Der neue Sko­da-Chef Bern­hard Mai­er im Ge­spräch

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Das Ge­spräch führ­ten Vol­ker Ko­erdt und Ste­fan Mie­te

Herr Mai­er, sind Sie mit den Re­ak­tio­nen auf die in Genf ge­zeig­te SUV-Stu­die Vi­si­onS zu­frie­den?

Für un­se­re ge­sam­te Mann­schaft sind die po­si­ti­ven Re­ak­tio­nen auf die Vi­si­onS sehr mo­ti­vie­rend. Der kraft­vol­le Auf­tritt des Au­tos hat in Genf über­zeugt.

Dann wach­sen die Chan­cen, dass Sie dem gro­ßen SUV ei­ne Va­ri­an­te zur Sei­te stel­len?

Erst ein­mal stel­len wir in der zwei­ten Jah­res­hälf­te un­ser gro­ßes Sko­da SUV vor. Da­für gibt die Vi­si­onS ja ei­ne ge­wis­se Ori­en­tie­rung. Was dar­über hin­aus kom­men wird, wer­den wir se­hen. Für den Markt in Chi­na ha­ben wir be­reits zwei wei­te­re SUV ent­schie­den. Das wä­ren auch in­ter­es­san­te Mo­del­le für Eu­ro­pa. Da­für prü­fen wir die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge und die er­for­der­li­chen Ka­pa­zi­tä­ten.

Am an­de­ren En­de der Mo­dell­pa­let­te steht der Ci­ti­go. Und da ent­steht Hand­lungs­be­darf, denn Kon­kur­ren­ten wie der Re­nault Twin­go ver­kau­fen sich deut­lich bes­ser in Deutsch­land. Wie sieht denn die Zu­kunft des kleins­ten Sko­da aus?

Die ge­sam­te Bran­che dis­ku­tiert, wie das Ci­ty­car der Zu­kunft aus­se­hen wird. Wel­ches Pa­cka­ge wird es ha­ben? Mit wel­cher An­triebs­tech­no­lo­gie wird es fah­ren? Ge­nau dar­um geht es auch in der Sko­da Stra­te­gie 2025, an der wir gera­de un­ter Hoch­druck ar­bei­ten. Wir wol­len die drei gro­ßen Me­ga­trends Ur­ba­ni­sie­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung und Elek­tri­fi­zie­rung auf un­ser Fahr­zeug-Port­fo­lio über­tra­gen und über­le­gen uns sehr ge­nau, was das künf­ti­ge Sko­da Ci­ty­mo- dell kön­nen muss. Noch sind die Ent­schei­dun­gen nicht ge­trof­fen.

Es könn­te al­so durch­aus auf ein rei­nes Elek­tro­au­to hin­aus­lau­fen?

Das könn­te für man­che Märk­te ei­ne hoch­in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve sein.

Von wel­chen Märk­ten spre­chen Sie?

Elek­tri­sche An­trie­be sind vor al­lem für die Me­ga-Ci­ties in­ter­es­sant. Gro­ße Me­tro­po­len ha­ben mit enor­men Um­welt­pro­ble­men zu kämp­fen. Hier muss auch der In­di­vi­du­al­ver­kehr sei­nen Bei­trag für ei­ne Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on leis­ten.

Zu­nächst geht es aber um neue SUV bei Sko­da?

Für die wei­te­re Ent­wick­lung un­se­rer Mar­ke ha­ben wir uns die in­ter­na­tio­na­len Märk­te und Trends ge­nau an­ge­schaut. Ge­ne­rell gibt es in den SUV-Seg­men­ten gro­ßes Po­ten­zi­al, und die­se Fahr­zeu­ge pas­sen zu Sko­da. Mit dem Ye­ti sind wir hier schon im Kom­pakt­be­reich ver­tre­ten, die ent­schei­den­de Er­wei­te­rung un­se­rer Mo­dell­pa­let­te er­folgt jetzt in dem be­son­ders in­ter­es­san­ten SUV A-Seg­ment.

Dem fol­gen auch die Wett­be­wer­ber. Müs­sen Sie nicht zu­sätz­lich neue Märk­te er­schlie­ßen?

Wir sind heu­te in 102 Märk­ten zu Hau­se, und wir wer­den un­se­re Markt­prä­senz in den nächs­ten Jah­ren welt­weit wei­ter aus­bau­en. Un­se­re Mo­dell­of­fen­si­ve ist ei­ne Grund­la­ge da­für. Pro­dukt­ent­wick­lung und In­ter­na­tio­na­li­sie­rung ge­hen Hand in Hand. Un­se­re Mar­ke wird durch das brei­te­re An­ge­bot im­mer in­ter­es­san­ter – auch für die Ver­triebs­part­ner. Zur­zeit prü­fen wir bei­spiels­wei­se kon­kret den Ein­stieg in Süd­ko­rea

Und wie steht es mit dem Iran und den USA?

Der Iran bie­tet für die gan­ze Bran­che ein gro­ßes Po­ten­zi­al. Ex­per­ten pro­gnos­ti­zie­ren dort in den nächs­ten Jah­ren ei­nen Ge­samt­markt von rund zwei Mil­lio­nen Au­tos pro Jahr. Wir füh­ren ent­spre­chen­de Ge­sprä­che, ent­schie­den ist aber noch nichts. Zu den NAFTA-Mit­glied­staa­ten: Al­lein auf­grund des Markt­vo­lu­mens von rund 25 Pro­zent des Welt­au­to­mo­bil­ab­sat­zes muss man sich mit die­ser Re­gi­on be­fas­sen. Da­her prü­fen wir im Rah­men der Stra­te­gie 2025 die Be­din­gun­gen ei­nes Markt­ein­tritts. Das Er­geb­nis un­se­rer Be­wer­tung ist al­ler­dings noch völ­lig of­fen.

Die Wachs­tums­stra­te­gie for­dert aber auch Op­fer. Wird Ih­nen der Rooms­ter nicht am En­de feh­len?

Wie Sie wis­sen, sind wir bei der Ent­wick­lung des neu­en Rooms­ter ei­ne star­ke Ko­ope­ra­ti­on mit Volks­wa­gen Nutz­fahr­zeu­ge ein­ge­gan­gen ...

... der Rooms­ter II wä­re ein De­ri­vat des Cad­dy ge­wor­den.

Wir sind am En­de je­doch zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass wir un­se­re Kräf­te und Ka­pa­zi­tä­ten auf die we­sent­lich grö­ße­ren SUV-Seg­men­te kon­zen­trie­ren soll­ten.

Wo­mit wol­len Sie den klas­si­schen RoomsterKun­den hal­ten?

Man­che wer­den zum Ye­ti grei­fen und vie­le zum Fa­bia Com­bi. Das ist mit Ab­stand das bes­te An­ge­bot am Markt im Klein­wa­gen­be­reich, ein ab­so­lu­tes Raum­wun­der mit tol­lem De­sign.

Was ist für Sie wich­ti­ger, die Emo­tio­na­li­sie­rung oder die Elek­tri­fi­zie­rung der Mar­ke?

Es führt an bei­den The­men kein Weg vor­bei. Sko­da braucht die Emo­tio­na­li­tät, um wei­te­re Käu­fer­schich­ten an­spre­chen zu kön­nen. Die emo­tio­na­le Kraft ei­ner Mar­ke ent­wi­ckelt sich stark über das De­sign. Und wir wis­sen sehr ge­nau, wie auf­nah­me­be­reit un­se­re Kun­den für das neue, aus­drucks­star­ke Sko­da-De­sign sind. Die Elek­tri­fi­zie­rung des In­di­vi­du­al­ver­kehrs ist nach heu­ti­gen Er­kennt­nis­sen un­aus­weich­lich. Die in­di­vi­du­el­le Mo­bi­li­tät muss sau­ber wer­den. Wir wol­len die­sen An­for­de­run­gen ge­recht wer­den, des­halb in­ves­tie­ren wir in die emo­tio­na­le Au­s­prä­gung und na­tür­lich auch in die tech­ni­sche Aus­stat­tung der Mar­ke.

Wann kommt der ers­te Sko­da mit Hy­brid­an­trieb?

Das wird im Jahr 2019 sein, mit dem ers­ten Su­perb Plug-in-Hy­brid. Das ers­te rein elek­trisch be­trie­be­ne Fahr­zeug wird dann auch nicht mehr all­zu lan­ge auf sich war­ten las­sen.

Ist ein Su­perb RS ei­ne Op­ti­on?

Wir se­hen all­ge­mein, dass un­se­re Kun­den un­ter­schied­li­che Va­ri­an­ten be­ste­hen­der Mo­dell­rei­hen wie die Mon­te Car­lo Li­ne oder Scout Li­ne schät­zen. Der Oc­ta­via RS ist auch so ein Ren­ner. Ein Su­perb RS ist ei­ne Al­ter­na­ti­ve, die wir nicht aus­schlie­ßen.

Kön­nen Sie si­cher sein, dass Ihr Haupt­lie­fe­rant VW un­ter dem zu­neh­men­den Spar- und Kos­ten­druck das ho­he Qua­li­täts­ni­veau hal­ten kann?

Wir wer­den beim Stre­ben nach Qua­li­tät nicht nach­las­sen. Das ist ein wich­ti­ger Wert für un­se­re Kun­den und ein Ver­spre­chen, das wir hal­ten wer­den. Wir bei Sko­da ha­ben tra­di­tio­nell ei­ne ho­he Fer­ti­gungs­tie­fe. Von der Gie­ße­rei über den Werk­zeug­bau bis zum Press­werk – wir ma­chen vie­le Tei­le schlicht selbst. Das ist ei­nes der Ge­heim­nis­se, wes­halb wir ei­ne so ho­he Qua­li­tät si­cher­stel­len kön­nen. Zu­dem ha­ben wir ei­nen kla­ren Fer­ti­gungs­kos­ten­vor­teil an un­se­rem Stand­ort in Tsche­chi­en. Den kön­nen wir an un­se­re Kun­den wei­ter­ge­ben. Was die Zu­lie­ferer­tei­le an­be­langt, ver­trau­en wir voll auf die Qua­li­tät un­se­rer Part­ner, na­tür­lich auch der Kol­le­gen im Kon­zern.

Ih­re Ab­satz­zah­len se­hen so aus, als ob der Die­sel-Skan­dal Sko­da nicht scha­den konn­te. Kann Sie das The­ma doch noch er­ei­len?

Zu­nächst ein­mal wer­den wir al­les tun, um die Er­eig­nis­se des letz­ten Jah­res mit den rich­ti­gen Maß­nah­men mög­lichst schnell und kon­se­quent an­zu­ge­hen und die not­wen­di­gen Up­dates an den be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen durch­zu­füh­ren. Zu Ih­rer Fra­ge: Mit der ak­tu­el­len Ab­satz­ent­wick­lung sind wir nicht un­zu­frie­den. Es ist ex­trem schwie­rig nach­zu­prü­fen, wie vie­le Fahr­zeu­ge wir ge­ge­be­nen­falls oh­ne den Die­sel-Vor­fall noch mehr ver­kauft hät­ten. Ent­schei­dend ist, wie wir auf die Feh­ler re­agie­ren. Dar­auf fo­kus­sie­ren wir uns jetzt – mit dem kla­ren Ziel, un­se­ren Kun­den wei­ter­hin ein ver­läss­li­cher Part­ner zu sein und als Mar­ke noch bes­ser da­zu­ste­hen.

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