Neue her­aus­for­de­run­gen

Die Qua­li­täts­si­che­rung bei Au­di ist har­te Ar­beit. Jetzt stellt die Elek­tri­fi­zie­rung neue An­for­de­run­gen an das Qua­li­täts­ma­nage­ment. Vol­ker Ko­erdt be­glei­te­te Wer­ner Zim­mer­mann, den Chef der Au­di Qua­li­täts­si­che­rung, bei sei­nen Ab­nah­me­fahr­ten

AUTO ZEITUNG - - ABNAHMEFAHRT · AUDI Q2 - Vol­ker Ko­erdt

Der Klang ge­fällt mir noch nicht.“Wie­der und wie­der öff­net und schließt Wer­ner Zim­mer­mann, Lei­ter Qua­li­täts­si­che­rung bei Au­di, die lin­ke hin­te­re Tür ei­nes Q2. „Hier müs­sen wir noch die Dich­tung ver­bes­sern.“Was Zim­mer­mann an dem Klang nicht ge­fällt, wür­den tau­sen­de von Kun­den nicht hö­ren, ge­schwei­ge denn be­an­stan­den. Doch der Bay­er ist ein ganz Aus­ge­buff­ter in sei­nem Be­ruf. Seit 16 Jah­ren lei­tet er die Qua­li­täts­si­che­rung bei Au­di und über­prüft auch die an­de­ren Pro­duk­te des VW-Kon­zerns. Ich be­glei­te ihn und sein Team bei ei­ner der zahl­rei­chen Si­che­rungs­fahr­ten. Dies­mal ha­ben wir ei­nen Q2 noch vor des­sen Se­ri­en­an­lauf, ei­nen Q7 e-tron und ei­nen SQ7 da­bei. Sei­ne Ab­tei­lung be­kommt die Mo­del­le et­wa sechs Mo­na­te vor An­lauf, stän­dig wird ana­ly­siert und op­ti­miert. Die sprich­wört­li­che Au­di-Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät, die für vie­le Au­to­her­stel­ler in­zwi­schen Vor­bild ist, kommt nicht von un­ge­fähr. Die bei­den Q2 be­fin­den sich et­wa acht Wo­chen vor der so­ge­nann­ten „O-Se­rie“. Die Au­tos ma­chen ins­ge­samt schon ei­nen sehr zu­frie­den­stel­len­den Ein­druck. Zwei­fels­oh­ne könn­te man sie so schon in den Show­room stel­len. Doch nicht bei Au­di. So soll der Tep­pich­bo­den im Kof­fer­raum noch ei­ne „sat­te­re Far­be“be­kom­men, und das Ge­sur­re der elek­tri­schen Tür­dämp­fer beim Q7 an der Heck­klap­pe soll ab­ge­stellt wer­den. Über­haupt ist die Akus­tik bei Au­di Chef­sa­che. Beim 1.6 TDI ist bei 1200 Tou­ren ein leich­tes Dröh­nen ver­nehm­bar. „Die An­re­gung kommt durch die Heck­klap­pe“, ver­blüfft mich Zim­mer­mann. „Bei dem gum­mi­ge­puf­fer­ten Schließ­keil muss mög­li­cher­wei­se die Puf­fer­ein­stel­lung ge­än­dert oder ein Zu­satz­ge­wicht in der Heck­klap­pe in­stal­liert wer­den“, klärt mich Zim­mer­mann auf. Auch die Ober­flä­chen der Lüf­tungs­dü­sen stel­len den akri­bi­schen Tüft­ler noch nicht zu­frie­den. Al­ler­dings ist das Kla­gen auf ho­hem Ni­veau. Doch noch viel mehr als die tra­di­tio­nel­le Tech­nik stellt die zu­neh- men­de Elek­tro­nik in den Au­tos Zim­mer­mann und sei­ne Mann­schaft vor neue Pro­ble­me. „Durch Con­nec­tivi­ty und Elek­tro­nik er­for­dert der Ge­samt­pro­zess der Qua­li­täts­si­che­rung ein neu­es Vor­ge­hen“, be­schreibt der Qua­li­täts­chef die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen. Die Ab­si­che­rung des neu­en Mul­ti­me­dia-In­for­ma­ti­ons­bau­kas­tens (MIB) ist ei­ne zen­tra­le Auf­ga­ben­stel­lung – ge­ra­de bei Fahr­zeu­gen mit noch mehr Elek­tro­nik wie bei­spiels­wei­se dem Q7 e-tron. Da­ten­log­ger müs­sen ver­baut sein, um ei­ne sau­be­re elek­tro­ni­sche Ana­ly­se zu be­trei­ben, die Da­ten aus­zu­le­sen und den Feh­ler dann zu be­he­ben. Die Soft­ware muss da­bei bis zum Qu­ell-

co­de ver­stan­den wer­den, denn die Feh­ler­be­schrei­bung wird im­mer wich­ti­ger. Die Met­a­mor­pho­se hat schon be­gon­nen – bei der Ver­net­zung im Au­to, aber auch im­mer mehr mit der Um­welt. Ne­ben all­dem ist die Ein­rich­tung des Meis­ter­bocks, des so­ge­nann­ten Ur­me­ters der Spalt­ma­ße, al­ler­dings im­mer noch von ent­schei­den­der Be­deu­tung für die Qua­li­tät. Ins­ge­samt sind die Au­tos et­wa drei Mo­na­te vor der Markt­ein­füh­rung schon sehr weit. Doch die Ar­beit, um die Pre­mi­um­qua­li­tät zu ge­währ­leis­ten, wird mehr. Frü­her sind Zim­mer­mann und sei­ne Cr­ew „100.000 km ge­fah­ren. Heu­te reicht das nicht, wir fah­ren viel mehr“. Die zu­neh­men­de Elek­tri­fi­zie­rung der Au­tos hat die Qua­li­täts­tests gründ­lich ver­än­dert. Aber die Au­di-Mann­schaft ist be­reits im Auf­bruch.

Wer­ner Zim­mer­mann (l.) und Chef­re­dak­teur Vol­ker Ko­erdt be­gut­ach­ten den neu­en Q2

Der Meis­ter­bock be­steht aus ei­nem Ge­rüst aus Alu­mi­ni­um­pro­fi­len. Al­le An­bau­tei­le der Ka­ros­se­rie wer­den nach ex­ak­ten Vor­ga­ben be­fes­tigt und auf­ein­an­der ab­ge­stimmt. Ziel ist das per­fek­te Pre­mi­um-Au­to

Kei­ne Über­stän­de: Die Mo­tor­hau­be ist sau­ber ein­ge­passt, die Spalt­ma­ße sind kor­rekt. „So soll es sein“, ist Zim­mer­mann zu­frie­den

Kri­ti­scher Blick: Wer­ner Zim­mer­mann prüft die Schweiß­naht des Dachs und den Ein­bau der Front­schei­be

Zim­mer­manns Team beim Aus­le­sen elek­tro­ni­scher Feh­ler auf dem Lap­top. Die Elek­tro­nik im Au­to er­for­dert neue Ar­beits­wei­sen

Heck­klap­pen-Test: Sit­zen die Gum­mi­puf­fer? Funk­tio­niert das Schlie­ßen ein­wand­frei?

Ex­ak­te Spalt­ma­ße wa­ren im VW-Kon­zern schon im­mer ein be­son­de­res The­ma

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