Wirt­schaft

Die Eu­rok­ri­se traf vor al­lem die fran­zö­si­schen Au­to­kon­zer­ne hart. Doch PSA Peu­geot Ci­tro­ën und Re­nault ge­lang der Wie­der­auf­stieg. Wie konn­ten sich die Tra­di­ti­ons­fir­men so schnell er­ho­len?

AUTO ZEITUNG - - IN HALT -

Der Wie­der­auf­stieg der fran­zö­si­schen Au­to­kon­zer­ne PSA Peu­geot Ci­tro­ën und Re­nault: Wir nen­nen al­le Grün­de

Die Eu­rok­ri­se kann­te ne­ben den Län­dern Sü­d­eu­ro­pas noch ei­nen wei­te­ren gro­ßen Verlierer: die fran­zö­si­schen Au­to­bau­er. So stand die einst­mals gro­ße Au­to­na­ti­on, die Trend­set­ter wie die Ci­tro­ën DS und den Re­nault Es­pace her­vor­ge­bracht hat­te, 2012 vor dem Ab­grund: Im Ge­gen­satz zu ih­ren deut­schen Kon­kur­ren­ten ver­schlie­fen die Kon­zer­ne PSA Peu­geot Ci­tro­ën und Re­nault die Er­schlie­ßung glo­ba­ler Märk­te und ver­kauf­ten ih­re Mo­del­le über­wie­gend in Eu­ro­pa. Das räch­te sich, als die­se Ab­satz­we­ge in­fol­ge der Eu­rok­ri­se stark ein­bra­chen. Am stärks­ten traf es PSA Peu­geot Ci­tro­ën: Der über 120 Jah­re al­te Au­to­bau­er ver­buch­te im ers­ten Halb­jahr 2012 ei­nen Ver­lust von 819 Mio. Euro. Nur der Ein­stieg des fran­zö­si­schen Staats und des chi­ne­si­schen Au­to­kon­zerns Dong­feng zu je 14,1 Pro­zent ret­te­ten die Tra­di­ti­ons­fir­ma – die Vor­herr­schaft der Fa­mi­lie Peu­geot über PSA war da­mit je­doch be­en­det. Auch Re­nault wur­de von den Aus­wir­kun­gen der Eu­rok­ri­se schwer ge­trof­fen, muss­te im ers­ten Halb­jahr 2012 ei­nen emp­find­li­chen Ge­winn­rück­gang um 23,5 Pro­zent auf 482 Mio. Euro ver­kraf­ten. Ein­zig die ge­mein­sa­me Al­li­anz mit Nis­san und der Er­folg der Bil­lig­mar­ke Da­cia mil­der­ten die Fol­gen. Al­ler­dings ver­schob sich das Ge­wicht der fran­zö­sisch- ja­pa­ni­schen Al­li­anz ein­deu­tig nach Asi­en. Am meis­ten lit­ten je­doch die Be­schäf­tig­ten der fran­zö­si­schen Au­to­in­dus­trie: Wur­den 2003 noch 3,22 Mil­lio­nen Neu­wa­gen in Frank­reich pro­du­ziert, wa­ren es 2013 nur noch 1,46 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge – ein Rück­gang um mehr als die Hälf­te. Doch die Schlie­ßung un­ren­ta­bler Fa­b­ri­ken ver­schaff­te den Au­to­kon­zer­nen Luft, um in den in­ter­na­tio­na­len Wachs­tums­märk­ten zu ex­pan­die­ren. Und die Stra­te­gi­en von Car­los Ta­va­res bei PSA und Car­los Ghosn bei Re­nault ging auf: In den letz­ten drei Jah­ren ha­ben sich die fran­zö­si­schen Au­to­kon­zer­ne wie­der er­holt. Peu­geot und Ci­tro­ën konn­ten be­reits im ers­ten Halb­jahr 2015 ein Plus von 1,42 Mrd. Euro er­wirt­schaf­ten – sat­te 268 Pro­zent mehr als im Vor­jah­res­zeit­raum. Kein Wun­der, stie­gen die Ver­käu­fe im ver­gan­ge­nen Jahr er­neut auf nun 2,97 Mil­lio­nen Neu­wa­gen. Mitt­ler­wei­le ist

Chi­na mit 735.740 Aus­lie­fe­run­gen zum größ­ten Ein­zel­markt für PSA ge­wor­den. In der Volks­re­pu­blik kann auch die neue Pre­mium­mar­ke DS punk­ten, die 2015 welt­weit 102.335 Fahr­zeu­ge an den Mann brach­te. Als wei­te­re Wachs­tums­märk­te ha­ben sich die Re­gi­on Na­her Os­ten und Afri­ka her­aus­ge­stellt: Dort konn­te PSA im Vor­jahr 180.207 Fahr­zeu­ge ab­set­zen. Auch Re­nault leg­te im Na­hen Os­ten und in Afri­ka zu: Die Tür­kei stieg 2015 mit 162.175 Ver­käu­fen und ei­nem sat­ten Plus von 16,8 Pro­zent zum viert­größ­ten Markt der Fran­zo­sen auf. Zu­dem set­zen Re­nault und PSA auf den Iran: Nach dem En­de der Sank­tio­nen hof­fen sie auf ei­nen ra­sant wach­sen­den Au­to­markt. Denn die Fran­zo­sen sind seit Jahr­zehn­ten die Part­ner der lo­ka­len Au­to­in­dus­trie. Wäh­rend Chi­na in der Re­nault Nis­san Al­li­anz vor al­lem von den Ja­pa­nern be­dient wird, ar­bei­ten die Fran­zo­sen an der Er­schlie­ßung des in­di­schen Mark­tes: 2015 war Re­nault mit 53.848 Aus­lie­fe­run­gen die er­folg­reichs­te eu­ro­päi­sche Mar­ke auf dem Sub­kon­ti­nent. Welt­weit konn­te der Kon­zern sei­ne Ver­käu­fe auf 2,8 Mio. Au­tos stei­gern. Der Re­naul­tGe­winn im ers­ten Halb­jahr 2015 klet­ter­te um 46,6 Pro­zent auf über ei­ne Mil­li­ar­de Euro. Schein­bar ha­ben die fran­zö­si­schen Au­to­bau­er ih­re schwe­re Kri­se ge­meis­tert. Doch trotz der gu­ten Zah­len sind nicht al­le struk­tu­rel­len Pro­ble­me be­sei­tigt: Der schnel­le Wie­der­auf­stieg von PSA und Re­nault ist auch der Er­ho­lung der eu­ro­päi­schen Au­to­märk­te ge­schul­det, al­len vor­an Frank­reich, Spa­ni­en und Ita­li­en. Denn trotz der glo­ba­len Ex­pan­si­on ge­hen noch weit über die Hälf­te al­ler Fahr­zeu­ge nach Eu­ro­pa. Zu­dem ver­kau­fen die fran­zö­si­schen Her­stel­ler vor al­lem Klein­und Kom­pakt­wa­gen, ih­re welt­wei­ten Best­sel­ler hei­ßen Re­nault Clio und Cap­tur so­wie Peu­geot 308 und 208. Grö­ße­re Li­mou­si­nen und SUV, die hö­he­re Mar­gen brin­gen wür­den, fris­ten bis­her ein Schat­ten­da­sein. Da über­rascht es nicht, dass die Ak­tio­nä­re auf schlech­te Nach­rich­ten ner­vös re­agie­ren: Als fran­zö­si­sche Umwelt-Er­mitt­ler bei Re­nault ei­ni­ge Com­pu­ter be­schlag­nahm­ten, brach die Ak­tie um 20 Pro­zent ein – voll­ends über den Berg sind die Au­to­bau­er der Gran­de Na­ti­on al­so noch nicht.

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