Spa­ren mit Stil

Knappe Ver­bräu­che und bes­ter Kom­fort: Lu­xus­li­mou­si­nen mit Die­sel­mo­tor sind die ele­gan­tes­te Form des Spa­rens. Im Test misst sich der neue BMW 730d mit dem Mer­ce­des S 350 d

AUTO ZEITUNG - - VERGLEICHSTEST · LUXUSLIMOUSINEN - [ TEXT Micha­el God­de FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Die deut­sche Lu­xus­klas­se ist Die­sel- Ge­biet. Ins­be­son­de­re BMW 7er-Kun­den ent­schei­den sich hier­zu­lan­de zu über 70 Pro­zent für die Lu­xus­li­mou­si­ne mit Selbst­zün­der un­ter der Hau­be, wäh­rend sich nur 47 Pro­zent der Mer­ce­des S-Klas­seK­li­en­tel für den Die­sel be­geis­tern. Un­ser Test klärt, ob der neue, 265 PS star­ke 730d mit sei­nem Rei­hen­sechs­zy­lin­der-Tur­bo­die­sel auch im di­rek­ten Ver­gleich mit dem S 350 d die Na­se vorn hat.

Ka­ros­se­rie

Ein fürst­li­ches Rau­m­an­ge­bot ist in der Lu­xus­klas­se obers­tes Ge­bot – bei­de Li­mou­si­nen er­fül­len die­sen An­spruch stan­des­ge­mäß. Im Fond fin­den die Pas­sa­gie­re der S-Klas­se al­ler­dings et­was mehr Raum vor, um es sich be­quem zu ma­chen. Aber beim BMW des­halb von En­ge zu spre­chen, wä­re falsch. Auch der 7er bie­tet hin­ten mehr als ge­nü­gend Platz. Der Stutt­gar­ter ist je­doch ei­nen Hauch luf­ti­ger ge­schnit­ten und darf ganz ne­ben­bei auch rund 80 Ki­lo­gramm mehr Zu­la­dung schul­tern. Im Ge­gen­zug ge­lingt dem 730d die Ver­bin­dung von Mensch und Ma­schi­ne bes­ser: Zum ei­nen sor­gen die per­fek­ten Ein­stell­mög­lich­kei­ten von Sitz und Lenk­rad für ei­ne op­ti­ma­le Kon­trol­le des Fahr­zeugs. Zum an­de­ren ver­fügt der BMW der­zeit über das bes­te Be­dien­sys­tem: Die Kom­bi­na­ti­on aus Touch­screen, Dreh-Drück­Stel­ler und Ges­ten­steue­rung kommt al­len Vorlie­ben ent­ge­gen, und die hin­ter­leg­ten Me­nü­struk­tu­ren sind auch oh­ne vor­he­ri­ges Stu­di­um der Be­triebs­an­lei­tung für Neu­lin­ge in­tui­tiv nach­voll­zieh­bar. Im Mer­ce­des ver­äs­teln sich ein­zel­ne Pfa­de deut­lich kom­ple­xer, zu­dem ver­tei­len sich die Funk­tio­nen auf das zen­tral von der Mit­tel­kon­so­le aus steu­er­ba­re Co­man­dOn­li­ne-Sys­tem so­wie auf die über Lenk­rad­t­as­ten auf­ruf­ba­ren Op­tio­nen im In­fo­dis­play. Aus dem Vol­len schöp­fen bei­de bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung. Na­he-

zu al­le der­zeit an­ge­bo­te­nen Funk­tio­nen sind für bei­de Lu­xus­li­mou­si­nen se­ri­en­mä­ßig oder ge­gen Auf­preis ver­füg­bar. Das ex­trem weit und hell leuch­ten­de La­ser­Fern­licht (1200 Eu­ro) gibt es al­ler­dings nur für den neu­en 7er. Der BMW zeigt zu­dem das Quänt­chen mehr Lie­be zum De­tail bei Ver­ar­bei­tung und Qua­li­tät und si­chert sich da­mit – wenn auch nur knapp – das ers­te Ka­pi­tel.

Fahr­kom­fort

Bes­ter Fahr­kom­fort be­ginnt bei den Sit­zen. So­wohl die S-Klas­se als auch der 7er sind mit op­tio­na­len Kom­fort­sit­zen aus­ge­rüs­tet. Die des BMW bie­ten ei­ne Mas­sa­ge­funk­ti­on, ei­ne ge­lun­ge­ne Kon­tur, zahl­rei­che Ein­stell­mög­lich­kei­ten und ei­ne wohl­tu­en­de Kli­ma­ti­sie­rung. Ad­ap­ti­ve Sei­ten­pols­ter und ei­ne va­ri­ier­ba­re Wär­me-Ver­tei­lung der Sitz­hei­zung gibt es al­ler­dings nur in der S-Klas­se. Im Fond wie­der­um sorgt die bes­ser kon­tu­rier­te Rü­cken­leh­ne des BMW bei den Pas­sa­gie­ren für mehr Wohl­be­fin­den. Dank gu­ter Ge­räusch­däm­mung glei­ten bei­de Kon­tra­hen­ten an­ge­nehm lei­se auch mit ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten über den As­phalt. Der BMW ist wie der Mer­ce­des ab Werk mit ei­ner Luft­fe­de­rung und ad­ap­ti­ven Dämp­fern aus­ge­stat­tet. Erst sehr schlech­te Stra­ßen­ober­flä­chen mit har­ten Kan­ten und tie­fen Fu­gen ver­deut­li­chen das bes­se­re An­sprech­ver­hal­ten des Bay­ern im Ver­gleich zum hier und da stö­ßig agie­ren­den Schwa­ben.

Mo­tor / Ge­trie­be

Dass sich über 70 Pro­zent der 7erKun­den für den Drei­li­ter-Die­sel ent­schei­den, hat sei­nen gu­ten Grund: Der Selbst­zün­der ver­bin­det gu­te Lauf­kul­tur mit fül­li­ger Leis­tungs­cha­rak­te­ris­tik und güns­ti­gem Ver­brauch. Dem 730d ge­nü­gen 5,9 Se­kun­den, um aus dem Stand auf Tem­po 100 zu sprin­ten. Der nur sie­ben PS schwä­che­re S 350 d hängt hier schon fast ei­ne Se­kun­de hin­ter­her. Bis 200 km/ h ad­diert sich der Vor­sprung des BMW auf 2,5 Se­kun­den. Beim 7er passt al­les zu­sam­men: Die samt­weich und schnell schal­ten­de Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik von ZF fin­det im­mer die pas­sen­de Über­set­zung und ist per­fekt auf die Kraft­ent­fal­tung des bul­li­gen und dreh­wil­li­gen Sechs­zy­lin­ders ab­ge­stimmt. Der An­triebs­ein­heit der S-Klas­se agiert spür­bar trä­ger. Ins­be­son­de­re spon­ta­ne Gas­be­feh­le wer­den erst ver­zö­gert in Vor­trieb um­ge­setzt. Dass der Mer­ce­des nicht so leicht­fü­ßig in Schwung kommt und zu­dem mit 8,7 Li­tern auf 100 Ki­lo­me­tern über ei­nen Li­ter mehr ver­braucht als sein Ri­va­le, liegt nicht zu­letzt an sei­nem üp­pi­gen Leer­ge­wicht: Der 730d wiegt dank Ver­bund­bau­wei­se aus Alu­mi­ni­um, hoch­fes­ten Stäh­len und Kar­bon 120 Ki­lo­gramm we­ni­ger als der S 350 d.

Fahr­dy­na­mik

Das ge­rin­ge Ge­wicht hat nicht nur po­si­ti­ven Ein­fluss auf die Fahr- leis­tun­gen und den Kom­fort, son­dern auch auf das Hand­ling der bay­ri­schen Li­mou­si­ne, die sich aus­ge­spro­chen prä­zi­se über kur­vi­ge Pis­ten di­ri­gie­ren lässt. Da­bei über­mit­telt ih­re All­rad-Ak­tiv­len­kung stets ein glas­kla­res Feed­back von der Vor­der­ach­se und setzt die Wün­sche des Fah­rers oh­ne Ver­zö­ge­rung in Rich­tungs­wech­sel um. Die gu­te Trak­ti­on, der brei­te Grenz­be­reich und das fein re­geln­de Sta­bi­li­täts­sys­tem run­den das ge­lun­ge­ne Ge­samt­bild ab. Schließ­lich krönt der BMW sei­ne gu­te Vor­stel­lung in die­sem Ka­pi­tel mit den bes­se­ren Ver­zö­ge­rungs­wer­ten aus Tem­po 100 bis zum Still­stand bei so­wohl kal­ter als auch war­mer Brems­an­la­ge. Der schwe­re Mer­ce­des gibt sich ge­ne­rell zu­rück­hal­ten­der. Mit

Ef­fi­zi­enz be­ginnt beim Ge­wicht: Der 730d wiegt 120 Ki­lo we­ni­ger als der S 350 d

über 100 kg Mehr­ge­wicht auf der Vor­der­ach­se schiebt er zu­dem stär­ker über die Vor­der­rä­der zum Kur­ven­au­ßen­rand, was ein stär­kers Ein­grei­fen der elek­tro­ni­schen Re­gel­sys­te­me zur Fol­ge hat.

Um­welt / Kos­ten

Dass Qua­li­tät ih­ren Preis hat, wird beim neu­en 7er deut­lich. Dass aber be­reits sein Grund­preis 147 Eu­ro über dem der S-Klas­se liegt, ist neu. Zu­züg­lich al­ler test­re­le­van­ten Op­tio­nen er­höht sich die Dif­fe­renz auf üp­pi­ge 4660 Eu­ro. Zu­dem bie­tet BMW nicht die Ga­ran­tie­be­din­gun­gen an wie Mer­ce­des für die S-Klas­se – im­mer­hin ist die War­tung für den 7er in den ers­ten fünf Jah­ren kos­ten­frei. Da aber auch die Ver­si­che­rungs­ein­stu­fun­gen für den S 350 d güns­ti­ger aus­fal­len, ge­winnt er zu­min­dest das Kos­ten­ka­pi­tel.

S-Klas­se: Das bril­lan­te, gut ab­les­ba­re Dis­play do­mi­niert den groß­zü­gig ge­schnit­te­nen In­nen­raum. Erst­klas­si­ge Sit­ze

7er: aus­ge­spro­chen be­que­me Kom­fort­sit­ze für Fah­rer und Bei­fah­rer. Der Münch­ner zeigt in­nen

wie au­ßen viel Lie­be zum De­tail

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