Dodge Char­ger SRT Hell­cat: Mit 717 PS und ei­nem ma­xi­ma­len Dreh­mo­ment von 881 New­ton­me­tern ist die Höl­len­kat­ze die stärks­te Se­ri­en-Li­mou­si­ne der Welt

Mit 717 Kom­pres­sor-PS und 881 New­ton me­ter Dreh­mo­ment kürt sich der Dodge Char­ger SRT Hell catz um stärks­ten je­mals ge­bau­ten Mus­cle-Car der Welt

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Horst von Saurma

Der Hell­cat ist ein Schlüs­sel­er­leb­nis der be­son­de­ren Art. Und das gleich in zwei­fa­cher Hin­sicht. Wenn du den ro­ten Schlüs­sel ein­setzt, ent­facht ein wah­res In­fer­no, das du so und in die­ser Form noch nicht er­lebt hast. Und rich­te dich dar­auf ein, dass dir und dei­nen Be­glei­tern an­ge­sichts der durch den ro­ten Zün­der ak­ti­vier­ten 717 Pfer­de­stär­ken im Ernst­fall schnell ganz an­ders wird … Mit dem zwei­ten, schwar­zen Schlüs­sel ist hin­ge­gen al­les nur halb so wild: 500 all­tags­kon­form dar­ge­reich­te PS: Das ist ge­nug, um das not­wen­di­ge Fahr­pro­gramm – et­wa Bröt­chen ho­len oder die Kin­der zum Kin­der­gar­ten brin­gen – sou­ve­rän zu meis­tern. Mit or­dent­lich be­mes­se­nem Kof­fer­raum­vo­lu­men von 467 Li­tern und ei­nem be­acht­li­chen Rad­stand von über drei Me­tern er­scheint ei­nem die­se schwar­ze, re­spekt­ein­flö­ßen­de Li­mou­si­ne ty­pisch ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung eben­so prak­tisch und ver­nunft­be­flis­sen wie die be­kann­ten Po­wer-Li­mou­si­nen aus Eu­ro­pa. Erst recht bei ho­her Af­fi­ni­tät zum Ame­ri­can Way of Dri­ve, denn der Char­ger SRT ist all­tags­taug­lich, of­fe­riert je­de Men­ge Platz und bie­tet au­ßer­dem noch viel Show fürs Geld. Nach ame­ri­ka­ni­scher De­fi­ni­ti­on ha­ben wir es hier nicht nur mit dem stärks­ten und schnells­ten Mus­cle-Car, son­dern auch der stärks­ten Se­ri­en­li­mou­si­ne der Welt zu tun. Mit der un­ge­zü­gel­ten Kraft von 717 Pfer­den und ei­nem ge­wal­ti­gen Dreh­mo­ment von 881 New­ton­me­tern aus­ge­stat­tet, schafft die mehr als fünf Me­ter lan­ge und weit über zwei Ton­nen schwe­re Li­mou­si­ne die Vier­tel­mei­le in elf Se­kun­den und lässt sich laut Her­stel­ler läs­sig und be­quem auf ei­ne Spit­ze von 328 km/ h trei­ben. So­fern sie denn mit dem omi­nö­sen ro­ten Schlüs­sel ak­ti­viert wor­den ist. Bei der Be­wäl­ti­gung der­ar­ti­ger Groß­ta­ten ist dem 6,2 Li­ter gro­ßen, von nur je zwei Ven­ti­len pro Zy­lin­der und ei­ner zen­tra­len un­ten­lie­gen­den No­cken­wel­le ge­steu­er­ten HEMI-V8 ein statt­li­cher Kom­pres­sor be­hilf­lich, der sich – gleich­sam um An­er­ken­nung hei­schend – auch akus­tisch sehr do­mi­nant in Sze­ne setzt. Der

90-Grad-V8 dreht zwar kaum über sei­nen Leis­tungs­ze­nit bei 6000 /min hin­aus, er­le­digt dies aber mit ei­ner Dreh­freu­de, Ele­ganz und Durch­set­zungs­kraft, die selbst Ken­ner der Ma­te­rie sprach­los macht. So wie die­ser in sei­ner Mach­art her­kömm­lich er­schei­nen­de Small-Block im per­fek­ten Zu­sam­men­spiel mit der Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik zu Wer­ke geht, könn­te man mei­nen, es mit ei­nem renn­taug­li­chen An­triebs­strang neu­es­ter Art zu tun zu ha­ben. Der ZF-Au­to­mat schal­tet hoch wie run­ter fast so schnell wie ein Renn­ge­trie­be, da­für aber deut­lich ele­gan­ter. Das Gan­ze un­ter­malt von all je­nen akus­tisch so reiz­vol­len In­ter­mez­zi, die man im Um­feld ei­nes ve­ri­ta­blen Ami-V8 er­war­ten darf. Be­vor wir das Kon­sum­ver­hal­ten die­ses von 95 ok­ta­ni­gem Su­per­kraft­stoff an­ge­heiz­ten Kraft­werks in­ter­pre­tie­ren und wo­mög­lich noch ei­ne be­trüb­li­che CO2Dis­kus­si­on an­zet­teln, rich­ten wir un­ser Au­gen­merk lie­ber auf die üb­ri­gen Fahr­freu­de ge­ne­rie­ren­den und Fahr­si­cher­heit be­le­gen­den Aspek­te, die in ei­nem um­fäng­lich aus­ge­stat­te­ten, ge­räu­mi­gen und auch ge­wich­ti­gen Um­feld ge­wiss nicht selbst­ver­ständ­lich sind. Die Brems­an­la­ge mit Brem­bo-Kom­po­nen­ten et­wa ist im­stan­de, den ver­lo­cken­den Avan­cen des je­der­zeit im Nu mit bul­li­gem An­tritt auf­war­ten­den Mo­tors en­er­gi­sche Ver­zö­ge­rungs­leis­tun­gen und ein ver­läss­li­ches Durch­hal­te­ver­mö­gen ent­ge­gen­zu­set­zen. We­der die Kom­pres­sor-ge­la­de­ne V8-Po­wer noch das mas­si­ge Ge­wicht– voll­ge­tankt 2104 kg – kön­nen ihr im ers­ten An­lauf et­was an­ha­ben. Der für den Sprint aus dem Stand auf Tem­po 100 er­mit­tel­te Mess­wert von 4,5 Se­kun­den passt nur un­ge­fähr in die Ge­fühls­welt, in die sich die Be­sat­zung ka­ta­pul­tiert sieht, wenn bei vol­lem Leis­tungs­ein­satz die Ta­cho­na­del über die Ska­la huscht. Das Ge­brüll des Mo­tors und die im Na­cken spür­ba­re Träg­heit der Mas­se ha­ben spe­zi­ell in Ver­bin­dung mit dem an­sons­ten li­mou­si­nen­haf­ten Auf­tritt fast et­was Apo­ka­lyp­ti­sches. Un­ge­ach­tet der Launch-Con­trol mag sich die Hell­cat-Va­ri­an­te of­fen­bar kei­ner elek­tro­ni­schen Maß­re­ge­lung beu­gen, was da­zu führt,

Ein Schlüs­sel­er­leb­nis der be­son­de­ren Art

dass die 275er-Pi­rel­li auf der al­lein an­ge­trie­be­nen Hin­ter­ach­se an­ge­sichts des rie­si­gen Dreh­mo­ment­bergs leicht zum Durch­dre­hen nei­gen – na­tür­lich nur dann, wenn der Gas­fuß die nö­ti­ge Sen­si­bi­li­tät ver­mis­sen lässt. Elek­tro­nik- Bei­hil­fen und lan­ger Rad­stand hin oder her: Die of­fen­kun­di­ge Trak­ti­ons­schwä­che des Heck­trieb­lers spie­gelt letzt­lich nur die Ge­walt­aus­brü­che des Trieb­werks wi­der. Das ad­ap­ti­ve, von Bil­stein mit­ent­wi­ckel­te Fahr­werk ist ein Mus­ter an An­ge­passt­heit. Es hält ge­mäß sei­ner drei an­wähl­ba­ren Mo­di Street, Sport und Track Dämp­fer-Kenn­li­ni­en pa­rat, die sich gut von­ein­an­der un­ter­schei­den las­sen: an­ge­mes­sen kom­for­ta­bel ei­ner­seits, be­tont straff und die Wanknei­gung ver­hin­dernd im an­de­ren Ex­trem. Auch die elek­trisch un­ter­stütz­te Len­kung, an­fangs von er­staun­li­cher Di­rekt­heit ge­prägt, zeigt über den Tem­po­be­reich von null bis weit über 300 km/ h ein so ad­ap­ti­ves We­sen, dass man an­ge­sichts der Agi­li­tät auf der ei­nen und der von nichts und nie­man­den zu ir­ri­tie­ren­den Gera­de­aus­lauf­si­cher­heit auf der an­de­ren Sei­te des Fahr­dy­na­mik-Spek­trums von ei­nem in je­der Hin­sicht aus­ge­wo­ge­nen, si­che­ren und gut­mü­ti­gen Fahr­ver­hal­ten die­ser Höl­len­kat­ze spre­chen kann.

Tech­ni­sche Da­ten Dodge Char­ger SRT Hell­cat V8-Zy­lin­der, 2-Ven­ti­ler, Kom­pres­sor; 6166 cm 3; Verd. 9,5:1, Boh­rung x Hub: 103,9 x 90,9 mm, 527 kW/ 717 PS bei 6000 /min; 881 Nm bei 4000 /min; 8-Stu­fen-Au­to­ma­tik; Hin­ter­rad­an­trieb; Fahr­werk vorn: Dop­pel­quer­len­ker; hin­ten: Mehr­fach­len­ker­ach­se; rund­um: ad­ap­ti­ves Bil­stein-Com­pe­ti­ti­on-Fahr­werk

(ad­ap­ti­ve Dämp­fer), Sta­bi­li­sa­tor; ESP; Brem­sen: rund­um in­nen­bel., ge­schlitz­te Schei­ben; ABS; Be­rei­fung: rund­um 275/40 ZR 20, Pi­rel­li PZe­ro; Fel­gen 9,5 x 20 Zoll (Alu, ge­schmie­det); L/B/H 5100/1905/

1480 mm; Rad­stand 3058 mm; Spur­wei­ten v./h.: 1625/1618 mm; Leer­ge­wicht/Zu­la­dung 2104/391 kg;

Kof­fer­raum­vo­lu­men: 467 l; Ab­gas­norm Euro 5; Mess­wer­te: 0-100 km/h in 4,5 s; Höchst­ge­schw. 1,2: 280 km/h, Brems­weg 100 – 0 km/h kalt/warm: 34,7/33,5 m; Ver­brauch: 16,0 l S/100 km; EU-Ver­brauch 1: 19,9 l S/100 km; CO2-Aus­stoß 1: 480 g/km; Grund­preis 105.900 Euro

Werks­an­ga­ben; ab­ge­re­gelt; laut Her­stel­ler sind 328 km/h mög­lich

Der leis­tungs­för­dern­de Kom­pres­sor im V des Acht­zy­lin­ders ist nicht nur deut­lich zu se­hen, son­dern auch nicht zu über­hö­ren

Der Be­schleu­ni­gungs­ein­druck hat in sei­ner In­ten

si­tät fast et­was Apo­ka­lyp­ti­sches

Ro­ter Schlüs­sel: 717 PS – schwar­zer Schlüs­sel: 500 PS. Die per Wip­pen schalt­ba­re Au­to­ma­tik muss bis zu 881 Nm ver­ar­bei­ten

In Sa­chen Er­go­no­mie ist al­les zur Zuf­rie­den­heit ge­re­gelt. Die Brems­an­la­ge mit Brem­bo-Kom­po­nen­ten hält den An­grif­fen des Mo­tors sou­ve­rän stand

Gut sor­tiert und die Sin­ne an­re­gend, aber et­was un­auf­ge­räumt: at­trak­ti­ves Hell­cat

Cock­pit in ak­zep­ta­bler An­fass­qua­li­tät

mit un­ten ab­ge­flach­tem Lenk­rad

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