star­ker Vier-Klang

Por­sche 718 Boxs­ter S – mit dem neu­en Na­men geht nicht nur ein tief­grei­fen­des Face­lift ein­her, son­dern auch die Um­stel­lung vom Sechs­zy­lin­der-Sau­ger auf ei­nen Vier­zy­lin­derTur­bo. Der neue 2,5-Li­ter-Bo­xer schiebt ge­wal­tig an und klingt – nun, ein­zig­ar­tig

AUTO ZEITUNG - - PORSCHE 718 BOXSTER S · TEST - Mar­tin Ur­ban­ke

Am bes­ten, wir über­sprin­gen die op­ti­schen Re­tu­schen der Por­sche-Boxs­ter-Mo­del­le und wid­men uns di­rekt der Tech­nik: Die über­ar­bei­te­ten Ver­sio­nen der ak­tu­el­len Bau­rei­he (982) hal­ten zwar an Mit­tel­mo­tor-An­ord­nung und Bo­xer-Kon­struk­ti­on fest, doch kommt im Heck der 718er ein kom­plett neu ent­wi­ckel­ter Vier­zy­lin­der-Tur­bo zum Ein­satz. Das weckt na­tür­lich so­fort die Skep­sis der ein­ge­fleisch­ten Fan-Ge­mein­de. Doch Por­sche hat den neu­en Ty­pen ein so deut­li­ches Leis­tungs­plus spen­diert, dass die rei­nen Fahr­leis­tun­gen schlag­ar­tig für Zu­stim­mung sor­gen: Un­ser 350 PS star­ker Test­wa­gen spur­tet mit PDK und Launch Con­trol in ex­akt vier Se­kun­den aus dem Stand auf 100 km/ h, wo­mit er die Werks­an­ga­be um 0,2 Se­kun­den un­ter­bie­tet. So! Zum Ver­gleich: Der letz­te Boxs­ter GTS (3,4 Li­ter, Sechs­zy­lin­der, 330 PS) be­nö­tig­te 4,5 Se­kun­den. Und wäh­rend der GTS da­mals 11,6 Li­ter im Test ver­brauch­te, kommt der neue Boxs­ter S mit 11,1 Li­ter 100 km weit. Und wie steht es um das ge­fürch­te­te Tur­bo­loch? Nun, wir konn­ten keins fin­den. Um das zu ge­währ­leis­ten, ha­ben die Por­sche-Kon­struk­teu­re al­ler­dings auch tief in die Trick­kis­te ge­grif­fen und dem stär­ke­ren der bei­den Vier­zy­lin­der-Tur­bos so­gar ei­nen VTG-La­der spen­diert, wie er sonst nur im 911 Tur­bo ver­wen­det wird. Dar­über hin­aus be­sitzt der Mo­tor ei­ne No­cken­wel­len­ver­stel­lung so­wie ei­nen va­ria­blen Ven­til­hub auf der Ein- und Aus­lass­sei­te. Fer­ner setzt Por­sche die „Dy­na­mic Boost“-Funk­ti­on ein: Bei Teil­last wird ein By­pass­ven­til ge­schlos­sen, der Zünd­win­kel zu­rück­ge­nom­men und die Dros­sel­klap­pe leicht ge­öff­net, um den Druck­ab­fall im Tur­bo­la­der zu mi­ni­mie­ren. Die Fol­ge: Bei er­neu­tem Gas­ge­ben ist der nö­ti­ge La­de­druck frü­her er­reicht, der Mo­tor hängt di­rek­ter am Gas.

Un­ge­wöhn­li­ches Sound-Spek­ta­kel

Zu den wei­te­ren Vor­zü­gen des neu­en Ag­gre­gats zäh­len der im­men­se Durch­zug bei nied­ri­gen Dreh­zah­len und die ab­so­lut li­nea­re Kraft­ent­fal­tung bis 7500 Tou­ren. Und wie klingt der Vier­zy­lin­der? Hm. Bei ge­rin­gen Dreh­zah­len und sanf­tem Ga­s­ein­satz er­in­nert er na­tur­ge-

mäß an die hei­ßen Bo­xer aus ge­tun­ten Kä­fer und VW Bus­sen. Stei­gen die Dreh­zah­len, mischt sich ein Un­ter­ton hin­zu, der an Su­ba­ru er­in­nert – der ein­zi­ge wei­te­re ak­tu­el­le Vier­zy­lin­der-Bo­xer –, be­vor der Por­sche ab et­wa 3500 Tou­ren und bei vol­lem Ga­s­ein­satz an Här­te und Laut­stär­ke ge­winnt. Nun trom­pe­tet ein ein­zig­ar­ti­ger Sound ir­gend­wo zwi­schen Fau­chen und hei­se­rem Knur­ren, un­ter­stützt von ei­nem kräf­ti­gen Aus­puff-Bass aus der op­tio­na­len Sport­ab­gas­an­lge des Test­wa­gens. Ein Klang, der po­la­ri­siert. Den ei­nen ist die­ser Sound viel zu ba­nal vier­zy­lin­d­rig, die an­de­ren er­göt­zen sich dar­an, wie haar­scharf der klei­ne Tur­bo die Grat­wan­de­rung zwi­schen ner­vi­gem Dröh­nen und mit­rei­ßen­dem Ge­brüll schafft.

Stei­fe­res Fahr­werk, grif­fi­ge­re Rei­fen

Un­be­ding­te Ei­nig­keit herrscht in­des dar­über, dass die Fahr­werks­ab­stim­mung des 718 der sei­ner Vor­gän­ger in al­len Be­lan­gen über­le­gen ist. Ei­ner­seits spre­chen die Fe­der­ele­men­te noch sen­si­bler auf Une­ben­hei­ten an und bie­ten mehr Kom­fort. Auf der an­de­ren Seite ga­ran­tie­ren ei­ne di­rek­ter über­setz­te Len­kung so­wie stei­fe­re Fahr­werks­kom­po­nen­ten und brei­te­re Fel­gen an der Hin­ter­ach­se zu­sam­men mit den neu­en Pi­rel­li P Ze­ro-Pneus (N1) ein bis­lang un­ge­kann­tes Gri­ple­vel. Die ak­tu­el­len Box­sterMo­del­le ver­kör­pern das klas­si­sche Ide­al des fahr­ak­ti­ven Sport­wa­gens in­ten­si­ver als je zu­vor. Jeg­li­che Im­pul­se setzt das Au­to be­din­gungs­los um. Da­bei of­fe­riert es ein Op­ti­mum an Rück­mel­dung und lässt sich mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit di­ri­gie­ren – was nicht zu­letzt auch wie­der am enorm kraft­vol­len Vier­zy­lin­der-Tur­bo liegt, der un­nö­ti­ge Hek­tik von vorn­her­ein ver­ei­telt.

FA­ZIT

Wie schon beim 911 Car­re­ra pro­fi­tiert nun auch die Boxs­ter-Rei­he von der Um­stel­lung auf die am­bi­tio­nier­te Tur­bo-Tech­nik. Dass der 718 fort­an nur noch vier Zy­lin­der hat, ist eher ei­ne Image-Fra­ge als ei­ne Ver­zichts­er­klä­rung. Der 2,5-Li­ter ist spar­sa­mer, hängt bis­sig am Gas und ge­stat­tet fu­rio­se Fahr­leis­tun­gen. Ob man den ker­ni­gen Klang mag, bleibt si­cher Ge­schmacks­sa­che, doch das Plus an Kom­fort und Dy­na­mik über­zeugt je­den. So viel Ta­lent re­la­ti­viert die stol­zen Prei­se.

Heck­spoi­ler Die de­zent ein­ge­füg­te Ab­riss­kan­te hebt sich ge­schwin­dig­keits­ab­hän­gig an

Mo­de-Schal­ter Über das Drehrad wer­den vier Fahr-Mo­di ab­ge­ru­fen (Nor­mal, Sport, Sport Plus, In­di­vi­du­al) so­wie der Sport Re­s­pon­se-Mo­dus ak­ti­viert In­fo­tain­ment Das neue PCM-Sys­tem kommt nun auch in den 718-Ty­pen zum Ein­satz. Ta­del­lo­se Be­die­nung, um­fang­rei­che Funk­tio­na­li­tät Ver­deck-Tas­ten Auf Knopf­druck öff­net und schließt das Ver­deck vol­lautoma­tisch – und zwar auch wäh­rend der Fahrt bis min­des­tens 50 km/h 1 2 3

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