Re­por­ta­ge: mit dem Nis­san Na­va­ra ins Kö­nig­reich Na­var­ra

Der Nis­san Na­va­ra ver­dankt sei­nen Na­men ei­ner klei­nen Pro­vinz im Nor­den Spa­ni­ens. Doch was ha­ben der mo­der­ne Pick-up und das ehe­ma­li­ge Kö­nig­reich ge­mein? Zeit für ei­ne Ex­pe­di­ti­on

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­kus Bach FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Au­to­na­men er­zäh­len manch­mal gan­ze Ge­schich­ten. Vor al­lem Nis­san hat ei­ne Vor­lie­be für ori­gi­nel­le Be­zeich­nun­gen mit Be­deu­tung. Wuss­ten Sie et­wa, dass der Qas­h­qai nach ei­nem im Iran an­säs­si­gen No­ma­den­volk be­nannt ist? Oder der Pul­sar sei­nen Na­men ei­nem schnell ro­tie­ren­den Neu­tro­nen­stern ver­dankt? Der Nis­san Na­va­ra führt sei­ne Be­zeich­nung da­ge­gen auf ei­ne Re­gi­on im Nor­den Spa­ni­ens zu­rück. Ob die neue Ge­ne­ra­ti­on des Pick-ups ih­ren Ruf­na­men zu Recht trägt, soll un­se­re Ex­pe­di­ti­on in das ehe­ma­li­ge Kö­nig­reich klä­ren. Die Rei­se be­ginnt je­doch in Bar­ce­lo­na. Im dor­ti­gen Nis­san-Werk wer­den al­le Na­va­ra für die eu­ro­päi­schen Märk­te pro­du­ziert, so auch un­se­re Dop­pel­ka­bi­ne mit dem neu­en 2,3Li­ter-Bi-Tur­bo­die­sel mit 190 PS. Zwar hät­te die King Cab ge­nann­te ver­län­ger­te Ein­zel­ka­bi­ne bes­ser zu un­se­rer Ge­schich­te ge­passt (von we­gen Kö­nig­reich und so). Doch die fünf­sit­zi­ge Dop­pel­ka­bi­ne ist die mit Ab­stand be­lieb­tes­te Ka­ros­se­rie­va­ri­an­te, für die sich 79 Pro­zent al­ler Käu­fer ent­schei­den. Vom Tor des Nis­s­anWerks sind es nur we­ni­ge hun­dert Me­ter bis zum gro­ßen In­dus­trie­ha­fen Bar­ce­lo­nas, der mit 1,6 Mil­lio­nen Ein­woh­nern zweit­größ­ten Stadt Spa­ni­ens. Wäh­rend Ma­drid das po­li­ti­sche Schwer­ge­wicht des Lan­des ist, gibt sich Bar­ce­lo­na als welt­of­fe­ne, mo­der­ne Groß­stadt. So rich­te­ten die Ka­ta­la­nen 1992 die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le aus. Seit­her hat sich Bar­ce­lo­na zum be­lieb­ten Tou­ris­ten­ziel ent­wi­ckelt – jähr­lich strö­men mehr als sie­ben Mil­lio­nen Be­su­cher in die Stadt. In den tren­di­gen Vier­teln der Me­tro­po­le am Mit­tel­meer macht un­ser Na­va­ra ei­ne gu­te Fi­gur – wäh­rend sich die Groß­städ­ter an SUV mitt­ler­wei­le ge­wöhnt ha­ben, fällt der Pick-up im mo­di­schen „Earth Bron­ze“-Lack noch auf. Da­bei hat sich hier kein kar­ges Nutz­fahr­zeug in die Stadt ver­irrt – der In­nen­raum des Na­va­ra könn­te sich eben­so gut in ei­nem mo­der­nen SUV fin­den: In der To­paus­stat­tung Tekna sind et­wa ein Sie­ben-Zoll-Touch­screen, Kli­ma­au­to­ma­tik und viel Le­der an Bord.

Als die Dun­kel­heit ein­setzt, wei­sen uns die Voll-LED-Schein­wer­fer des Na­va­ra den Weg zum Tor­re Ag­bar. Der 32-stö­cki­ge Bü­ro­turm ge­hört zu den mo­der­nen Wahr­zei­chen Bar­ce­lo­nas. Schon am Tag be­ein­druckt die Au­ßen­haut aus Glas und Alu­mi­ni­um, doch nachts wird der 142 Me­ter ho­he Turm zum Kunst­werk, an­ge­strahlt von 4500 LED-Pro­jek­to­ren. Noch hö­her ist die Sa­gra­da Fa­mi­lia – wenn sie denn ein­mal fer­tig wird. An der Ba­si­li­ka des Ar­chi­tek­ten An­to­ni Gau­dí wird seit 1882 ge­baut. Doch schon jetzt ge­hört sie zum Welt­kul­tur­er­be – eben­so wie der far­ben-und for­men­fro­he Park Güell, auch er ein Werk An­to­ni Gau­dís. Der pro­mi­nen­te Ver­tre­ter des Ju­gend­stils starb 1926, als er im hek­ti­schen Stadt­ver­kehr von ei­ner Stra­ßen­bahn über­se­hen wur­de. Das kann uns mit dem Na­va­ra nicht pas­sie­ren – er­ha­ben thro­nen wir über dem Ver­kehrs­ge­wu­sel. Selbst die fre­chen Mo­tor­rol­ler der Ka­ta­la­nen hal­ten ge­büh­rend Ab­stand. Und vor plötz­lich brem­sen­den Miet­wa­gen schützt ein au­to­ma­ti­scher Not­brems­as­sis­tent – erst­mals in ei­nem Pick-up. Wer in Bar­ce­lo­na is( s) t, soll­te un­be­dingt ei­ne der be­rühm­ten Ta­pasBars be­su­chen. Doch Vor­sicht: Als wir nach viel zu vie­len le­cke­ren Häpp­chen den La­den ver­las­sen, bleibt uns nur die be­ru­hi­gen­de Ge­wiss­heit, dass der Na­va­ra et­wa ei­ne Ton­ne Zu­la­dung ver­tra­gen kann. Am nächs­ten Tag star­ten wir in Rich­tung Na­var­ra. Ein klei­ner Ab­ste­cher führt uns nach Nor­den in die Py­re­nä­en, die im Mit­tel­al­ter die Gren­ze des Kö­nig­reichs zu Frank­reich bil­de­ten. Ser­pen­ti­ne um Ser­pen­ti­ne schraubt sich der Na­va­ra vor­bei an kris­tall­kla­ren Berg­seen hin­auf auf bis zu 1510 Me­ter Hö­he. Der Tur­bo­die­sel mit 450 Nm Dreh­mo­ment bleibt da­bei stets sou­ve­rän und lässt sich die knapp zwei Ton­nen Leer­ge­wicht des Na­va­ra nicht an­mer­ken. Im Ski-Res­sort For­mi­gal liegt zu die­ser Jah­res­zeit noch Schnee. Hier oben be­kom­men wir ei­nen Ein­druck da­von, wel­che Leis­tung es im Mit­tel­al­ter war, Wa­ren von Frank­reich in das Kö­nig­reich Na­var­ra zu brin­gen. Nach dem Ab­stieg war­tet ei­ne wei­te­re Be­wäh­rungs­pro­be auf Fah­rer und Fahr­zeug: die Halb­wüs­te Bar­de­nas Rea­les. Ir­gend­wie sur­re­al: Eben noch im Schnee, steht der Na­va­ra nun in ei­ner stau­bi­gen Land­schaft, die wie ge­schmol­zen wirkt. Ab­flie­ßen­des Was­ser aus den Py­re­nä­en

hat die un­ter­schied­li­chen Se­di­ment­schich­ten ero­die­ren las­sen. Das Er­geb­nis sind die für die Bar­de­nas ty­pi­schen aus­ge­trock­ne­ten Fluss­bet­ten und bi­zar­ren Berg­for­men. Bei der Fahrt durch das ur­tüm­li­che Ge­län­de zeigt der Na­va­ra sein Of­f­road-Ta­lent: Über ei­nen Dreh­reg­ler wäh­len wir den pas­sen­den An­trieb aus – mit dem 4LO-Mo­dus, bei dem per­ma­nent al­le vier Rä­der an­ge­trie­ben wer­den und das me­cha­ni­sche Sperr­dif­fe­ren­zi­al zum Ein­satz kommt, meis­tern wir auch an­spruchs­vol­le Klet­ter­übun­gen. Am Rand der tie­fen Can­yons gilt mein spe­zi­el­ler Dank je­doch dem Around Vie­wMo­ni­tor, der den Nis­san aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve zeigt und ei­ne 360 Grad-Rund­um­sicht lie­fert – vor al­lem, als Fo­to­gra­fin Da­nie­la Loof mich mit dem Pick-up im­mer noch ei­nen Me­ter nä­her an die Ab­riss­kan­te winkt … Wer in ei­ner sol­chen Land­schaft auf­wächst, dem kön­nen auch wil­de Stie­re nichts an­ha­ben. Da wun­dert es nicht, dass Na­var­ra – und vor al­lem die heu­ti­ge Haupt­stadt Pam­plo­na – ein Zen­trum des spa­ni­schen Stier­kampfs ist. Vor dem Spek­ta­kel in der Are­na fin­den die En­cier­ros, die Stier­läu­fe, statt. Seit Jahr­hun­der­ten ren­nen die jun­gen Män­ner von Pam­plo­na vor den mäch­ti­gen Tie­ren da­von, die durch die Alt­stadt ge­trie­ben wer­den. Ein ge­fähr­li­ches Ver­gnü­gen: Seit 1924 star­ben da­bei be­reits 15 Men­schen. Die en­gen Gas­sen der Alt­stadt sind auch für den Na­va­ra ei­ne Her­aus­for­de­rung – im­mer­hin streckt sich die Dop­pel­ka­bi­ne auf stol­ze 5,33 Me­ter Län­ge. Gut, dass Nis­san den Wen­de­kreis auf für ei­nen Pick-up sehr or­dent­li­che 12,4 Me­ter re­du­ziert hat. Nach dem Zwi­schen­stopp in Pam­plo­na fah­ren wir wei­ter Rich­tung Estel­la. Die Stadt am Rio Ega wur­de ab dem 11. Jahr­hun­dert von den Kö­ni­gen von Na­var­ra aus­ge­baut, um von den Pil­gern auf dem Ja­kobs­weg zu pro­fi­tie­ren. In kur­zer Zeit stieg sie zum wich­tigs­ten Han­dels- und Fi­nanz­platz auf und stell­te so­gar Pam­plo­na in den Schat­ten. Wer je­doch den Pa­last der Kö­ni­ge von Na­var­ra sucht, muss rund 40 Ki­lo­me­ter wei­ter nach Süd­os­ten fah­ren. Schon von Wei­tem er­ken­nen wir den präch­ti­gen Pa­la­cio Re­al de Oli­te. Die im­po­san­ten Mau­ern der al­ten Burg hat­ten den Kö­ni­gen über Jahr­hun­der­te Schutz ge­bo­ten, wenn das klei­ne­re Na­var­ra von sei­nen mäch­ti­gen Nach­barn be­droht wur­de. Ähn­lich be­hü­tet füh­len wir uns im Nis­san Na­va­ra. In den ver­gan­ge­nen vier Ta­gen ist der Pick-up zu un­se­rer fes­ten Burg ge­wor­den – ob im Ge­wim­mel der Groß­stadt, in der rau­en Wüs­te oder den en­gen Gas­sen des Kö­nig­reichs Na­var­ra.

Un­se­re Rei­se mit dem Na­va­ra be­ginnt in sei­nem Ge­burts­ort, dem Nis­san-Werk in Bar­ce­lo­na

Die Berg­mas­si­ve der Py­re­nä­en las­sen selbst ei­nen Pick-up wie Spiel­zeug er­schei­nen

Der di­rek­te Ver­gleich zeigt: Dem Nis­san Na­va­ra fehlt ein R – da­bei wä­re auf der Heck­klap­pe des Pick-ups ge­nü­gend Platz …

stammt aus dem 18. Jahr­hun­dert

In der Stier­kampf­are­na von Pam­plo­na las­sen sich die To­re­ros für ihr blu­ti­ges Spek­ta­kel fei­ern

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