Au­di A4 Avant BMW 3er Tou­ring Mer­ce­des C-Klas­se T-Mo­dell

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT El­mar Sie­pen FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Es ist die Psy­cho­lo­gie des ers­ten Ein­drucks, die das Er­geb­nis wei­te­rer zwi­schen­mensch­li­cher Kon­tak­te ent­schei­det. Das gilt im Pri­va­ten eben­so wie im Ge­schäft­li­chen. Zum ge­lun­ge­nen Busi­ness-Auf­tritt ge­hört da­her auch der ent­spre­chen­de Di­enst­wa­gen. Hier lau­tet das Er­folgs­re­zept: nicht zu viel, aber auch bloß nicht zu we­nig. Am bes­ten et­was Se­riö­ses, aber da­bei wer­ti­ges Un­der­state­ment. Folg­lich füh­len sich Au­ßen­dienst­ler mit den Mit­tel­klas­seKom­bis von Au­di, BMW und Mer­ce­des gut „an­ge­zo­gen“. Zu Recht, ver­ei­nen Au­tos die­ses Schlags doch or­dent­li­che Kom­fort­ei­gen­schaf­ten mit noch mo­de­ra­ten Be­triebs­kos­ten und – je nach Na­tu­rell – ei­ner Pri­se Fahr­spaß. Nun schickt sich die Neu­auf­la­ge des Au­di A4 Avant an, der Kon­kur­renz beim Wer­ben um die Fuhr­park­lei­ter die Höl­le heiß zu ma­chen. Mit wel­chem Er­folg, zeigt un­ser Test.

Ka­ros­se­rie

Vorn wie hin­ten ver­mit­telt der Au­di das bes­te Raum­ge­fühl. Im Mer­ce­des fühlt man sich da­ge­gen deut­lich be­eng­ter un­ter­ge­bracht – nicht zu­letzt we­gen des wuch­ti­gen Mit­tel­tun­nels. Wer un­ter­wegs auf Di­enst­rei­sen oft na­vi­gie­ren und te­le­fo­nie­ren muss, freut sich im BMW über die na­he­zu per­fek­te Be­die­nung dank des fa­mo­sen iD­ri­ve-Sys­tems, des­sen Me­nü­punk­te per Sym­bol al­le auf dem Bild­schirm an­ge­ord­net sind. Im Mer­ce­des müs­sen die­se je nach Be­darf erst her­bei­ge­klickt wer­den – da­von ab­ge­se­hen gibt es an Ge­schwin­dig­keit und Qua­li­tät der Rou­ten­be­rech­nung nichts aus­zu­set­zen. Soll der Di­enst­wa­gen für mehr­tä­gi­ge Rei­sen ge­nutzt wer­den, ste­hen bei al­len drei­en ver­gleich­ba­re Kof­fer­raum­vo­lu­mi­na zur Ver­fü­gung: Von knapp 500 bis gut 1500 Li­ter bei um­ge­klapp­ter Rück­sitz­leh­ne reicht die Ska­la. Das ge­nügt in der Re­gel auch für den Fa­mi­li­en­ur­laub. Mit 513 Ki­lo­gramm liegt der Mer­ce­des in punc­to Zu­la­dung an der Spit­ze. Gut: BMW und Mer­ce­des bie­ten ei­ne drei­ge­teilt klapp­ba­re Rück­sitz­leh­ne. Der Münch­ner punk­tet zu­sätz­lich ab Werk noch mit ei­ner se­pa­rat öff­nen­den Heck­schei­be, die das Ein­la­den in en­gen Park­lü­cken er­leich­tert. Auf ho­hem Ni­veau liegt auch die Si­cher­heits­aus­stat­tung der Ri­va­len. Spur­hal­te- und -wech­sel­as­sis­ten­ten sind eben-

so er­hält­lich wie ein Ab­stands­reg­ler. Un­ver­ständ­lich bleibt al­ler­dings, war­um BMW den Kun­den die Op­ti­on auf hin­te­re Sei­ten­air­bags vor­ent­hält. In Qua­li­tät und Ver­ar­bei­tung lie­gen der Au­di und der Mer­ce­des klar vor dem BMW: Mä­ßi­ge Tür­pas­sun­gen und Kn­arz­ge­räu­sche aus den Tü­ren beim Er­klim­men von Bord­stein­kan­ten pas­sen nicht zum an­sons­ten ge­die­ge­nen Ma­te­ri­al­ein­druck des Münch­ners.

Fahr­kom­fort

Al­le drei Test­wa­gen sind mit teils auf­preis­pflich­ti­gen ad­ap­ti­ven Dämp­fern (Mer­ce­des: Se­rie) aus­ge­rüs­tet. Der Stutt­gar­ter gönnt sich dar­über hin­aus noch die op­tio­na­le Luft­fe­de­rung. Auf der Au­to­bahn über­zeugt der Au­di mit ei­ner äu­ßerst aus­ge­wo­ge­nen Fe­der-Dämp­ferAb­stim­mung. Er liegt wie das sprich­wört­li­che Brett und glänzt mit dem bes­ten Ge­räusch­kom­fort. Der Mer­ce­des ist dem In­gol­städ­ter hier aber dicht auf den Fer­sen, wäh­rend der BMW mit lau­ten Ab­roll­ge­räu­schen und ei­nem akus­tisch prä­sen­ten Mo­tor auf­fällt, was sich in den höchs­ten Schall­druck­pe­geln nie­der­schlägt. Auf der Mar­ter­stre­cke des Test­ge­län­des stößt der Au­di im Kom­fort-Mo­dus auf Bo­den­wel­len über­ra­schend schnell an sei­ne Gren­zen. Hier schwingt die Hin­ter­ach­se stark nach, und der Fe­der­weg scheint na­he­zu auf­ge­braucht. Der Wech­sel in den Au­to-Mo­dus schafft nur ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Bes­se­rung. Der BMW agiert auf al­len Fahr­bahn­pro­fi­len deut­lich sou­ve­rä­ner, dicht ge­folgt vom Mer­ce­des, der al­ler­dings mit ge­le­gent­li­chen Pol­ter­ge­räu­schen aus dem Be­reich der Vor­der­ach­se auf­fällt. An der Zu­la­dungs­gren­ze fährt der A4 Avant im Kom­fort­mo­dus dann wi­der Er­war­ten sehr ge­schmei­dig und bü­gelt As­phalt-une­ben­hei­ten mit be­acht­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät aus. Of­fen­kun­dig hält die elek­tro­ni­sche Dämp­f­er­re­ge­lung hier Re­ser­ven pa­rat, die sie dem In­gol­städ­ter im un­be­la­de­nen Zu­stand nicht zu­bil­ligt. BMW und Mer­ce­des las­sen auch mit vol­ler Be­la­dung kaum Wün­sche of­fen. Är­ger­lich: Für ei­ne Wohl­fühl­tem­pe­ra­tur an Bord hält nur das C Klas­se T-Mo­dell ei­ne Zwei-

zo­nen-Kli­ma­au­to­ma­tik se­ri­en­mä­ßig be­reit. Die ge­trenn­te Re­ge­lung für Fah­rer und Bei­fah­rer kos­tet bei BMW 650 Eu­ro und bei Au­di 685 Eu­ro Auf­preis. Das soll­te in die­ser Preis­klas­se ei­gent­lich nicht sein. Da­für sit­zen die A4 Avant-Pas­sa­gie­re vorn wie hin­ten am be­quems­ten. Im Fond des C Klas­se T-Mo­dells wür­den sich die In­sas­sen über mehr Ober­schen­kel­auf­la­ge freu­en, wäh­rend sich im 3er Tou­ring be­leib­te­re Zeit­ge­nos­sen et­was brei­te­re Vor­der­sit­ze wün­schen. Im­mer­hin: Er­go­no­misch liegt der Münch­ner vorn – auch vor dem Mer­ce­des, der zum Bei­spiel ei­ne elek­tro­ni­sche Öl­stands­kon­trol­le ver­mis­sen lässt.

Mo­tor/Ge­trie­be

Mit je­weils 190 PS star­ken Vier­zy­lin­derTur­bo­die­seln sind A4 Avant und 3er Tou­ring bes­tens mo­to­ri­siert. Die 14 PS Mehr­leis­tung des C Klas­se T-Mo­dell-Ag­gre­gats – Mer­ce­des konn­te nur ei­nen 250 d für den Test be­reit­stel­len – schlägt sich nicht in ei­ner bes­se­ren Be­schleu­ni­gung nie­der. Mit 7,3 Se­kun­den für den Sprint von null auf 100 km/ h liegt der Stutt­gar­ter mit dem BMW gleich­auf, er­reicht aber ei­ne um 15 km/ h hö­he­re End­ge­schwin­dig­keit ( 241 km/ h). Der Au­di läuft zwar 231 km/ h, be­schleu­nigt aber mit 8,4 Se­kun­den von null auf 100 km/ h am lang­sams­ten. Die Wer­te und un­se­re Tes­ter­fah­run­gen ver­ra­ten aber zwei­er­lei: Ers­tens tau­gen die­se Mo­to­ren auch lo­cker für ho­he Rei­se­schnit­te, zwei­tens rei­chen die Un­ter­schie­de in den je­wei­li­gen Fahr­leis­tun­gen nicht aus, um ein­an­der im Ver­kehrsall­tag da­von­zu­fah­ren. Be­ein­dru­ckend ist, dass das Mer­ce­des-Trieb­werk mit ei­nem Test­ver­brauch von nur 6,1 Li­ter Die­sel auf 100 km zugleich am spar­sams­ten ist. Der A4 Avant schluckt mit 6,7 Li­tern am meis­ten (BMW: 6,5 Li­ter), au­ßer­dem spen­diert Au­di sei­nem Kom­bi nur ei­nen mick­ri­gen 40-Li­terTank, der die Reich­wei­te auf 597 Ki­lo­me­ter re­du­ziert. Im­mer­hin ist die Op­ti­on auf 54 Li­ter Tank­vo­lu­men kos­ten­frei. Mer­ce­des (Se­rie: 50 Li­ter) bie­tet 66 Li­ter Vo­lu­men für 60 Eu­ro ex­tra. Be­acht­lich ist, wie lo­cker der Mer­ce­des auf­grund sei­nes mit 500 Nm höchs­ten Dreh­mo­ments im Test vor al­lem in hö­he­ren Tem­po­re­gio­nen noch an Ge­schwin­dig­keit zu­legt. Sei­ne se­ri­en­mä­ßi­ge Sie­ben­stu­fen-Au­to­ma­tik ze­le­briert die Gang­wech­sel al­ler­dings ge­ra­de­zu. Das Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be im A4 und spe­zi­ell die Acht­stu­fen-Sport­au­to­ma­tik des 3er agie­ren hier deut­lich schnel­ler. Mag der A4 Avant bei den Fahr­leis­tun­gen nicht vorn lie­gen, so macht er das in Sa­chen Lauf­ru­he

wie­der wett: Die Vi­bra­ti­ons­ar­mut des Au­diDie­sels er­weist sich auf Langstre­cken als aus­ge­spro­chen ner­ven­scho­nend.

Fahr­dy­na­mik

Wie nicht an­ders zu er­war­ten, zei­gen sich al­le drei Kan­di­da­ten von der nar­ren­si­che­ren Sei­te. Sie of­fen­ba­ren je­doch ein un­ter­schied­li­ches Fahr­spaß­po­ten­zi­al. Al­len vor­an liegt der 320d Tou­ring. Sei­ne per­fek­te Ge­wichts­ver­tei­lung und die rück­mel­de­freu­di­ge, fein­füh­li­ge Len­kung ver­lei­hen ihm ein Höchst­maß an Hand­lich­keit und sum­mie­ren sich mit dem Hin­ter­rad­an­trieb zu ei­nem per­fek­ten Pa­ket für die ge­pfleg­te Kur­ven­räu­be­rei. Der 3er er­reicht hö­he­re Kur­ven­tem­pi, schafft en­ge­re Kur­ven­ra­di­en als die Ri­va­len und bie­tet die bes­te Trak­ti­on. Da lohnt es sich, lang­wei­li­ge Au­to­bahn­dienst­rei­sen um den ei­nen oder an­de­ren stim­mungs­auf­hel­len­den Ab­ste­cher über kur­ven­rei­che Land­stra­ßen zu er­gän­zen. Den nicht ganz so per­fek­ten Gera­de­aus­lauf nimmt man vor die­sem Hin­ter­grund in Kauf. Der Mer­ce­des als zwei­ter Heck­trieb­ler wirkt spür­bar we­ni­ger agil, weil Lenk­be­feh­le hier ei­ne Spur trä­ger um­ge­setzt wer­den. Auch ist die Rück­mel­dung nicht ganz so bril­lant wie im BMW. Treibt es der Fah­rer zu weit, mel­det sich das ESP zu Wort und führt ihn fein re­gelnd auf den Pfad der Tu­gend zu­rück.

Der Au­di neigt im Grenz­be­reich zu leich­tem Un­ter­steu­ern. Zu­dem hat er bis da­hin bei vol­lem Leis­tungs­ein­satz spür­ba­re Pro­ble­me, sei­ne An­triebs­kraft in Vor­trieb zu ver­wan­deln. Das Lenk­ge­fühl ist et­was syn­the­tisch, wird aber beim Wech­sel in den Dy­na­mik-Mo­dus an­ge­nehm stramm. An­sons­ten lässt sich der A4 auch durch pro­vo­zier­te Fahr­feh­ler nicht aus der Ru­he brin­gen und ver­mit­telt ei­ne fast schon lang­wei­lig an­mu­ten­de Per­fek­ti­on. In punc­to Brem­sen bie­tet der BMW zwar ein sehr gu­tes Pe­dal­ge­fühl, fällt aber mit den längs­ten Brems­we­gen ne­ga­tiv auf. Der Mer­ce­des wie­der­um zeigt kei­nen so kla­ren Druck­punkt wie der BMW, braucht für die Voll­brem­sung aus Tem­po 100 über zwei Me­ter we­ni­ger Brems­weg. Doch wo in die­ser Dis­zi­plin der Ham­mer hängt, zeigt der Au­di: 31,9 Me­ter Warm­brems­wert kennt man sonst nur aus der Sport­wa­gen­li­ga.

Um­welt/Kos­ten

Mit der test­re­le­van­ten Aus­stat­tung ist der Mer­ce­des der Teu­ers­te die­ses Tri­os. Auch die Un­ter­halts­kos­ten mit Wert­ver­lust, Werk­statt, Ver­si­che­rung und Kfz-Steu­er fal­len am höchs­ten aus. Das kön­nen die nied­rigs­ten Kraft­stoff­kos­ten nicht aus­glei­chen. So bleibt dem Stutt­gar­ter im Kos­ten­ka­pi­tel nur der letz­te Platz. Pre­mi­um und trotz­dem preis­be­wusst sind un­term Strich die Au­di-Käu­fer un­ter­wegs. Hin­zu kommt das bes­te Ga­ran­tie­pa­ket – Platz eins für den A4 Avant. Der BMW ist dem In­gol­städ­ter nur bei den Werk­statt­kos­ten vor­aus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.