Au­di TTS Roads­ter Por­sche 718 Boxs­ter S

Be­nannt nach dem eins­ti­gen Berg­ren­ner 718, heizt der ak­tua­li­sier­te Por­sche Boxs­ter S mit Vier­zy­lin­der-Tur­bo­b­o­xer dem Au­di TT S Roads­ter ein. Wer liegt am En­de vorn?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­tin Ur­ban­ke FO­TOS Frank Ra­te­ring ]

Neu­er­dings ar­bei­ten im Boxs­ter kei­ne Sechs­zy­lin­derMo­to­ren mehr, son­dern neu ent­wi­ckel­te Vier­zy­lin­der-Bo­xer mit Tur­bo­auf­la­dung – das sym­bo­li­sie­ren die Ty­pen­zif­fern „718“, die an den le­gen­dä­ren Berg­renn­wa­gen mit Vier­zy­lin­der-Tech­nik er­in­nern. Auch der Au­di TT führt ei­ne his­to­ri­sche Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on im Na­men. Sein Urahn NSU Prinz TT schlug sich sei­ner­zeit eben­falls aus­ge­spro­chen er­folg­reich auf Rund­kur­sen und Berg­stre­cken. Doch statt des luft­ge­kühl­ten Heck­mo­tors im his­to­ri­schen Vor­bild macht im Au­di ein Vier­zy­lin­der-Tur­bo mit kom­bi­nier­ter Di­rekt-/Saug­roh­r­ein­sprit­zung Druck. Zum ers­ten Schlag­ab­tausch tref­fen der 310 PS star­ke Au­di TT S Roads­ter und der 350 PS star­ke Por­sche 718 Boxs­ter S auf­ein­an­der. Für die Mehr­leis­tung des Schwa­ben muss man al­ler­dings auch ei­nen um ex­akt 13.391 Eu­ro hö­he­ren Grund­preis be­zah­len. Der Bay­er ist al­so deut­lich güns­ti­ger und hat zu­dem so­gar All­rad­an­trieb. Sport­li­ches Fahr­ver­gnü­gen für zwei und ein elek­tri­sches Ver­deck brin­gen bei­de mit an den Start. Das ver­spricht nicht nur gu­te Lau­ne, son­dern auch ein knap­pes Er­geb­nis.

Mo­tor/Ge­trie­be

Im Por­sche be­ginnt der Spaß mit ei­nem Dreh am Zünd­schlüs­sel – der im Stil klas­si­scher LeMans-Ra­cer wie im­mer links vom Lenk­rad sitzt. Den Au­di-Tur­bo er­weckt ein Druck auf den Start­knopf ne­ben dem Schalt­he­bel zum Le­ben. Wäh­rend der TT S dar­auf hin so­nor brum­mend sei­nen Di­enst auf­nimmt, er­regt der knur­ri­ge 2,5-Li­ter-Mit­tel­mo­tor des Por­sche so­fort Auf­merk­sam­keit durch sein un­ge­wohn­tes Klang­spek­trum. Ein Hauch VW Kä­fer, ei­ne Pri­se Su­ba­ru-Ral­lye­au­to und den­noch un­ver­kenn­bar Por­sche – die­ser Vier­zy­lin­der-Bo­xer klingt ein­fach ein­zig­ar­tig. Der vor­ne quer mon­tier­te Rei­hen­mo­tor des TT tönt da­ge­gen ver­trau­ter, aber kei­nes­wegs flau. Er be­geis­tert mit ei­nem rau­en Tim­bre und quit­tiert Hoch­schal­ten un­ter Last mit ei­nem herz­haf­ten Sprat­zeln des vier­flu­ti­gen Aus­puffs – ganz so, als wol­le er sei­nen Fah­rer an­feu­ern. Doch die bei­den Roads­ter ent­fal­ten nicht nur ei­nen mit­rei­ßen­den Sound, son­dern ent­fa­chen auch fu­rio­se Fahr­leis­tun­gen: Der 718 un­ter­bie­tet so­gar die Werks­an­ga­be für den Stan­dard­sprint auf 100 km/ h um zwei Zehn­tel, was er auch dem sehr gu­ten Grip der op­tio­na­len 20

Zoll gro­ßen Hin­ter­rä­der ver­dankt. Fer­ner ver­fügt der Test­wa­gen über ein au­to­ma­ti­sches me­cha­nisch sper­ren­des Hin­ter­achs­dif­fe­ren­zi­al und das „Sport Chro­no Pa­ket“, das in Kom­bi­na­ti­on mit dem Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be ei­ne sehr gut ab­ge­stimm­te Launch Con­trol-Funk­ti­on be­inhal­tet. Doch all die­se Gim­micks kos­ten ex­tra. Der TT-Test­wa­gen rollt eben­falls auf op­tio­na­len 20-Zöl­lern und ist mit Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be so­wie Launch Con­trol aus­ge­rüs­tet. Er ver­fehlt je­doch knapp die Werks­an­ga­be und muss den Por­sche zie­hen las­sen: Auf 100 km/ h be­trägt der Ab­stand 1,1 Se­kun­den, und wenn der 718 nach 13,7 Se­kun­den 200 km/ h er­reicht, steht die Ta­cho­na­del des TT S noch bei 170. Auch in punc­to Top­speed liegt der Por­sche vorn: 285 zu (ab­ge­re­gel­ten) 250 km/ h. Be­ein­dru­ckend ist da­bei, wie ab­so­lut li­ne­ar der Bo­xer­mo­tor sei­ne Leis­tung ent­fal­tet und wie re­ak­ti­ons­schnell der Tur­bo am Gas hängt. Bis zum Dreh­zahlli­mit von 7500 Tou­ren wird kein Nach­las­sen spür­bar. Wie der TT be­gnügt sich nun auch der Boxs­ter selbst bei for­cier­ter Fahrt mit ge­rin­ge­ren Dreh­zah­len, was zwar vom Pi­lo­ten ein Um­den­ken er­for­dert, bei en­ga­gier­ter Kur­ven­fahrt je­doch mehr Ru­he ins Au­to bringt, weil die Last­wech­sel beim Schal­ten sel­te­ner wer­den. So­fern sie über­haupt auf­tre­ten, denn bei­de Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be ar­bei­ten sehr fein­füh­lig und wech­seln bei Be­darf blitz­schnell die Gän­ge. Al­ler­dings ver­langt die Steue­rung der „S tro­nic“beim Zu­rück­schal­ten mehr Ge­duld, wäh­rend das PDK auch na­he der Höchst­dreh­zahl ex­trem spon­tan re­agiert. Hin­zu kommt, dass der Por­sche im Nor­mal-Mo­dus bei ru­hi­ger Fahrt bei­na­he un­merk­lich in den Frei­lauf schal­tet und das sprit­spa­ren­de Se­geln oh­ne ner­vi­ge Ver­zö­ge­run­gen funk­tio­niert. Das spar­sa­me­re Au­to ist aber der TT S, der auf un­se­rer Ver­brauchs­run­de 0,3 Li­ter we­ni­ger pro 100 Kilometer ver­feu­ert als der 718, der zu­dem nach Su­per Plus ver­langt.

Fahr­kom­fort

Ob­wohl die mög­li­chen Fahr­leis­tun­gen der bei­den Sport­ler aus­ge­spro­chen tem­pe­ra­ment­voll aus­fal­len, be­herr­schen die Roads­ter auch das ge­nüss­li­che Crui­ser bei of­fe­nem Ver­deck. Bei­de Kon­tra­hen­ten ha­ben op­tio­na­le, viel­fach ein­stell­ba­re Sit­ze mit va­ria­bler Bein­auf­la­ge und an­pass­ba­ren Sei­ten­wan­gen an Bord, die so­wohl mit Halt als auch mit Kom­fort glän­zen. Die sen­si­bler an­spre­chen­den Dämp­fer des 718 las­sen die­sen ge­schmei­di­ger denn je ab­rol­len, ob­gleich er sei­ne straf­fe Gr­und­ab­stim­mung nicht ver­leug­net. Dass der Au­di auf Langstre­cken be­kömm­li­cher ist, liegt haupt­säch­lich da­ran, dass er sich akus­tisch stär­ker zu­rück­hält. Da­bei ist es nicht al­lein die ab­so­lu­te Laut­stär­ke, son­dern der sehr prä­gnan­te Klang des Por­sche-Bo­xers, der auf Dau­er in­ten­si­ver am Ner­ven­kos­tüm nagt. Hin­zu kom­men Net­tig­kei­ten wie die Warm­luft, die der TT sei­nen In­sas­sen – ge­gen Auf­preis – in den Na­cken pus­tet oder dass die Kli­ma­au­to­ma­tik bei ge­öff­ne­tem Ver­deck au­to­ma­tisch in ein pas­sen­des Pro­gramm wech­selt.

Ka­ros­se­rie

Das Öff­nen des TT-Ver­decks ge­schieht üb­ri­gens per Knopf­druck – auch wäh­rend der Fahrt bis 50 km/ h in rund zwölf Se­kun­den. Et­was mehr als zehn Se­kun­den dau­ert die Of­fen­le­gung des Boxs­ter, der wäh­rend des­sen so­gar 70 km/ h schnell fah­ren kann, so­lan­ge der Wind nicht zu stür­misch bläst. Au­ßer­dem öff­net und schließt die Ka­put­ze des ste­hen­den 718 fern­ge­steu­ert per Schlüs­sel – sehr läs­sig. Eher läs­tig ge­rät in­des die Un­ter­brin­gung des Rei­se­ge­päcks, das Por­sche-Fah­rer auf die zwei Stau­räu­me vor­ne (150 Li­ter) und hin­ten (125 Li­ter) ver­tei­len müs­sen. Im Heck des Au­di ste­hen 280 Li­ter zur Ver­fü­gung. Ge­gen Auf­preis gibt es dort so­gar ei­ne klei­ne Durch­rei­che samt Ski­sack. Über­haupt er­leich­tert der TT Roads­ter den All­tag mit grö­ße­ren Abla­gen und mehr Be­we­gungs­frei­heit für Fah­rer und Bei­fah­rer – ob­wohl man um fünf Zen­ti­me­ter hö­her im Au­to sitzt.

Fahr­dy­na­mik

Nicht zu­letzt da­durch schafft der Por­sche ei­ne in­ni­ge Ver­bun­den­heit zwi­schen Fah­rer und Fahr­zeug, die der Au­di in die­ser Form nicht bie­ten kann. Die Len­kung des

718 ist noch di­rek­ter über­setzt als bei den bis­he­ri­gen Boxs­ter-Mo­del­len, oh­ne dass sie des­we­gen ner­vös wür­de. Zu­dem ver­kraf­tet das stei­fe­re Fahr­werk der ak­tu­el­len Ty­pen hö­he­re Qu­er­kräf­te, was in ei­ne erst­klas­si­ge Kur­ven­dy­na­mik mün­det. Auf un­se­rer Test­stre­cke im Con­tidrom er­zielt der Por­sche ei­ne fa­bel­haf­te Run­den­zeit von 1:36,4 min. Da­mit ist er 5,4 Se­kun­den schnel­ler als der eben­falls sehr dy­na­mi­sche TT S. Bei­de Au­tos bie­ten dank ad­ap­ti­ver Fahr­wer­ke (Por­sche: Op­ti­on) ein höchst agi­les und spur­sta­bi­les Hand­ling. Doch egal wie am­bi­tio­niert sich der Au­di in die Kur­ven schmeißt – der Por­sche kann’s bes­ser. Auch sei­ne Brems­an­la­ge er­weist sich als stand­fes­ter, bes­ser do­sier­bar und wir­kungs­vol­ler. Den Trak­ti­ons­vor­teil des All­rad­an­triebs kann der Au­di erst bei Näs­se wirk­lich aus­spie­len.

Um­welt / Kos­ten

Die­se Run­de geht an den Au­di. Nicht nur, dass sein Grund­preis über 13.000 Eu­ro güns­ti­ger aus­fällt, er ver­zeich­net auch den ef­fek­tiv ge­rin­ge­ren Wert­ver­lust. Hin­zu kommt, dass die lau­fen­den Kos­ten für Treib­stoff, Ser­vice und Ver­si­che­rung nied­ri­ger sind. Au­ßer­dem ver­län­gert sich die Mo­bi­li­täts­ga­ran­tie von In­spek­ti­on zu In­spek­ti­on, wäh­rend Por­sche die­se Zu­sa­ge rou­ti­ne­mä­ßig auf zwei Jah­re be­grenzt. Im­mer­hin punk­tet der 718 Boxs­ter mit dem voll­stän­di­ge­ren Mul­ti­me­dia-Pa­ket.

Au­tos im Test AU­DI TT S Roads­ter 310 PS, 250 km/h, 10,8 l S/100 km, 52.750 Eu­ro Por­sche 718 Boxs­ter S 350 PS, 285 km/h, 11,1 l SP/100 km, 66.141 Eu­ro

Bei­de Roads­ter tra­gen ei­ne elek­trisch be­tä­tig­te, pass­ge­naue Stoff­kap­pe, die bin­nen Se­kun­den ge­öff­net oder ge­schlos­sen wer­den kann – auch wäh­rend der Fahrt

Au­di TTS Roads­ter Ge­räu­mi­ges TT-Cock­pit mit be­que­men Sport­sit­zen samt op­tio­nal ein­stell­ba­ren Wan­gen und Kopf­raum­hei­zung. Se­ri­en­mä­ßig: ver­senk­ba­res Wind­schott, prak­ti­sches St­au­fach

Por­sche 718 Boxs­ter S Im Boxs­ter-Cock­pit sitzt man tie­fer und nä­her zu­sam­men. Sehr gu­te Sport­sit­ze mit 18-We­ge-Ein­stel­lung (Op­ti­on). Stan­dard: de­zen­ter Heck­spoi­ler und Steck-Wind­schott

Herz­haft trom­pe­ten­de Vier­zy­lin­der-Tur­bos: TTS mit satt brab­beln­dem Un­ter­ton, 718 mit ein­zig­ar­ti­gem Bo­xerKlang­spek­ta­kel

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