­ni­veau soll das Ad­van­ced Sound Sys­tem von Bang & Oluf­sen sor­gen, des­sen Hoch­tö­ner bei je­dem Mo­tor­start ein­drucks­voll aus dem Ar­ma­tu­ren­brett her­aus­fah­ren. Kos­ten­punkt: 6000 Euro. In Kom­bi­na­ti­on mit wei­te­ren Ex­tras, die das Fah­ren noch si­che­rer und an­ge­neh­mer ge­stal­ten, schraubt sich der End­preis des Dau­er­test-Au­di schließ­lich auf ex­akt 114.184,99 Euro. Um es vor­weg­zu­neh­men: Für die ho­hen An­schaf­fungs­kos­ten ent­schä­digt der 420 PS star­ke S7 auf den fol­gen­den 100.000 Ki­lo­me­tern mit be­ein­dru­cken­der Fahr­dy­na­mik, na­he­zu ta­del­lo­ser Lang­zeit­qua­li­tät und ei­nem Kom­fort, der selbst an­spruchs­vol­le Kol­le­gen be­geis­tert. Chef­re­dak­teur Vol­ker Ko­erdt, selbst viel mit dem sport­li­chen Bay­ern un­ter­wegs, lobt den Au­di als „schnel­le, kom­for­ta­ble Rei­se­li­mou­si­ne“und at­tes­tiert „gu­te Be­dien­bar­keit und ge­die­ge­ne Ver­ar­bei­tung“. Auch Art Di­rec­tor Andre­as Schulz spricht von ei­nem „sehr kom­for­ta­blen, fast per­fek­ten Rei­se­au­to“. Vor al­lem der 4,0-Li­ter-Bi­tur­bo ent­puppt sich auf je­der Fahrt als Qu­ell der Freu­de. Wer das Gas­pe­dal voll durch­tritt, er­lebt, wie die Ma­schi­ne das knapp zwei Ton­nen schwe­re Ge­fährt un­ter fünf Se­kun­den schein­bar mü­he­los auf Tem­po hun­dert wuch­tet. Lässt man das Gas ste­hen, rennt der S7 mun­ter wei­ter, als wür­de der Luft­wi­der­stand nicht ex­po­nen­zi­ell zu­neh­men. Ei­ni­ge Kol­le­gen er­rei­chen laut di­gi­ta­lem Ta­cho ei­ne Höchst­ge­schwin­dig­keit von 280 km/ h – im Fahr­zeug­schein sind 250 km/ h ein­ge­tra­gen.

Die Ge­räusch­ent­wick­lung im In­ne­ren bleibt stets auf sehr nied­ri­gem

Ni­veau

Re­spekt. Zur ein­drucks­vol­len Längs­dy­na­mik passt die sport­lich di­rek­te Len­kung. „Sie re­agiert im Dy­na­mic-Mo­dus ag­gres­siv auf je­den Dreh am Vo­lant und har­mo­niert ex­zel­lent mit dem op­tio­na­len Sport­dif­fe­ren­zi­al“, so Tes­ter Paul Eng­lert. Da­durch legt der S7 auch in en­gen Kur­ven ei­ne für die Klas­se er­staun­li­che Agi­li­tät an den Tag. Die Ge­räusch­ent­wick­lung im In­ne­ren bleibt da­bei stets auf nied­ri­gem Ni­veau, der Dämm­ver­gla­sung für 1190 Euro sei Dank. We­ni­ger be­geis­tern kann da­ge­gen der Gera­de­aus­lauf, zu­min­dest mit den an­fangs mon­tier­ten Dun­lop Sport-Win­ter­rei­fen. „Bei ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten sind im­mer leich­te Kor­rek­tu­ren er­for­der­lich“, pro­to­kol­liert Chef­re­dak­teur Vol­ker Ko­erdt. Bes­se­rung stellt sich ein, als im April 2014 erst­mals die Pi­rel­li-Som­mer­rei­fen in der Grö­ße 255/40 R 19 auf­ge­zo­gen wer­den. Für ge­le­gent­li­chen Ver­druss sorgt auch das Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Zwar ver­rich­tet es wäh­rend der Fahrt mit schnel­len Schalt­vor­gän­gen oh­ne Zug­kraft­un­ter­bre­chung vor­züg­lich sei­nen Di­enst. „Doch beim An­fah­ren kup­pelt das Sys­tem sehr un­sanft ein, was stets zu ei­nem ruck­ar­ti­gen Satz nach vorn führt“, liest man im Fahr­ten­buch. Mit zu­neh­men­der Lauf­leis­tung häu­fen sich zu­dem die kri­ti­schen An­mer­kun­gen be­züg­lich des ho­hen Ver­brauchs. Bei schar­fer Fahr­wei­se im Dy­na­mic-Mo­dus ist der 75-Li­ter-Tank bin­nen drei St­un­den leer­ge­fah­ren, der Bord­com­pu­ter zeigt dann Ver­brauchs­wer­te von 15 Li­ter und mehr an. Das ist selbst in An­be­tracht der ge­bo­te­nen Fahr­leis­tun­gen viel. Na­tür­lich geht es auch spar­sa­mer, vor al­lem, wenn der S7 im Kom­fortoder gar Ef­fi­zi­enz-Mo­dus fährt und mög­lichst oft die Zy­lin­der­ab­schal­tung zum Ein­satz kommt. „Aber dann ist das An­sprech­ver­hal­ten des Mo­tors viel zu trä­ge“, kri­ti­siert Chef­re­dak­teur Vol­ker Ko­erdt. Aus heu­ti­ger Sicht wä­re wohl der Drei­li­ter-Die­sel­mo­tor mit 326 PS ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve: Mit 650 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment wür­de er un­se­ren Dau­er­tes­tS7 über­tref­fen (550 Nm), bei ver­gleich­ba­ren Fahr­leis­tun­gen und we­ni­ger Ver­brauch. Doch 2013 war die­ses Trieb­werk noch nicht auf dem Markt (sie­he Kas­ten „Mo­dell­his­to­rie“). Nun zum The­ma Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung. Be­reits zu Be­ginn der Dau­er­test-Dis­tanz ge­ben ver­schie­de­ne Fah­rer zu Pro­to­koll, dass sie das Ver­trau­en in das ka­me­ra­ba­sier­te Sys­tem ver­lo­ren ha­ben: „Häu­fig blei­ben die An­zei­gen in Cock­pit und He­ad-up Dis­play bei­spiels­wei­se noch bei ei­nem Tem­po­li­mit ste­hen, ob­wohl sich die Be­schil­de­rung wie­der ge­än­dert hat.“Dann trifft die Wind­schutz­schei­be im April 2014 ein St­ein­schlag. Bei Ki­lo­me­ter 24.904 wird die Schei­be ge­wech­selt, wo­für die Ver­trags­werk­statt Kos­ten in Hö­he von 1608,02 Euro be­rech­net. In die Ge­samt­be­rech­nung fließt die­ser Be­trag nicht ein. Vor al­lem aber: Im Rah­men des Schei­ben­tauschs wer­den auch die für die Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung re­le­van­ten Sys­te­me voll­stän­dig neu ka­li­briert. Doch selbst da­nach kön­nen die Er­geb­nis­se wäh­rend der Fahrt nicht zu­frie­den­stel­len. Au­di be­dau­ert die be-

män­gel­ten Fehl­funk­tio­nen und er­klärt auf An­fra­ge: „Ge­än­der­te Stra­ßen­ty­pen, wach­sen­de Orts­gren­zen, neue Stra­ßen oder Orts­um­ge­hun­gen – all die­se sich per­ma­nent ver­än­dern­den In­for­ma­tio­nen sind heu­te noch für ei­nen Groß­teil von mög­li­chen An­zei­ge­feh­lern ver­ant­wort­lich.“Die Funk­ti­on der Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung wer­de aber, wie al­le an­de­ren As­sis­tenz­sys­te­me auch, per­ma­nent wei­ter­ent­wi­ckelt. So sol­len kom­men­de Ge­ne­ra­tio­nen bes­ser mit Ge­gen­licht, schlech­ter Sicht durch Ne­bel oder Gischt, ver­schmutz­ten Schil­dern und ge­puls­ten Licht­zei­chen zu­recht­kom­men. In­zwi­schen ha­ben auch wir mit an­de­ren Au­di-Fahr­zeu­gen we­sent­lich bes­se­re Er­fah­run­gen ge­macht als mit dem Dau­er­test-Fahr­zeug. Ins­ge­samt hin­ter­lässt der S7 aber ganz über­wie­gend zuf­rie­de­ne bis be­geis­ter­te Fah­rer. „Zwei­mal 400 km an ei­nem Tag und abends ent­spannt wie­der aus­ge­stie­gen“, kom­men­tiert bei­spiels­wei­se Ver­lags­lei­ter Ro­man Trunz. Au­dio­phi­le Kol­le­gen wie Tech­nik-Re­dak­teur Hol­ger Ip­pen er­freu­en sich am „Kon­zert­saal“, in den das So­und­sys­tem den Au­di ver­wan­delt. Und die Fa­mi­li­en­vä­ter im Kol­le­gen­kreis be- schei­ni­gen dem La­de­ab­teil des S7 un­ge­ahn­ten Nutz­wert. Zwar ist der Kof­fer­raum sehr nied­rig und in der Tie­fe eher um­ständ­lich zu be­la­den. Da­für schluckt das Heck­ab­teil viel: Clas­sic Cars-Pro­jekt­lei­ter Ger­rit Rei­chel et­wa bun­kert nach ei­nem gro­ßen Wo­che­n­en­dein­kauf meh­re­re Ge­trän­ke­kis­ten und ei­nen üp­pi­gen Vor­rat an Le­bens­mit­teln un­ter der elek­trisch öff­nen­den Heck­klap­pe. Scha­de, dass nie mehr als vier Per­so­nen im Au­di mit­fah­ren kön­nen – hin­ten hat der S7 nur Ein­zel­sit­ze. Bleibt am En­de die Fra­ge nach dem Wie­der­ver­kaufs­wert. Mit dem durch die Deut­sche Au­to­mo­bil Treu­hand Gm­bH (DAT) er­mit­tel­ten Händ­ler­ein­kaufs­wert von 46.022 Euro fährt der üp­pig aus­ge­stat­te­te S7 nach 100.000 Ki­lo­me­tern in knapp zwei Jah­ren ei­nen Wert­ver­lust von 68.163 Euro ein. Das schmerzt den Neu­wa­gen­käu­fer zwar, doch auf der an­de­ren Sei­te macht der Au­di auch mit die­ser Lauf­leis­tung ei­ne gu­te Fi­gur. Si­cher, Fahr­werk und Sit­ze füh­len sich nicht mehr ganz so straff an wie am ers­ten Tag. Aber die ab­schlie­ßen­de Mes­sung er­gibt, dass die Li­mou­si­ne un­ver­än­dert gut im Fut­ter steht. Von null auf 100 km/ h ver­ge­hen nach wie vor 4,5 Se­kun­den. Auch an der ge­die­ge­nen Ver­ar­bei­tung der hoch­wer­ti­gen Ma­te­ria­li­en im In­nen­raum gibt es nichts zu me­ckern, al­le Ober­flä­chen und auch der Lack se­hen noch gut aus. Und die Werk­statt sah der S7 – ab­ge­se­hen von der Wind­schutz­schei­ben-Re­pa­ra­tur – nur für In­spek­tio­nen und Öl­wech­sel.

Nach 100.000

Ki­lo­me­tern be­schleu­nigt der

Au­di S7 ge­nau so flott wie am

ers­ten Tag

Über­nah­me Wech­sel auf Som­mer­rei­fen (Pi­rel­li P Ze­ro)

29,75 Euro

Werk­statt: Öl­wech­sel, Prü­fung der Brems­be­lä­ge,

381,95 Euro Wech­sel der Wind­schutz­schei­be nach St­ein­schlag, 1608,02 Euro

In­spek­ti­on, Stau­bund Pol­len­fil­ter er­setzt,

254,54 Euro

In­spek­ti­on mit Wech­sel der Brems­be­lä­ge vorn/hin­ten, Öl­wech­sel, 1384,96 Euro

Wech­sel auf Win­ter­rei­fen (Dun­lop SP Win­ter Sport),

29,75 Euro

In­spek­ti­on, Stau­bund Pol­len­fil­ter er­setzt, Wech­sel Ge­trie­be­öl,

1104,00 Euro Öl­wech­sel, 414,92 Euro Wech­sel auf neue Som­mer­rei­fen,

29,75 Euro In­spek­ti­on mit Wech­sel der Brems­schei­ben und -be­lä­ge rund­um, Staub- und Pol­len­fil­ter er­setzt, Öl­wech­sel

3133,00 Euro

Tes­ten­de

Da staunt das Rind: Die S-Va­ri­an­te des Au­di A7 ist ein sel­te­ner An­blick Wäh­rend der 100.000 Ki­lo­me­ter im Di­enst der Re­dak­ti­on er­weist sich der Au­di stets als zu­ver­läs­si­ger Be­glei­ter

mo­der­nes de­sign vor his­to­ri­scher ku­lis­se

Zu Be­such in Ham­burg: Die Sport­li­mou­si­ne vor dem Mar­coPo­lo-To­wer in der Ha­fenci­ty

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