034 De­sign

Mit Mut und Tat­kraft be­freit De­si­gn­chef Lau­rens van den Acker Re­nault von krea­ti­ven Alt­las­ten. Die fri­schen For­men von Méga­ne und Ta­lis­man sind Teil des neu­en Kon­zepts

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Jür­gen Voigt FO­TOS Aleksan­der Per­ko­vic ]

Seit 2009 ver­ant­wor­tet Lau­rens van den Acker das De­sign von Re­nault – Por­trait

De­sign steht im Ran­king der kauf­ent­schei­den­den Fak­to­ren bei Re­nault auf Platz eins. Und die da­mit ver­bun­de­ne schwer­wie­gen­de Ver­ant­wor­tung trägt Re­nault-De­si­gn­chef Lau­rens van den Acker mit be­mer­kens­wer­ter Läs­sig­keit. „Macht so viel Ver­ant­wor­tung nicht eher ner­vös oder wirkt so­gar läh­mend?“Über die Ant­wort muss der Nie­der­län­der nicht lan­ge nach­den­ken: „Ich se­he das eher als Aus­zeich­nung und Mo­ti­va­ti­on an. Es sieht wohl so aus, dass ich als He­ad of De­sign bei Re­nault in den letz­ten Jah­ren nicht al­les falsch ge­macht ha­be. Sonst wür­den wir uns heu­te nicht hier tref­fen“. Da ist was dran. Seit sei­nem Amts­an­tritt beim größ­ten fran­zö­si­schen Au­to­mo­bil­pro­du­zen­ten 2009 hat sich beim Er­schei­nungs­bild der Mar­ke und na­tür­lich ins­be­son­de­re der Mo­del­le viel ge­tan. Mit dem Clio,

dem Cap­tur, aber auch mit dem neu­en Twin­go und dem Kad­jar gab van den Acker der tra­di­ti­ons­rei­chen Mar­ke wie­der ein Ge­sicht und be­frei­te sie von ei­ner ge­wis­sen ge­stal­te­ri­schen Be­lie­big­keit, die sich über die Jah­re hin­weg ein­ge­schli­chen hat­te. Ne­ben den be­reits er­wähn­ten Se­ri­en­mo­del­len mach­te der Mann mit den bun­ten Turn­schu­hen vor al­lem durch spek­ta­ku­lä­re Con- cept­cars auf sich auf­merk­sam. Mit je­nen über­spitzt for­mu­lier­ten De­si­gn­ide­en, die uns in ab­ge­schwäch­ter Form durch­aus in Se­ri­en­mo­del­len wie­der­be­geg­nen, ver­bin­den sich je­weils ver­schie­de­ne Le­bens­pha­sen ei­nes Men­schen. Das ist die Idee, die hin­ter van den Ackers Schaf­fen steht, prak­tisch das Ge­rüst sei­nes Kon­zepts. Die Ver­bin­dung zwi­schen Mensch und De­sign ist ihm sehr wich­tig. „Clio, Cap­tur und Twin­go, das ist Ver­füh­rung, Lie­be auf den ers­ten Blick, al­so rei­nes Bauch­ge­fühl und pu­re Emo­ti­on“, so grenzt er die klei­ne­ren Bau­rei­hen von sei­nen jüngs­ten Se­ri­en­fahr­zeu­gen ab, die er heu­te zu un­se­rem Tref­fen mit­ge­bracht hat. „Méga­ne und Ta­lis-

man ste­hen da­ge­gen für das Ra­tio­na­le. Der Méga­ne ver­kör­pert für den ziel­stre­bi­gen Auf­stei­ger ei­ne Sta­ti­on auf dem Weg nach oben. Die­sen An­spruch muss das Au­to mit ei­ner ge­wis­sen Se­rio­si­tät si­gna­li­sie­ren und sich und sei­nem Be­sit­zer Re­spekt ver­schaf­fen“. Das gilt auch für den grö­ße­ren Ta­lis­man, wo­bei der De­si­gn­chef ge­nau weiß, dass ein wirt­schaft­li­cher Er­folg in die­ser von den deut­schen Her­stel­lern do­mi­nier­ten Klas­se für die Fran­zo­sen wie auch für al­le an­de­ren Im­por­teu­re mitt­ler­wei­le sehr schwer ist. Auch aus wirt­schaft­li­cher Sicht kommt den kom­pak­ten Mo­del­len so­mit ei­ne zen­tra­le Rol­le in­ner­halb der Re­nault-Pa­let­te zu. Ei­ne Rol­le, die vie­le Ei­gen­schaf­ten um­fasst. „Der Méga­ne ist der Kö­nig der Viel­sei­tig­keit. Er ist be­geh­rens­wert, kraft­voll, aber auch ver­nünf­tig, öko­lo­gisch und preis­wert. Da­mit bil­det er im Grun­de so et­was wie den Kern der Mar­ke“, er­läu­tert der De­si­gn­chef. Da Viel­fäl­tig­keit als Wert ei­ner Mar­ke zwar sehr sinn­voll, aber we­nig se­xy ist, braucht je­der Re­nault um­so mehr ei­ne mar­kan­te, at­trak­ti­ve Iden­ti­tät. Von au­ßen trägt da­zu si­cher­lich die im­mer wie­der­zu­er­ken­nen­de ge­schwun­ge­ne Form des Küh­ler­grills bei, aus des­sen Mit­te der Re­nault-Rhom­bus in selbst­be­wusst ge­wähl­ter Grö­ße bis in die ei­gens da­für ge­schaf­fe­ne Aus­spa­rung in der Mo­tor­hau­be ragt. Zwei­tes wich­ti­ges Ele­ment ist ei­ne ein­präg­sa­me Leuch­ten­gra­fik – so­wohl vorn als auch am Heck (sie­he rechts). Doch nicht nur von au­ßen soll­te ein Re­nault ein Re­nault sein. Das Be­mü­hen um ei­ne ei­ge­ne Iden­ti­tät setzt sich auch im In­te­ri­eur fort. Hier hat das De­sign – und da­mit der De­si­gner – die Auf­ga­be, die Funk­ti­on zu un­ter­stüt­zen. Dem Team um Lau­rens van den Acker ist es ge­lun­gen, ei­ne mo­dell­über­grei­fen­de Cock­pit­struk­tur mit star­kem Wie­der­er­ken­nungs­ef­fekt zu schaf­fen. Da­zu zäh­len zum Bei­spiel die als TFTDis­plays aus­ge­führ­ten, far­bi­gen In­stru­men­te und der Mul­ti­funkt io n s - Touch­screen im Hoch­for­mat, der an ein iPad er­in­nert. Ganz be­son­ders stellt van den Acker das Mul­ti-Sen­seSys­tem zur In­di­vi­dua­li­sie­rung des Fahr­zeugs (neu­tral, sport, eco, comfort) her­aus: „Die in­tui­tiv be­greif­ba­re Be­die­nung von Mul­ti Sen­se wird durch ein klar struk­tu­rier­tes De­sign un­ter­stützt“. Ähn­lich ge­glie­der­te In­te­ri­eur-De­signs wer­den sich auch in wei­te­ren Mo­del­len durch­set­zen, wie zum Bei­spiel im Scé­nic, der die­ses Jahr eben­falls kom­plett neu kommt. Mit der im­mer wei­ter fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung au- to­no­mer Fahr- und Kon­nek­ti­vi­täts­funk­tio­nen bahnt sich je­doch ein dra­ma­ti­scher Wan­del im In­nen­raum-De­sign an. „Wir wol­len zwar kein Goog­le-Au­to bau­en, aber in et­wa fünf Jah­ren wer­den un­se­re In­te­ri­eurs kom­plett an­ders aus­se­hen, weil das Au­to dann vie­les selb­stän­dig er­le­digt und dem Men­schen da­mit Zeit schenkt, die er an­ders nut­zen kann“, so van den Acker. Na­tür­lich ha­ben er und sein Team da­zu schon kon­kre­te Vor­stel­lun­gen, die wir si­cher­lich dem­nächst in dem ei­nen oder an­de­ren Con­cept­car zu se­hen be­kom­men wer­den. Bei der Um­set­zung sei­ner Ide­en hat der sym­pa­thi­sche Nie­der­län­der üb­ri­gens weit­ge­hend freie Hand – und dies von Be­ginn an. „Das Re­nault-De­sign von da­mals im Grun­de kom­plett zu er­neu­ern, war na­tür­lich ein gro­ßes Ri­si­ko. Aber es hat sich ge­lohnt“, so die bis­he­ri­ge Zwi­schen­bi­lanz sei­nes Schaf­fens bei Re­nault. Und da kommt ja noch ei­ni­ges zu auf den Mann mit den bun­ten Turn­schu­hen: ne­ben vie­len neu­en Re­nault und Da­cia zum Bei­spiel auch die Re­nais­sance der Mar­ke Al­pi­ne. Es bleibt span­nend.

Far­be muss sein: Die bun­ten Schu­he mit den drei Strei­fen trägt van den Acker gern als Kon­trast zum grau­en An­zug

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