BMW M2

Der neue BMW M2 weckt höchs­te Be­gehr­lich­kei­ten: Nicht, weil er al­les in Grund und Bo­den fährt, son­dern weil er die tra­di­tio­nel­le M-Phi­lo­so­phie in reins­ter Prä­gung rü­ber­bringt

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Horst von Saurma FO­TOS Frank Ra­te­ring ]

Der laut BMW „neue Maß­stab im Seg­ment der kom­pak­ten Hoch­leis­tungs­sport­ler“ist kei­ne Kra­wall­büch­se – Gott sei Dank. Der M2 gibt sich um­gäng­lich und fried­fer­tig, fast wie ein Al­ler­welts-Cou­pé. Kein auf­ge­setz­tes Flü­gel­werk, kei­ne Gim­micks, kein lau­tes Ge­tö­se. Der Ein­stieg ge­lingt ge­schmei­dig, der In­nen­raum of­fen­bart sich BMW-ty­pisch: prak­tisch, so­li­de, fort­schritt­lich mit um­fäng­li­chem In­fo­tain­ment-Sys­tem und in je­der Hin­sicht über­aus un­ter­halt­sam. Okay, die mus­ku­lö­se Li­ni­en­füh­rung sticht ins Au­ge, so wie die et­was über­di­men­sio­niert wir­ken­de Dop­pel­rohr-Aus­puff­an­la­ge, die er sich mit M3 und M4 teilt. Aber sonst: nichts Pro­vo­zie­ren­des, kei­ne Grob­heit und nichts, woran Kör­per und Geist sich sto­ßen könn­ten – we­der im Stand noch im Fahr­be­trieb. Ein in je­der Hin­sicht ge­schmei­di­ges Stück Au­to­mo­bil­tech­nik al­so. Die op­ti­sche Prä­senz er­reicht die­se kleins­te al­ler M-Pre­tio­sen nicht durch Grö­ße, son­dern durch ei­ne wohl­do­sier­te Stim­mig­keit in den Pro­por­tio­nen. Apro­pos: Sel­ten ist uns ein Cou­pé un­ter­ge­kom­men, dass sich wie die­ser Nach­fol­ger des 1er M Cou­pés ge­samt­heit­lich so reiz­voll in Sze­ne setzt. An­ge­fan­gen beim An­trieb: Der Mo-

tor, ein Rei­hen­sechs­zy­lin­der mit drei Li­ter Hu­b­raum, vier Ven­ti­len pro Zy­lin­der und – dem Zeit­geist so­wie den ver­schärf­ten Vor­ga­ben ge­hor­chend – von ei­nem Tur­bo­la­der un­ter Druck ge­setzt, lässt schon akus­tisch nichts an­bren­nen. Was nicht heißt, dass er dröh­nend zu Wer­ke ge­hen wür­de wie so ei­ni­ge Art­ge­nos­sen. Sä­mig, ker­nig und an­re­gend be­herzt schiebt die­ser Tur­bo das Cou­pé in ei­ner Leich­tig­keit nach vorn, als bö­te er weit mehr als „nur“370 PS und 465 New­ton­me­ter auf. Der Grund ist, wie stets in sol­chen Fäl­len, im güns­ti­gen Leis­tungs­ge­wicht zu fin­den: gut vier kg pro PS. So be­schleu­nigt der oh­ne Tur­bo­loch an­tre­ten­de Rei­hen­sech­ser – der im Ge­gen­satz zum Vor­gän­ger-Trieb­werk mit nur ei­nem La­der be­stückt ist – den M2 trotz­dem läs­sig in 4,2 Se­kun­den auf Tem­po 100 und in 14,9 Se­kun­den auf Tem­po 200. Die­se Wer­te be­zeu­gen nicht nur ein bä­ri­ges Leis­tungs­po­ten­zi­al des vor­züg­lich mit dem op­tio­na­len Sie­ben­gang- Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be har­mo­nie­ren­den Mo­tors. Sie ste­hen auch für ei­ne per­fek­te Um­set­zung der Kraft auf die Stra­ße. Was dem Vor­gän­ger nur mit Mü­he ge­lang, näm­lich gu­te Trak­ti­on, ist dem M2 vor al­lem dank sei­nes in­tel­li­gen­ten Hin­ter achs­dif­fe­ren­zi­als ein Leich­tes. Selbst bei­de­ak­ti­vier­tem DSC sind kei­ne Schlupf­ver­lus­te spür­bar. Das im Un­ter­schied zum se­ri­en­mä­ßi­gen ma­nu­el­len Sechs­gang-Ge­trie­be mit sie­ben Gang­stu­fen auf­war­ten­de Dop­pel kupp­lungs ge­trie­be hält in sei­ner um­fas­sen­den Ge­nia­li­tät – Stich­wor­te: Schnel­lig­keit und Ge­schmei­dig­keit – auch ein paar Sch­man­kerl be­reit, über die man schmun­zeln mag, die das lust­vol­le We­sen des M2 in­des treff­lich cha­rak­te­ri­sie­ren. Der so­ge­nann­te „Smo­key Bur­nout“ist nichts an­de­res als die nun­mehr künst­lich auf­be­rei­te­te Mög­lich­keit, Rei­fen­qualm zu pro­du­zie­ren. Wer da­von ab­se­hen möch­te, darf sich dar­auf freu­en, den Klei­nen Kurs Ho­cken­heim in per­fek­ter Renn­sport-Ma­nier in nur 1.13,2 Mi­nu­ten be­wäl­ti­gen zu kön­nen – al­so auf dem­sel­ben Ni­veau wie die gro­ßen Brü­der M3 und M4. Was soll man da­zu an­de­res sa­gen als: Der Klei­ne ist ein ganz Gro­ßer – und das in meh­rer­lei Hin­sicht.

FA­ZIT: tol­ler Mo­tor und ein Renn­sport-ähn­li­ches Set-up. Bei all­dem ist der BMW M2 noch ein Aus­bund an Fahr­freu­de – und das auch im All­tag.

Der auf­ge­la­de­ne Rei­hen­sech­ser ist auch akus­tisch ein­deu­tig als M- Pro­dukt er­kenn­bar

Rie­si­ge Brem­se mit blau­en Vier­kol­ben-Fest­sät­teln

Ty­pisch: blaue Zi­er­näh­te als Tüp­fel­chen auf dem i

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