Nis­san GT-R

Der 2017er-Jahr­gang des Nis­san GT-R soll kom­for­ta­bler und den­noch schnel­ler sein – geht das?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Horst von Saurma

Der GT-R ist ein Phä­no­men. Der Ge­gen­ent­wurf zum run­den, lieb­li­chen Sport­wa­gen­de­sign eu­ro­päi­scher Prä­gung wur­de als „God­zil­la“welt­weit ge­rühmt und ist in der Sport­wa­gen-Sze­ne be­rüch­tigt, seit er die Nord­schlei­fe 2009 auf An­hieb in 7.38 min be­wäl­tig­te. Die ja­pa­ni­sche Sport­wa­genI­ko­ne schlecht­hin. Ein Sie­ger­typ mit tra­di­tio­nel­len Wur­zeln und gro­ßer Ver­gan­gen­heit. Ei­ner mit vie­len Renn­sie­gen auf dem Bu­ckel. Kan­tig, mu­tig, kräf­tig. Mas­ku­lin bis ins Mark. Wer aber – wie er – mit har­ter Fe­der agiert, schrof­fem Ge­brüll po­la­ri­siert und de­spek­tier­li­che Un- ter­tö­ne von sich gibt, muss sich in der kul­tur­be­flis­se­nen Sport­wa­gen-Welt nicht wun­dern, wenn ihm bei al­ler Prak­ti­ka­bi­li­tät und Preis­wür­dig­keit das Ja-Wort mehr­heit­lich ver­wei­gert wird. Bei der Markt­ein­füh­rung 2009 wa­ren es 221 GT-R, die Nis­san Deutsch­land ver­kau­fen konn­te, in 2015 nur noch 145 Ex­em­pla­re. Und dies, ob­wohl sei­ne Vi­ta mit ste­ti­gen Ver­bes­se­run­gen ein­her­ging – vor al­lem in punc­to PS-Zahl. Zum Be­dau­ern po­ten­zi­el­ler In­te- res­sen­ten aber nicht hin­sicht­lich der als not­wen­dig er­ach­te­ten Maß­nah­men zur Re­du­zie­rung der Un­ter­halts­kos­ten. Die jüngs­te Evo­lu­ti­ons­stu­fe, der schon ab Au­gust er­hält­li­che Jahr­gang 2017, mar­kiert da­ge­gen fast so et­was wie ei­nen Neu­an­fang. Das drückt sich schon in der Wort­wahl sei­tens der GT-R-Vä­ter um Ent­wick­lungs­chef Hi­ro­shi Ta­mu­ra aus: Be­grif­fe wie Ele­ganz, Kul­ti­viert­heit und Kom­fort wa­ren bis­her höchs­tens in Rand­no­ti­zen ver­merkt. Heu­te spie­len sie ei­ne Haupt­rol­le.

Ho­he Leis­tungs­be­reit­schaft wird vor­aus­ge­setzt

Bei al­ler sport­li­chen Schär­fe, die sich an der jetzt noch grö­ße­ren Küh­leröff­nung, an neu­en Spoi­lern und Schwel­lern so­wie an zu­sätz­li­chen Luft­aus­läs­sen im Heck­be­reich ab­le­sen lässt, of­fen­bart der mit stäm­mi­gen 1752 Ki­lo an­tre­ten­de Ja­pa­ner nicht nur ei­nen ge­stei­ger­ten Sinn für op­ti­sche Fi­nes­se. Er legt auch deut­lich ge­schlif­fe­ne­re Um­gangs­for­men an den Tag. Der Ab­roll­kom­fort hat sich stark ver­bes­sert, das Ab­roll­ge-

räusch deut­lich re­du­ziert Die Len­kung ar­bei­tet leicht­gän­gi­ger und ziel­ge­nau­er als bis­her. Das Zie­hen in der Len­kung auf Längs­ril­len ist gänz­lich ver­schwun­den, die Hal­te­kräf­te fal­len ge­rin­ger aus. Die bis­her auf­fäl­li­ge Ge­räusch­ku­lis­se des An­triebs­strangs ist bis auf ein ge­le­gent­li­ches lei­ses Kla­cken un­auf­fäl­lig und das läs­ti­ge Schie­be­ru­ckeln beim Crui­sen in nied­ri­gen Dreh­zahl­be­rei­chen pas­sé. Da­zu gibt es ein noch im­mer als GT-R-ty­pisch er­kenn­ba­res, ge­schmack­voll auf­ge­räum­tes, an­ge­nehm be­que­mes und in je­der Hin­sicht in­for­ma­ti­ves Cock­pit mit stil­vol­len Le­der-Ap­pli­ka­tio­nen und Kar­bon-In­tar­si­en. Lei­se däm­mert es ei­nem beim Her­an­pir­schen an die fahr­dy­na­mi­schen Li­mits, mit de­nen der All­rad­ler nach wie vor al­ler­bes­te Al­li­an­zen pflegt: Der auch mo­to­risch um 20 PS er­stark­te, des­halb aber kei­nes­wegs lau­ter, in der Klang­fär­bung bei ho­hen Dreh­zah­len je­doch ag­gres­si­ver fau­chen­de GT-R hat run­dum in ei­ner Wei­se zu­ge­legt, die es ihm er­laubt, sich mit den Bes­ten des Gen­res zu mes­sen. Und das an­ge­sichts ei­nes Al­lein­stel­lungs­merk­mals, von dem an­de­re nur träu­men kön­nen: ei­nem Ein­stiegs­preis von le­dig­lich 99.900 Eu­ro.

FA­ZIT: Kla­re Ver­wand­lung beim GT-R: Er ist nun stär­ker, schnel­ler und trotz­dem viel um­gäng­li­cher als bis­her.

Das In­te­ri­eur wur­de sicht- und fühl­bar auf­ge­wer­tet – ei­ne hap­ti­sche wie op­ti­sche Wohl­tat. Der schö­ne V6Bi­tur­bo leis­tet jetzt 570 PS – 84 PS mehr als zum Kar­rie­re-Be­ginn Der GT-R zeigt in sei­ner Mar­tia­li­tät nach wie vor un­ver­wech­sel­ba­re Zü­ge

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