Das ist kein Au­to­fah­ren mehr

8/2016 | Tren­d­re­port: Wie fah­ren wir in 30 Jah­ren – ein Blick in die au­to­mo­bi­le Zu­kunft

AUTO ZEITUNG - - LESERWAHL · DESIGN TROPHY 2016 -

Zum Glück bin ich in ei­nem Al­ter, dass ich die­sen Mist nicht mehr er­le­ben muss. Mal ehr­lich: Je­der, der noch Au­tos oh­ne ESP, ABS und ähn­li­chem – zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen nütz­li­chen – Schnick­schnack ge­fah­ren hat, kann ei­gent­lich auf se­ri­en­mä­ßi­ge Spuck­tü­ten ver­zich­ten. Doch wo bit­te bleibt die „Freu­de am Fah­ren“, wenn man nur noch als Pas­sa­gier in ei­ner fern­ge­steu­er­ten und total ver­netz­ten Blech­do­se von A nach B kut­schiert wird? Selbst Cap­tain Kirk mit Cr­ew muss­te sei­ne En­ter­pri­se noch sel­ber steu­ern. Es mag noch an­ge­hen, dass die Groß­städ­te da­durch ent­las­tet wer­den, wenn der In­di­vi­du­al­ver­kehr auf die­se Wei­se in ge­ord­ne­te Bah­nen ge­lenkt wird, weil die au­to­no­men Kut­schen Staus und Un­fäl­le ver­mei­den. Mit „ Au­to­fah­ren“an sich hat das aber nichts mehr zu tun. Werner Buch­bin­der per E-Mail

Au­to­no­mes Fah­ren? Mir graut. Die Au­tos wer­den schon jetzt im­mer mehr zu rol­len­den Com­pu­tern hoch­ge­rüs­tet, der Fah­rer mehr oder min­der frei­wil­lig zum Trot­tel de­gra­diert. Über­all blinkt und piept es, es wird au­to­ma­tisch ge­gen­ge­lenkt, ein­ge­parkt, vi­briert, si­gna­li­siert, all­zeit voll­in­for­miert oder Not-voll­ge­bremst. Sit­zen denn nur noch Blin­de, Tau­be oder Fein­mo­to­rik-Ge­stör­te hin­term Lenk­rad? Und wenn ich mir vor­stel­le, wie wir in we­ni­gen Jah­ren al­le ver-Goo­gelt und ver-App­le-d wer­den sol­len, in­dem wir in voll­au­to­no­men rol­len­de Ei­ern sit­zen, die nur noch ent­fernt an ein Au­to er­in­nern, dann gu­te Nacht! Auch ist mir nicht klar, in­wie­fern com­pu­ter­ge­steu­er­te Au­tos we­ni­ger Stau in den Städ­ten ver­ur­sa­chen sol­len als von Men­schen ge­fah­re­ne. Die Stör­an­fäl­lig­keit die­ser zwin­gend voll­ver­netz­ten Sys­te­me ist theo­re­tisch sehr hoch, die Haf­tungs­fra­ge noch über­haupt nicht ge­klärt. Die­ses neue Ge­schäfts­mo­dell der Elek­tro­ni­kGroß­kon­zer­ne löst nicht un­ser Mo­bi­li­täts­pro­blem der Zu­kunft, son­dern nur leis­tungs­fä­hi­ge, um­welt­freund­li­che Mas­sen­ver­kehrs­mit­tel. Die (meist deut­sche) Tech­nik wä­re längst vor­han­den, al­lein es fehlt der (po­li­ti­sche) Wil­le: Der Trans­ra­pid fährt mit 300 km/ h durch Chi­na, aber nicht durch Deutsch­land. Leis­tungs­star­ke, sau­be­re Ver­bren­nungs­mo­to­ren mit Was­ser­stoff­an­trieb gibt es seit 25 Jah­ren, aber fast kei­ne H2- Tank­stel­len – und da­her kei­ne Se­ri­en­pro­duk­ti­on. E-Mo­to­ren und Bat­te­ri­en wer­den im­mer bes­ser, aber es gibt aber viel zu we­nig La­de­sta­tio­nen da­für. Hier gibt es noch viel nach­zu­ho­len. Bis da­hin ge­be ICH mit mei­nem 150-PS-Ot­to­mo­tor or­dent­lich Gas, len­ke und brem­se wann ICH will und las­se auch mal ei­nen Rei­fen pfei­fen! Hal­le­lu­ja! Rai­ner Mant­lik Stadt­ber­gen

Die deut­schen Her­stel­ler ar­bei­ten schon jetzt an der au­to­mo­bi­len Zu­kunft von über­mor­gen

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