PER­FEK­TER HATTRICK

Zum drit­ten Mal hin­ter­ein­an­der ge­wann Sé­bas­ti­en Ogier die Ral­lye Mon­te Car­lo. Mit der Best­zeit auf der fi­na­len Su­pers­ta­ge heims­te der Volks­wa­gen-Pi­lot die Ma­xi­mal­punkt­zahl ein

AUTO ZEITUNG - - SPORT - Gre­gor Mes­ser

Neue Sai­son, al­ter Biss: Die Ral­lye Mon­te Car­lo ist Sé­bas­ti­ens Ogiers Heim-Event. Die Prü­fun­gen am Frei­tag und teil­wei­se am Sams­tag rund um Ogiers Ge­burts­ort Gap führ­ten qua­si durch sei­nen Vor­gar­ten. „Ich kann mir kei­ne bes­se­re Ral­lye vor­stel­len, um die neue Sai­son zu be­gin­nen“, schwärm­te der Dop­pel-Cham­pi­on. Pro­fun­de Orts­kennt­nis ge­paart mit ab­so­lu­tem Kön­nen und dem si­che­ren Griff für die bei der Mon­te be­son­ders heik­le Rei­fen­wahl – Slicks, Win­ter­rei­fen oder Win­ter­rei­fen mit Spi­kes? – lie­ßen ei­nen an­de­ren Fa­vo­ri­ten und letz­tend- lich ein an­de­res Re­sul­tat gar nicht erst zu. Kris Mee­ke et­wa, der ha­ge­re Mitt­drei­ßi­ger aus Nord­ir­land, muck­te zwar über­ra­schend stark ge­gen Platz­hirsch Ogier auf: Fünf­mal wech­sel- te zwi­schen den bei­den Kon­tra­hen­ten auf den ers­ten acht Prü­fun­gen die Füh­rung. Doch letzt­lich durf­te er kei­ne Lor­bee­ren für sei­ne tol­le Leis­tung ern­ten: Auf der zwölf­ten Prü­fung rum­pel­te Mee­ke so un­glück­lich über ei­nen St­ein, dass es sei­nem Ci­tro­ën nicht nur den Un­ter­bo­den­schutz ent­riss, son­dern da­bei au­ßer­dem noch das Ge­trie­be de­mo­liert wur­de. „Das ist mir am En­de ei­ner schnel­len Rechts­kur­ve pas­siert“, gab sich Mee­ke zer­knirscht, „und da­bei bin ich doch ex­akt die glei­che Li­nie ge­fah­ren wie noch am Vor­mit­tag beim ers­ten Durch­gang …“

Vi­ze-Welt­meis­ter Ja­ri-Mat­ti Lat­va­la als nächs­ter Ver­fol­ger er­leb­te auf der glei­chen Rou­te sein De­sas­ter. Wenn et­was schief­läuft, dann ir­gend­wie im­mer bei dem trol­li­gen Fin­nen: Nur mi­ni­mal zu flink, hech­te­te Lat­va­la mit sei­nem VW Po­lo links­sei­tig in ei­nen Gr­a­ben, wor­un­ter die Rad­auf­hän­gung vorn links fa­tal zu lei­den hat­te. Dem Zu­schau­er da­ge­gen, den Lat­va­la beim bo­cki­gen Ritt aus dem Gr­a­ben auf die Hör­ner nahm, passierte wei­ter nichts. Nur die Sport­kom­mis­sa­re re­agier­ten über­hart: Stren­ge 5000 Euro Stra­fe, weil Lat­va­la nicht an­ge­hal­ten hat­te, um sich nach dem Wohl­er­ge­hen des Fans zu er­kun­di­gen. Zu­dem fährt Lat­va­la für den Rest der Sai­son un­ter Be­wäh­rung. Doch war es hier nicht der Ver­an­stal­ter, der we­gen man­gel­haft ab­ge­si­cher­ter Stre­cke ver­sagt hat­te?

Rund 400 St­un­den Vi­deo­stu­di­um

Die Ver­fol­ger­rol­le über­nahm nun­mehr Ogiers zwei­ter Team­kol­le­ge Andre­as Mik­kel­sen. Der Nor­we­ger wird neu­er­dings von Lands­mann An­ders Jæ­ger na­vi­giert. Bei­de ken­nen sich seit frü­her Ju­gend, als sie die Stra­ßen Os­los auf dem Mo­fa un­si­cher mach­ten. In den ver­gan­ge­nen zwei Sai­sons saß Jæ­ger noch in der Ju­niorWM auf dem Bei­fah­rer­sitz. Sein Fa­zit: „Der hö­he­re Speed in den WRC-Au­tos ist der größ­te Un­ter­schied. Al­les läuft um rund 30 Pro­zent schnel­ler ab.“Mit 400 St­un­den Vi­deo­stu­di­um von Son­der­prü­fun­gen hat­te sich Jæ­ger gut auf die Sai­son vor­be­rei­tet. Zum Ver­gleich: Die Nor­we­ger schau­en durch­schnitt­lich nur 925 St­un­den Fern­se­hen pro Jahr. „ An­ders blieb ab­so­lut feh­ler­los“, at­tes­tier­te Mik­kel­sen. Welt­meis­ter Ogier in­des, der im Ju­ni erst­mals Va­ter wird, fuhr mit schlaf­wand­le­ri­scher Si­cher­heit frei von Hek­tik zum er­neu­ten Mon­teSieg: „Es herrsch­ten ex­trem schwie­ri­ge Be­din­gun­gen. Um­so glück­li­cher bin ich über die­sen Er­folg.“Es scheint so, als blie­be in der Ral­ly­eWM wie­der al­les beim Al­ten.

Drit­ter Mon­te-Sieg in Fol­ge, acht Best­zei­ten und noch die Su­pers­ta­ge ge­won­nen: Ogier (r.)/In­gras­sia fei­er­ten ih­ren 33. WM-Lauf­sieg

Feh­ler­frei­es De­büt in der WRC-Ka­te­go­rie: An­ders Jæ­ger na­vi­gier­te Andre­as Mik­kel­sen auf Rang zwei

Hart­nä­cki­ger Ver­fol­ger mit vier Best­zei­ten: Ci­tro­ën-Pi­lot Mee­ke traf un­glück­lich ei­nen St­ein

Un­spek­ta­ku­lä­res De­büt des neu­en Hy­un­dai i20: Neu­vil­le ret­te­te Rang drei trotz Set-up-Pro­ble­men

Lan­ge ge­führt: Ar­min Kre­mer be­leg­te als bes­ter Deut­scher Rang drei in der WRC2-Ka­te­go­rie

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