Vol­vos brand­neu­er Kom­bi V 90 trifft auf sei­nen Vor­fah­ren 145

Seit 60 Jah­ren baut Vol­vo Kom­bis. Mit dem V 90 schrei­ben die Schwe­den die­se Ge­schich­te jetzt fort. Im Ver­gleich mit dem Vol­vo 145 von 1968 zeigt sich viel Ge­mein­sa­mes und Neu­es

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Klaus Uck­row

Für vie­le Au­to­fah­rer in Eu­ro­pa und be­son­ders auch in Deutsch­land ist Vol­vo die Kom­bi- Mar­ke schlecht­hin. Was 1953 mit dem Vol­vo Du­ett be­gann, fin­det jetzt mit dem neu­en V 90 sei­ne Fort­set­zung. Ge­prägt ha­ben das prak­ti­sche Bild der schwe­di­schen Au­tos aber die Mo­del­le 145 und 245, die ab 1968 bis An­fang der 90er-Jah­re Kas­ten­form und kla­re Kan­te im Au­to­mo­bil­bau hof­fä­hig mach­ten. In den 70er­und 80er-Jah­ren roll­te ge­fühlt je­der zwei­te Ober­stu­di­en­rat all­mor­gend­lich im Schwe­den-Kom­bi auf den Park­platz sei­ner staat­li­chen Bil­dungs­an­stalt. Vor­rei­ter bei der Mo­bil­ma­chung deut­scher Päd­ago­gen war der Vol­vo 145, der En­de 1967 auf den Markt kam und die rund­li­che­ren Ama­zon-Mo­del­le ab­lös­te. Ein gro­ßer La­de­raum mit ebe­nem Bo­den, um­fang­rei­che Rost­vor­sor­ge und ho­he Si­cher­heit wa­ren die Plus­punk­te des Schwe­den. Der Vol­vo 145 ver­füg­te nicht nur über Drei­punkt-Si­cher­heits­gur­te (Pflicht in Deutsch­land ab 1974), son­dern sei­ne Fahr­gast­zel­le soll­te auch den Auf­prall auf ei­nen Be­ton­klotz mit 50 km/ h oh­ne Ver­for­mung über­ste­hen. Wie viel sich ge­ra­de auf dem Ge­biet der Si­cher­heit ge­tan hat, de­mons­triert der neue V 90. Schon 2020, so das Ver­spre­chen der Schwe­den, soll kein Mensch mehr in ei­nem neu­en Vol­vo töd­lich ver­letzt wer­den. Der neue Kom­bi, der dann noch auf dem Markt sein wird, sorgt schon heu­te mit ei­nem Ar­senal von sie­ben Air­bags und ei­ner Ar­mee elek­tro­ni­scher Hel­fer für op­ti­ma­len Schutz: Sein Not­brems­as­sis­tent er­kennt nicht nur an­de­re Fahr­zeu­ge, son­dern auch Fuß­gän­ger, Rad­fah­rer und gro­ße

Tie­re – und es lei­tet bei Be­darf ei­ne Voll­brem­sung ein. Der Kreu­zungs­brems­as­sis­tent wie­der­um passt per Ra­dar und Vi­deo­ka­me­ras beim Links­ab­bie­gen auf. 1968 hät­te je­der Stu­di­en­rat so et­was als Hirn­ge­spinst ei­nes Pen­nä­lers ab­ge­tan, der zu vie­le Per­ry Rho­danHeft­chen ge­le­sen hat. Auch bei der ak­ti­ven Si­cher­heit ist der V 90 sei­nem Ah­nen um Licht­jah­re vor­aus: Über­nahm der 145

Die Prei­se für den neu­en Vol­vo V 90 star­ten bei 45.800 Eu­ro

mit Qu­er­len­ker­ach­se vorn und hin­te­rer Star­rach­se die Fahr­werks­tech­nik des Vor­gän­gers Ama­zon, steht der V 90 auf der neu ent­wi­ckel­ten SPA-Platt­form mit Mehr­fach­len­ker-Hin­ter­ach­se. Als Op­ti­on gibt’s für 1970 Eu­ro Luft­fe­de­rung und ad­ap­ti­ve Dämp­fer. Aber auch der Al­t68er be­ein­druckt durch Fahr­kom­fort. Sein eher weich ab­ge­stimm­tes Fahr­werk sorgt zwar in schnell ge­fah­re­nen Kur­ven für ei­ne deut­li­che Wanknei­gung, schluckt da­für aber auch gro­be Une­ben­hei­ten klag­los. Die mit ei­ner Stoff-Le­derKom­bi­na­ti­on be­zo­ge­nen Sit­ze sor­gen eben­falls für an­ge­mes­se­nen Kom­fort, ob­wohl sie 1968 zu­min­dest ab Werk noch nicht mit Kopf­stüt­zen aus­ge­rüs­tet wa­ren. Das Platz­an­ge­bot ist da­für in dem 4,64 Me­ter lan­gen Old­ti­mer in der ers­ten und in der zwei­ten Rei­he sehr gut. Der Vol­vo V 90 kann das na­tür­lich al­les deut­lich bes­ser. Le­der ist schon ab der mitt­le­ren Mo­men­tum-Aus­stat­tung se­ri­en­mä­ßig, der Fah­rer­sitz passt qua­si wie an­ge­gos­sen. Auch auf lan­gen Stre­cken fühlt man sich hier wohl. Als Op­ti­on ste­hen nicht nur viel­fäl­ti­ge elek­tri­sche Ein­stell­mög­lich­kei­ten, Sitz-Hei­zung und -Lüf­tung so­wie Mas­sa­ge-Funk­tio­nen be­reit. Auch im Fond rei­sen die Pas­sa­gie­re erst­klas­sig. Trotz des gro­ßen Pan­ora­ma-Glas­dachs gibt es je­de Men­ge Kopf­frei­heit, wäh­rend die High Per­for­mance-Sound­an­la­ge für Kon­zert­saa­l­at­mo­sphä­re sorgt,

die vom Klang des kul­ti­vier­ten Vier­zy­lin­der-Die­sel mit 235 PS nicht be­ein­träch­tigt wird. Da hat es das ori­gi­na­le Blau­punk­tRa­dio im Vol­vo 145 schon et­was schwe­rer, ge­gen den leicht me­tal­li­schen Klang des Vier­zy­lin­derBen­zi­ners an­zu­spie­len. Aber da die Kli­ma­an­la­ge im al­ten Schwe­den noch aus Fens­ter­kur­beln und Aus­stell­fens­tern be­steht, las­sen sich im Som­mer to­sen­de Wind­ge­räu­sche nicht ver­mei­den. Man kann­te es aber auch nicht an­ders … Beim Stau­raum fürs Ur­laubs­ge­päck kann der al­te aber fast mit dem neu­en Vol­vo mit­hal­ten: Bei nicht um­ge­klapp­ter Rück­sitz­leh­ne stand ein La­de­raum­vo­lu­men von 464 Li­tern zur Ver­fü­gung, beim V 90 sind es 560 Li­ter. Der neue Skan­di­na­vi­er ist zwar rund 30 cm län­ger, Am Heck zeigt er aber kei­ne kla­re Kan­te, son­dern ei­ne mo­di­sche Schräg­form. Erst mit dem Nach­fol­ger des ak­tu­el­len V 60 – so ist aus Schwe­den zu hö­ren – soll es wie­der ei­nen Vol­voKom­bi mit stei­lem Heck ge­ben. Un­ter der Mo­tor­hau­be ar­bei­te­te ein Ben­zi­ner mit 75 PS, an­de­re Va­ri­an­ten hat­ten bis zu 124 PS. Beim V 90 gibt es zum Mark­start im Sep­tem­ber Vier­zy­lin­der-Ben­zi­ner und -Die­sel mit 190 bis 320 PS. Als Krö­nung folgt En­de 2016 ein Plu­gin-Hy­brid mit 407 PS und ei­nem Norm­ver­brauch von 2,1 Li­ter Su­per pro 100 Ki­lo­me­ter. Da­von wird nicht nur man­cher Ober­stu­di­en­rat wie­der träu­men.

En­de des Jah­res kommt der Plug-in­Hy­brid mit 407 PS

Schon der Vol­vo 145 über­zeugt mit gro­ßem La­de­vo­lu­men und ebe­nem Kof­fer­raum­bo­den

Vol­vo 145 mit kla­rem Heck­ab­schluss und nach oben öff­nen­der La­de­klap­pe Der Traum von 1968: Stoff-Le­der-Sit­ze, Blau­punkt-Ra­dio und Vier­gang-Knüp­pel­schal­tung, da­zu ein spin­del­dür­res Lenk­rad mit Hu­pring

Edel ver­ar­bei­tet: Vol­vo V 90 D5 AWD in der Topaus­stat­tung In­scrip­ti­on mit hel­lem Nap­pa­le­der, Echt­holz­ein­la­gen, gro­ßem Dis­play und Sound­an­la­ge Lan­ger Vol­vo V 90 mit mo­disch schrä­gem Heck und bis zu 1526 Li­ter Ge­päck­vo­lu­men

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.