Der wie­der­er­stark­te fran­zö­si­sche Au­to­kon­zern PSA star­tet ei­ne Mo­dell­of­fen­si­ve

Das Kli­schee des „Lais­sez-fai­re“hat aus­ge­dient: Der fran­zö­si­sche Au­to­bau­er PSA stieg in zwei Jah­ren vom Tot­ge­sag­ten in die Ge­winn­zo­ne auf und star­tet nun ei­ne gro­ße Mo­dell­of­fen­si­ve

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

Neue Be­sen keh­ren gut, sagt man. Und im Fall von Car­los Ta­va­res, dem seit gut zwei Jah­ren am­tie­ren­den Boss des Au­to­kon­zerns PSA, zu dem die Mar­ken Peu­geot, Ci­tro­ën und DS ge­hö­ren, trifft das wahr­lich zu. Der Por­tu­gie­se hat bei den Fran­zo­sen kein St­ein auf dem an­de­ren ge­las­sen: Per­so­nal­ab­bau, Werks­sch­lie- ßun­gen, Kos­ten­ein­spa­run­gen, aber auch neue Mo­del­le und Stra­te­gi­en für die Zu­kunft heißt sein Plä­doy­er. Und die Ross­kur des Ma­na­gers für den über 120 Jah­re al­ten Au­to­bau­er zeigt Wir­kung. Muss­te PSA nach Ver­lus­ten von über ei­ner hal­ben Mil­li­ar­de Eu­ro noch durch den Ein­stieg des fran­zö­si­schen Staats und des chi­ne­si­schen Au­to- kon­zerns Dong­feng ge­ret­tet wer­den, kann Ta­va­res zwei Jah­re spä­ter schon ei­nen sat­ten Ge­winn von 2,7 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­kün­den. Auch der Um­satz stieg 2015 um sechs Pro­zent auf 54,7 Mrd. Eu­ro. „Durch die Mo­bi­li­sie­rung des ge­sam­ten Un­ter­neh­mens ha­ben wir un­se­ren Plan in Re­kord­zeit um­ge­setzt. Ich freue mich über Ga­lan­de­wa­gen­die­sen ge­mein­sa­men Sieg, der uns

wie­der ins Ren­nen bringt und der be­weist, wel­ches Po­ten­zi­al in PSA steckt“, sagt Ta­va­res. Ins­ge­samt ver­kauf­te der Kon­zern im ver­gan­ge­nen Jahr über 2,97 Mio. Neu­wa­gen – ei­ne Stei­ge­rung von 1,2 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr. Die Um­keh­rung der sin­ken­den Ab­satz­zah­len ge­lang vor al­lem dank des chi­ne­si­schen Markts, auf den heu­te ein Vier­tel al­ler Aus­lie­fe­run­gen des Kon­zerns ent­fal­len. Nun zahlt es sich aus, dass PSA mit dem Ein­stieg von Dong­feng ei­ne Mo­dell­of­fen­si­ve in der Volks­re­pu­blik star­te­te. Die ex­tra für die chi­ne­si- schen Kun­den ent­wi­ckel­ten Stu­fen­heck-Mo­del­le Peu­geot 408 und 301 so­wie der Ci­tro­ën C-Ely­sée tra­gen mit je­weils über 100.000 Ver­käu­fen in 2015 zu dem Er­folg des Kon­zerns bei. Die Be­deu­tung, die Ta­va­res dem chi­ne­si­schen Markt bei­misst, zeigt sich auch dar­in, dass der neue Ci­tro­ën C6, das Spit­zen­mo­dell der Mar­ke, der Volks­re­pu­blik vor­be­hal­ten bleibt.

Bei Ci­tro­ën glänzt der C4 Cac­tus

Aber auch in Eu­ro­pa, das im­mer noch den Kern­markt von PSA bil­det, konn­ten die Fran- zo­sen ih­re Ver­käu­fe um 5,9 Pro­zent stei­gern. Er­folg­reichs­tes Mo­dell war der kom­pak­te 308, der mit ei­nem Plus von 16,6 Pro­zent welt­weit 345.748 Käu­fer fand. Das Mi­ni-Cross­over Peu­geot 2008, erst 2013 ein­ge­führt, ist ne­ben dem 308 und dem Klein­wa­gen 208 zum drit­ten Stand­bein der Mar­ke auf­ge­stie­gen: 231.934 Ver­käu­fe be­deu­ten ein Plus von 13,4 Pro­zent. Bei Ci­tro­ën glänzt vor al­lem der mar­ken­ty­pisch ei­gen­wil­lig ge­stal­te­te C4 Cac­tus, des­sen Aus­lie­fe­run­gen sich im Vor­jahr auf 87.257 Ex­em­pla­re fast ver­dop­pel­ten.

Le­dig­lich die neue Pre­mium­mar­ke DS muss­te ei­ni­ge Ver­lus­te hin­neh­men – DS 4 und DS 5 wur­den 2015 durch über­ar­bei­te­te Ver­sio­nen ab­ge­löst, die nun ein ei­gen­stän­di­ges Mar­ken­ge­sicht tra­gen und auf den Ci­tro­ën-Dop­pel­win­kel ver­zich­ten. Best­sel­ler blieb mit 48.698 Ver­käu­fen der Klein­wa­gen DS 3, der in die­sem Jahr als letz­tes Mo­dell das neue Front­de­sign be­kommt. Auch die Fi­nanz­märk­te ho­no­rie­ren den Sa­nie­rungs­kurs von Car­los Ta­va­res: Im April konn­te PSA erst­mals wie­der er­folg­reich ei­ne An­lei­he plat­zie­ren. Und im kom­men­den Jahr soll es wie­der ei­ne Di­vi­den­de für die Ak­tio­nä­re ge­ben – kein Wun­der bei ei­ner Ge­winn­mar­ge von fünf Pro­zent be­reits in 2015.

Mo­dell­of­fen­si­ve mit 26 neu­en Au­tos

Geht es nach Car­los Ta­va­res, soll das je­doch erst der An­fang sein: Sei­ne neue Stra­te­gie „Push to Pass“de­fi­niert am­bi­tio­nier­te Zie­le. Bis 2018 soll PSA durch­schnitt­lich vier Pro­zent Mar­ge er­wirt­schaf­ten, bis 2021 dann sechs Pro­zent. Der Kon­zern will sei­nen Um­satz bis 2018 um zehn, bis 2021 um 15 Pro­zent stei­gern. Da­zu soll auch ein Ge­schäfts­mo­dell mit neu­en Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tun­gen bei­tra­gen. „Wir wer­den die Ve­rän­de­run­gen bei den Nut­zungs­mög­lich­kei­ten für Au­tos be­rück­sich­ti­gen“, so Ta­va­res. Im Fo­kus steht aber die gro­ße Mo­dell­of­fen­si­ve: 26 neue Au­tos und ein Pick-up sol­len in den kom­men­den Jah­ren vom Band rol­len. Die Plä­ne des Kon­zerns se­hen ein neu­es Fahr­zeug pro Re­gi­on, Mar­ke und Jahr vor. PSA setzt da­bei auch auf Elek­tro­mo­bi­li­tät: Sie­ben Plug-in-Hy­bri­de und vier rei­ne E-Au­tos wer­den sich un­ter den Neu­hei­ten be­fin­den – das elek­tri­sche Li­fe­style-Mo­dell Ci­tro­ën e-Me­ha­ri et­wa star­tet noch die­ses Jahr. Zu­dem set­zen die Fran­zo­sen auf das au­to­no­me Fah­ren: Bis 2020 sol­len 70 Pro­zent al­ler neu­en Peu­geot, Ci­tro­ën und DS in Eu­ro­pa hoch­au­to­ma­ti­siert fah­ren kön­nen, al­so z.B. Spur­wech­sel selbst­stän­dig aus­füh­ren. Den Kern der Mo­dell­of­fen­si­ve bil­det ei­ne Grup­pe von Cross­over- Mo­del­len, de­ren An­fang der Peu­geot 3008 im Ok­to­ber die­ses Jah­res macht. Wa­ren des­sen Vor­gän­ger so­wie der grö­ße­re 5008 und der klei­ne­re Ci­tro­ën C3 Pi­cas­so noch als Vans kon­zi­piert, wer­den die Nach­fol­ger deut­li­che SUV-Zü­ge er­hal­ten. Da­mit ver­las­sen sie das schrump­fen­de Van-Seg­ment und set­zen voll auf den SUV-Trend. Der Peu­geot 3008 teilt sich die in­tern EMP2 ge­nann­te Platt­form auch mit dem neu­en Ci­tro­ën C4 Air­cross, der 2018 an den Start rollt. Das ak­tu­el­le, we­nig er­folg­rei­che Mo­dell ba­siert noch auf dem Mitsu­bi­shi ASX und wird in Ja­pan ge­fer­tigt. Auch die jun­ge Pre­mium­mar­ke DS be­kommt in zwei Jah­ren ihr ers­tes SUV, zu­min­dest in Eu­ro­pa. Das DS 3 SUV soll bei uns vor al­lem ge­gen den Mi­ni Coun­try­man an­tre­ten.

Die Ära der Hy­drop­neu­ma­tik en­det

Doch auch jen­seits der Cross­over gibt PSA wei­ter Gas: Noch in die­sem Jahr star­tet die drit­te Ge­ne­ra­ti­on des Ci­tro­ën C3. Der Klein­wa­gen ba­siert auf dem ak­tu­el­len Peu­geot 208 und wird im In­nen­raum ein frei ste­hen­des Dis­play be­kom­men. Das An­ge­bot der Ben­zi­ner reicht von 68 bis 110 PS. Zu­dem soll es auch zwei Die­sel mit 75 und 100 PS ge­ben. Der Peu­geot 208 selbst be­kommt in drei Jah­ren ei­nen deut­lich dy­na­mi­scher ge­zeich­ne­ten Nach­fol­ger. Auch in der Mit­tel­klas­se will PSA mit zwei neu­en Mo­del­len an­grei­fen: 2018 de­bü­tiert die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on des Peu­geot 508, die grö­ßer als das bis­he­ri­ge Mo­dell wird und ei­ne cou­pé­haf­te Dach­li­nie er­hal­ten soll. Auf der glei­chen Platt­form steht au­ßer­dem der lang er­sehn­te Nach­fol­ger des Ci­tro­ën C5. Üb­ri­gens: Mit der Ein­stel­lung des seit 2008 ge­bau­ten ak­tu­el­len Mo­dells en­det die lan­ge Tra­di­ti­on der hy­drau­li­schen Fahr­wer­ke bei den Fran­zo­sen – aus Kos­ten­grün­den. Neue Be­sen ma­chen eben auch vor Tra­di­tio­nen nicht halt.

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