Auf Kurs

Mit der neu­nen Track edi­ti­on des Nis­san GT-R Haus­str soll je­de renn­bahn im nu zur Hausstrecke we rden. Ob und wie das ge­linght, klart der Supertest

AUTO ZEITUNG - - NISSAN GT-R TRACK EDITION -

Ein El­fer lässt sich gut kul­ti­vie­ren. Ei­ne Gi­u­lia oder Gi­uli­et­ta si­cher auch. Aber doch kein God­zil­la. Nein – kei­ne Chan­ce! Der bleibt so, wie er ist: hart im Neh­men und Ge­ben, un­an­ge­passt und auf sei­ne ty­pi­sche Art dog­ma­tisch. Mit so ei­nem legt man sich nur un­gern an. Selbst die, die ihn er­schaf­fen ha­ben, tun sich schwer, ihn in Hin­blick auf ei­nen noch brei­te­ren Fan­kreis zu zäh­men: Der Ver­such, God­zil­las Cha­rak­ter in Rich­tung mehr Ver­träg­lich­keit zu tu­nen, hat mit den Ab­le­gern „Pre­mi­um Edi­ti­on“und „Black Edi­ti­on“zwar schon kon­zi­li­an­te­re Mu­tan­ten her­vor­ge­bracht. Al­ler­dings mit ei­ner evo­lu­ti­ons­tech­nisch be­mer­kens­wer­ten Kon­se­quenz: Mit der er­folg­ten An­pas­sung an ge­mä­ßig­te­re Le­bens­räu­me ist gleich­zei­tig auch ei­ne noch schär­fe­re Va­ri­an­te ent­stan­den. Ei­ne, die God­zil­las Ge­ne noch kon­zen­trier­ter zum Bes­ten gibt und das Ha­bi­tat Renn­stre­cke so zu ih­rem vor­nehm­li­chen Spiel­feld de­kla­riert. Ihr Co­de: GT-R Track Edi­ti­on. Der von Nis­san hier­zu­lan­de im Jahr 2009 ein­ge­führ­te Su­per­sport­ler mit dem Sub-Co­de R35 ist nicht nur na­ment­lich ein be­mer­kens­wer­tes Phä­no­men: Als Play­sta­ti­on-He­ro welt­weit be­kannt und als ty­pisch ja­pa­ni­sche Al­ter­na­ti­ve zu den eu­ro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Klas­si­kern in wei­ten Tei­len der Welt ge­ra­de­zu huld­voll ver­ehrt, lässt der in lan­ger Tra­di­ti­on mit üp­pi­ger Mo­tor­leis­tung an­tre­ten­de Kul­tS­port­ler kei­ne Ge­le­gen­heit aus, hef­tig zu po­la­ri­sie­ren. Den ei­nen ist er zu groß, zu li­mou­si­nen­haft und über­haupt: zu ex­tro­ver­tiert. Den an­de­ren kön­nen die vier rie­si­gen En­d­roh­re nicht feist ge­nug und sei­ne An­ders­ar­tig­keit nicht an­ders­ar­tig ge­nug sein. Re­spekt ob sei­ner er­staun­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit wird ihm je­doch in je­dem Fall ent­ge­gen­ge­bracht.

Auf die aus sei­ner fer­nen Her­kunft und sei­ner un­ge­wöhn­li­chen Op­tik ab­ge­lei­te­ten Un­ter­stel­lung, wo­mög­lich nur ein gro­ßer Blen­der zu sein, sprich: nur viel Rauch um Nichts zu ma­chen, hat­te der Nis­san GT-R von Be­ginn an über­zeu­gen­de Ant­wor­ten pa­rat. Die aus Ja­pan über­mit­tel­ten Vor­schuss­lor­bee­ren er­wie­sen sich je­den­falls an­läss­lich des ers­ten Su­per­tests 2009 als voll­auf ge­recht­fer­tigt: Mit der auf der Nord­schlei­fe spon­tan hin­ter­leg­ten Run­den­zeit von 7:38 Mi­nu­ten setz­te sich der da­mals noch 486 PS star­ke Kraft­protz schon im Pre­mie­ren­jahr mit an die Spit­ze der heiß um­kämpf­ten Zei­ten­ta­bel­le – pi­kan­ter­wei­se noch vor Por­sche 911 GT3 und Fer­ra­ri F430 Scu­de­ria. Die Pro­vo­ka­ti­on fiel für die eu­ro­päi­sche Sport­wa­gen-Frak­ti­on in­so­fern schmach­voll aus, als der Nis­san GT-R bei al­ler Kraft­aus­beu­te we­der leicht noch son­der­lich ath­le­tisch da­her­kam. Groß, mas­sig, fi­gür­lich eher an ei­nen Su­mo-Rin­ger er­in­nernd als an ei­nen Ju­da­ka, ließ der 1784 Ki­lo­gramm schwe­re und selbst­be­wusst auf­tre­ten­de 2+2-Sit­zer kei­ne Ge­le­gen­heit aus, dem Pu­bli­kum ein er­staun­tes Kopf­schüt­teln ab­zu­rin­gen. Sein ers­ter Auf­tritt in Ho­cken­heim ge­riet gleich­falls zu ei­nem Fes­ti­val der Fahr­dy­na­mik. Die Pre­mie­ren-Zeit: 1:10,7 Mi­nu­ten. Un­ge­ach­tet die­ser von atem­be­rau­ben­den Run­den­zei­ten un­ter­mau­er­ten Kom­pe­tenz wur­de der GT-R von Be­ginn an mit ei­ner Er­war­tungs­hal­tung kon­fron­tiert, die ihn schwer un­ter Druck setz­te – und die er sach­lich be­trach­tet auch kaum er­fül­len konn­te. Von mär­chen­haf­ten Run­den­zei­ten am Ring von un­ter 7:20 Mi­nu­ten war sei­tens sei­ner Ma­cher be­reits nach der ers­ten Mo­dell­über­ar­bei­tung im Jahr 2011 die Re­de. Von im­mer neu­en Be­schleu­ni­gungs­Re­kor­den ganz zu schwei­gen. Al­ler­dings blie­ben die mess­tech­nisch er­fass­ba­ren Fort­schrit­te trotz si­gni­fi­kan­ter Leis­tungs­stei­ge­rung auf 530 PS und Ver­bes­se­run­gen im Be­reich Ae­ro­dy­na­mik, Rad­auf­hän­gun­gen und Fe­der-/Dämp­fer-Setup stets über­schau­bar. Die Run­den­zeit am Ring ver­bes­ser­te sich an­läss­lich des zwei­ten Su­per­tests um zwei Se­kun­den

Die atem­be­rau­ben­den Run­den­zei­ten sind so­zu­sa­gen GT- R ty­pisch

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