Ho­cken­heim Klei­ner Kurs

AUTO ZEITUNG - - NISSAN GT-R TRACK EDITION -

(7:36 min), die in Ho­cken­heim um 0,7 Se­kun­den (1:10,0 min). Ge­wiss kei­ne schlech­ten Re­sul­ta­te, aber weit weg von dem, was Nis­san ihm kühn zur Auf­ga­be ge­stellt hat­te. Nun ist ein­mal mehr die neue Track Edi­ti­on in der Pflicht, ex­trem hoch­ge­schraub­te An­sprü­che zu er­fül­len. Ei­ne schwe­res Los – selbst für die­se, wie Nis­san sagt, „ra­di­kal auf pu­re Per­for­mance“aus­ge­leg­te Sport­ver­si­on, die auf Ba­sis der Black Edi­ti­onVa­ri­an­te auf­baut. Die dies­seits der 600 PS star­ken und mit 149.990 Eu­ro weit­aus teu­re­ren Nis­mo-Va­ri­an­te an­ge­sie­del­te, qua­si auf den Ring zu­ge­schnit­te­ne Spe­zi­al­aus­füh­rung be­dient sich da­bei sehr sub­ti­ler Mit­tel. So wur­de die Ka­ros­se­rie zwecks hö­he­rer Stei­fig­keit zu­sätz­lich ver­klebt. Über­dies tritt sie nun mit dem­sel­ben Fel­gen­typ samt Rei­fen an wie der Über­flie­ger aus der Nis­mo-Renn­ab­tei­lung: 20 Zoll gro­ße, ge­schmie­de­te und da­her ex­tra­leich­te Rays-Fel­gen in spe­zi­el­ler schwar­zer La­ckie­rung samt neu­er Dun­lop-Sport­rei­fen. Die un­ter dem be­ein­dru­ckend lan­gen Na­men „Sport Ma­xx GT 600 DSST CTT“lau­fen­den Spe­zi­al-Pneus sind hin­sicht­lich bes­se­rer Tem­pe­ra­tur­be­stän­dig­keit mit Stick­stoff be­füllt. Wäh­rend das elek­tro­nisch ge­steu­er­te, ex­klu­siv von Bil­stein bei­ge­steu­er­te „Dam­pTro­nic“-Dämp­fer­sys­tem mit dem in der Ba­sis­ver­si­on ver­bau­ten Sys­tem weit­ge­hend iden­tisch ist, sind die Fe­der­ra­ten im Renn­stre­cken- af­fi­nen GT- R deut­lich er­höht wor­den. Aus die­sem – wie man sieht – sehr über­schau­ba­ren Pa­ket ei­ne si­gni­fi­kan­te Ver­bes­se­rung in der Fahr­dy­na­mik, spe­zi­ell in den Run­den­zei­ten, ab­lei­ten zu wol­len, hie­ße aber, den Glau­ben an die dem GT-R zwei­fel­los in­ne­woh­nen­den Zau­ber­kräf­te doch über die Ma­ßen zu stra­pa­zie­ren. Leis­tungs­mä­ßig ist die nun­mehr vier­te R35-Va­ri­an­te näm­lich in der­sel­ben na­tur­ge­mäß gu­ten Ver­fas­sung wie die bei­den kom­fort­be­ton­te­ren Zwil­lings­brü­der mit den Zu­satz­be­zeich­nun­gen Pre­mi­um Edi­ti­on und Black Edi­ti­on. Mit 550 PS bei mo­de­ra­ten 6400 Tou­ren und ei­nem rie­si­gen Dreh­mo­ment-Hoch­pla­teau zwi­schen 3200 und 5800 Um­dre­hun­gen aus­ge­stat­tet, kennt die­ser vor Kraft schier plat­zen­de Sechs­zy­lin­der-Bi­tur­bo von Haus aus nur we­ni­ge Geg­ner. Die Ein­fluss­grö­ßen der ge­nann­ten Mo­di­fi­ka­tio­nen sind an­ge­sichts die­ses kraft­strot­zen­den Um­felds mi­ni­mal – Stichwort: Ka­ros­se­rie­ver­kle­bun­gen –, so­dass der Zu­ge­winn al­len­falls bei ei­ner theo­re­ti­schen Be­rech­nung mess­bar wer­den wür­de. Un­ab­hän­gig da­von of­fen­bart sich ein­mal mehr ein Sport­wa­gen, des­sen aus­trai­nier­te Tu­gen­den in der Pra­xis voll­um­fäng­lich über­zeu­gen. Den mit­hil­fe des Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­bes au­to­ma­ti­siert vor­ge­tra­ge­nen Sprint auf 100 km/ h er­le­digt der All­rad­ler oh­ne viel Auf­he­bens in ge­ra­de mal 3,2 Se­kun­den – nur als ein Bei­spiel von vie­len. Dass er da­mit wie­der ein­mal die küh­ne, um nicht zu sa­gen: ab­ge­ho­be­ne Werks­an­ga­be (2,7 Se­kun­den) ver­fehlt, darf ihm nicht an­ge­las­tet wer­den. Sach­lich be­trach­tet liegt der Mess­wert eben­so im Kor­ri­dor wie je­ner bis 200 km/ h (10, 8 Se­kun­den). Auch an­ge­sichts der Run­den­zeit am Ring (7:33 min) und der in Ho­cken­heim (1:09,8 min) ist selbst ein An­flug von Ent­täu­schung völ­lig fehl am Platz. Der auf den bei­den Renn­stre­cken er­ziel­te Fort­schritt ge­gen­über dem letz­ten 2011 ge­tes­te­ten Mo­dell – drei Se­kun­den am Ring; zwei Zehn­tel in Ho­cken­heim – ist nach wie vor das Er­geb­nis ei­ner vor­züg­lich auf­be­rei­te­ten tech­ni­schen Ba­sis und we­ni­ger das Re­sul­tat der im Lauf der Jah­re ein­ge­flos­se­nen Mo­di­fi­ka­tio­nen. Wie die vom Da­ta Re­cor­ding er­fass­ten Wer­te für Ge­schwin­dig­keit, Qu­er­be­schleu­ni­gung und Brems­ver­zö­ge­rung aus­wei­sen, ist der GT-R in sämt­li­chen Dis­zi­pli­nen auf Top­ni­veau un­ter­wegs. Ein Röhrl’sches Fahr­talent wür­de es zwar noch leich­ter ma­chen, ist aber kei­nes­wegs er­for­der­lich, um die Res­sour­cen die­ses Aus­nah­meS­port­lers voll­stän­dig auf­zu­de­cken. So leicht und un­be­küm­mert, wie es mit die­sem Land-ge­stütz­ten Ge­schoss mög­lich ist, die Gren­zen des Mach­ba­ren zu er­for­schen, funk­tio­niert das mit kaum ei­nem an­de­ren Sport­wa­gen. Dies und die Tat­sa­che, dass der mit statt­li­cher In­nen­raum-

Die Track Edi­ti­on ist PS­mä­ßig auf glei­chem Stand

grö­ße (zu­min­dest vorn), rie­si­gem Kof­fer­raum und ei­ner Men­ge un­ter­halt­sa­mer Ac­ces­soires ge­seg­ne­te Ring-Kämp­fer auch den All­tag meis­tert, macht ihn zum Sym­pa­thie­trä­ger ers­ter Gü­te. Mit ei­ner Aus­nah­me: Die här­te­ren Fe­der­ra­ten, de­nen wir – ne­ben­bei be­merkt – oh­ne­hin kei­nen po­si­ti­ven Bei­trag am Zu­stan­de­kom­men der Run­den­zei­ten zu­bil­li­gen, ma­chen der Be­sat­zung auf Dau­er echt zu schaf­fen. Selbst in der kom­for­ta­bels­ten der drei Dämp­fer­ein­stel­lun­gen wirkt das dau­er­haf­te Ge­wip­pe zer­mür­bend und schürt ei­nen lei­sen Groll ge­gen God­zil­la. Nach kur­zer Er­ho­lungs­pha­se ver­fliegt die­ser aber so schnell, wie er ge­kom­men ist. So, wie der GT-R an­gast, kann man ihm nicht lan­ge bö­se sein – Ne­ben­wir­kun­gen hin oder her.

Im „R“- Mo­dus ist das Sta­bi­li­täts­pro­gramm kom­plett de­ak­ti­viert

Die ro­ten Ap­pli­ka­tio­nen sind spe­zi­el­le Merk­ma­le der Track Edi­ti­on. Der üp­pi­ge Aus­stat­tungs­um­fang bleibt an­sons­ten er­hal­ten

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