Por­sche Boxs­ter

Der neue Por­sche 718 Boxs­ter S zeigt, wie viel Spaß vier Zy­lin­der ma­chen kön­nen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Tho­mas Gei­ger

Prin­zi­pi­en­rei­ter ha­ben es in die­sen Ta­gen nicht ge­ra­de leicht mir ih­rer Lie­be zu Por­sche. Denn kaum ha­ben sie beim El­fer den Ab­schied vom Saug­mo­tor ver­daut, mu­ten ih­nen die Schwa­ben jetzt ei­ne Klas­se dar­un­ter auch noch den Ver­lust des Sechs­zy­lin­ders zu. Wenn En­de April un­ter dem neu­en Bau­rei­hen­kür­zel 718 der über­ar­bei­te­te Boxs­ter an den Start geht, schießt der Roads­ter zu Prei­sen ab 53.646 Eu­ro nur noch aus vier Büch­sen. Doch ge­nau wie beim gro­ßen Bru­der 911 ma­chen die Wei­sen aus dem Ent­wick­lungs­zen­trum in Weissach den Bruch mit der Tra­di­ti­on leicht. Denn auch wenn der Hu­b­raum beim Boxs­ter um 0,7 auf 2,0 und beim Boxs­ter S so­gar um 0,9 Li­ter auf im­mer­hin noch 2,5 Li­ter schrumpft, steigt die Leis­tung um 35 PS, und das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment klet­tert um bis zu 100 Nm. Für den Ba­sis-Boxs­ter ste­hen da­mit 300 PS und 380 Nm im Da­ten­blatt, für den Boxs­ter S nen­nen die Schwa­ben jetzt 350 PS und 420 Nm. Kein Wun­der, dass der Boxs­ter bis zu acht Zehn­tel schnel­ler be­schleu­nigt und jetzt im bes­ten Fall 285 km/ h schafft. Das 911 Car­re­ra Ca­brio er­reicht Tem­po 100 nach 4,8 Se­kun­den, ist nur sie­ben km/ h schnel­ler. Aber Zah­len zäh­len ja doch nur am Stamm­tisch. Ge­nau­so üb­ri­gens wie der Ver­brauch, der auf dem Prüf­stand um 13 Pro­zent sinkt und als maß­geb­li­cher Grund für die Schrumpf­kur gilt. Auf der Stra­ße da­ge­gen geht es al­lein ums Ge­fühl. Denn was nut­zen ei­nem die bes­ten Sprint­wer­te, wenn sich der Tur­bo erst ein­mal ei­ne Ge­denk­se­kun­de gönnt? Das wis­sen sie auch in Weissach und ha­ben ent­spre­chend Vor­sor­ge ge­trof­fen. Den Kampf ge­gen das Tur­bo­loch fech­ten die Schwa­ben beim Boxs­ter S mit ei­nem va­ria­blen VTG-La­der aus, der früh und mäch­tig für spon­tan ein­set­zen­den Schub sorgt, so wie es sich für ei­nen Por­sche ge­hört. Ob­wohl das Ge­trie­be noch im­mer so wun­der­bar kna­ckig und knö­chern ist, dass sich das Schal­ten an­fühlt, als schütt­le man ei­nen vol­len Kno­bel­be­cher, greift man we­gen des ho­hen Dreh­mo­ments nun viel sel­te­ner zum kur­zen Knüp­pel. Und für den nö­ti­gen Ner­ven­kit­zel gibt’s ei­nen Sound, der bei ei­nem Sau­ger kaum sinn­li­cher sein könn­te: Mit der neu­en Ab­gas­an­la­ge klingt der im­mer­hin weit über 7000 Tou­ren dre­hen­de Vier­zy­lin­der noch ker­ni­ger, noch vor­lau­ter, noch rot­zi­ger als die al­ten Sechs­zy­lin­der – erst recht, wenn man am neu­en Lenk­rad-Sa­tel­li­ten in den Sport+-Mo­dus wech­selt, sich die Schall­klap­pen in den mit­ti­gen En­d­roh­ren öff­nen und die Elek­tro­nik beim Schal­ten wie zum Tusch ein biss­chen Zwi­schen­gas ein­spritzt. Schö­ne neue Por­sche-Welt – und ir­gend­wie trotz­dem al­les beim Al­ten. Auch die­se Fest­s­tel-

lung gilt üb­ri­gens wie­der uni­so­no für den Ver­brauch. Wer den Boxs­ter S gat­tungs­ge­recht be­wegt, kommt nicht an­nä­hernd auf die für den Hand­schal­ter ver­spro­che­nen 8,1 Li­ter. Was ne­ben der Re­vo­lu­ti­on im Rü­cken der Pas­sa­gie­re gern in Ver­ges­sen­heit ge­rät, sind all die an­de­ren Ver­fei­ne­run­gen, die dem Boxs­ter zur Hälf­te der Lauf­zeit zu­teil wer­den. Das be­ginnt beim de­zent, aber wir­kungs­voll nach­ge­schlif­fe­nen De­sign mit der Re­mi­nis­zenz an den le­gen­dä­ren En­ten­bür­zel am Heck und den neu ge­schnit­te­nen Kot­flü­geln am Bug, die den Blick des Fah­rers förm­lich auf die Stra­ße zie­hen. Das geht wei­ter mit ei­nem Fahr­werk, das noch schär­fer und tro­cke­ner ab­ge­stimmt ist und das hin­ten mit ei­ner ver­stärk­ten Ach­se so­wie grö­ße­ren Rä­dern noch mehr Qu­er­kraft er­mög­licht – und das auch mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern (PASM) be­stellt wer­den kann. Da­mit wu­selt der Boxs­ter nun noch agi­ler und spon­ta­ner ums Eck, bleibt da­bei aber stets gut kon­trol­lier­bar. Der Um­bau gip­felt im neu­en Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem, das end­lich mit den Fin­ger­spit­zen be- dient wer­den und die gän­gigs­ten Smart­pho­nes in­te­grie­ren kann. Auf dem neu­en Touch­screen kann man üb­ri­gens auch schon er­ken­nen, dass die Re­vo­lu­ti­on bei Por­sche mun­ter wei­ter­geht. We­ni­ger, weil im Herbst selbst­ver­ständ­lich auch der Box­sterB­ru­der Cay­man zum 718er wird und sich mit vier Zy­lin­dern be­gnü­gen muss. Son­dern mehr noch, weil Por­sche hin­ter den Ku­lis­sen längst auch am Hy­brid­an­trieb für sei­ne Sport­wa­gen bas­telt und spä­tes­tens in der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on des­halb auch elek­trisch an den Start sur­ren wird. Nicht um­sonst sind im neu­en Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem die La­de­sta­tio­nen schon hin­ter­legt. So ge­se­hen, lie­be Prin­zi­pi­en­rei­ter, sind vier Zy­lin­der vi­el­leicht doch gar nicht so schlimm.

Neu ge­stal­te­tes Heck mit klei­nem Bür­zel und

mar­kan­tem Schrift­zug

Der Boxs­ter klingt ker­ni­ger als die al­ten Sechs­zy­lin­der

Cock­pit mit neu­em Na­vi und mehr Kon­nek­ti­vi­tät. Das Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be PDK kos­tet 2826 Eu­ro

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