Ja­gu­ar F-Pace 30d · Au­di SQ5 plus · BMW X3 xD­ri­ve35d

AUTO ZEITUNG - - VERGLEICHSTEST - [ TEXT Mar­kus Schön­feld FO­TOS Klaus Hu­ber-Abend­roth ]

Ja­gu­ar prä­sen­tiert sein ers­tes SUV – und schon zum Sai­son­start will der F-Pace die Li­ga der Bes­ten auf­mi­schen. Dort war­ten al­ler­dings so star­ke Geg­ner wie der Au­di SQ5 und der BMW X3

Lan­ge ließ uns Ja­gu­ar auf das ers­te SUV der Mar­ken­ge­schich­te war­ten. Die En­g­län­der kon­zen­trier­ten sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren lie­ber auf ih­ren Kern, ver­jüng­ten ihn und er­wei­ter­ten ihn mit dem ras­si­gen Sport­ler F-Ty­pe und dem Mit­tel­kläss­ler XE. Erst jetzt wa­gen sie den Vor­stoß in das Boom-Seg­ment der SUV. Op­tisch nah an der viel­be­ach­te­ten Stu­die C-X17 prä­sen­tie­ren sie nun den neu­en F-Pace als ihr ers­tes Cross­over. Und pünkt­lich zur Markt­ein­füh­rung muss sich der Neu­ling gleich ge­gen die Bes­ten in der mit­tel­gro­ßen Pre­mi­um-Klas­se be­haup­ten. Mit den je­weils stärks­ten Die­sel­mo­to­ren rol­len F-Pace 30d, Au­di SQ5 plus und BMW X3 xD­ri­ve35d zum Start des ers­ten Ver­gleichs­tests.

Ka­ros­se­rie

Wie das auf­ge­ris­se­ne Maul ei­ner Raub­kat­ze zeigt sich der gro­ße Küh­ler­grill mit dem Ja­gu­ar-Em­blem zwi­schen den zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Schein­wer­fern. Da­hin­ter streckt sich ein äu­ßerst mus­ku­lös ge­form­ter Kör­per, der in ei­nem fein ge­zeich­ne­ten Heck mit fla­chen Rück­lich­tern mün­det. Ge­gen die dy­na­mi­sche Li­nie des neu­en Ja­gu­ar F-Pace wirkt ein Au­di Q5 fast et­was un­ter­setzt und ein BMW X3 so­gar klo­big. Und doch setzt der schö­ne En­g­län­der auf Un­der­state­ment. Dass er mit 4,73 Me­tern näm­lich fast zehn Zen­ti­me­ter län­ger als die deut­schen Kon­kur­ren­ten ist, sieht man ihm nicht an. Mehr Platz als bei Au­di oder BMW gibt es auf den fünf Sitz­plät­zen aber nicht. Wo­zu auch – Q5 und X3 ge­hö­ren ja schon zu den ge­räu­migs­ten in der Klas­se. Und mit de­nen kann der Ja­gu­ar selbst auf der Rück­bank mit­hal­ten. Zwar las­sen sich die Leh­nen und Sitz­flä­chen nicht wie im Au­di ein­stel­len, doch trotz der fla­chen Dach­li­nie fin­den hier selbst Zwei-Me­terMän­ner aus­rei­chend Be­we­gungs­frei­heit. Nur die Über­sicht nach hin­ten wird durch die schma­le Heck­schei­be et­was er­schwert. Da­für ver­trägt der F-Pace viel Bal­last (Zu­la­dung: 547 Ki­lo­gramm) und bie­tet über­durch­schnitt­lich viel Platz im lan­gen Kof­fer­raum. Zählt man die rie­si­ge, al­ler­dings et­was lieb­los aus­ge­klei­de­te Re­ser­ve­r­ad­mul­de hin­zu, fasst das Heck­ab­teil gan­ze 650 Li­ter. Die He­bel zum Um­le­gen der drei­tei­li­gen Rück­sitz­bank las­sen das Vo­lu­men auf 1740 Li­ter an­wach­sen. Reich­lich Platz für raum­grei­fen­de Hob­bys – der Au­di (540 bis 1560 Li­ter) und der BMW (550 bis 1600 Li­ter) kom­men da nicht ganz mit. Da­für de­mons­triert vor al­lem der In­gol­städ­ter, wie fein Kunst­stof­fe in der Pre­mi­um­klas­se aus­ge­wählt und ein­ge­passt wer­den kön­nen. Stellt man den ähn­lich teu­ren F-Pace da­ne­ben, ent­täu­schen De­tail­ver­ar­bei­tung und un­an­ge­neh­me Kunst­stoff­aus­düns­tun­gen ein we­nig. Das kön­nen die En­g­län­der ei­gent­lich bes­ser. Gu­te Ar­beit ha­ben sie hin­ge­gen beim In­fo­tain­ment­Sys­tem InCon­trol Touch Pro mit mehr als zwölf Zoll gro­ßem Touch­screen (700 Eu­ro) ge­leis­tet. Bis auf ein paar klei­ne Schwä­chen in der Be­dien­lo­gik funk­tio­niert das Sys­tem aus­ge­zeich­net und glänzt mit ei­ner pri­ma Kar­ten­dar­stel­lung für Tag- und Nacht­fahr­ten (Na­vi: ab 800 Eu­ro). Bei der Be­dien­bar­keit und auch in der Si­cher­heits­aus­stat­tung mit se­ri­en­mä­ßi­gem Not­brems- und No­t­ru­fas­sis­ten­ten stellt der F-Pace selbst den et­was be­tag­ten Q5 in den Schat­ten. So darf sich das ers­te SUV von Ja­gu­ar über den Sieg im Ka­ros­se­rie-Ka­pi­tel freu­en.

Fahr­kom­fort

Wer bei solch op­ti­scher Dy­na­mik jetzt ei­ne wil­de oder steif­bei­ni­ge Raub­kat­ze er­war­tet, dürf­te sehr über­rascht sein. Zum ei­nen, weil der Bri­te äu­ßerst sanft über Kan­ten und Kup­pen rollt, zum an­de­ren, weil auch die Ge­räusch­däm­mung sehr wir­kungs­voll ge­lun­gen ist. Hier steht er der deut­schen Kompakt-Eli­te in nichts nach. Auf schlech­ten Stra­ßen führt das Nach­zit­tern der Vor­der­ach­se al­ler­dings zu mehr Un­ru­he im Au­to als ei­gent­lich nö­tig. Die­ser Um-

stand, der si­cher auch den gro­ßen 20-Zol­lRä­dern zu­zu­schrei­ben ist, bes­sert sich erst bei schwe­rer Be­la­dung. Und mit der kommt der Ja­gu­ar am bes­ten klar. Selbst aus­ge­wa­sche­ne Ral­lye-Pis­ten meis­tert der F-Pace mit ei­ner hal­ben Ton­ne Ge­wicht an Bord un­be­küm­mert und mit ho­hem Tem­po. Da schwin­det die Ge­las­sen­heit des BMW un­ter Ex­trem­be­las­tung schon deut­lich frü­her. Bei sehr schrof­fen An­re­gun­gen pol­tert des­sen Vor­der­ach­se näm­lich hör­bar. Und mit vol­ler Be­sat­zung samt Ge­päck an Bord neigt die Hin­ter­ach­se bei auf­ein­an­der­fol­gen­den Schlag­lö­chern zum Durch­schwin­gen. Wie sanft der Mün­che­ner mit sei­nen ad­ap­ti­ven Dämp­fern al­ler­dings über die leich­ten Une­ben­hei­ten des All­tags glei­tet, ist mus­ter­gül­tig. Klar, dass der um 30 Mil­li­me­ter tie­fer­ge­leg­te Au­di SQ5 plus mit sei­nem straff ab­ge­stimm­ten S-Sport­fahr­werk da kei­nen Blu­men­topf ge­win­nen kann. Der et­was zap­pe­li­ge Ein­druck auf den Kom­fort-Test­stre­cken ist aber noch ak­zep­ta­bel. Die Ka­ros­se­riestei­fig­keit und die satt stamp­fen­den Fahr­werks­ge­räu­sche zeu­gen je­den­falls auch hier von so­li­der Qua­li­tät. Die Sport-Le­der­sit­ze mit der ed­len Rau­ten­step­pung sind üb­ri­gens se­ri­en­mä­ßig beim SQ5 plus und über­zeu­gen mit Halt und Langstre­ck­en­taug­lich­keit. So­gar hin­ten las­sen sich die Sitz­ge­le­gen­hei­ten zwei­fach ein­stel­len. Die He­bel da­für sucht man bei BMW und Ja­gu­ar ver­geb­lich – den­noch hält man es hier wie da auch auf lan­gen Stre­cken be­quem aus. Vorn im Ja­gu­ar emp­feh­len sich da­für die Le­der­sit­ze mit ih­rer 14-We­ge-Ein­stel­lung (1730 Eu­ro), die es al­ler­dings erst ab der Aus­stat­tung R-Sport (6140 Eu­ro) gibt.

Mo­tor/Ge­trie­be

Die drei bul­li­gen Selbst­zün­der ver­wan­deln die kom­pak­ten SUV zu ech­ten Sport­wa­genScho­ckern. Al­len vor­an der BMW, des­sen Rei­hen­sech­ser mit ei­nem Tur­bo­la­der aus je­der La­ge im­mens an­schie­ben kann. Der Sprint von null auf Tem­po 100 ist im X3 xD­ri­ve35d schon nach fünf Se­kun­den er­le­digt. Der Au­di mit dem dop­pelt auf­ge­la­de­nen 3.0 TDI kann sei­nen Leis­tungs­vor­teil (340 PS) erst bei hö­he­ren Ge­schwin­dig­kei­ten aus­spie­len. Da­für er­zeugt hier das blub­bern­de Ab­gas­ge­räusch aus der vier­flu­ti­gen Aus­puff­an­la­ge im Dy­na­mic-Mo­dus des dri­ve select ech­tes V8-Fee­ling. Dass der F-Pace 30d mit 300 PS der schwächs­te im Trio ist, merkt man nur im Zah­len­ver­gleich (null bis 100 km/ h: 6,6 Se­kun­den). Schließ­lich knackt auch er auf der Au­to­bahn lo­cker die 240er-Mar­ke, und der V6-Bi­tur­bo bil­det zu­sam­men mit der Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik ei­ne

sehr sou­ve­rä­ne An­triebs­kom­bi­na­ti­on mit tol­lem Klang­bild und viel Kraft aus tie­fen Dreh­zah­len (700 Nm). Zu­dem ent­puppt sich der Top­die­sel im Eco-Mo­dus des Ja­gu­ar-Dri­ve-Con­trol als wirk­lich spar­sam. Im Schnitt be­gnügt er sich auf der Test­run­de der AU­TO ZEI­TUNG mit 8,3 Li­ter Die­sel auf 100 km. Der Au­di SQ5 plus ver­langt nach ei­nem hal­ben Li­ter mehr. Nur der BMW kommt dank des su­per­ef­fi­zi­en­ten Eco-Pro-Fahr­pro­gramms auf der glei­chen Stre­cke mit durch­schnitt­lich 7,9 Li­tern aus.

Fahr­dy­na­mik

Wie bei Au­di und BMW lässt sich auch im Ja­gu­ar die Gan­gart über ei­nen Wähl­schal­ter schär­fen. Für 1240 Eu­ro ex­tra pas­sen sich auch die ad­ap­ti­ven Dämp­fer an die Vor­lie­ben des Fah­rers an. Im Zwei­fel er­kennt das Ad­ap­ti­ve Sur­face Re­s­pon­se (ASR) selbst­stän­dig die Be­schaf­fen­heit des Un­ter­grunds und stellt die Dämp­fer ent­spre­chend ein. Doch sind Len­kung, Schalt­zeit­punk­te und Ga­s­an­nah­me auf Dy­na­mik aus­ge­rich­tet, kann man es im En­g­län­der auf ab­ge­sperr­ter Stre­cke or­dent­lich flie­gen las­sen. Die heck­las­ti­ge Kraft­ver­tei­lung ge­fällt je­den­falls so­wohl beim Her­aus­be­schleu­ni­gen aus Kur­ven als auch beim Hin­ein­len­ken un­ter Schlepp­mo­ment. Mit leicht ein­dre­hen­dem Heck und gu­ter Kon­trol­lier­bar­keit avan­ciert der F-Pace ganz ne­ben­bei zu ei­nem ähn­lich fahr­ak­ti­ven Au­to wie der BMW X3. Der holt je­doch am En­de durch sei­nen kräf­ti­ge­ren An­trieb schnel­le­re Run­den­zei­ten. Da­bei sind Len­kung und Do­sier­bar­keit der Brem­se im Mün­che­ner noch fein­füh­li­ger ge­lun­gen. Der Schnells­te, aber Un­spek­ta­ku­lärs­te auf der Hand­lings­tre­cke und im Sla­lom ist al­ler­dings der Au­di SQ5 plus. Mit ex­trem neu­tra­lem Fahr­ver­hal­ten und ho­hen Kur­ven­ge­schwin­dig­kei­ten fährt er hier den an­de­ren sprich­wört­lich um die Oh­ren. Und das, ob-

Au­di SQ5 plus

340 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 5,4 s, 250 km/ h Spit­ze*, 8,8 l D/ 100 km, 68.200 Eu­ro * Werks­an­ga­be

Ja­gu­ar F-Pace 30d AWD

300 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 6,6 s, 241 km/ h Spit­ze*, 8,3 l D/ 100 km, 57.690 Eu­ro * Werks­an­ga­be

BMW X3 xD­ri­ve35d 313 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 5,0 s, 245 km/ h Spit­ze*, 7,9 l D/ 100 km, 58.700 Eu­ro * Werks­an­ga­be

Die Cock­pit-Gestal­tung des Ja­gu­ar ist ele­gant und über­sicht­lich, das 12,3-Zol­lDis­play lässt sich gut ab­le­sen

Gu­ter Langstre­cken­kom­fort dank kräf­ti­gem, öko­no­mi­schem An­trieb und an­stän­di­ger Fahr­werks­ab­stim­mung

Die viel­fach ein­stell­ba­ren Le­der­sit­ze (ab R-Spor­tAus­stat­tung: 7870 Eu­ro) sind gut aus­ge­formt und be­quem. Die Farb­wahl ist Ge­schmack­sa­che

Der Ja­gu­ar Dri­ve Selec­tor in der Mit­tel­kon­so­le ist se­ri­en­mä­ßig. Für 1240 Eu­ro wird auch das ad­ap­ti­ve Fahr­werk in den Fahr­pro­gram­men ein­ge­stellt

Der SQ5 plus ist ein Kur­ven­räu­ber ers­ter Gü­te, der sich bis in den Grenz­be­reich hin­ein der Neu­tra­li­tät ver­pflich­tet

Luf­ti­ges In­te­ri­eur, klas­sisch über­sicht­li­che In­stru­men­te und ei­ne top iD­ri­ve-Be­die­nung mit gro­ßem Bild­schirm

Nicht um­sonst ein Best­sel­ler: spar­sa­mer und kraft­vol­ler An­trieb, viel Kom­fort und reich­lich Platz im BMW X3

Fein ge­stepp­te Nap­pa- Sit­ze, ed­le Ma­te­ria­li­en und top Ver­ar­bei­tung im Au­di. Kon­zep­tio­nell ist der Q5 aber schon fast acht Jah­re alt. Das merkt man dem be­tag­ten MMI-Be­dien­sys­tem an

Schwar­ze 20-Zoll-Rä­der und ro­te Brems­sät­tel kenn­zeich­nen das Top­mo­dell „plus“

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