Mer­ce­des SL

Am so­li­den Kon­zept des Mer­ce­des SL ha­ben wir nie ge­zwei­felt, am De­sign zu­letzt schon. Jetzt ha­ben die Schwa­ben re­agiert und schickt den nicht nur kos­me­tisch ver­bes­ser­ten Lu­xus-Roads­ter ins Ren­nen. Im Test der bes­te Ein­stiegs-SL al­ler Zei­ten

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jür­gen Voigt

Den Stan­dard für den lu­xu­riö­sen, of­fe­nen Zwei­sit­zer schlecht­hin setzt Mer­ce­des seit Jahr­zehn­ten mit dem SL. Stets ge­pflegt und über teils sehr lan­ge Mo­dell­zy­klen wei­ter per­fek­tio­niert, kam es 2001 mit der Bau­rei­he R 230 zur Re­vo­lu­ti­on: Der Roads­ter er­hielt ein mas­si­ves Klappdach aus Stahl. Da­mit än­der­te der SL zwar sei­ne Form grund­le­gend, doch noch ahn­te kei­ner, wie gut das so­li­de Dach zum Ur­ge­stein passt. Erst in der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ab 2012 ha­gel­te es Kri­tik am doch recht ver­schro­ben wir­ken­den Nach­fol­ger R 231. Das hat man kor­ri­giert: Das SL-Ge­sicht reiht sich nun naht­los in die ak­tu­el­le Mo­dell­pa­let­te, wirkt für sich al­lein aber we­sent­lich ele­gan­ter als vor dem Face­lift.

Vie­le As­sis­ten­ten, per­ma­nen­te Ver­net­zung und in­tel­li­gen­tes LED-Licht

Doch nicht nur SL-Tra­di­tio­na­lis­ten und Äs­t­he­ten kom­men mit dem Neu­en auf ih­re Kos­ten. Zu den tech­ni­schen Ver­bes­se­run­gen zäh­len die Dach­be­tä­ti­gung nach dem An­fah­ren bis zu 40 km/ h, das neue se­ri­en­mä­ßi­ge LED-In­tel­li­gent Light-Sys­tem so­wie das teils op­tio­na­le Ar­senal an ak­tua­li­sier­ten As­sis­tenz­sys­te­men – von der Crash­ver­mei­dung über Spur­hal­te- und wech­sel­hil­fen bis hin zum freund­li­chen Ein­park­but­ler, der Park­lü­cken fin­det und die Lenk­ar­beit über­nimmt. Zu­dem ist der SL jetzt über ei­ne in­ter­ne SIM-Kar­te und das ab Ba­sis op­tio­na­le Co­mand On­line-Sys­tem voll ver­netzt zur Nut­zung von On­line-Funk­tio­nen wie Live Traf­fic oder Mer­ce­des me con­nect. Ein be­son­de­rer Clou ist die Kur­venn­ei­ge­funk­ti­on des op­tio­na­len Ac­tive Bo­dy Con­trol-Fahr­werks (ABC): Das Au­to neigt sich in die Kur­ven wie ein Mo­tor­rad und ver­rin­gert da­durch die auf die Pas­sa­gie­re wir­ken­de Qu­er­be­schleu­ni­gung. Zu­rück zur Ba­sis. Die heißt SL 400 und hat ei­ne eben­falls at­trak­ti­ve Neue­rung un­ter der Hau­be. Der 3,0-Li­ter-V6-Bi­tur­bo ent­wi­ckelt nun 367 hell­wa­che PS – 34 mehr als bis­her. Noch ver­hei­ßungs­vol­ler le­sen sich die 500 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment, die be­reits ab 2000 Tou­ren kom­plett sind und bis 4200 Um­dre­hun­gen an­hal­ten. Das soll­te dem läs­si­gen Kom­fort-Cha­rak­ter ei­nes SL doch eben­so ent­ge­gen­kom­men wie die neue Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik, die mit ih­rer grö­ße­ren Sprei­zung jetzt ef­fi­zi­en­tes Crui­sen bei noch nied­ri­ge­ren Dreh­zah­len er­laubt. Doch von we­gen ent­spannt und crui­sen: Beim Druck auf den Start­knopf bellt der Sechs­zy­lin­der mit ei­nem kur­zen, kna­cki­gen Gasstoß erst mal die Nach­barn an, be­ru­higt sich dann aber schnell wie­der. Nein, der SL 400 ist nun nicht zum ag­gres­si­ven Su­per­sport­ler mu­tiert, über­rascht aber mit ge­schärf­tem, nie ner­vi­gem Sound. Und er lässt Ta­ten fol­gen, be­schleu­nigt

im Test in nur 4,9 Se­kun­den auf Tem­po 100 so­wie in 17,3 auf 200 km/ h. Und auch die Spit­ze von 250 ist zü­gig er­reicht. Das hat so bis­lang noch kein Ein­stiegs-SL ge­schafft und wirft die Fra­ge auf, ob man auf den 455 PS star­ken SL 500 nicht ver­zich­ten kann, zu­mal sich der Ba­sis-SL im Test mit 11,0 l S/100 km be­gnügt. Obend­rein ver­mit­telt der Vier­hun­der­ter ei­ne bis­her nicht ge­kann­te Fahr­freu­de: Mit Sport­fahr­werk, aber oh­ne ABC-High­tech zieht der Test-SL prä­zi­se sei­ne Krei­se, gibt aus­rei­chend Rück­mel­dung über die recht di­rekt über­setz­te Len­kung, die die Wün­sche des Fah­rers spon­tan um­setzt. Ins­ge­samt er­reicht der SL 400 ei­ne tol­le Ba­lan­ce. Ei­ner­seits kom­pen­siert das ad­ap­tiv ge­dämpf­te Fahr­werk As­phalt­stö­run­gen wie Qu­er­fu­gen und Schlag­lö­cher na­he­zu per­fekt, hält da­bei die Ka­ros­se­rie­be­we­gun­gen aber stets un­ter Kon­trol­le – fern­ab jeg­li­cher Ner­vo­si­tät. Wer’s gern straf­fer mag, wech­selt in den Sport­mo­dus, doch das ist kaum nö­tig. Den so­li­den Touch des Uner­schüt­ter­li­chen bringt der SL auch nach dem Face­lift mit, le­dig­lich den mit Aus­set­zern ge­spick­ten di­gi­ta­len Ra­dio­emp­fang (DAB) soll­ten die Mer­ce­des­In­ge­nieu­re bes­ser in den Griff be­kom­men. Das kann man bei ei­nem Au­to für min­des­tens 99.097 Eu­ro ver­lan­gen – DAB kos­tet üb­ri­gens 506 Eu­ro ex­tra.

Kern­kom­pe­tenz des SL: ent­spann­tes, kom­for­ta­bles Rei­sen, schön luf­tig, bei Be­darf aber auch na­he­zu zug­frei

Die op­tio­na­le Co­mand On­line-Na­vi­ga­ti­on im hoch­fei­nen Cock­pit nutzt auch ak­tu­el­le Netz-Da­ten

Dis­play-An­zei­ge für Lenk­win­kel, Quer-/Längs­Be­schleu­ni­gung und mehr, hier im Sport+ Mo­dus

Auch mit ge­schlos­se­nem Dach be­wahrt der SL sei­ne Ele­ganz, der Kof­fer­raum wächst von 345 auf 485 Li­ter. Das Zwei­er-Ap­par­te­ment bie­tet zu­dem noch groß­zü­gi­gen Stau­raum hin­ter den Sit­zen

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