Le­xus LS 600h Mer­ce­des S 500 Hy­brid Por­sche Pan­ame­ra S E-Hy­brid

Der Le­xus LS 600h gilt als Hy­brid-Pio­nier in der Lu­xus­klas­se – doch Mer­ce­des und Por­sche sind mit ih­ren Plug-in-Hy­brid-Flagg­schif­fen, die sich auch an der Steck­do­se auf­la­den las­sen, nun ei­nen Schritt wei­ter

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­kus Schön­feld FO­TOS Jür­gen Zer­ha ]

Über den Wi­der­spruch, zwei­ein­halb Ton­nen schwe­re und mehr als 400 PS star­ke Lu­xus-Li­mou­si­nen mit dem Öko-La­bel Hy­brid zu schmü­cken, kann man si­cher­lich strei­ten. Doch laut­los an­ge­trie­ben in ei­ner voll aus­ge­stat­te­ten S-Klas­se mit lan­gem Rad­stand durch die In­nen­stadt zu schwe­ben, ist zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ei­ne Er­fah­rung der ganz be­son­de­ren Art. Öko­schwer­punkt hin oder her – das Kom­fort­p­lus der rein elek­tri­schen Fahrt passt gera­de in der Lu­xus­klas­se per­fekt zu ei­nem ge­die­ge­nen Auf­tritt. Und so ha­ben Mer­ce­des S 500 e und Por­sche Pan­ame­ra S E-Hy­brid mit ih­ren Plug-in-Kon­zep­ten – die Bat­te­rie kann an ei­ner Steck­do­se auf­ge­la­den wer­den – je­den­falls ei­nen gro­ßen Vor­teil ge­gen­über dem Hy­brid-Pio­nier in der Ober­klas­se. Denn der Le­xus LS 600h be­hält auch in der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on ei­ne re­la­tiv klei­ne Bat­te­rie, die nur wäh­rend der Fahrt auf­ge­la­den wer­den kann. Zu­dem ist die rein elek­tri­sche Fahrt hier nur auf sehr kur­zen Stre­cken mög­lich. Da- für protzt der Ja­pa­ner mit ei­nem Fünfli­terV8, All­rad­an­trieb und ei­ner 224 PS star­ken E-Ma­schi­ne. Ein Kräf­te­mes­sen der High­techBo­li­den auf höchs­tem Ni­veau.

Ka­ros­se­rie

Weil sich ei­ne gro­ße Hy­brid-Bat­te­rie samt Pe­ri­phe­rie nicht ganz so ein­fach ver­ste­cken lässt, muss man in al­len Mo­del­len mit Platz­ein­schrän­kun­gen im Kof­fer­raum le­ben. Mer­ce­des bie­tet den S 500 e da­her nur mit lan­gem Rad-

stand an und ver­packt das Ener­gie-Pa­ket hin­ter den et­was nach vorn ge­rück­ten Rück­sit­zen. Das Platz­an­ge­bot auf al­len vier Sit­zen ist den­noch über­ra­gend. Und das hell be­spann­te Cock­pitPan­ora­ma er­zeugt ei­ne ganz be­son­de­re Luf­tig­keit. Über Platz­man­gel kann man sich auch im Le­xus nicht be­schwe­ren, der im Fond den meis­ten Knie­raum bie­tet. Nach oben wird es hier aber vorn und hin­ten am ehes­ten eng. Im Por­sche sit­zen in­des al­le vier Pas­sa­gie­re so fest ver­an­kert wie in ei­nem Sport­wa­gen. Da­für las­sen sich nur beim Zuf­fen­hau­se­ner die Rück­sit­ze zu ei­ner ebe­nen La­de­flä­che um­klap­pen, so­dass ein gut nutz­ba­rer, 1153 Li­ter gro­ßer Kof­fer­raum ent­steht. Mit vier In­sas­sen an Bord bie­tet je­doch der Le­xus mit 420 Li­tern den meis­ten Stau­raum im Heck, wo­bei er in Sa­chen Va­ria­bi­li­tät – wie auch die S-Klas­se – kei­ne Punk­te be­kommt, denn hier wie da las­sen sich die Rück­sitz­leh­nen nicht um­le­gen. Und der Zu­griff auf den Kof­fer­raum ist wäh­rend der Fahrt man­gels Durch­rei­che nicht mög­lich.

All­zu schwer dür­fen Ge­päck oder Pas­sa­gie­re im Le­xus nicht sein. Durch das ho­he Leer­ge­wicht blei­ben im LS 600h gera­de gut 400 kg Zu­la­dungs­re­ser­ve. Da­für ist der Ja­pa­ner von Haus aus mit den meis­ten Ex­tras aus­ge­rüs­tet. Die Be­die­nung der vie­len teils ver­steck­ten Schal­ter und Knöp­fe er­for­dert je­doch ei­ni­ge Ge­wöh­nungs­zeit. Das Me­nü auf dem 12,3-Zoll-Bild­schirm wird über ei­ne mau­s­ähn­li­chen Con­trol­ler ge­steu­ert, der al­ler­dings ge­nau wie der Ge­trie­be­wähl­he­bel da­ne­ben kei­nen sehr so­li­den Ein­druck hin­ter­lässt. In die­ser Preis­klas­se darf man mehr Qua­li­tät er­war­ten. Da sind Mer­ce­des und Por­sche von ei­nem ganz an­de­ren Schlag. Der Pan­ame­ra wirkt bis ins kleins­te De­tail wie aus dem Vol­len ge­fräst, und die S-Klas­se ver­wöhnt mit tol­ler An­mu­tung und sehr ed­len Ma­te­ria­li­en. Sie setzt auch den Maß­stab bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung, die man bis hin zum Nacht­sicht­as­sis­ten­ten mit Fuß­gän­ger­er­ken­nung (2428 Euro), He­ad-upDis­play (1202 Euro) oder ak­ti­vem Tot­win­kelAs­sis­ten­ten auf­fül­len kann.

Fahr­kom­fort

Von die­sen Flagg­schif­fen darf man auf der lan­gen Stre­cke viel Kom­fort er­war­ten – und man wird nicht ent­täuscht. Durch­weg mit ad­ap­ti­ver Luft­fe­de­rung be­stückt, meis­tern sie na­he­zu al­le Une­ben­hei­ten sou­ve­rän. Da­bei ist der Por­sche er­war­tungs­ge­mäß sehr straff aus­ge­legt, was durch tro­cke­nes Ab­rol­len und sat­te Rück­mel­dung deut­lich wird. Un­kom­for­ta­bel ist er des­we­gen aber nicht – ak­ti­ve Fah­rer wer­den die­se Ab­stim­mung lie­ben. Da­ge­gen be­kommt

man im Le­xus nur we­nig von der Au­ßen­welt mit. An­teil dar­an ha­ben zum ei­nen die her­vor­ra­gen­de Ge­räusch­däm­mung, zum an­de­ren aber auch das et­was schwam­mi­ge Fahr­werk, das den LS nach star­ken An­re­gun­gen zum Auf­schau­keln oder Nach­schwin­gen bringt und die stärks­ten Auf­bau­be­we­gun­gen zu­lässt. Kom­fort­lieb­ha­ber wer­den sich dar­an kaum stö­ren, so­lan­ge sie nicht die S-Klas­se zum Ver­gleich her­an­zie­hen. Schlag­lö­cher und Wel­len bü­gelt der Schwa­be kom­plett aus der Wahr­neh­mung und schwebt ge­ra­de­zu über je­den noch so schlech­ten Un­ter­grund. Oben­drein könn­te man es auf den un­ver­gleich­bar be­que­men Sit­zen (Kom­fort-Pa­ket: 2791 Euro) ta­ge­lang aus­hal­ten. Por­sche setzt auch hier auf ei­ne sport­li­che­re, aber den­noch be­que­me Va­ri­an­te. Dem Le­xus-Ge­stühl fehlt es da­ge­gen trotz aus­ge­präg­ter Sei­ten­wan­gen we­gen der wei­chen Pols­te­rung ein we­nig an Sei­ten­halt.

Mo­tor/Ge­trie­be

Hy­brid ist nicht gleich Hy­brid. Das zeigt schon der Blick in die tech­ni­schen Da­ten. Denn wäh­rend der Le­xus die Po­wer sei­nes freisau­gen­den Fünfli­ter- V8Ben­zi­ners (394 PS) und der 165 kW star­ken EMa­schi­ne über ein stu­fen­lo­ses Au­to­ma­tik-Ge­trie­be und ein Tor­sen­dif­fe­ren­zi­al an al­le vier Rä­der schickt, blei­ben die deut­schen Kon­kur­ren­ten rei­ne Heck­trieb­ler. So­wohl Mer­ce­des als auch Por­sche set­zen beim Ver­bren­ner auf die Kraft ei­nes

auf­ge­la­de­nen V6-Ben­zi­ners (Mer­ce­des: Bi­tur­bo; Por­sche: Kom­pres­sor) mit je 333 PS. Beim Am­pel­start ent­puppt sich das Pa­ket in der S-Klas­se als wah­rer Dampf­ham­mer. Dank 650 New­ton­me­ter Sys­tem-Dreh­mo­ment kann man die Hin­ter­rä­der bei ab­ge­schal­te­tem ESP schon mal or­dent­lich rau­chen las­sen. In nur fünf Se­kun­den geht es schnau­fend aus dem Stand auf Tem­po 100. Ob­wohl der Le­xus no­mi­nell über die glei­che Sys­tem­leis­tung von 445 PS ver­fügt, braucht er für den Stan­dard­sprint 1,7 Se­kun­den län­ger – und selbst der Por­sche (416 PS) hat Mü­he, mit dem Stern mit­zu­hal­ten. Da­für kon­tert der Pan­ame­ra mit ei­ner Höchst­ge­schwin­dig­keit von 270 km/ h (Le­xus und Mer­ce­des: 250 km/ h) und ei­ner hell­wa­chen Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik. Die­se kann mit ih­rer di­rek­ten Art vor al­lem Sport­fah­rer be­geis­tern. So­lan­ge es um das kom­for­ta­ble Glei­ten geht, über­zeugt auch die ab­so­lut ruck­freie und stu­fen­lo­se Ge­trie­be­ab­stim­mung im Le­xus. Die gleich­blei­bend ho­he Dreh­zahl bei Voll­gas ist al­ler­dings ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Die aus­ge­spro­che­ne Lauf­kul­tur des Acht­zy­lin­ders ist frei­lich à la bon­ne heu­re. Nur der Ver­brauch liegt deut­lich hö­her als bei den Kon­kur­ren­ten. Le­gen Mer­ce­des und Por­sche gut 20 Ki­lo­me­ter der Ver­brauchs­stre­cke rein elek­trisch zu­rück, läuft der Kurz­hu­ber im LS die meis­te Zeit mit. So ver­langt der Ja­pa­ner im Test­schnitt nach 12,1 Li­tern auf 100 Ki­lo­me­tern. Die deut­schen Ri­va­len be­nö­ti­gen mit voll­ge­la­de­nem Ak­ku nur 8,6 Li­ter. Ist der Elek­tro­spei­cher da­ge­gen leer, muss auch hier im All­tag mit mehr als zehn Li­tern ge­rech­net wer­den. Die An­ga­ben aus dem EU-Zy­klus (Mer­ce­des: 2,8 Li­ter; Por­sche: 3,1 Li­ter) sind ein­mal mehr graue Theo­rie.

Fahr­dy­na­mik

Über fünf Me­ter lan­ge Ka­ros­se­ri­en mit gut drei Me­ter Rad­stand und deut­lich mehr als zwei Ton­nen Leer­ge­wicht sind nicht gera­de Ide­al­vor­aus­set­zun­gen für schnel­le Run­den auf ab­ge­sperr­ter Stre­cke. Das merkt man be­son­ders dem Le­xus an. Er lässt sich eher wi­der­wil­lig um en­ge Kur­ven schlän­geln. Die leicht­gän­gi­ge Len­kung und das schwam­mi­ge Fahr­werk ver­nich­ten je­g­li­che Art von Rück­mel­dung. Und auch die Brem­sen könn­ten wir­kungs­vol­ler ar­bei­ten. Im­mer­hin hat der All­rad­ler kei­ne Trak-

ti­ons­pro­ble­me am Kur­ven­aus­gang. Da keilt die S-Klas­se bei ab­ge­schal­te­tem ESP schon eher mal mit dem Heck aus. Das ho­he Ge­wicht auf der Hin­ter­ach­se macht sich auch beim schar­fen Ein­len­ken mit Last­wech­sel be­merk­bar. Al­ler­dings lässt sich das schwä­bi­sche Dick­schiff im Sport­mo­dus der Air­ma­tic er­staun­lich agil und prä­zi­se be­we­gen. Mit wel­cher Schär­fe gleich­wohl ein Pan­ame­ra um den Rund­kurs schnei­det, ist im­mer wie­der be­ein­dru­ckend. Die ul­tra­di­rek­te Len­kung, die za­cki­ge Schal­tung und die un­fass­bar stand­fes­te Brem­se (PCCB: 8509 Euro) zün­den zu­sam­men ein Feu­er­werk der Fahr­dy­na­mik.

Umwelt/Kos­ten

Jetzt sind star­ke Ner­ven ge­fragt. Denn ih­re Hy­brid-Lu­xus­damp­fer las­sen sich die drei Pre­mi­um­her­stel­ler teu­er be­zah­len. Le­xus bie­tet wie ge­wohnt auch beim LS 600h ver­schie­de­ne Aus­stat­tungs­li­ni­en an. Die Preis­span­ne be­ginnt bei 112.000 Euro und en­det bei 132.800 Euro für den LS 600h L. Fai­rer­wei­se sei er­wähnt, dass er stets üp­pig aus­ge­stat­tet ist: Di­gi­tal­ra­dio, Kur­ven­licht oder Fern­licht­as­sis­tent sind hier Standard. Nur der Ab­stands­re­gel­tem­po­mat ist in­klu­si­ve der Spu­ras­sis­ten­ten in ei­nem 4550 Euro teu­ren Pa­ket zu ha­ben. Die Ex­klu­si­vi­tät ei­nes Le­xus be­stra­fen die Ver­si­che­rer hin­ge­gen mit ho­hen Typ­klas­sen-Ein­stu­fun­gen. Und der nicht nur im EU-Zy­klus deut­lich hö­he­re Aus­stoß von Koh­len­di­oxid führt zu ei­ner Kfz-Steu­er von jähr­lich 308 Euro. Bei S-Klas­se und Pan­ame­ra kas­siert der Fis­kus läp­pi­sche 60 Euro. In der Mer­ce­des-Preis­lis­te steht der S 500 e mit ei­nem Ba­sis­preis von 109.778 Euro. Das ist ex­akt so viel wie für den S 500 mit 455 PS star­kem V8-Mo­tor und Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik. Er liegt da­mit gut 28.000 Euro über dem Ein­stiegs­mo­dell S 300 h mit Vier­zy­lin­der-Hy­brid. Da­bei ist er kei­nes­falls bes­ser aus­ge­stat­tet – vie­le Ex­tras wer­den hier noch be­rech­net. Das gilt tra­di­ti­ons­ge­mäß auch für Por­sche. Al­ler­dings ist der Pan­ame­ra S E-Hy­brid mit 106.720 Euro noch der Güns­tigs­te in die­sem Trio. Ihm ver­ha­geln nur die ex­trem kost­spie­li­ge Kar­bon-Ke­ra­mik-Brems­an­la­ge (8509 Euro) und die ma­ge­re Mul­ti­me­dia-Aus­stat­tung ei­ne bes­se­re Ka­pi­tel­wer­tung. Die Kraft­stoff­kos­ten sind – wie beim S 500 – ver­tret­bar.

Tie­fe Sitz­po­si­ti­on, grif­fi­ges Lenk­rad, mas­si­ve Mit­tel­kon­so­le – der Pan­ame­ra ist ein Sport­wa­gen

Et­was zer­klüf­te­tes Le­xus-Cock­pit – die Qua­li­tät reicht nicht an die der deut­schen Lu­xus­klas­se her­an

Die Le­der­sit­ze im LS 600h (o.) sind flau­schig, bie­ten aber nicht so viel Halt wie die von Mer­ce­des (Mit­te) oder gar Por­sche (u.). Am be­quems­ten ist das ex­klu­si­ve Mas­sa­ge-Ge­stühl in der S-Klas­se, das aber auch min­des­ten 2971 Euro ex­tra kos­tet Der Maß­stab: ed­les Fi­nish, vie­le Luft­aus­strö­mer, gro­ße TFT-Bild­schir­me und ein klas­si­sches Zwei­spei­chen-Lenk­rad im S 500

Wank­be­we­gun­gen und we­nig Rück­mel­dung in Kur­ven – der Le­xus punk­tet eher auf der ge­ra­den Langstre­cke

Bei der Fahr­dy­na­mik be­ein­druckt auch der Pan­ame­ra Hy­brid mit ma­kel­lo­ser Prä­zi­si­on und ul­tra­bis­si­gen Brem­sen

Die 2,24 Ton­nen Leer­ge­wicht kann der bä­ri­ge Hy­brid­an­trieb der S-Klas­se gut ka­schie­ren Bunt und in­for­ma­tiv: Le­xus (o.), Mer­ce­des (M.) und Por­sche (u.) un­ter­hal­ten mit ei­ge­nen Ener­gie­fluss-An­zei­gen,

die zum öko­no­mi­schen Fah­ren an­re­gen sol­len. Das größ­te Spar­po­ten­zi­al be­sit­zen S-Klas­se und Pan­ame­ra

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