Fer­ra­ri GTC4Lus­so

V12-Trieb­werk mit 690 PS, nach­ge­schärf­tes Hand­ling & Platz für vier glück­li­che Fahr­gäs­te – der GTC4Lus­so hat das Zeug zum Ti­tel „Bes­ter Fer­ra­ri al­ler Zei­ten“

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­cel Küh­ler

Fer­ra­ri, so sagt man mit stolz ge­schwell­ter Brust in Ma­ra­nel­lo, ma­che kei­ne pro­fa­nen Face­lifts. Die Mo­dell­pfle­ge­maß­nah­men an den ex­klu­si­ven Sport­wa­gen aus der Emi­lia Ro­ma­gna sei­en stets so um­fas­send, das man ge­trost von ei­nem ganz neu­en Mo­dell spre­chen kön­ne. Des­halb er­hält je­des über­ar­bei­te­te Ras­se­pferd auch ei­ne neue Be­zeich­nung. Das ak­tu­el­le Bei­spiel da­für ist der GTC4Lus­so, der den Fer­ra­ri FF be­erbt – al­so je­nen Shoo­ting-Bra­ke, der bei sei­ner Pre­mie­re ob sei­nes für ei­nen Sport­ler aus Ma­ra­nel­lo völ­lig un­ty­pi­schen Kon­zepts und auch Sty­lings nicht nur Be­geis­te­rungs­stür­me ern­te­te. Des­sen tech­ni­sche Ba­sis rund um das hoch­kom­ple­xe All­rad­sys­tem, das für die Vor­der­ach­se ein ei­ge­nes Ge­trie­be be­inhal­tet, fin­det beim GTC4Lus­so wei­ter­hin Ver­wen­dung – al­ler­dings er­wei­tert um ei­ne neu ent­wi­ckel­te All­rad­len­kung. Sie soll im Ver­bund mit ei­nem ver­fei­ner­ten Tor­que-Vec­to­ring-Sys­tem über­ra­gen­de

Hand­ling-Ei­gen­schaf­ten bei tro­cke­nen Stra­ßen­ver­hält­nis­sen ga­ran­tie­ren. Gleich­zei­tig bürgt das mo­di­fi­zier­te Si­de-Slip-Con­trol-Sys­tem (SSC4), das sämt­li­che Fahr­dy­na­mik­re­ge­lun­gen steu­ert, für si­che­re Fahr­ei­gen­schaf­ten bei Näs­se oder auch auf Schnee und Eis. Dies so­wie die auf gu­ten Kom­fort hin op­ti­mier­ten ad­ap­ti­ven Fahr­werks­dämp­fer ma­chen den GTC4Lus­so zum der­zeit all­tags­taug­lichs­ten Fer­ra­ri über­haupt – oh­ne je­doch die Per­for­mance zu ver­nach­läs­si­gen.

Dem Trei­ben des V12 wird erst bei 8250/min ein En­de ge­setzt

Als An­triebs­quel­le dient wie schon beim Fer­ra­ri FF ein ex­plo­si­ver V-Zwölf­zy­lin­der-Sau­ger mit 6,3 Li­ter Hu­b­raum, der dank ge­ziel­tem Fein­tu­ning um 30 PS er­stark­te und nun bei 8000 Um­dre­hun­gen sat­te 690 PS an die Rä­der ab­gibt. Das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment des mo­nu­men­ta­len Trieb­werks liegt bei 697 New­ton­me-

tern und steht bei 5750 Um­dre­hun­gen voll­stän­dig zur Ver­fü­gung. Die Kraft­über­tra­gung er­folgt über ein Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Der­art ge­rüs­tet, sprin­tet der GTC4Lus­so in nur 3,4 Se­kun­den auf Land­stra­ßen­tem­po. Die 200-km/ h-Mar­ke reißt der Bo­li­de in 10,5 Se­kun­den. Erst bei 335 km/ h hal­ten sich Mo­tor­leis­tung und Luft­wi­der­stand die Waa­ge.

Die Fer­ra­ri-ty­pi­schen vier Rück­lich­ter er­le­ben ei­ne Re­nais­sance

Ne­ben der tech­ni­schen Raf­fi­nes­se und der schie­ren Leis­tungs­fä­hig­keit de­fi­niert sich ein Fer­ra­ri stets auch über sein De­sign. Und ge­ra­de die­ses sorg­te beim FF bei ei­ni­gen Mar­ken­fans durch­aus für Stirn­run­zeln. Des­halb leg­ten die De­si­gner beim GTC4Lus­so um­fang­reich Hand an. Die wohl auf­fäl­ligs­te Än­de­rung dürf­ten die meis­ten an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer am häu­figs­ten zu se­hen be­kom­men: Das pro­pe­re Heck wird nun durch vier statt nur zwei Rück­leuch­ten ge­prägt – so wie es bei Fer­ra­ri lan­ge Zeit Tra­di­ti­on war. Dies ist je­doch bei Wei­tem nicht al­les. Der Dach­ver­lauf wur­de im Ver­gleich zum Fer­ra­ri FF tie­fer ge­setzt, was der Sei­ten­an­sicht mehr Dy­na­mik ver­leiht. Vie­le De­tails die­nen je­doch nicht nur dem schö­nen Schein, son­dern auch der Op­ti­mie­rung der Ae­ro­dy­na­mik. Die mo­der­ni­sier­te Front war­tet bei­spiels­wei­se nun mit ei­nem La­mel­l­en­durch­lass auf, der das Trieb­werk op­ti­mal mit Frisch­luft ver­sorgt. An den Flan­ken fal­len neu ge­stal­te­te Ent­lüf­tungs­kie­men ins Au­ge. Und auch der aus­ge­form­te Heck­dif­fu­sor ist Teil der aus­ge­klü­gel­ten Ae­ro­dy­na­mik, die trotz der ex­tre­men Fahr­leis­tun­gen üp­pi­ges Spoi­ler­werk ver­zicht­bar macht. Zu gu­ter Letzt kam auch der In­nen­raum in den Ge­nuss ei­ni­ger Neue­run­gen. So darf sich der Fah­rer über ein kom­plett neu ge­stal­te­tes Lenk­rad mit über­ar­bei­te­ter Er­go­no­mie freu­en. Die Tas­ten für die Fahrt­rich­tungs­an­zei­ge sind nun bes­ser zu er­rei­chen. Der Bei­fah­rer hat ei­nen ei­ge­nen, frei kon­fi­gu­rier­ba­ren Touch­screen, auf dem er sich Fahr­da­ten, Na­vi­ga­ti­ons­kar­te oder In­fo­tain­men­tFea­tu­res an­zei­gen las­sen kann. Apro­pos In­fo­tain­ment: Die Mul­ti­me­dia-Ein­heit im GTC4Lus­so ist eben­falls kom­plett neu und ver­fügt jetzt über ei­nen 10,25 Zoll gro­ßen Touch­screen so­wie ver­ein­fach­te Be­die­nung. Au­ßer­dem be­inhal­tet das Mo­dul App­les Car-Play-Stan­dard zur Ein­bet­tung des iPho­nes im Au­to. Ge­blie­ben hin­ge­gen sind das über­ra­schend gu­te Rau­m­an­ge­bot für vier Er­wach­se­ne so­wie der üp­pi­ge Kof­fer­raum, der 450 bis 800 Li­ter Fas­sungs­ver­mö­gen auf­weist – nur für den Fall, dass man nach dem Be­such auf der Renn­stre­cke noch den Wo­che­n­end-Ein­kauf in­klu­si­ve Ge­trän­ke­kis­ten er­le­di­gen muss.

Oben: Im über­ra­schend ge­räu­mi­gen Fond füh­len sich nicht nur Kin­der gut auf­ge­ho­ben

Rechts: sehr be­que­me und ab­so­lut lang­stre­ck­en­taug­li­che Sport­sit­ze

Links: über­sicht­li­ches Cock­pit mit er­go­no­misch op­ti­mier­tem Sport­lenk­rad

In den Han­del kommt der GTC4Lus­so im Herbst. Be­züg­lich des Prei­ses hält sich Fer­ra­ri der­zeit noch be­deckt

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