Das Team ist der Star

AUTO ZEITUNG - - FORMEL E Team Abt Schaeffler - Gre­gor Mes­ser

An­fangs be­hielt die Trup­pe von Abt-Scha­eff­ler den fünf­ten Lauf in Me­xi­ko am 12. März noch glän­zend in Er­in­ne­rung, denn di Lu­cas di Gras­si hat­te mit­rei­ßend ge­won­nen. Doch das Hoch­ge­fühl hielt nur we­ni­ge Mi­nu­ten an. Da­nach spuk­te das Ren­nen für Wo­chen in den Köp­fen: Nach der Tech­ni­schen Kon­trol­le wies das Start­fahr­zeug von di Gras­si ein Un­ter­ge­wicht von 1,8 Ki­lo auf – kein Pap­pen­stil und zu­nächst un­er­klär­lich. Der Wer­tungs­aus­schluss war un­ver­meid­lich. Bald schon folg­te ei­ne um­fas­sen­de Ana­ly­se. Da­nach ging es den „Äb­ten“wie­der bes­ser: Die Feh­ler­quel­len konn­ten ein­deu­tig iden­ti­fi­ziert wer­den. Vor­aus­ge­gan­gen war ein Ka­bel­bruch in der Bat­te­rie, die je­nes Au­to lahm­leg­te, mit dem di Gras­si ur­sprüng­lich in die Qua­li­fi­ka­ti­on soll­te. Al­so Fahr­zeug­wech­sel. Und da­mit Tei­le­tausch. Da­durch kam ei­ni­ges durch­ein­an­der. 300 Gramm hier, 500 dort und so wei­ter.

Feh­ler ma­chen aus­drück­lich er­laubt

„ Feh­ler“, sagt Abt- Sport­di­rek­tor Tho­mas Bier­mai­er, „wer­fen uns auch mal zu­rück. Aber wir ge­ben nie­mals auf. Das ist die Men­ta­li­tät der Äb­te.“Dass ein­zel­ne Te­am­mit­glie­der nach die­sem Faux­pas das Team ver­las­sen müss­ten, war für Bier­mai­er nie ei­ne Op­ti­on, über die er auch nur an­satz­wei­se nach­den­ken woll­te. „Aber ich ha­be vie­le Ge­sprä­che ge­führt. Und da spür­te ich: Bei uns herrscht die­se un­be­ding­te Jetzt-erst-recht-Hal­tung.“„Vom In­ge­nieur bis zum Rei­fen­mann wur­de ein ei­ser­nes Cre­do for­mu­liert: Wir ste­hen das jetzt durch!“, sagt Bier­mai­er, ein er­klär­ter Bay­ern Mün­chen-Fan, der auch gern mal den Fuß­ball als Pa­ra­bel nutzt: „Es ist wie in ei­ner er­folg­rei­chen Fuß­ball-Elf: Ich brau­che nicht die bes­ten elf Spie­ler. Son­dern die Elf, die am bes­ten zu­sam­men spielt.“Bier­mai­er sieht sei­ne Kom­pe­tenz auch dar­in, sei­nem Team das Ge­fühl zu ge­ben, „dass Feh­ler grund­sätz­lich er­laubt sind“. Ähn­li­ches sagt auch Te­am­chef Hans-Jür­gen Abt: „Je schwä­cher un­se­re Leis­tung ist, um­so mehr hal­ten wir zu­sam­men. Dann noch auf ei-

nen drauf­zu­hau­en, wä­re ja das Schlimms­te. Feh­ler muss man sich ein­ge­ste­hen. Wir sind schließ­lich Men­schen, kei­ne Ro­bo­ter.“Schon in Long Beach ga­ben al­le im Team mehr als 100 Pro­zent. „Un­ser Plan war sim­pel. Wir hat­ten uns ein­ge­schwo­ren: Lasst uns ein­fach ein feh­ler­frei­es Wo­che­n­en­de ha­ben“, er­klärt Bier­mai­er. Das Vor­ha­ben ge­lang: Wäh­rend Erz­ri­va­le Re­nault-e.Dams mit Sé­bas­ti­en Bu­emi und Ni­co­las Prost punk­te­los blieb, tri­um­phier­te das Team mit Sie­ger di Gras­si und Abt Ju­ni­or auf Rang drei – die viel­leicht groß­ar­tigs­te Macht­de­mons­tra­ti­on der jun­gen For­mel-EHis­to­rie bis­lang. Und das wer­den al­le im Team noch viel län­ger in Er­in­ne­rung be­hal­ten als Me­xi­ko. Ver­mut­lich für im­mer.

Team­fo­to nach dem Tri­umph von Long Beach: In der For­mel E sind nur 16 ope­ra­tiv tä­ti­ge Te­am­mit­glie­der er­laubt

Gran­dio­ser Kon­ter: di Gras­si und Abt Ju­ni­or im Ziel in Long Beach

Ju­bel-Trio (v. l.) an der USWest­küs­te: Sport­di­rek­tor Bier­mai­er, Mar­ke­ting-Ge­nie Un­fl­ath, Te­am­chef Abt

Mee­ting: Ren­nin­ge­nieur Fran­co Chioc­chet­ti mit Ta­bel­len­füh­rer di Gras­si

„Ein feh­ler­frei­es Wo­che­n­en­de ha­ben“: Die For­mel E ist ein schwie­ri­ger Job

Das gab es vor­her noch nie in der For­mel E: Fast das gan­ze Ab­tScha­eff­ler-Team stürm­te das Po­di­um

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