WIR WOL­LEN 2020 RUND 40 MO­DEL­LE AN­BIE­TEN

AUTO ZEITUNG - - WIRTSCHAFT · MERCEDES -

Was er­war­ten Sie von der neu­en E-Klas­se?

Ak­tu­ell sind wir mit un­se­ren Pro­duk­ten im Markt her­vor­ra­gend po­si­tio­niert und ha­ben gera­de in Deutsch­land und in den USA ei­ne sehr loya­le Kli­en­tel - in Chi­na ha­ben wir noch Luft nach oben. Für 2016 er­war­ten wir von der neu­en E-Klas­se wei­te­re Ab­satz­im­pul­se – vor al­lem auch aus Chi­na. Im Ver­gleich zu vor 20 Jah­ren gibt es in die­sem Seg­ment aber deut­lich mehr Al­ter­na­ti­ven, und auch die Be­weg­lich­keit der Kun­den ist grö­ßer ge­wor­den: Ich fah­re jetzt viel­leicht für zwei, drei Jah­re ei­ne E-Klas­se, dann ei­nen GLE oder ein GLE Cou­pé. Des­we­gen ist das Li­mou­si­nen-Seg­ment an sich, re­la­tiv ge­se­hen, nicht so groß wie da­mals. Aber von un­se­rem Ge- samt­ab­satz in 2015 wa­ren rund 30 Pro­zent SUV – ergo 70 Pro­zent Pkw. Die­se sind und blei­ben al­so der Kern der Mar­ke.

Was ist mit der Über­le­gung, ein SUV un­ter­halb des GLA zu bau­en?

Hier­zu gibt es ak­tu­ell kei­ne Plä­ne. Für Mer­ce­des bleibt die A-Klas­se, al­so im SUV-Seg­ment der GLA, der Ein­stieg zur Mar­ke. Mit ei­nem klei­ne­ren SUV wä­re man in ei­nem an­de­ren Seg­ment, das nicht mehr dem Pre­mi­um­an­spruch von Mer­ce­des-Benz ent­spricht. Es er­gibt für mich we­nig Sinn, ein Fahr­zeug auf den Markt zu brin­gen, nur um ho­he Stück­zah­len zu er­zie­len. Wenn wir et­was tun, dann wol­len wir nicht nur Ab­satz ge­ne­rie­ren, son­dern auch pro­fi­ta­bel sein.

Könn­te es dann ein Smar­tSUV für die Ci­ty ge­ben?

Auch da­zu gibt es kei­ne Plä­ne. Ich will es aber nicht ka­te­go­risch aus­schlie­ßen.

Es gab viel Ver­wir­rung um AMG und AMG Li­ne – auch bei un­se­ren Le­sern. Was ist denn jetzt ein rich­ti­ger AMG?

Die Hier­ar­chie bei AMG ist klar: Die AMG-Li­ne ist das Sport­pa­ket, das es schon seit vie­len Jah­ren gibt. Und wir ha­ben die Per­for­mance-Au­tos von AMG: et­wa den E 63 und den C 63, die sich durch leis­tungs­star­ke Mo­to­ren aus­zeich­nen und die in rei­ner Hand­ar­beit nach der AMG Phi­lo­so­phie „One Man, One En­gi­ne“ge­fer­tigt wer­den. Das wa­ren die zwei Po­le

der Mar­ke AMG. Da­zwi­schen gab es bis­her ei­nen wei­ßen Fleck. Wir ha­ben ent­schie­den, dass die­ses Sport­mo­dell­seg­ment auch für uns in­ter­es­sant ist und wir es be­le­gen wol­len. Dar­aus sind die neu­en „AMG Sport­mo­del­le“ent­stan­den.

Soll der CLS Shoo­ting Bra­ke kei­nen Nach­fol­ger mehr be­kom­men?

Das ha­ben wir nicht ge­sagt. Schau­en wir mal, was kommt.

Auch an­de­re Her­stel­ler strei­chen doch Mo­del­le …

Man muss auf je­den Fall im­mer wie­der das ei­ge­ne Pro­dukt­port­fo­lio über­prü­fen. Das Ziel ist grund­sätz­lich, Kun­den­wün­sche zu er­fül­len – na­tür­lich müs­sen wir aber auch Geld ver­die­nen und lang­fris­tig pro­fi­ta­bel sein. Von Mit­te der 90er bis heu­te hat die Aus­wei­tung un­se­rer Pro­dukt­pa­let­te ex­trem gut funk­tio­niert. Wir ha­ben da­mit vie­le neue Kun­den ge­won­nen, be­son­ders im Kom­pakt­seg­ment. Ak­tu­ell bie­ten wir 30 Mo­del­le an, und bis 2020 wer­den wir rund 40 Mo­del­le auf dem Markt ha­ben. Das Port­fo­lio wird al­so noch brei­ter wer­den. Wie es dann wei­ter­geht, wird man se­hen. So­wohl Platt­for­men als auch Mo­du­le er­lau­ben es uns, Mo­del­le deut­lich kos­ten­ef­fi­zi­en­ter zu ent­wi­ckeln.

Mer­ce­des ist der äl­tes­te Die­sel­her­stel­ler. In­wie­weit be­fürch­ten Sie nach dem VW-Skan­dal ein En­de des Die­sels in den USA?

Wir ha­ben bei Mer­ce­des kei­ne Aus­wir­kun­gen auf un­se­ren Ab­satz ge­spürt. In Deutsch­land und in We­st­eu­ro­pa ver­buch­ten wir in 2015 beim Die­sel deut­li­che Zu­wachs­ra­ten. In den USA ist der Die­sel für uns ei­ne klei­ne Ni­sche: Wir ha­ben dort in Spit­zen­jah­ren bis zu 17.000 Die­sel-Fahr­zeu­ge ver­kauft, das sind we­ni­ger als fünf Pro­zent vom Ge­samt­ab­satz von Mer­ce­des in den USA.

Wann kommt Ih­re Ant­wort auf Tes­la, al­so ein rich­tig klas­si­sches Elek­tro­au­to in der Lu­xus­klas­se?

Wir ar­bei­ten an der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on der Brenn­stoff­zel­le, die wir ab 2017 in den GLC in­te­grie­ren wer­den. Und noch in die­sem Jahr­zehnt brin­gen wir ein bat­te­rie­elek­tri­sches Fahr­zeug mit 400 bis 500 km Reich­wei­te auf den Markt.

Wird das ei­ne elek­tri­sche Li­mou­si­ne oder ein SUV?

Zum rich­ti­gen Zeit­punkt wer­den wir die Kat­ze aus dem Sack las­sen. Hin­sicht­lich Ci­ty-Mo­bi­li­tät stel­len wir noch in die­sem Jahr die neu­en Elek­tro­va­ri­an­ten von Smart Fortwo und For­four vor, und die elek­tri­sche B-Klas­se ist be­reits auf dem Markt. Für den ur­ba­nen Raum sind wir al­so gut auf­ge­stellt. Jetzt fehlt noch ein Fahr­zeug ober­halb die­ser Klas­sen.

Der SL läuft nicht so, wie er soll. Was er­war­ten Sie von dem Face­lift?

Mei­ner Mei­nung nach ist uns das SL-Face­lift op­tisch ex­trem gut ge­lun­gen. Da­mit wol­len wir 2016 Im­pul­se set­zen. Zwei Tat­sa­chen muss man aber be­rück­sich­ti­gen: Zum ei­nen ist das Seg­ment klei­ner ge­wor­den, und es lebt von den USA und von We­st­eu­ro­pa – bei­des Märk­te, die von der Fi­nanz­kri­se ge­trof­fen wur­den. Zum an­de­ren ha­ben wir mit dem neu­en SKlas­se Ca­brio­let ei­nen wei­te­ren Traum­wa­gen im An­ge­bot. Trotz­dem ist der SL ei­ne Le­gen­de, und mit dem Face­lift he­ben wir ihn auf ein neu­es dy­na­mi­sches Ni­veau.

Das Ge­spräch führ­ten Vol­ker Ko­erdt und Ste­fan Mie­te

Ola Käl­le­ni­us, 46, Mit­glied des Daim­ler-Vor­stands, ver­ant­wort­lich für Mer­ce­des-Benz Cars Ver­trieb

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