Ford Fo­cus RS

AUTO ZEITUNG - - FASZINATION · FORD FOCUS RS & MUSTANG GT - Mar­cel Küh­ler

4-Zy­lin­der, 4-Ven­ti­ler, Tur­bo, 2261 cm3, 257 kW/350 PS bei 6000 /min, 440 Nm bei 2000 – 4500 /min, 6-Gang-Schalt­ge­trie­be, All­rad­an­trieb; L/B/H: 4390/1858/1470 mm, Leer­ge­wicht: 1454 kg, 0-100 km/h in 4,7 s, Höchst­ge­schw.: 266 km/h, EU-Ver­br.: 7,7 l S/100 km, Preis: 40.000 Eu­ro Werks­an­ga­ben

der Len­kung vor­nehm zu­rück, auch das Ein­lenk­ver­hal­ten der Fuh­re er­in­nert in sei­ner Spon­ta­nei­tät an das po­ten­ter Heck­trieb­ler – in­klu­si­ve ei­nes je­der­zeit ab­ruf­ba­ren Leis­tungs­über­steu­erns bei har­tem Gas­pe­dal­ein­satz. Den kon­trol­lier­ten in­sta­bi­len Fahr­zu­stand kul­ti­viert der RS üb­ri­gens auch mit ei­nem net­ten elek­tro­ni­schen Gim­mick: dem Drif­tMo­de. Die­ser er­mög­licht es selbst Nicht-Pro­fis, sich wie ein ech­ter Ral­ly­ePi­lot zu füh­len. Das Pro­ze­de­re bei ak­ti­vier­tem Qu­er­trei­ber-Pro­gramm ist denk­bar ein­fach: Ein­len­ken, das Gas­pe­dal voll durch­tre­ten, sanft ge­gen­len­ken – und schon pfeilt der Fo­cus RS im herr­lichs­ten Drift quer ums Eck. Gut, dass sich Fah­rer und Bei­fah­rer bei sol­chen Ma­nö­vern auf den gna­den­lo­sen Sei­ten­halt der RS-ex­klu­si­ven Re­ca­ros ver­las­sen kön­nen – wenn­gleich die eng an­lie­gen­den Sport­sit­ze ei­nen gern dar­an er­in­nern, doch et­was bes­ser auf die ei­ge­ne Li­nie zu ach­ten. An­sons­ten prä­sen­tiert sich der Fo­cus RS bei­na­he ge­nau­so all­tags­taug­lich wie ein 1.0 EcoBoost mit 100 PS. Sei­ne Kom­fort­ei­gen­schaf­ten ver­die­nen trotz der lei­den­schaft­lich dy­na­mi­schen Aus­rich­tung des Ge­samt­kon­zepts das Prä­di­kat aus­ge­wo­gen. We­der mal­trä­tiert das Fahr­werk die In­sas­sen mit über­trie­be­ner Här­te, noch treibt der RS sei­nem Fah­rer durch ei­nen ner­vö­sen Gera­de­aus­lauf den Schweiß auf die Stirn. Im Ge­gen­teil, selbst bei Höchst­ge­schwin­dig­keit, die bei ra­san­ten 266 km/ h liegt, folgt der ae­ro­dy­na­misch wohl aus­ta­rier­te Kom­pakt­ren­ner un­be­irr­bar der vor­ge­ge­be­nen Rich­tung.

Wild, laut und stets et­was ver­we­gen: der Mustang GT

Um­stieg in die zwei­te Ford-Le­gen­de, den Mustang GT. Wei­che, aber den­noch ge­nü­gend Sei­ten­halt bie­ten­de Sit­ze, der Ar­ma­tu­ren­trä­ger im Re­tro-Look in­klu­si­ve uri­ger Kipp­schal­ter, da­zu lie­be­vol­le De­tails wie der Schrift­zug „Ground Speed“im Ta­cho­me­ter – wir er­lie­gen um­ge­hend dem ur­ame­ri­ka­ni­schen Charme die­ser vor über 50 Jah­ren ge­bo­re­nen Iko­ne, die es in die Neu­zeit ge­schafft hat, oh­ne wie ei­ne Karikatur ih­rer selbst zu wir­ken. Da­zu tra­gen si­cher­lich auch die Fahr­leis­tun­gen ei­nen gro­ßen Teil bei, die an der Ernst­haf­tig­keit al­ler dy­na­mi­schen Am­bi­tio­nen des Fast­back Cou­pés kei­ner­lei Zwei­fel auf­kom­men las­sen. Durch die ge­konn­te Fahr­werks­ab­stim­mung, die prä­zi­se wie rück­mel­dungs­freu­di­ge Len­kung und die ver­läss­li­che Brems­an­la­ge er­reicht der ak­tu­el­le Mustang ei­nen fahr­dy­na­mi­schen Rei­fe­grad, von dem sämt­li­che Vor­gän­ger nur hät­ten träu­men kön­nen. Schnel­le, gleich­mä­ßig zu fah­ren­de Kur­ven sind durch­aus das Me­tier des Mustang GT. En­ge, ver­win­kel­te As­phalt­bän­der hin­ge­gen nicht un­be­dingt. Ne­ben der schie­ren Grö­ße sei­ner Ka­ros­se­rie ver­ei­telt auch das recht pro­pe­re Ge­wicht von 1651 Ki­lo­gramm, dass der bild­schö­ne Zwei­tü­rer Ha­ken schlägt wie ein flüch­ti­ger Feld­ha­se. Noch mehr fas­zi­niert der Mustang in­des durch sei­nen schier un­bän­di­gen Vor­wärts­drang. In nur 4,8 Se­kun­den pul­ve­ri­siert der Fast­back das Land­stra­ßen-Tem­po­li­mit, nur um dar­über hin­aus wei­ter­hin mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit vor­an­zu­pre­schen. Der 5,0 Li­ter gro­ße, mit har­tem Bass häm­mern­de V8 hängt in je­dem Dreh­zahl­be­reich bis­sig am Gas und setzt je­des noch so klei­ne Zu­cken im rech­ten Fuß des Fah­rers gna­den­los in Vor­trieb um. Des­halb soll­te sich der Mustang-Jo­ckey stets dar­über im Kla­ren sein, wel­che Kraft über die Hin­ter­rä­der her­fällt – je­den­falls wenn er ver­mei­den will, dass das Heck des gro­ßen Cou­pés in Kur­ven ein Ei­gen­le­ben ent­wi­ckelt. Über­haupt gilt: Mehr noch als das hek­ti­sche Ent­lan­g­rei­ten am Grenz­be­reich oder das per­ma­nen­te Aus­rei­zen der elek­tro­nisch auf 250 km/ h be­grenz­ten Höchst­ge­schwin­dig­keit macht das ge­nuss­vol­le Crui­sen Spaß im wohl läs­sigs­ten al­ler Ford-Mo­del­le. Dann bleibt ge­nü­gend Zeit, die vor­bei­zie­hen­de Land­schaft zu ge­nie­ßen, wäh­rend der di­cke V8 zu­frie­den vor sich her­blub­bert und die Ka­ros­se­rie sanft über lan­ge Bo­den­wel­len wogt.

Hu­b­raum oder Tur­bo? Wie es Euch ge­fällt …

Was am En­de des Ta­ges bleibt, ist die Fra­ge: wel­chen neh­men? Die V8­be­feu­er­te US-Iko­ne, der selbst die Traum­fa­brik Hol­ly­woods mit Block­bus­tern wie Ste­ve McQueens „Bul­litt“oder „Nur noch 60 Se­kun­den“mit Ni­cho­las Ca­ge Denk­mä­ler setz­te? Oder den hei­ßen, tech­nisch fi­li­gra­nen Steil­heck-Sport­ler Fo­cus RS, an dem si­cher­lich auch ein Co­lin McRae sei­ne hel­le Freu­de ge­habt hät­te? So oder so: Am Geld soll­te die Ent­schei­dung nicht hän­gen. Mit Grund­prei­sen im Ge­gen­wert ei­ner edel aus­ge­stat­te­ten Mit­tel­klas­seLi­mo zei­gen sich bei­de Sport­ler durch­aus volks­nah. Dan­ke da­für, Ford!

Der Fo­cus RS läuft sto­isch ge­ra­de­aus – be­ru­hi­gend bei 266 km/h Top­speed

Das In­te­ri­eur ent­spricht zum größ­ten Teil dem der zah­men Fo­cusMo­del­le

MUSTANG GT Oben links: be­quem ge­pols­ter­te Sit­ze. Oben rechts: Der Mustang ist stolz auf sei­ne His­to­rie. Un­ten: Die In­stru­men­te, wie hier der Dreh­zahl­mes­ser, sind ta­del­los ab­les­bar

FO­CUS RS Oben: bis­sig am Gas hän­gen­der Tur­bo-Vier­zy­lin­der mit Ral­lye-Sound. Un­ten links: Die en­gen Re­ca­ros leh­ren uns, mehr auf die Fi­gur zu ach­ten. Un­ten rechts: Brem­bo-Brems­an­la­ge

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