Elek­tro-cats

Mehr als elf Jah­re nach dem letz­ten Ein­satz in der For­mel 1 kehrt Ja­gu­ar werks­sei­tig zu­rück auf die Renn­stre­cke – in der voll­elek­tri­schen For­mel-E-Se­rie. Für die Ja­gu­ar-Bos­se das idea­le Be­tä­ti­gungs­feld

AUTO ZEITUNG - - SPORT · FORMEL E - [ TEXT Gregor Mes­ser ]

Der mit Le­gen­den um­rank­te Be­griff „E-Ty­pe“, der in den frü­hen 60ern für iko­no­gra­fi­sche, pracht­vol­le Ele­ganz im bri­ti­schen Sport­wa­gen­bau stand, könn­te in die­sem Jahr ei­ne völ­lig neue Be­deu­tung be­kom­men: E wie Elek­tro. Wie Elek­trisch. Wie Elek­tri­fi­ziert. Da­mit brach­te man die bri­ti­sche Edel­mar­ke bis­lang noch nicht in Ver­bin­dung. Das könn­te sich bald än­dern. Denn Ja­gu­ars Rück­kehr in den Werks-Renn­sport ge­schieht nicht ein­fach nur dem Mo­tor­sport zu­lie­be. Da­hin­ter steckt viel­mehr ein Plan. Hy­brid-Mo­del­le hat die Ja­gu­ar Land Ro­ver-Grup­pe be­reits im Markt, Elek­tro­au­tos wer­den in na­her Zu­kunft Rea­li­tät, die Stra­te­gie steht. Und so­mit er­scheint der Ein­stieg in die ers­te voll­elek­tri­sche Renn­se­rie nur all­zu lo­gisch: Im Ok­to­ber 2016 star­tet die Elek­troMeis­ter­schaft in ih­re drit­te Sai­son, spä­tes­tens dann ist Ja­gu­ar da­bei. Ein dro­hen­des Fau­chen wird aber nicht zu hö­ren sein, son­dern eher ein sub­ti­les Schnur­ren. „In der künf­ti­gen Pro­dukt­pa­let­te von Ja­gu­ar Land Ro­ver wer­den elek­trisch be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge auf je­den Fall ei­ne Rol­le spie­len“, un­ter­streicht Ent­wick­lungs­chef Nick Ro­gers. „Die For­mel E bie­tet die ein­zig­ar­ti­ge Ge­le­gen­heit, un­ter ex­tre­men Wett­be­werbs­be­din­gun­gen un­se­re Elek­tro­tech­no­lo­gie zu tes­ten und zu ent­wi­ckeln.“Der 48-jäh­ri­ge En­g­län­der ist über­zeugt, in den kom­men­den fünf Jah­ren mehr Ve­rän­de­run­gen im Au­to­mo­bil­bau zu er­le­ben als in den ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­ten: „Elek­tri­fi­zie­rung und Leicht­bau

wer­den im­mer wich­ti­ger, wäh­rend die Ver­städ­te­rung wei­ter zu­neh­men wird. Con­nec­tivi­ty und Nach­hal­tig­keit prä­gen die Zu­kunft. Die For­mel E hat das er­kannt. Mit ih­rem An­spruch, tech­no­lo­gi­sche Pio­nier­ar­beit zu leis­ten, passt sie des­halb per­fekt für uns.“

Al­li­anz mit ei­ner be­ste­hen­den Grö­ße im For­mel-E-Busi­ness

Die Ver­gan­gen­heit der Mar­ke mit dem Raub­tier im Lo­go ist reich an mo­tor­sport­li­cher Prä­senz mit gro­ßen Tri­um­phen: Noch im­mer ist Ja­gu­ar seit 1951 nach Por­sche, Au­di und Fer­ra­ri mit sie­ben Ge­samt­sie­gen die viert­er­folg­reichs­te Mar­ke in Le Mans. Jetzt ist der Hun­ger nach Er­fol­gen wie­der groß – wie auch die Lei­den­schaft. Für das neue Werks­en­ga­ge­ment sind die Ver­ant­wort­li­chen ei­ne Al­li­anz mit ei­ner be­ste­hen­den For­mel-E-Grö­ße ein­ge­gan­gen: Ja­gu­ar ver­bün­det sich mit Wil­li­ams Ad­van­ced En­gi­nee­ring. Die Schwes­ter­fir­ma des Wil­li­ams For­mel-1-Renn­stalls ist der bis­lang ein­zi­ge Her­stel­ler von For­mel-E-Bat­te­ri­en – und ein

wich­ti­ger Part­ner im C-X75-Pro­jekt. Der Ja­gu­ar-Hy­brid-Pro­to­typ hat­te im letz­ten Ja­mes Bond-Film „Spect­re“sei­nen Auf­tritt. Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­ri­en, Hoch­fre­quenz­spu­len und Kon­troll­sys­te­me sind die Be­rei­che, in de­nen die bis­he­ri­ge Zu­sam­men­ar­beit wei­ter­hin Früch­te tra­gen soll. „Wir wol­len die Gren­zen neu de­fi­nie­ren – wir ken­nen die Tech­no­lo­gie, nun wol­len wir sie wei­ter ver­bes­sern“, sagt Ro­gers vol­ler Op­ti­mis­mus Es geht um Ener­gie­dich­te, um das schnellst­mög­li­che Auf­und Ent­la­den der Bat­te­rie. 8300 In­ge­nieu­re ar­bei­ten bei Ja­gu­ar – wie vie­le da­von in das For­mel-E-Pro­jekt ein­ge­bun­den wer­den, steht noch nicht fest. „Was un­se­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit be­trifft, se­hen wir uns ab der kom­men­den Sai­son im Ge­schäft“, be­tont Te­am­di­rek­tor Ja­mes Barclay. Doch viel­leicht ste­hen die bei­den Ja­gu­ar auch schon frü­her am Start – mög­li­cher­wei­se bei den Läu­fen in Eu­ro­pa, die ab dem 23. April in der Ci­ty von Pa­ris statt­fin­den und via Berlin, Mos­kau und Lon­don fort­ge­setzt wer­den. Dass der For­mel E der­zeit ei­nes der zehn Teams fehlt, lässt Spe­ku­la­tio­nen auf ei­nen früh­zei­ti­ge­ren Auf­tritt zu: Ex-F1-Pi­lot Jar­no Trul­li stieg mit sei­ner Mann­schaft nach dem zwei­ten Lauf in Ma­lay­sia aus, oh­ne in die­ser Sai­son nur ei­nen Me­ter ge­fah­ren zu sein. Trul­lis Zu­lie­fe­rer Mo­to­ma­ti­ca schei­ter­te mit sei­nem An­triebs­kon­zept. „Wirk­lich wich­tig ist, dass wir jetzt die Zeit op­ti­mal nut­zen, um ei­ne so­li­de Ba­sis für un­ser Team und für un­se­re Tech­no­lo­gie auf­zu­bau­en“, be­tont Barclay. Der Ein­stieg ei­nes wei­te­ren Her­stel­lers nach Re­nault, DS (Ci­tro­ën), Ma­hin­dra und Scha­eff­ler be­deu­tet oben­drein ei­nen enor­men Re­no­mée-Schub für die Se­rie. „Das sind bes­te News“, froh­lockt For­mel-E-Ma­na­ger Alejandro Agag. Ja­gu­ar, so viel steht fest, wird nicht auf samt­wei­chen Pfo­ten da­her­kom­men. Die Elek­tro-Kat­ze ist be­reit zum Sprung.

Ja­gu­ar-Ent­wick

lungs­chef Nick Ro­gers und Team

di­rek­tor Ja­mes Barclay: „Die For­mel E passt op­ti­mal, um un­se­re künf­ti­gen

Tech­no­lo­gi­en zu prä­sen­tie­ren. Das Ti­ming un­se­res Ein

stiegs ist per­fekt“

Noch steht nicht fest, wer die Elek­tro-Ja­gu­ar steu­ern

wird – auch das end­gül­ti­ge De­sign ist noch nicht fix.

Bri­tish Ra­c­ing Gre­en wä­re die lo­gi­sche Wahl …

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