Mer­ce­des E-Klas­se: Dank in­no­va­ti­ver Tech­nik soll die Ober­klas­se-Li­mou­si­ne das in­tel­li­gen­tes­te Au­to der Welt sein

Im April star­tet die zehn­te Ge­ne­ra­ti­on der Mer­ce­des E-Klas­se. Das Kern­mo­dell der Mar­ke kommt als ers­tes mit ei­nem neu­en 2,0-Li­ter-Vier­zy­lin­der-Su­per­spar­die­sel. Au­ßer­dem: Aus­blick auf T-Mo­dell und Cou­pé

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Ste­fan Mie­te

War es nicht erst kürz­lich, dass man im bes­ten Rotz­na­sen­al­ter auf der so wun­der­bar fe­dern­den Rück­bank in On­kel Wal­ters Mer­ce­des 200 D saß, der Stern ge­fühl­te zehn Me­ter weit weg ir­gend­wo da vorn am An­fang des „Strich-Acht“? Und dann erst On­kel Die­ters 300 D! Be­reits ei­ner die­ser un­ver­wüst­li­chen W123 mit dem an­ge­nehm fül­lig tö­nen­den 3,0-Li­ter- Fünf­zy­lin­der-Tur­bo­die­sel, der da­mals sa­gen­haf­te 80 Die­sel-PS mo­bi­li­sier­te. Nein, es war nicht erst kürz­lich, son­dern ir­gend­wann in den 1970ern, al­so vor ei­ner hal­ben Ewig­keit. Lei­der. Seit die­ser Zeit treibt Mer­ce­des die Evo­lu­ti­on sei­ner Ober­klas­se­bau­rei­he vor­an, die Ent­wick­lungs­vor­stand Tho­mas We­ber nicht oh­ne Stolz als „Kern der Mar­ke Mer­ce­des-Benz“be­zeich­net. Was die neu­es­te Ge­ne­ra­ti­on der E-Klas­se al­les kann, das hät­te vor rund 40 Jah­ren kein Mensch ge­glaubt. Das Bes­te ist viel­leicht, dass die Rück­bank-Rotz­na­sen der 70er die Chefs von heu­te sind und mit ei­nem ei­ge­nen Mer­ce­des lieb­äu­geln dür­fen. Ei­nem „rich­ti­gen“na­tür­lich, al­so ei­nem gro­ßen Benz.

Mehr Län­ge und Rad­stand, ty­pi­sches De­sign

Das Sta­tus­be­dürf­nis er­füllt die ab April zu­nächst als Li­mou­si­ne und ab Sep­tem­ber dann als T-Mo­dell er­hält­li­che E-Klas­se auf je­den Fall. Ge­gen­über dem im Früh­jahr 2009 ein­ge­führ­ten Vor­gän­ger hat die Li­mou­si­ne in der Län­ge um 43 auf 4923 Mil­li­me­ter zu­ge­legt. Der Rad­stand ist um 65 auf jetzt 2939 Mil­li­me­ter ge­wach­sen. Noch deut­li­cher als frü­her wur­den die Pro- por­tio­nen her­aus­ge­ar­bei­tet – die neue E-Klas­se sor­tiert sich mit ih­rer lan­gen Hau­be und dem ver­gleichs­wei­se kur­zen, aber brei­ten Heck fein säu­ber­lich zwi­schen die klei­ne­re C- und die grö­ße­re SKlas­se ein. Die for­ma­le An­nä­he­rung ist da­bei durch­aus ge­wollt. „Wir wol­len in je­dem Seg­ment den Mer­ce­des in sei­ner Klas­se of­fe­rie­ren und da­mit das Top-Lu­xus­an­ge­bot“, er­klärt De­si­gn­chef Gor­den Wa­ge­ner und macht deut­lich: „Un­se­re Li­mou­si­nen der C,- Eund S-Klas­se sind nur drei von et­wa 40 teils völ­lig un­ter­schied­li­chen im Kon­zern. Wir ha­ben uns ganz be­wusst da­für ent­schie­den, die­sen Klas­si­kern ein ho­mo­ge­nes De­sign zu ge­ben, denn al­le drei ver­kör­pern das Herz der Mar­ke.“Wie schon ihr Vor­gän­ger zeigt auch die neue E-Klas­se zwei Ge­sich­ter. Die Ba­sis­ver­si­on trägt den klas­si­schen Küh­ler samt tra­di­tio­nel­lem Hau­bens­tern. Bei der hö­her po­si­tio­nier­ten Aus­stat­tungs-

li­nie Ex­clu­si­ve wird der Grill auf­wän­di­ger ge­stal­tet. Und die Aus­stat­tungs­li­ni­en Avant­gar­de und AMG Li­ne sind am so­ge­nann­ten Sport­küh­ler samt gro­ßem Zen­trals­tern zu er­ken­nen. Den Wunsch nach In­di­vi­dua­li­si­rung er­fül­len die Mo­dell­pla­ner auch im In­nen­raum. Die Stan­dard-Ar­ma­tu­ren be­inhal­ten zwei in Chrom ein­ge­fass­te Rund­in­stru­men­te so­wie ein Dis­play in TFTTech­no­lo­gie mit ei­ner Dia­go­na­le von 17,8 Zen­ti­me­tern. Als Ex­tra gibt es zwei je­weils 31,2 Zen­ti­me­ter gro­ße Dis­plays, die sich un­ter ei­ner ge­mein­sa­men Echt­glas­schei­be be­fin­den. Die sehr ho­he Auf­lö­sung von 1920 mal 720 Pi­xel sorgt für ei­ne ge­sto­chen schar­fe Darstel­lung al­ler An­zei­gen – schö­nen Gruß aus der S-Klas­se. In­ter­es­sant: Das De­sign der An­zei­gen kann der Fah­rer aus den Stil­vor­la­gen Clas­sic, Sport und Pro­gres­si­ve selbst be­stim­men.

Neue Be­di­en­mög­lich­kei­ten

Ein ab­so­lu­tes No­vum sind be­rüh­rungs­emp­find­li­che, im Lenk­rad in­te­grier­te Flä­chen – Touch Con­trols ge­tauft –, die auf ver­ti­ka­le und ho­ri­zon­ta­le Wisch­be­we­gun­gen re­agie­ren. Al­le In­fo­tain­men­tFunk­tio­nen kön­nen mit den Brief­mar­ken-gro­ßen Flä­chen ge­steu­ert wer­den, oh­ne dass der Fah­rer ei­ne Hand vom Lenk­rad neh­men muss. So un­ter­schied­lich die Men­schen sind, so viel­fäl­tig soll­ten auch die Be­di­en­mög­lich­kei­ten sein. Die Stutt­gar­ter fol­gen die­ser Er­kennt­nis und ha­ben wei­te­re Lö­sun­gen im An­ge­bot. Da­zu ge­hö­ren die be­rüh­rungs­emp­find­li­che Flä­che (Touch­pad) auf der Mit­tel­kon­so­le so­wie die Sprach­steue­rung Lin­gua­tro­nic. Wie bei der S-Klas­se ba­siert die In­nen­raum­be­leuch­tung der EKlas­se aus­schließ­lich auf LEDTech­nik. Gleich 64 Far­ben um­fasst das Spek­trum. Zu den neu­en In­nen­raum- Ex­tras ge­hört ein Wär­me-Kom­fort­pa­ket mit be­heiz­ba­ren Arm­auf­la­gen in der Mit­tel­kon­so­le und in der Tür. Ein prak­ti­sches, aber preis­lich eben­falls noch nicht de­fi­nier­tes Ex­tra ist die um­klapp­ba­re, im Ver­hält­nis 40:20:40 ge­teil­te Rück­sitz­leh­ne, mit der sich der Kof­fer­raum ver­grö­ßern lässt. An­ga­ben zum Stau­vo­lu­men macht das Werk noch nicht. Der bis­lang er­hält­li­che Vor­gän­ger bie­tet bis zu 540 Li­ter. Zum Markt­start im April ste­hen zwei Mo­tor­va­ri­an­ten zu Ver­fü-

gung. Im E 200 ar­bei­tet der be­kann­te 184 PS star­ke Zwei­li­terVier­zy­lin­der, des­sen ma­xi­ma­les Dreh­mo­ment von 270 auf glat­te 300 New­ton­me­ter steigt. Im Mit­tel soll sich der Ben­zin-Di­rekt­ein­sprit­zer mit 5,9 Li­tern auf 100 km be­gnü­gen – im­mer­hin 0,2 Li­ter we­ni­ger als bis­her. Im E 220 d geht da­für ein kom­plett neu­er Selbst­zün­der an den Start, der Mer­ce­des- weit suk­zes­si­ve den spar­sa­men, aber je nach Mo­dell auch recht knur­rig lau­fen­den 2,1-Li­ter-Tur­bo­die­sel (OM 651) ab­lö­sen wird, der bis­lang mit 136, 170 und 204 PS im Pro­gramm steht. Die neue Su­per­zahl heißt OM 654 und soll al­les bes­ser kön­nen. Ge­gen­über dem bis­he­ri­gen OM („Oel-Mo­tor“) baut der neue Zwei­li­ter auf­grund des von 94 auf 90 Mil­li­me­ter re­du­zier­ten Zy­lin­der­ab­stands kür­zer. Die im 220 d ein­ge­setz­te 195-PS-Va­ri­an­te ver­fügt über ei­ne ein­stu­fi­ge Auf­la­dung mit va­ria­bler Tur­bi­nen-Geo­me­trie und soll im Mit­tel nur 3,9 Li­ter Die­sel pro 100 Ki­lo­me­ter ver­brau­chen (Vor­gän­ger 4,5 l /100 km), was ei­nem CO2-Aus­stoß von nur 102 g/ km ent­spricht – ein neu­er Best­wert in die­ser Klas­se und ein kla­rer Be­weis für die Zu­kunfts­fä­hig­keit des mo­der­nen Tur­bo­die­sels. Spä­ter soll ei­ne 150-PS-Va­ri­an­te fol­gen

„Mit TopIn­no­va­tio­nen in die Zu­kunft“

Tho­mas We­ber, Ent­wick­lungs­chef Mer­ce­des

(E 200 d). Bei­de an­fangs er­hält­li­chen Mo­to­ren sind se­ri­en­mä­ßig mit ei­ner Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik ver­bun­den. Der 3,0-Li­ter-V6Tur­bo­die­sel im E 350 d (258 PS) folgt Mit­te des Jah­res, der Hy­bri­dBen­zi­ner E 350 e (279 PS) und der 3,0-Li­ter-V6-Bi­tur­bo im E 400 4MA­TIC (333 PS) kom­men im Herbst. Nach Art des Hau­ses kann die neue E-Klas­se auf Wunsch na­tür­lich mit der ad­ap­ti­ven Mehr­kam­mer-Luft­fe­de­rung Air Bo­dy Con­trol be­stel­lt wer­den. Neue, teils se­ri­en­mä­ßi­ge, teils auf­preis­pflich­ti­ge Si­cher­heits- und Kom­fort­tech­nik soll die E-Klas­se an die Spit­ze ih­res Seg­ments füh­ren. Der Dri­ve Pi­lot et­wa hält au­to­ma­tisch den Ab­stand zum vor­aus­fah­ren­den Fahr­zeug und folgt die­sem bis zu Ge­schwin­dig­kei­ten von 210 km/ h. Bis 130 km/ h kann das Sys­tem wie in ei­nem Schwarm mit­schwim­men und den vor­de­ren und seit­li­chen Ab­stand selbst dann voll­au­to­ma­tisch ein­hal­ten, wenn gar kei­ne op­ti­schen Leit­li­ni­en mehr vor­han­den sind – in schlecht mar­kier­ten Bau­stel­len et­wa. Zu­dem hält die EKlas­se voll­au­to­ma­tisch Tem­po­li­mits ein, hilft bei Spur­wech­sel, Ab­brem­sen, Wie­der­ein­fä­deln und Fuß­gän­ger-Aus­wei­chen, parkt per Smart­pho­ne-App ein und drückt die Front­pas­sa­gie­re bei ei­nem dro­hen­den Sei­ten­crash so­gar per Luft­pols­ter aus der Ge­fah­ren­zo­ne in die Fahr­zeug­mit­te. Die neue E-Klas­se macht (fast) al­les au­to­ma­tisch. Nur kau­fen muss man noch selbst. Zu den Prei­sen macht Mer­ce­des vier Mo­na­te vor dem Markt­start kei­ne An­ga­ben. Zur Ori­en­tie­rung: Der ver­gleich­ba­re 170 PS star­ke E 220 d mit Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik kos­tet bis­lang 46.946 Eu­ro. Wer hät­te das ah­nen kön­nen, da­mals auf der Tram­po­lin-Rück­bank in On­kel Wal­ters 200 D, der gu­ten al­ten Wan­der­dü­ne?

Mit ei­nem cWWert von 0,23 ist der neue Mer­ce­des klas­sen­bes­ter

Das zwei­te Ge­sicht: Sport­grill mit gro­ßem Zen­trals­tern für die Aus­stat­tungs­li­ni­en

Avant­gar­de und AMG Li­ne

Brei­tes Heck mit un­ge­teil­ten, kom­plett in die Ka­ros­se­rie in­te­grier­ten Rück­leuch­ten

im Zwei-Bal­ken-De­sign

Auch für die neue E-Klas­se gibt es ei­ne Viel­zahl un­ter­schied­li­cher In­nen­raumAus­stat­tun­gen. Im Bild die Ver­si­on mit klas­si­schen Ar­ma­tu­ren Ein State­ment: ge­stan­de­ne Busi­ness-Li­mou­si­ne im 4,92-Me­terFor­mat mit lan­ger Mo­tor­hau­be

Auf Dau­men­hö­he: Über zwei be­rüh­rungs­emp­find

li­che Flä­chen links und rechts am Lenk­rad las­sen sich al­le In­fo­tain­ment

Funk­tio­nen steu­ern

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