Au­di A6 Mer­ce­des E-Klas­se

Die neue E-Klas­se rollt im April zu den Händ­lern. Mer­ce­des hat die Ober­klas­se-Li­mou­si­ne von Grund auf neu kon­zi­piert. Sie soll in ih­rem Seg­ment zu­künf­tig den Maß­stab set­zen. Wir ha­ben be­reits jetzt den E 220 d zu­sam­men mit ei­nem Au­di A6 2.0 TDI ul­tra auf

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Wie man die neue Mer­ce­des E-Klas­se mit ei­nem Wort be­schrei­ben kann? Ele­gant wür­de den Auf­tritt des Stutt­gar­ters ganz gut tref­fen. Denn die mit fei­nem Schwung vom brei­ten Küh­ler bis hin zu den Rück­leuch­ten ge­zeich­ne­te Ka­ros­se­rie steht der neu­en Ober­klas­se­Li­mou­si­ne aus­ge­spro­chen gut. Sie wirkt ge­streck­ter als die kur­ze CKlas­se und steht fi­li­gra­ner da als die wuch­ti­ge S-Klas­se, die bei­de die glei­che De­sign­spra­che zi­tie­ren. E-Klas­se be­deu­tet für Mer­ce­des auch gro­ßen Er­folg. Gut 13 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge ha­ben die Schwa­ben in die­sem Seg­ment bis­her ver­kauft. Ge­ne­ra­ti­on zehn soll die­sen Er­folg fort­set­zen. Da­zu reicht ei­ne ge­lun­ge­ne Op­tik al­lei­ne nicht. Zahl­rei­che tech­ni­sche In­no­va­tio­nen sol­len die star­ke Kon­kur­renz aus Mün­chen und In­gol­stadt auf Ab­stand hal­ten und die neue EKlas­se zur Num­mer eins ma­chen.

Die neue E-Klas­se ori­en­tiert sich an der S-Klas­se

Was die neue E-Klas­se al­les zu bie­ten hat, muss­te sie di­rekt wäh­rend ih­rer Prä­sen­ta­ti­on in Por­tu­gal ge­gen den Au­di A6 be­wei­sen. Mer­ce­des will in der Ober­klas­se Maß­stä- be set­zen. Und das ge­lingt den Schwa­ben be­reits im In­nen­raum: Die Ar­chi­tek­tur des E-Klas­se-Ar­ma­tu­ren­trä­gers ori­en­tiert sich deut­lich an dem der S-Klas­se. Vor al­lem die bei­den op­tio­na­len, bril­lan­ten Dis­plays mit je­weils 12,3 Zoll Bild­dia­go­na­le (Auf­preis: 1012 Euro) he­ben sich deut­lich von der In­stru­men­tie­rung des be­reits seit fünf Jah­ren pro­du­zier­ten Au­dis ab. Wich­ti­ger als die Bild­schir­me selbst ist aber, dass Mer­ce­des die Me­nü­füh­rung und de­ren Be­die-

nung über Schal­ter und Tas­ten grund­le­gend über­ar­bei­tet hat. Mit­tels be­rüh­rungs­sen­si­ti­ven klei­nen Touch­pads und Tas­ten in den Lenk­rad­span­gen las­sen sich nun na­he­zu al­le Funk­tio­nen des Co­mand-On­li­ne-Sys­tems und die um­fang­rei­chen Fahr­zeug-Kon­fi­gu­ra­tio­nen ein­stel­len. Der vom Vor­gän­ger be­kann­te Dreh-Drück­stel­ler und das Touch­pad auf der Mit­tel­kon­so­le sind aber im­mer noch mit an Bord. Auf ei­ne Ges­ten­steue­rung oder ei­nen zu­sätz­li­chen Touch­screen wie et­wa im neu­en BMW 7er ver­zich­tet Mer­ce­des je­doch. Im Au­di A6 lie­gen die Be­dien­ele­men­te weit aus­ein­an­der und die Be­dien­struk­tur ist – ob­wohl nicht so kom­plex wie die der E-Klas­se – in vie­le Un­ter­me­nüs auf­ge­fä­chert. Neue Au­di-Mo­del­le wie der A3 oder Q7 zei­gen al­ler­dings, dass auch die In­gol­städ­ter neue Pfa­de be­schrei­ten. Die Stutt­gar­ter Ober­klas­se ver­fügt zu­dem über ei­ne neue Art des schlüs­sel­lo­sen Zu­gangs ins Fahr­zeug per Smart­pho­ne. Das Mo­bil­te­le­fon ist oh­ne­hin fes­ter Be­stand­teil der Be­dien­struk­tur: Das Han­dy wird per spe­zi­el­ler „Ne­ar Field Com­mu­ni­ca­ti­on“zum Au­to­schlüs­sel, lädt sich per In­duk­ti­on auf, ver­bin­det sich au­to­ma­tisch mit dem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem und er­mög­licht per App ein fern­ge­steu­er­tes Ein­par­ken.

Die E-Klas­se setzt in Sa­chen Si­cher­heit Maß­stä­be

Kla­re Num­mer eins sein dürf­te die Stutt­gar­ter Ober­klas­se in Sa­chen Si­cher­heit (sie­he Kas­ten Sei­te 54) – dank kom­plett neu­er Fea­tu­res wie dem Dri­ve Pi­lot, der das Fahr­zeug teil­au­to­nom steu­ern kann und bei Blin­ker­be­tä­ti­gung selb­stän­dig die Spur wech­selt oder dem er­wei­ter­ten Pre Sa­fe-Sys­tem. Bei ei­nem mög­li­chen Sei­ten­auf­prall drückt die äu­ße­re Luft­kam­mer in den Sei­ten­wan­gen der Sit­ze Fah­rer und Bei­fah­rer in Se­kun­den­bruch­tei­len ein we­nig weg von der Tür und schafft so wich­ti­gen Über­le­bens­raum. Da kann der A6 der­zeit nicht mit­hal­ten. Na­tür­lich lässt sich Mer­ce­des die kom­ple­xen Mul­ti­me­dia- und Con­nec­tivi­ty­Lö­sun­gen so­wie den ho­hen Si­cher­heits­stan­dard ex­tra ent­loh­nen. Se­ri­en­mä­ßig hin­ge­gen gibt es die gu­te Er­go­no­mie im In­nen­raum. Lenk­rad und Sitz las­sen sich weit­räu­mig ein­stel­len. Und ob­wohl die neue E-Klas­se nicht län­ger oder brei­ter ist als der A6, wirkt sie in­nen luf­ti­ger. Selbst mit dem gro-

ßen Glas-Pan­ora­ma­dach (2106 Euro) bleibt reich­lich Raum über dem Kopf. Hin­ten gibt es die klas­sen­üb­li­chen Platz­ver­hält­nis­se. Ganz nach Stutt­gar­ter Phi­lo­so­phie bet­tet sich un­ser E 220 d auf ein Luft­fe­der­fahr­werk mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern und Ni­veau­re­gu­lie­rung (2261 Euro). Da­mit wogt die vier­tü­ri­ge Li­mou­si­ne sanft über wel­li­ge Pis­ten und zeigt ein sen­si­bel An­sprech­ver­hal­ten. Auch der Au­di be­herrscht mit Luft­fe­de­rung und ad­ap­ti­vem Dämp­fungs­sys­tem (1950 Euro) die­se Dis­zi­plin. Hier fah­ren bei­de Kon­kur­ren­ten auf ei­nem sehr ho­hen Ni­veau – das gilt auch für die ex­zel­len­te Ge­räusch­däm­mung. Die Mehr­kam­mer-Luft­fe­de­rung der E-Klas­se mit drei un­ter­schied­lich gro­ßen Kam­mern an der Hin­ter­ach­se und je­weils zwei in den vor­de­ren Fe­der­bei­nen er­mög­licht ei­ne in­di­vi­du­el­le An­pas­sung oder va­ri­iert zwi­schen sof­ter Gr­und­no­te und ho­her Fahr­sta­bi­li­tät bei zü­gi­gem Au­to­bahn­tem­po selb­stän­dig. Auch wenn Mer­ce­des-Kun­den vor al­lem den Rei­se­kom­fort als höchs­tes Gut schät­zen, dürf­te ih­nen die eben­falls ge­stei­ger­te Fahr- dy­na­mik der neu­en E-Klas­se ge­fal­len. Oh­ne Här­te, mit gu­tem Feed­back, fein re­geln­dem ESP und neu­tra­lem Grenz­be­reich lässt sich die heck­ge­trie­be­ne Li­mou­si­ne zü­gig auch über kur­vi­ge Stra­ßen trei­ben. Ins­be­son­de­re aus en­gen Keh­ren her­aus hat der Au­di deut­lich mehr Ar­beit da­mit, Lenk­be­feh­le und An­triebs­kraft aus­schließ­lich über die Vor­der­ach­se um­zu­set­zen. Ein Glanz­punkt der neu­en E-Klas­se ist der Sitz­kom­fort. Die Sit­ze bie­ten zum ei­nen mit der deut­lich hö­he­ren Leh­ne ei­ne er­heb­lich bes­se­re Schul­ter­ab­stüt­zung als bis­her. Zum an­de­ren wer­tet das Ak­tiv-Mul­ti­kon­tur­sitz-Pa­ket (2131 Euro) das Mo­bi­li­ar mit ak­ti­ven Sei­ten­pols­tern, in­ten­si­ver Mas­sa­gefunk­ti­on, jus­tier­ba­rer Schen­kel­auf­la­ge und per­fekt sit­zen­den Mul­ti­kon­tur­leh­nen zur Well­nes­sLounge auf. Auch Au­di bie­tet In­di­vi­dual­kon­tur­sit­ze (2500 Euro) an, die aber nicht ganz so in­ten­siv den Fah­rer um­schmei­cheln. Di­rekt zum Markt­start setzt Mer­ce­des auf kom­plett neu ent­wi­ckel­te Vier­zy­lin­der-Die­sel­mo­to­ren. Als E 220 d leis­tet das Zwei­li­ter- Trieb­werk 194 PS und pro­du­ziert ma­xi­mal 400 New­ton­me­ter. Auch wenn der Au­di 2.0 TDI ul­tra mit 190 PS und 400 New­ton­me­ter na­he­zu iden­ti­sche Wer­te auf­weist, schafft Mer­ce­des zu­min­dest bei den Werks­an­ga­ben bes­se­re Ver­brauchs- und Be­schleu­ni­gungs­wer­te. Der E 220 d sprin­tet in 7,3 Se­kun­den auf 100 km/ h, der Au­di be­nö­tigt mit 8,2 Se­kun­den fast ei­ne Se­kun­de mehr.

Der neue Zwei­li­ter-Die­sel ist kul­ti­viert und ef­fi­zi­ent

Be­reits der von Au­di an­ge­ge­be­ne Ver­brauchs­wert von 4,2 Li­tern auf 100 Ki­lo­me­ter klingt be­ein­dru­ckend. Mer­ce­des will aber dank kom­ple­xer Ab­gas­nach­be­hand­lung und dem durch ge­rin­ge Rei­bung auf Ef­fi­zi­enz ge­trimm­ten An­trieb ei­nen Ver­brauchs­wert von 3,9 Li­ter auf 100 Ki­lo­me­tern er­mög­li­chen. Wäh­rend der ers­ten Aus­fahrt war der Stutt­gar­ter mit rund 5,5 Li­tern un­ter­wegs, wäh­rend der Au­di ei­nen Ver­brauchs­wert von 5,7 Li­tern auf dem Bord­com­pu­ter aus­wies. Die ge­nau­en Wer­te wer­den wir dem­nächst beim ers­ten Ver­gleichstest der bei­den di­rek­ten

Kon­kur­ren­ten auf un­se­rer Ver­brauchs­stre­cke er­mit­teln. Im di­rek­ten Ver­gleich der bei­den Tur­bo­die­sel fällt die ver­bes­ser­te Lauf­ru­he des Mer­ce­des-Mo­tors auf. Der bis­her knur­ri­ge Un­ter­ton bei ho­hen Dreh­zah­len fällt beim neu­en Ag­gre­gat mil­der aus. Die se­ri­en­mä­ßi­ge Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik schal­tet sanft und setzt die über ein brei­tes Dreh­zahl­band nut­zba­re Kraft ge­lun­gen in Sze­ne. Dem auf Wunsch er­hält­li­chen Sie­ben­gang- Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be das A6 feh­len im di­rek­ten Ver­gleich vor al­lem die bei­den obe­ren Fahr­stu­fen. Da­mit glei­tet die E-Klas­se bei Tem­po 130 mit nied­ri­ge­ren Dreh­zah­len auf der Dreh­mo­ment­wel­le lei­se da­hin.

Der Au­di A6 bleibt das güns­ti­ge­re An­ge­bot

Dass es das neue Aus­hän­ge­schild der Schwa­ben nicht als Son­der­an­ge­bot gibt, ver­steht sich von selbst. Be­reits in der Ba­sis­kon­fi­gu­ra­ti­on kos­tet der E 220 d 47.124 Euro. Der A6 2.0 TDI ul­tra ist in­klu­si­ve Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be 2520 Euro güns­ti­ger. Bei der Gr­und­aus­stat­tung lie­gen bei­de Bu­si­ness-Li- mou­si­nen trotz der Preis­dif­fe­renz auf ei­nem Ni­veau. Micha­el God­de

FA­ZIT: Mit der neu­en E-Klas­se will Mer­ce­des künf­tig das Ober­klas­se-Seg­ment do­mi­nie­ren. Da­zu ha­ben die Schwa­ben an al­len Stell­schrau­ben ge­dreht und ein kom­plett neu ent­wi­ckel­tes Au­to auf die Rä­der ge­stellt. Schon beim ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fen des E 220 d mit sei­nem der­zeit här­tes­ten Ri­va­len, dem Au­di A6 2.0 TDI ul­tra, wird klar, dass die neue Stutt­gar­ter Ober­klas­se durch­aus das Zeug zum Klas­sen­pri­mus mit­bringt. Das neue Be­di­en­kon­zept, die zu­kunfts­wei­sen­de Cock­pit-Ar­chi­tek­tur, der ge­lun­ge­ne Spa­gat zwi­schen Kom­fort und Dy­na­mik so­wie der kraft­vol­le und spar­sa­me An­trieb zah­len sich aus. Der Au­di A6 kommt zwar in die Jah­re, kann aber im­mer noch mit fei­ner Ver­ar­bei­tung, gu­tem Kom­fort und güns­ti­ge­rer Preis­ge­stal­tung dem Mer­ce­des ge­fähr­lich wer­den. Wie ge­fähr­lich, das wird der ers­te Ver­gleichstest zei­gen.

Mer­ce­des Loun­geAt­mo­sphä­re im In­nen­raum der neu­en E-Klas­se mit gro­ßen, bril­lant auf­lö­sen­den Bild­schir­men. Per­fek­te Ak­tiv-Mul­ti­kon­tur­sit­ze. Neue Be­dien­ele­men­te im Lenk­rad. Per Dreh­reg­ler lässt sich die E-Klas­se in­di­vi­du­ell kon­fi­gu­rie­ren

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