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Der Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Spy­der LP 610-4 rockt mit ex­tre­mer Po­wer und coo­lem Look

AUTO ZEITUNG - - FAHRBERICHT - Mar­tin Ur­ban­ke

Son­nen­schein an mehr als 300 Ta­gen im Jahr, je­de Men­ge schö­ner und rei­cher Men­schen – Mia­mi in Flo­ri­da bil­det die per­fek­te Ku­lis­se für den ers­ten Auf­tritt des jüngs­ten Mo­dels aus Sant’Aga­ta Bo­lo­gne­se, des Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Spy­der. Wer­den Ca­ra De­li­ving­ne, Kendall Jen­ner und Gi­gi Ha­did als It-Girls ge­fei­ert, soll­ten wir die­sen of­fe­nen Keil kon­se­quen­ter­wei­se als „It-Car“ze­le­brie­ren: ein sünd­haft teu­res, an­be­tungs­wür­dig schö­nes Sze­ne-Au­to mit ei­ner un­glaub­lich star­ken Aus­strah­lung. Ja, die­ses Biest hat es, das ge­wis­se Ex­tra. Zwei­fel­los! Da ist zum ei­nen die dra­ma­tisch über­zeich­ne­te Form: Nur 1,18 Me­ter hoch, aber ex­trem breit und ag­gres­siv ge­stylt, kau­ert der Lam­bo auf dem As­phalt und wagt mit dem eng an­lie­gen­den Stoff-Top so­wie der dar­un­ter­lie­gen­den, neu mo­del­lier­ten Heck­skulp­tur ei­nen ei­gen­stän­di­ge­ren Look als der Vor­gän­ger auf Gall­ar­do-Ba­sis. Weil der Spy­der ge­schlos­sen nur we­nig Kopf­frei­heit bie­tet, heißt es so­fort: Ver­deck auf. Das öff­net und schließt auf Knopfdruck in nur 17 Se­kun­den – so­gar wäh­rend der Fahrt bis ma­xi­mal 50 km/ h. Ein ech­tes Show­ta­lent. Die Ka­pu­ze glei­tet so fein­glied­rig wie ein Si­zeZe­ro-Mo­del in das Fach hin­ter den Sit­zen, und

zwei schwar­ze Blen­den mit ein­ge­las­se­nem Luft­leit­pro­fil schmie­gen sich von au­ßen an die bei­den Hö­cker hin­ter den Sit­zen. Das soll nicht nur die tief aus­ge­schnit­te­ne Rü­cken­par­tie des Spy­der op­tisch be­to­nen, son­dern auch die In­sas­sen vor all­zu hef­ti­gen Ver­wir­be­lun­gen schüt­zen – ge­nau wie die auf­steck­ba­ren seit­li­chen Wind­schotts und die ab­ge­senk­te Heck­schei­be. Wer auf Sturm steht, fährt al­le Schei­ben run­ter und lässt die Schotts im Stau­raum. Au­ßer­dem ver­bes­sern die Hö­cker die Ae­ro­dy­na­mik – die Höchst­ge­schwin­dig­keit von 324 km/ h er­reicht die Flun­der so­wohl of­fen als auch ge­schlos­sen. Das Mehr­ge­wicht (Über­roll­schutz, Dach-Hy­drau­lik) des Spy­der sum­miert sich auf rund 120 Ki­lo ge­gen­über dem Cou­pé. Doch die Ba­lan­ce des Mit­tel­mo­tor-Mons­ters soll sich da­durch nicht än­dern. Die Ita­lie­ner ver­spre­chen ei­ne Ge­wichts­ver­tei­lung von 43:57. Fer­ner er­weist sich der Hu­racán auch oh­ne fes­tes Dach dank der eben­so leich­ten wie so­li­den Hy­brid-Struk­tur (Alu und Kar­bon) als ex­trem ver­win­dungs­steif. Das ist die Grund­la­ge für ein prä­zi­ses Hand­ling. Mit dem un­ver­än­dert tie­fen Schwer­punkt und ei­ner in De­tails neu ab­ge­stimm­ten All­rad­steue­rung soll der Spy­der dem Cou­pé dies­be­züg­lich so gut wie nicht nach­ste­hen. Die ers­te Aus­fahrt un­ter den Pal­men Mia­mis bot je­doch kaum Ge­le­gen­heit, dies aus­zu­lo­ten. Oh­ne­hin dürf­te es selbst auf ver­kehrs­ar­men Stre­cken schwer wer­den, den Lam­bo ans Li­mit zu brin­gen, so ent­schlos­sen kral­len sich die gi­gan­ti­schen Pi­rel­lis in den As­phalt. Und selbst beim Ra­ke­ten­start-Links­ab­bie­ge-Ma­nö­ver be­geis­tert der Ita­lie­ner mit un­er­schüt­ter­li­cher Spur­treue und Trak­ti­on. Der Spy­der ist frag­los ein Su­per­sport­ler. Oh­ne Kom­pro­mis­se. Glei­ches gilt für die fu­rio­sen Fahr­leis­tun­gen: Der hei­ser-rot­zi­ge Sound des V10 reicht von ver­hei­ßungs­voll bis in­fer­na­lisch – ge­spickt mit rück­sichst­los-lau­ten Back­fi­re-Sal­ven und un­ver­hoh­len bös­ar­ti­gem Br­ab­beln bei Gas­weg­nah­me. Der po­ten­te Sau­ger will Feu­er. Im­mer. Ent­spre­chend bru­tal reißt er bei Be­darf an: Null auf 100 km/ h in 3,4 Se­kun­den, 200 macht er in 10,2 Se­kun­den. Wow! Der Ver­brauch rich­tet sich im We­sent­li­chen nach den Vor­ga­ben des Fah­rers, ob­wohl das 5,2-Li­ter-Ag­gre­gat neu­er­dings – auch im Cou­pé – mit Zy­lin­der­ab­schal­tung im Teil­last­be­trieb und se­ri­en­mä­ßi­gem Start-Stopp-Sys­tem auf­war­tet. Das drückt den Norm-Ver­brauch auf 12,3 Li­ter. Im „Stra­da“-Mo­dus zeigt der wil­de Stier re­gel­recht sanf­te Zü­ge und rollt zwar straff, aber nicht über­trie­ben hart ab – zu­min­dest mit den op­tio­na­len Ad­ap­tiv-Dämp­fern. In „Sport“und „Cor­sa“sieht das al­ler­dings an­ders aus. Doch schon in Schritt­ge­schwin­dig­keit er­regt der Spy­der selbst am Strip von Mia­mi Beach Auf­se­hen – that’s it.

FA­ZIT: Dar­an, dass der Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Spy­der LP 610-4 ein Me­ga-Star wird, be­steht kein Zwei­fel. Er bringt al­les mit, was ech­te Traum­ty­pen aus­macht: be­tö­ren­des, ex­tra­va­gan­tes Sty­ling, fas­zi­nie­ren­de Fahr­leis­tun­gen, ras­sig-lau­ten Sound, ra­sier­mes­ser­schar­fes Fahr­ver­hal­ten, un­ge­trüb­ten Sex­ap­peal und ei­nen Preis, der den Exo­ten zu ei­ner wah­ren Pre­tio­se je­der Au­to­samm­lung adelt. Wenn er jetzt noch et­was ge­räu­mi­ger wä­re, wä­re er per­fekt.

Ex­tra­va­gan­tes Cock­pit mit sehr fla­cher Front­schei­be und 12,3 Zoll gro­ßen TFT-Ar­ma­tu­ren. Op­tio­nal: Sport­scha­len­sit­ze in Al­cant­ara. Se­rie: ne­ben den Kopf­stüt­zen ein­steck­ba­re Wind­schotts, ver­senk­ba­re Heck­schei­be

Drei­la­gi­ges Stoff­ver­deck mit elek­tro-hy­drau­li­scher Be­tä­ti­gung

Fer­ra­ri 488 Spi­der Erz-Kon­kur­rent mit Heck­an­trieb und 670 PS star­kem V8

Bi­tur­bo

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