Mer­ce­des S-Klas­se Ca­brio

Dach auf oder zu: Im Mer­ce­des S 500 Ca­brio­let bleibt man im­mer un­ter sich

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jo­han­nes Riegs­in­ger

Läs­si­ges Crui­sen über die Cor­ni­ches ober­halb von Mo­na­co, die ser­pen­ti­nen­be­stück­ten Pan­ora­ma­stra­ßen in bes­ter Aus­sichts­la­ge auf die Cô­te d’Azur. Tief un­ten an­kern Lu­xus-Yach­ten in Flug­zeug­trä­ger- Grö­ße, und der süd­fran­zö­si­sche Früh­ling zeigt sich von sei­ner bes­ten Sei­te. Wer jetzt am Steu­er des neu­en S-Klas­se-Ca­brio­lets von Mer­ce­des sitzt, hat in je­der Hin­sicht ei­nen Platz an der Son­ne er­gat­tert. Und wäh­rend das gro­ße Lu­xus-Au­to­mo­bil mit sanft aus- und ein­at­men­dem V8 da­hin­strömt, fällt den In­sas­sen ein, dass die­ses Au­to tat­säch­lich na­he­zu kon­kur­renz­los ist: Vier Sit­ze un­ter frei­em Him­mel in der Lu­xus­klas­se, das gibt es in die­ser Form nir­gends. Ul­tra­kom­for­ta­bel, end­gül­tig mo­dern, ver­blüf­fend dy­na­misch, episch groß. Und so­gar sa­gen­haft preis­wert. Der Preis des S-Klas­se-Ca­bri­os stimmt zwar in Re­la­ti­on zu Li­mou­si­ne und Cou­pé – ver­gli­chen mit den sehr teu­ren, sel­ten bes­se­ren Ca­bri­oAn­ge­bo­ten eng­li­scher und ita­lie­ni­scher Edel­mar­ken ist die of­fe­ne S-Klas­se aber ein Schnäpp­chen. Zum Bei­spiel Rolls-Roy­ce Dawn: Er hat we­ni­ger Leis­tung als ein AMG-Ca­brio, ist aber 142.130 Eu­ro teu­rer. Die Stutt­gar­ter Pro­dukt­stra­te­gen dürf­ten bei sol­chen Re­chen­bei­spie­len ver­mut­lich kaum noch die Markt­ein­füh­rung des künf­ti­gen Mer­ce­des-May­bach Ca­brio­lets er­war­ten kön­nen … Aber die neue, of­fe­ne S-Klas­se ist auch ganz hand­fest be­trach­tet ein Uni­ver­sum für sich: Die hei­li­ge Drei­sei­dig­keit aus Air­cap (elek­trisch aus­fahr­ba­rem Wind­ab­wei­ser mit hö­he­ren Wind­ge­räu­schen, aber mi­ni­mier­ten Tur­bu­len­zen im Cock­pit), Airs­carf (Na­cken­hei­zung) und Air­ma­tic (Luft­fe­der­fahr­werk) treibt dem Ca­brio­fah­ren den letz­ten Rest Wild­heit aus. Wie in ei­nem Ko­kon aus Wohl­ge­fühl schwebt

man im S-Klas­se Ca­brio da­her, um als Pre­mi­um-Voy­eur das Le­ben zu stu­die­ren, aber ir­gend­wie nicht so recht dar­an teil­zu­neh­men: Schlech­te Stra­ßen wer­den sou­ve­rän neu­tra­li­siert, der Ab­roll­kom­fort ist kö­nig­lich. Ge­räu­sche und Wind­zug drin­gen nur noch wie durch ei­nen weich­zeich­nen­den Ro­man­tik-Fil­ter zu den In­sas­sen. Und das drei­la­gi­ge Akus­ti­kVer­deck (Öff­nen/Schlie­ßen in 20 Se­kun­den bis 60 km/ h) ist zu­sam­men mit der Dop­pel­ver­gla­sung ge­schlos­sen so lei­se, dass kein Un­ter­schied zum Cou­pé fest­stell­bar bleibt. Selbst die wuch­ti­gen V8-Mo­to­ren dür­fen sich in die­sem Am­bi­en­te nur durch wil­li­ge Über-Sou­ve­rä­ni­tät be­merk­bar ma­chen. Das gilt so­gar für die sonst so an­ge­nehm wahn­wit­zi­ge AMG-5,5-Li­ter-Bi­tur­bo-Ma­schi­ne, die ih­re be­rau­schen­de Kraft im S 63 Ca­brio von ei­nem se­ri­en­mä­ßi­gen 4Ma­tic-All­rad­an­trieb ganz zi­vi­li­siert ser­vie­ren lässt und auch akus­tisch un­ge­wohnt tu­gend­haft wirkt. Bei so viel Kul­tur wird der 455 PS star­ke Bi­tur­bo-V8 des S 500 zur pas­sen­den Ide­al­be­set­zung: Er schiebt das über zwei Ton­nen schwe­re Ca­brio ve­he­ment an, wird da­bei nur in ganz aus­ge­las­se­nen Mo­men­ten et­was ker­ni­ger und geht an­sons­ten ganz im rund­um wohl­tem­pe­rier­ten Cha­rak­ter des Ge­samt­fahr­zeugs auf. Über­ra­schen kann im S-Klas­se-Ca­brio­let ei­gent­lich nur, wie er­staun­lich prä­zi­se, wil­lig und agil das Fünf-Me­ter-Schiff über die kur­vi­gen Stra­ßen der See­al­pen se­gelt – und dass es an­schei­nend auch trotz über 2,90 Me­ter Rad­stand nicht mög­lich ist, bei ei­nem mo­der­nen Ca­brio im Fond lang­stre­ck­en­taug­li­che Bein­frei­heit für Er­wach­se­ne an­zu­bie­ten.

Sinn statt Sinn­lich­keit: voll­di­gi­ta­les Cock­pit als Über­nah­me aus dem S-Klas­se Cou­pé. Auf den Rück­sit­zen kom­men er­wach­se­ne Mit­fah­rer nur auf kur­zen Stre­cken kom­for­ta­bel un­ter Mer­ce­des-AMG S 63 4Ma­tic Ca­brio Mit 585 PS star­kem 5,5-Li­ter-AMG-V8 sorgt das All­ra­dCa­brio für herr­li­che Or­k­an­bö­en. Das stür­mi­sche Ver­gnü­gen muss ei­nem aber min­des­tens 187.500 Eu­ro wert sein.

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