Mit Mer­ce­des C-Klas­se, Ja­gu­ar XF, Seat Le­on ST Cu­pra und BMW 4er durch Süd­frank­reich

Au­to­bahn, Ser­pen­ti­nen, Bu­ckel­pis­te – und dann auch noch Re­gen: Ho­he An­for­de­run­gen an den Goo­dye­ar Eag­le F1 Asym­metric 3 auf un­se­rer Tour zwi­schen Cô­te d’Azur, Ca­mar­gue und Köln

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FOTOS Da­nie­la Loof ]

Aufs Land zie­hen? Su­per­markt, Stamm­knei­pe so­wie Ar­beits­platz mei­len­weit ent­fernt? Nie­mals! Und dann gibt es da ja auch noch das kul­tu­rel­le Le­ben und di­ver­se Bil­dungs­ein­rich­tun­gen … Doch sol­che Ar­gu­men­te in­ter­es­sie­ren die Be­woh­ner des Berg­dorfs Touët-de-l’Es­carè­ne, „Toué­tois“ge­nannt, eher nicht. Hier scheint die Zeit ste­hen ge­blie­ben zu sein, und doch ha­ben die Toué­tois et­was, was es in kei­ner Me­tro­po­le der Welt gibt: ei­ne Pass-Stra­ße mit Ser­pen­ti­nen, die hin­auf­führt zu den be­rühm­ten Päs­sen Col de Tu­r­i­ni und Braus. Hier­hin zieht es nicht nur je­des Jahr die Ral­lye Mon­te Car­lo, son­dern auch Fah­rer, die Lenk­rad oder Len­ker nicht nur als pro­fa­nes Ab­bie­ge­mit­tel, son­dern als zen­tra­les In­stru­ment der Qu­er­dy­na­mik ver­ste­hen. Auf ei­ner ab­ge­sperr­ten Stra­ße schreit und quietscht ir­gend­ein Renn­au­to das lan­ge As­phalt­band auf und ab, ein paar ver­spreng­te Rad­sport­ler quä­len sich den Berg hoch, an­sons­ten wirkt es hier vor der See­al­pen-Sai­son wie aus­ge­stor­ben – idea­le Ver­hält­nis­se, um den Seat Le­on Cu­pra ST mit neu­em Mo­tor­lif­ting ei­ner aus­ge­dehn­ten Ser­pen­ti­nen-Prü­fung zu un­ter­zie­hen. Neu­er­dings zerrt der Spa­nier mit 290 Pfer­de­stär­ken noch ve­he­men­ter an den Vor­der­läu­fen. Der kom­pak­te, recht de­zent be­schürz­te Kom­bi ist ein Wolf im Schafs-

pelz, der es ganz faust­dick un­ter der Ka­ros­se­rie hat: Pro­gres­siv­len­kung, me­cha­ni­sches Sperr­dif­fe­ren­zi­al, 370-Mil­li­me­ter-Brems­schei­ben vorn und be­sohlt mit dem neu­en, hier 235 Mil­li­me­ter brei­ten Eag­le F1 Asym­metric 3 von Goo­dye­ar, der sich schon in un­se­rem dies­jäh­ri­gen Som­mer­rei­fenTest als ei­ner der bes­ten Dy­na­mi­ker po­si­tio­nier­te. An­fahrt ers­te Keh­re, per Hand geht’s zu­rück in den zwei­ten Gang, vor­her noch kurz mit der Ha­cke Zwi­schen­gas, um die Dreh­zahl an­zu­pas­sen. Ein­len­ken, nach in­nen zie­hen las­sen, Len­kung lang­sam wie­der öff­nen und pro­gres­siv mit der Spit­ze auf den Vor­triebs­reg­ler. Die leicht an­ge­wärm­te obe­re Gum­mi­schicht haf­tet pri­ma, nicht nur in den hell nachasphal­tier­ten Ser­pen­ti­nen-Kur­ven. Um die Grif­fig­keit auf tro­cke­ner und nas­ser Pis­te zu er­hö­hen, setzt Goo­dye­ar den so­ge­nann­ten „Grip Boos­ter“ein. Das klingt nach ir­gend­ei­ner Zu­cker­brau­se mit ho­hem Kof­f­e­in­an­teil, doch da­hin­ter steckt ei­ne neue Gum­mi-Mi­schung mit er­höh­tem An­teil aus Na­tur­har­zen, die für ei­ne noch bes­se­re Ver­zah­nung zwi­schen Rei­fen und Un­ter­grund sor­gen soll. Auch die Schich­ten un­ter dem Lauf­flä­chenPro­fil sind für die Fahrt auf der ver­win­kel­ten D2204 zum Col de Braus ele­men­tar, denn durch die Ver­stär­kung von Gür­tel­ab­de­ckung und Gür­tel­la­gen (ein Mix aus Po­ly­es­ter, Ny­lon, Stahl­fä­den und Gum­mi) soll der Rei­fen Lenk- im­pul­se noch spon­ta­ner um­set­zen kön­nen und die Sei­ten­füh­rung er­höht wer­den. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Cu­pra soll noch di­rek­ter, grif­fi­ger, schnel­ler, be­weg­li­cher agie­ren. Und ge­nau das kön­nen wir jetzt ge­brau­chen. Auf knapp 1000 Me­ter Hö­he wird die Luft zwar dün­ner, doch den Zwei­li­ter-Tur­bo stört der nied­ri­ge­re Sau­er­stoff­ge­halt kaum. Mit et­was Schlupf schlen­zen wir aus der Kur­ve, bli­cken kurz nach rechts auf das wun­der­schön ge­floch­te­ne Ser­pen­ti­nen­lay­out und sprin­ten die letz­ten Ki­lo­me­ter gen Gip­fel. Ganz oben er­in­nert ei­ne St­ein­ta­fel an die Leis­tun­gen von Re­né Vi­et­to, der in der 1930erJah­ren ein­mal der bes­te Berg­fah­rer bei der Tour de Fran­ce war.

Dy­na­mik Len­kung Scharf, Dämp­fer Straff – und jetzt gib Gum­mi

Al­les im Griff: C-Klas­se-Cock­pit mit gut po­si­tio­nier­tem Vo­lant und recht sim­pler Be­die­nung Ge­fähr­li­che Kur­ve: Auf den Ser­pen­ti­nen­stra­ßen der See­al­pen sind in­tak­te Brem­sen und gut haf­ten­de Rei­fen be­son­ders wich­tig

Al­les im Blick: prak­ti­sche 360-Grad-Rund­um­sicht im Mer­ce­des C 250 Berg-Idyll: Ei­ne der Stra­ßen zum Col de Tu­r­i­ni führt durch das Ört­chen Touët-del’Es­carè­ne – ei­ne hal­be St­un­de von Niz­za ent­fernt

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