Ford S-MAX Mer­ce­des GLC VW Pas­sat Va­ri­ant

Pas­sat Va­ri­ant sind die at­trak­tivs­ten Ford S-MAX, Mer­ce­des GLC und VW oder Kom­bi – wel­ches Kon­zept An­ge­bo­te ih­rer Klas­sen. Van, SUV Fa­mi­li­en­trans­por­ter am bes­ten? er­füllt die An­for­de­run­gen an ei­nen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - ] FO­TOS Da­nie­la Loof [ TEXT Micha­el God­de

Die deut­sche Durch­schnitts­fa­mi­le hat laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt 1,4 Kin­der. Zu viel, um als Fa­mi­li­en­mut­ter oder -va­ter noch mit dem Roads­ter zur Ki­ta zu flit­zen. Zu­min­dest nicht, wenn das Ge­halt nur für ein grö­ße­res Fahr­zeug reicht. Aber des­halb muss man nicht gleich die Fa­mi­li­en­pla­nung zu den Ak­ten le­gen. Ford S-MAX, Mer­ce­des GLC und VW Pas­sat Va­ri­ant ha­ben deut­lich mehr zu bie­ten als nur schnö­de Trans­port­auf­ga­ben zu er­fül­len. Un­se­re An­for­de­run­gen an das Test­trio: Der Grund­preis darf 45.000 Eu­ro nicht über­schrei­ten, die Leis­tung muss zwi­schen 170 und 190 PS lie­gen und sich da­zu noch über al­le vier Rä­der ver­tei­len. Ford, Mer­ce­des oder VW: Wer macht das bes­te An­ge­bot?

Ka­ros­se­rie

Bei ma­xi­mal zwei Kin­dern pro Durch­schnitts­fa­mi­lie rei­chen die fünf sit­zi­genMod el­le von Mer­ce­des und VW voll­kom­men aus. Aber war­um soll­te man sich am Durch­schnitt ori­en­tie­ren? Mit dem Ford muss man sich am we­nigs­ten ein­schrän­ken, denn der S-MAX ist am va­ria­bels­ten nutz­bar. Wäh­rend die mit­ti­gen In­sas­sen im Fond des GLC oder Pas­sat eher wie auf ei­nem Ho­cker kau­ern, bie­tet der schnit­ti­ge Van aus Köln nicht nur be­reits ab Werk drei gleich­wer­ti­ge Sit­ze in der zwei­ten Rei­he an, son­dern of­fe­riert auf Wunsch noch ein Paar zu­sätz­lich Sit­ze im Heck (ab 950 Eu­ro). Ei­ne gu­te In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft – oder ein An­ge­bot an Oma und Opa, die dann auch mal mit­fah­ren kön­nen. Das SUV aus Stuttgart kon­tert im Fond mit viel Raum über dem Kopf und ei­ner an­ge­nehm ho­hen Sitz­bank. Der hoch lie­gen­de Kof­fer­raum ist al­ler­dings mit 550 bis 1600 Li­tern deut­lich knap­per be­mes­sen als der üp­pi­ge La­de­raum des Pas­sat mit 650 bis 1780 Li­tern oder gar das Fracht­ab­teil des S-MAX mit 700 bis 2200 Li­tern. Da­zu las­sen sich al­le Sit­ze flach um­le­gen, und die mitt­le­re Rei­he ist in der Längs-rich­tung ver­schieb­bar. Doch nur der Pas­sat punk­tet mit ei­ner op­tio­nal vor­klapp­ba­ren Bei­fah­rer­leh­ne. Deut­lich mehr Zäh­ler ver­bucht Volks­wa­gen bei der Si­cher­heit s aus­stat­tung: So ist zum Bei­spiel beim 190-PS-TDI-4Mo­ti­on vom Ci­ty-Not­b­re ms as­sis­ten­ten bisz um Ge­päck­raum­trenn­netz al­les im Se­ri­en um­fang ent­hal­ten. Mer­ce­des bie­tet zwar auch na­he­zu al­le Fea­tu­res an, stra­pa­ziert aber für den um­fas­sen­den Schutz der In­sas­sen das Bud­get deut­lich stär­ker als VW. De mS-MAX fehlt le­dig­lich ein Un­fall­f­rü­her ken­nungs­sys­tem.D as­ses zu­dem nur für den Pas­sat ei­ne Rück­sitz­bank mit in­te­grier­ten Kin­der­sit­zen (520 Eu­ro) gibt, ver­deut­licht, dass man in Wolfs­burg die fa­mi­liä­ren In­ter­es­sen der Kund­schaft im­mer im Fo­kus be­hält.

Aber grund­sätz­lich hat der gro­ße, ge­räu­mi­ge, va­ria­ble S-MAX trotz der et­was ein­fa­che­ren Ma­te­ri­al­qua­li­tät in die­sem Ka­pi­tel die bes­ten Ar­gu­men­te. Selbst die wie beim Mer­ce­des kom­ple­xe und nicht im­mer ganz lo­gisch ge­führ­ten Me­nüpfa­de des Be­dien­sys­tems än­dern da­ran nichts – ob­gleich der in­tui­tiv be­dien­ba­re Pas­sat zeigt, dass es noch bes­ser geht.

Fahr­kom­fort

Ei­nen an­ge­nehm nied­ri­gen Ge­räusch­pe­gel im In­nen­raum und ein ge­schmei­dig agie­ren­des Fahr­werk, das die Fa­mi­lie auf lan­gen Etap­pen schnell in den Schlaf wiegt, bie­tet vor al­lem der Mer­ce­des. Ge­ra­de bei vol­ler Zu­la­dung gleicht der GLC mit sei­ner Luft­fe­de­rung (2261 Eu­ro) sämt­li­che Bo­den­wel­len und Kan­ten sou­ve­rän aus. Völ­lig un­auf­ge­regt scheint die Ka­ros­se­rie über schlech­te Pis­ten zu schwe­ben. Der mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern (1200 Eu­ro) aus­ge­stat­te­te Pas­sat glei­tet nur oh­ne viel Ge­wicht auf den Ach­sen ähn­lich ent­spannt da­hin. Je mehr Last er trägt, des­to öf­ter dringt der ei­ne oder an­de­re Schlag nach in­nen. Das Fahr­werk des Ford über­zeugt zwar mit gu­tem An­sprech­ver­hal­ten, aber an die Neh­mer­qua­li­tä­ten der Kon­kur­renz kommt es nicht her­an. Da­für übt sich der S-MAX akus­tisch in Zu­rück­hal­tung: In­nen bleibt es selbst bei ho­hem Tem­po aus­ge­spro­chen lei­se, Wind- oder Ab­roll­ge­räu­sche wer­den ge­konnt ab­sor­biert. Nur der GLC schirmt sei­ne In­sas­sen noch et­was bes­ser von den äu­ße­ren Ge­räusch­quel­len ab. Laut ist zwar auch der Pas­sat nicht, aber im di­rek­ten Ver­gleich spielt sich sein Tur­bo­die­sel stär­ker in den Vor­der­grund. Zu­dem sorgt die Be­rei­fung auf wech­seln­den Be­lä­gen für stär­ke­re Ab­roll­ge­räu­sche. Da­für ver­wöhnt der Nie­der­sach­se mit per­fekt an­lie­gen­den Sit­zen, die den ver­spann­ten Rü­cken mit ei­ner Mas­sa­ge­funk­ti­on (1225 Eu­ro) lo­cken. Auch im Fond passt bis auf die deut­lich stär­ker an­ge­win­kel­ten Knie ge­gen­über dem GLC und dem S-MAX al­les. Dem Ford fehlt auf den bei­den äu­ße­ren Sit­zen die Dis­tanz zu den Tü­ren; da ist die Kon­kur­renz bes­ser. Da­mit al­le ei­nen küh­len Kopf be­wah­ren kön­nen, wenn es bei Fa­mi­li­en­aus­flü­gen heiß her­geht, tem­pe­rie­ren Ford und Mer­ce­des den In­nen­raum per Kli­ma­au­to­ma­tik. Nur der VW kämpft ab Werk mit ei­ner ma­nu­el­len Kli­ma­an­la­ge ge­gen er­hitz­te Ge­mü­ter. Für ei­nen Obo­lus von 575 Eu­ro ist dann aber gleich ei­ne DreiZo­nen-Kli­ma­au­to­ma­tik an Bord. Der se­pa­rat ge­kühl­te Fond kos­tet für den GLC 702 und für den S-MAX 400 Eu­ro ex­tra. Ganz um­sonst sind da­für die vie­len gro­ßen Abla­gen im Fa­mi­li­enVan von Ford. Es ist aber der ins­ge­samt ge­lun­ge­ne Kom­fort, der den Mer­ce­des in die­sem zwei­ten Ka­pi­tel nach vor­ne bringt.

Mo­tor/Ge­trie­be

Die kräf­ti­gen Die­sel des Test­tri­os sind mit All­rad­an­trieb für al­le Fäl­le ge­rüs­tet. Und we­ni­ger als die 180 oder 170 PS des GLC soll­ten es dann auch nicht sein. Denn so­wohl das SUV aus

Stuttgart als auch der Van aus Köln schlep­pen fast zwei Ton­nen mit sich her­um. Für sich be­trach­tet hängt der Die­sel des S-MAX gut am Gas, übt sich in vor­bild­li­cher Lauf­ru­he und har­mo­niert bes­tens mit dem se­ri­en­mä­ßi­gem Sechs­stu­fen-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Aber bis auf die Lauf­kul­tur le­gen sich die Kon­kur­ren­ten deut­lich en­ga­gier­ter ins Zeug. Selbst der zehn PS schwä­che­re Vier­zy­lin­der des Mer­ce­des geht en­ga­gier­ter ans Werk. Tem­po 160 er­reicht der Schwa­be gut drei Se­kun­den eher als der Rhein­län­der. Leis­tung und Dreh­mo­ment er­gän­zen sich beim GLC ex­zel­lent. Die Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik fin­det im­mer den rich­ti­gen Takt, um den bul­li­gen Schub per­fekt auf die Stra­ße zu brin­gen. Und ganz ne­ben­bei sorgt die Ab­stim­mung auch für den nied­rigs­ten Ver­brauch: 6,7 Li­ter Die­sel pro 100 Ki­lo­me- ter. Nur der Pas­sat liegt mit 6,8 Li­tern auf ei­nem ähn­lich gu­ten Ni­veau. Bei den Fahr­leis­tun­gen hat der im Ver­hält­nis sehr leich­te Wolfs­bur­ger Tau­send­sas­sa al­ler­dings klar die Na­se vorn. Le­dig­lich ei­ne klei­ne An­fahr­mü­dig­keit stört den her­vor­ra­gen­den Ein­druck.

Fahr­dy­na­mik

Aus­ge­spro­chen viel Spaß dürf­te das Fa­mi­li­en­ober­haupt am Steu­er des Va­ri­ant aus Nie­der­sach­sen ha­ben, so­bald er von der Au­to­bahn ab­biegt und kur­vi­ge Ne­ben­stre­cken un­ter die Rä­der nimmt. Der Pas­sat ist so et­was wie der Sport­wa­gen un­ter den Fa­mi­li­en­kut­schen. Sei­ne Len­kung fin­det ge­nau das rich­ti­ge Gleich­ge­wicht zwi­schen ge­lun­ge­ner Ent­kopp­lung der Kraft­ein­flüs­se und ei­nem fei­nen Feed­back von der Vor­der­ach­se. Wech­sel­kur­ven nimmt er sport­lich, stützt sich satt über die op­tio­na­len 18-Zöl­ler ab und bleibt selbst bei for­schem Tem­po stets ge­las­sen. Auch der Ford S-MAX be­stä­tigt er­neut sein ge­lun­ge­nes Se­t­up. Ob­wohl bei ihm 1132 Ki­lo auf der Vor­der­ach­se las­ten (Pas­sat: 960 kg), wer­den die Lenk­be­feh­le un­mit­tel­bar mit nur ge­rin­ger Un­ter­steu­er­ten­denz an­ge­nom­men. Das ho­he Ge­wicht setzt dem Ford je­doch frü­her Gren­zen als dem flin­ken Volks­wa­gen. Die ESP-Ab­stim­mung so­wohl im S-MAX als auch Pas­sat über­zeugt mit fei­nen Re­gel­in­ter­val­len. Das Glei­che trifft auch auf den GLC zu. Der eben­falls fast 2000 Ki­lo­gramm schwe­re Schwa­be zieht sto­isch sei­ne Bahn. Ihn bringt so schnell nichts aus der Ru­he. Die et­was in­di­rek­te­re Len­kung im Ver­gleich zu der des Pas­sat passt gut zum Cha­rak­ter des GLC. Plötz­li­che

Rich­tungs­wech­sel nimmt er ge­las­sen, und auch im Grenz­be­reich bleibt er stets gut­mü­tig und neu­tral. Bei den Ver­zö­ge­rungs­wer­ten setzt der Ford SMAX er­neut ein Aus­ru­fe­zei­chen: Mit so­wohl kal­ten als auch war­men Brem­sen kommt der gro­ße Van je­weils nach we­ni­ger als 34 Me­tern zum Ste­hen. Mer­ce­des und VW ver­schen­ken hier wich­ti­gen Raum. Und der All­rad­an­trieb? Er passt per­fekt zu den bul­lig an­zie­hen­den Die­sel­mo­to­ren in al­len drei Mo­del­len und ist auf nas­sen und rut­schi­gen Ste­cken ein deut­li­cher Si­cher­heits­ge­winn.

Um­welt/Kos­ten

Der Ba­sis­preis für den GLC 220d über­rascht: Mer­ce­des ver­langt für sein neu­es Mit­tel­klas­seSUV nur 3713 Eu­ro mehr als Volks­wa­gen und Ford für die Te­stri­va­len in der Gr­und­aus­stat­tung. Dass Ford dies­mal bis auf die 18-Zol­lBe­rei­fung auf wei­te­re test­re­le­van­te Ex­tras ver­zich­tet, bringt dem Köl­ner un­term Strich ent­schei­den­de Kos­ten­vor­tei­le. Beim Mer­ce­des GLC kos­ten das Sitz­kom­for­tPa­ket, die Luft­fe­de­rung und die gro­ßen Rä­der, 3570 Eu­ro ex­tra. Auch beim Volks­wa­gen er­hö­hen die ad­ap­ti­ven Dämp­fer, die op­tio­na­le Be­rei­fung und die ex­zel­len­ten Sit­ze den be­wer­te­ten Preis um 2540 Eu­ro. Doch dem Pas­sat feh­len im Ver­gleich zur Kon­kur­renz ab Werk so­wohl ei­ne Blue­tooth-Frei­sprech­ein­rich­tung als auch die On­line-An­bin­dung per Smart­pho­ne. Ins­ge­samt ist der Ford S-MAX da­mit wie­der ein­mal das güns­tigs­te An­ge­bot.

Die Mut­ter an der Hand des Kin­des (ro­ter Kreis) wird kom­plett von der A-Säu­le ver­deckt

Sehr an­ge­neh­me Sitz­po­si­ti­on mit gu­ter Ober­schen­kel­auf­la­ge Sou­ve­rä­ner Kom­fort auf schlech­ten Stre­cken dank op­tio­na­ler Luft­fe­de­rung (2261 Eu­ro ) beim GLC

Der In­nen­raum ist ta­del­los ver­ar­bei­tet und der Mo­ni­tor per­fekt plat­ziert. We­nig Abla­ge­flä­chen

Der Ford ge­fällt mit vie­len prak­ti­schen Abla­gen. Die 180-PS-All­rad­ver­si­on gibt es nur mit Au­to­ma­tik

Sehr lei­se rollt der S-MAX über die Stra­ße. Im Ver­gleich agiert die Fe­de­rung recht straff 220-Volt-Steck­do­se im Fond: Be­stand­teil des Tra­vel­ler-Pa­kets für 300 Eu­ro

En­ger Knie­win­kel, aber or­dent­li­che Kopf­frei­heit in der drit­ten Sitz­rei­he (ab 950 Eu­ro)

Das di­gi­ta­le Cock­pit kos­tet 660 Eu­ro ex­tra. Ei­nen gro­ßen Nut­zen bringt es aber nicht Der Pas­sat Va­ri­ant ist in die­sem Test der stärks­te und leich­tes­te. So er­zielt er auch die bes­ten Fahr­leis­tun­gen Die Rück­fahr­ka­me­ra ver­steckt sich hin­ter dem Lo­go – gut vor Schmutz ge­schützt

Der Pas­sat lässt bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung kei­ne Fra­ge un­be­ant­wor­tet

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