Bent­ley Ben­tay­ga Por­sche Cay­enne Tur­bo S

Bent­ley setzt mit dem Ben­tay­ga ein op­tisch glas­kla­res Su­per-Lu­xus-State­ment. Doch ob der 608 PS star­ke Bri­te mehr bie­tet als ma­kel­lo­ses Le­der und hand­ge­zo­ge­ne Näh­te, klärt un­ser Ver­gleichs­test ge­gen den durch­trai­nier­ten Por­sche Cay­enne Tur­bo S

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Auch Su­per-Lu­xus-Fahr­zeu­ge müs­sen ne­ben er­le­se­ner Aus­klei­dung und ei­nem bä­ren­star­ken An­trieb prak­ti­sche Ei­gen­schaf­ten bie­ten – das gilt be­son­ders für SUV. Stel­len Sie sich vor, der Scheich will nach dem Ritt durch die Dü­nen noch zum Bau­markt und ein paar Bret­ter für den neu­en Greif­vo­gel-Ver­schlag kau­fen. Oder die Olig­ar­chen-Gat­tin braucht Platz für die neu­es­te Pelz­kol­lek­ti­on – dann sind nicht nur Holz­fur­nie­re aus aus­tra­li­schem Eu­ka­lyp­tus und Bild­schirm-Be­spa­ßung im Fond ge­fragt, son­dern Stau­raum und Va­ria­bi­li­tät. Und so muss sich der Ben­tay­ga mit ei­nem Ri­va­len mes­sen las­sen, der Lu­xus, Sport und Prag­ma­tis­mus sehr gut ver­eint: dem Por­sche Cay­enne – hier als Tur­bo S.

Fahr­kom­fort

Ob­wohl der Zuf­fen­hau­se­ner kom­plett auf Sport ge­trimmt ist, ge­fällt er auf der Au­to­bahn

mit sat­ter Stra­ßen­la­ge und gu­ten Kom­fort­ei­gen­schaf­ten. Okay, die vier­flu­ti­ge Ab­gas­an­la­ge macht nur sel­ten ei­nen Hehl dar­aus, dass am an­de­ren En­de ein po­ten­ter V8 ar­bei­tet. Das straf­fe Fahr­werk spricht je­doch fein an und bringt den ho­hen Auf­bau nicht aus der Ru­he. Ei­ne Klas­se bes­ser ist aber der Ben­tay­ga – eben­falls ad­ap­tiv ge­dämpft so­wie luft­ge­fe­dert. Die Fahr­mo­di „Sport“und „Com­fort“kann man al­ler­dings ge­trost über­sprin­gen – der ei­ne ist zu straff, der an­de­re zu weich. Am bes­ten ar­bei­tet der 2576-Ki­lo-Trumm in „B“wie Bent­ley – äu­ßerst sen­si­bel an­spre­chend und trotz­dem im­mer vor­ge­spannt, um bei spon­ta­nen Aus­weich­ma­nö­vern nicht aus der Ru­he zu ge­ra­ten. Apro­pos Ru­he: Be­su­chen Sie doch mal ei­nen Bent­ley-Show­room und tes­ten Sie die (auf­preis­pflich­ti­gen) Kom­fort­sit­ze im Fond. Ein­fach ent­span­nend – mit Fuß­stüt­ze, aus­fahr­bah­rer Bein­auf­la­ge, Oh­ren­ses­sel-Kopf­stüt­zen so­wie Mas­sa­ge­pro­gramm. Und die Ses­sel in der ers­ten Rei­he – wie im Por­sche mit ein­stell­ba­ren Sei­ten­wan­gen, aus­fahr­ba­rer Ober­schen­kel­auf­la­ge und Len­den­wir­bel­stüt­ze – über­zeu­gen nicht nur mit for­mi­da­blem Langstre­cken­kom­fort, son­dern auch mit ih­ren Ma­ßen, die zu fast je­der Fah­rer­fi­gur pas­sen. Selbst beim The­ma Er­go­no­mie punk­tet der Ben­tay­ga mit zahl­rei­chen prak­ti­schen Abla­gen. Die Ables­bar­keit der re­du­zier­ten Ana­log- und Di­gi­tal-In­stru­men­te klappt gut, und dank Luft­fe­der­fahr­werk kann man die Ka­ros­se­rie zum Be­la­den des Kof­fer­raums um bis zu zehn Zen­ti­me­ter ab­sen­ken – die des Cay­enne üb­ri­gens auch.

Mo­tor / Ge­trie­be

Un­ter­schied­li­cher kön­nen zwei An­trie­be kaum sein: im Bri­ten ein dop­pelt auf­ge­la­de­ner W12 mit 608 PS, der nach dem Start so zu­rück­hal­tend läuft, dass man gleich dar­auf die Dreh­zahl­na­del fi­xiert, um zu über­prü­fen, ob das Ag­gre­gat nicht schon wie­der ab­ge­stor­ben ist. Und im Deut­schen ein Bi­tur­bo-V8, der sich grol­lend mit acht un­ru­hig stamp­fen­den Kol­ben mel­det. 570 PS leis­tet das 4,8 Li­ter gro­ße Kraft­werk und ka­ta­pul­tiert den Por­sche in nur 3,8 Se­kun­den auf Tem­po 100 und mit gar nicht mal so viel An­lauf bis auf 284 km/ h. Nur ei­ne Zehn­tel­se­kun­de lang­sa­mer sprin­tet der 300 Ki­lo schwe­re­re Ben­tay­ga bis auf Land­stra­ßen ge­schwin­dig­keit und tritt da­bei so ve­he­ment an, dass man die Ge­set­ze der Mas­sen­träg­keit an­zwei­feln könn­te. Der Blick ins Da­ten­blatt be­stä­tigt: Das kom­pakt bau­en­de Sechs­li­ter-Un­ge­tüm auf der Vor­der­ach­se türmt be­reits bei 1350 Tou­ren gi­gan­ti­sche 900 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment auf. Und dann zeigt der Bent­ley sei­ne ru­hi­ge Sei­te – mit au­to­ma­ti­schem Mo­tor­stopp im Stand, Se­gel­funk­ti­on der ZF-Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik und Zy­lin­der­ab­schal­tung beim ge­müt­li­chen Da­hin­glei­ten. Tech­nisch der­art auf­ge­rüs­tet, zü­gelt sich der W12 beim Ver­brauchs­test und ge­neh­migt sich 16,2 Li­ter Su­per Plus auf 100 Ki­lo­me­tern. Qua­si ge­nau­so viel Kraft­stoff spritzt der deut­lich leich­te­re Cay­enne in die acht Brenn­räu­me. Er muss dank sei­nes 100-Li­ter-Tanks al­ler­dings sel­te­ner an die Zapf­säu­le.

Ka­ros­se­rie

Der Ben­tay­ga ist ein Pa­last auf vier Rä­dern. Vi­el­leicht nicht ganz so groß, denn das Stan­dard-Kof­fer­raum­vo­lu­men gibt Bent­ley für den Vier­sit­zer (Se­rie) mit ge­ra­de mal 431 Li­tern an, da­für je­doch höchst edel aus­ge­klei­det mit di­cken Le­der­be­zü­gen bis in die Tie­fen der Fuß­räu­me und Echt­holz­fur­nier rund­um. Im Ver­gleich zur Hand­werks­kunst aus Crewe wirkt der eben­falls pe­ni­bel ver­ar­bei­te­te Cay­enne wie ein In­dus­trie-Pro­dukt von der Stan­ge. Was hin­ge­gen gar nicht zum Bent­ley passt, sind leich­te

Kn­arz­ge­räu­sche beim Über­fah­ren von Bu­ckel­pis­ten, ein paar Trop­fen Was­ser im Kof­fer­raum nach dem Be­such der Wa­sch­an­la­ge und leich­te Vi­bra­tio­nen in den Tü­ren ab et­wa 200 km/ h. Sitz­pro­be: Viel mehr Platz als im Cay­enne hat man im Ben­tay­ga vorn nicht, und auf der Rück­bank glänzt der Bri­te le­dig­lich mit et­was mehr Raum für die El­len­bo­gen. An die Bein­und Kopf­frei­heit des Por­sche reicht er je­doch nicht her­an. Un­term Strich kann man es so aus­drü­cken: Der Ben­tay­ga bie­tet in­nen deut­lich we­ni­ger Platz, als man es von der 5,14 Me­ter lan­gen und fast zwei Me­ter brei­ten Ka­ros­se­rie er­war­tet – beim Cay­enne ist es ge­nau um­ge­kehrt. Dass bei­de Lu­xus-SUV be­son­ders nach hin­ten schlecht über­schau­bar sind, ma­chen die se­ri­en­mä­ßi­gen Park­sen­so­ren schnell ver­ges­sen – be­son­ders, wenn man ei­nen Hän­ger an den op­tio­na­len Ha­ken neh­men will. Ja, Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen: Auch für den Ben­tay­ga ist ei­ne An­hän­ger­kupp­lung im An­ge­bot, selbst­ver­ständ­lich elek­trisch aus­fahr- und mit bis zu 3,5 Ton­nen be­last­bar. Das soll­te für Sport­boo­te oder Warm­blü­ter rei­chen. Dass der Cay­enne schon ein paar Jah­re un­ter­wegs ist, merkt man vor al­lem bei Be­die­nung und Si­cher­heits­aus­stat­tung: Die Me­nü­struk­tur des Touch­screens lenkt manch­mal et­was zu sehr ab. Au­ßer­dem ste­hen – an­ders als beim Bent­ley – we­der Nacht­sicht­ka­me­ra noch Hea­dup-Dis­play oder ei­ne prä­ven­ti­ve Crash-Sen­so­rik in der 122 Sei­ten lan­gen Por­sche-Preis­lis­te.

Fahr­dy­na­mik

Da­für ist der Tur­bo S ab Werk mit al­lem aus­ge­stat­tet, was aus dem ho­hen, schwe­ren SUV ei­nen flin­ken Sport­ler macht: Wank­aus­gleich, Tor­que Vec­to­ring, Sport­len­kung, 21-Zöl­ler und ei­ne Kar­bon-Ke­ra­mik-Brems­an­la­ge. Letz­te­re

fehlt dem Bent­ley – und das merkt man ihm un­ter höchs­ter Be­las­tung auch an. Al­ler­dings ist sei­ne Vor­stel­lung bei den zehn ob­jek­ti­ven Brems­mes­sun­gen stark. Noch bes­ser ist je­doch die des Cay­enne mit 32,9 Me­tern aus Tem­po 100 bis zu Still­stand. Im Sla­lom aber dü­piert der Ben­tay­ga den Cay­enne: Er ist se­ri­en­mä­ßig mit ei­nem 48- Volt-Teil­b­ord­netz aus­ge­rüs­tet, das die Elek­tro­mo­to­ren der ak­ti­ven Scha­eff­ler-Sta­bis blitz­schnell an­steu­ert, wel­che die Wank-und Nick­be­we­gun­gen des Ko­los­ses sehr ge­konnt un­ter­drü­cken. Auf dem Hand­ling­kurs spielt der Cay­enne dann zwar die Ge­wichts­kar­te, kann je­doch auch hier den Ach­tungs­er­folg des Ben­tay­ga nicht ver­hin­dern: Der­art leicht ha­ben sich fast 2,6 Ton­nen noch nie an­ge­fühlt.

Um­welt / Kos­ten

Über so viel Lu­xus kön­nen Nor­mal­ver­die­ner nur mit dem Kopf schüt­teln. Ei­ni­ge tau­send Bent­ley-Kun­den da­ge­gen ha­ben ge­nickt und den Kauf­ver­trag für das Lu­xus-SUV di­rekt un­ter­schrie­ben. Vom Cay­enne Tur­bo S hat Por­sche be­kann­ter­wei­se auch schon di­ver­se Ex­em­pla­re un­ters Groß­ver­die­ner-Volk ge­bracht. Und wer mit ein paar Ex­tras bis zu 300.000 Eu­ro für ein Au­to aus­gibt, der weiß, dass War­tung, Ver­si­che­rung und Kraft­stoff noch ein­mal fünf­stel­li­ge Be­trä­ge pro Jahr ver­schlin­gen kön­nen – vom Wert­ver­lust ganz zu schwei­gen.

Bent­ley Ben­tay­ga

608 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 3,9 s, 301 km/ h Spit­ze*, 16,2 l SP/ 100 km, 208.488 Eu­ro

* Werks­an­ga­be

Por­sche Cay­enne Tur­bo S 570 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 3,8 s, 284 km/ h Spit­ze*, 16,1 l SP/ 100 km, 166.696 Eu­ro * Werks­an­ga­be

1 Zu­schalt­ba­re Dif­fe­ren­zi­al-Sperr­wir­kung, 2 ma­nu­el­le Ni­veau-Re­gu­lie­rung der Ka­ros­se­rie für Aus­flü­ge ins Ge­län­de. 3 Drei Dämp­fer-Mo­di ste­hen zur Wahl. 4 Tas­ten un­ter an­de­rem für An­trieb (Sport, Sport Plus), Spur­hal­teas­sis­tent und Sta­bi­li­täts­kon­trol­le

Ken­nen wir von Au­di: Nacht­sicht­sys­tem mit Per­so­nen­er­ken­nung im Di­gi­tal-Bild­schirm zwi­schen klas­si­schen Ana­log-In­stru­men­ten

1 Et­was ver­steck­ter Star­ter für das W12-Kraft­werk im Fahr­dy­na­mik-Reg­ler. 2 Die sport­li­che Fahr­werks- und An­triebs­ein­stel­lung passt nicht wirk­lich zum läs­si­gen Ben­tay­ga. 3 In „Com­fort“schwingt die Ka­ros­se­rie zu stark nach, die bes­te Ein­stel­lung ist „B“. 4 Im Pa­ket (5385 Eu­ro) gibt es un­ter an­de­rem vier Of­f­road-Fahr­pro­gram­me, zum Bei­spiel für Sand oder Schlamm

Bent­ley: viel­fach ein­stell­ba­re Mas­sa­ge-Ses­sel mit lan­ger Bein­auf­la­ge (Pa­ket: 9829 Eu­ro). Fond-En­ter­tain­ment mit per WLAN an die Fahr­zeug­sys­te­me ge­kop­pel­ten Ta­blets (6384 Eu­ro). Sehr tief in­stal­lier­ter, aus­fahr­ba­rer Mi­ni-Touch­screen für Kli­ma, Sit­ze und Un­ter­hal­tung (links)

Üp­pi­ge Bein- und Kopf­frei­heit im Cay­enne-Fond, leicht kon­tu­rier­te Au­ßen­sit­ze. Tas­ten­flut für die Vier-Zo­nen-Kli­ma­ti­sie­rung im Fond (821 Eu­ro) – plus Knopf zum Ver­schlie­ßen des Fahr­zeugs (un­ten)

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