Mer­ce­des S 500 Ca­brio­let

Das lu­xu­riö­se S-Klas­se Ca­brio­let de­mons­triert schon mit sei­ner ein­drucks­vol­len Grö­ße viel Selbst­be­wusst­sein. Doch was bie­tet der of­fe­ne S 500 tat­säch­lich an Ge­gen­wert?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jürgen Voigt

Die Be­zeich­nung S-Klas­se Ca­brio­let ver­wirrt ein we­nig: Auf An­hieb stellt sich der Daim­ler-Ken­ner ei­nen vier­tü­ri­gen Lu­xus­kreu­zer vor, der um sein Dach be­raubt wur­de. Falsch: Zum S-Klas­se-Ca­brio kam es durch die Neu­ord­nung der No­men­kla­tur un­ter den Mer­ce­des-Cou­pés und Ca­brio­lets. An der Spit­ze steht hier nach wie vor der mas­si­ge Zwei­tü­rer auf Ba­sis der S-Klas­se, der nun nicht mehr CL heißt, son­dern S-Klas­se Cou­pé. Da­von ab­ge­lei­tet wur­de auch ei­ne Ver­si­on mit flä­chen­grei­fen­dem Tex­til­ver­deck: das S-Klas­se Ca­brio­let. Des­sen schie­re Grö­ße be­ein­druckt al­lein schon mit der we­nig hand­li­chen Ka­ros­se­rie­län­ge von 5,03 Me­tern und ei­ner Brei­te von 1,90 Me­tern. Den­noch trägt der Vier­sit­zer nicht dick auf, wirkt eher ele­gant und wohl­pro­por­tio­niert.

Fei­ne In­nen­ar­chi­tek­tur trifft auf ho­he Funk­tio­na­li­tät

In­nen ge­nie­ßen Fah­rer und Bei­fah­rer die gan­ze Krea­ti­vi­tät der Daim­ler-Raum­aus­stat­ter. Feins­tes Le­der in voll­ende­ter Ge­schmei­dig­keit, ma­kel­los ver­ar­bei­tet un­ter an­de­rem auf den üp­pigst di­men­sio­nier­ten Sports­es­seln mit na­he­zu un­er­schöpf­li­chen Ein­stell­mög­lich­kei­ten. Ver­schwei­gen wol­len wir in­des nicht, dass wir es hier mit der De­si­gno-Le­der­li­nie zu tun ha­ben, dem Sitz­kom­fort-Pa­ket und vie­lem an­de­ren mehr – al­les zu fin­den in der ex­qui­si­ten Auf­preis­lis­te. Doch zu den Prei­sen kom­men wir spä­ter noch. Se­ri­en­mä­ßig hat das Ca­brio­let der Funk­tio­na­li­tät ei­ner S-Klas­se nicht viel hin­zu­zu­fü­gen. Hier wie dort er­gibt sich die Be­die­nung aus zwei rie­si­gen Bild­schir­men; ei­ner fürs di­gi­ta­le In­stru­men­ta­ri­um hin­ter dem Lenk­rad, der an­de­ren in der Mit­te für den Rest, er­gänzt durch ein – selbst­ver­ständ­lich auf­preis­pflich­ti­ges – He­ad-up-Dis­play. Zu­griff auf die Viel­zahl der Fahr­zeug-, As­sis­tenz-, Kli­ma- und on­line­ge­stütz­ten In­fo­tain­ment- oder Na­vi-Funk­tio­nen hat man so­wohl über den Dreh-Drück­stel­ler und das Touch­pad auf dem Mit­tel­tun­nel wie auch mit den Lenk­rad­t­as­ten. Ein we­nig su­chen muss man nach dem wich­tigs­ten Schal­ter, denn die – bis Tem­po 50 mög­li­che – Be­tä­ti­gung des voll­au­to­ma­ti­schen Dachs ver­steckt sich im ge­schlos­se­nen Fach auf dem Mit­tel­tun­nel. Et­wa 20 Se­kun­den dau­ert es, bis sich meh­re­re Qua­drat­me­ter ge­füt­ter­te Tex­til­bahn gut ge­ord­net ins Heck fal­ten. Über die per Knopf­druck steu­er­ba­ren Po­si­tio­nen von Sei­ten­schei­ben, vor­de­rem Wind­ab­wei­ser im Schei­ben­rah­men (Air­cap, 1178 Eu­ro) und hin­te­rem Wind­schott steu­ert der Fah­rer den Grad der In­te­ri­eurDurch­lüf­tung, von na­he­zu wind­still selbst bei weit über 100 km/ h bis hin zum Or­kan. Auch die neu ent­wi­ckel­te Kli­ma­ti­sie­rung ar­bei­tet fast per­fekt. In der Re­gel reicht die Vor­wahl der Tem­pe­ra­tur, und der Daim­ler kli­ma­ti­siert maß­ge­recht – ganz gleich, ob das Dach nun of­fen ist oder ge­schlos­sen. Das vom Zu­lie­fe­rer Ma­gna ent­wi­ckel­te Dach­sys­tem trägt oben­drein zum her­vor­ra­gen­den

Ge­räusch­kom­fort bei, der bes­ser ist als in ei­ner Bu­si­ness-Li­mou­si­ne. Bei 130 km/ h zeigt das Schall­druck-Mess­ge­rät ge­ra­de mal 66 dB(A) an, und selbst ober­halb von 200 km/ h muss man sich nicht ge­gen­sei­tig an­brül­len. Doch der Kom­fort im S-Klas­se Ca­brio scheint nur gren­zen­los. Das merkt man spä­tes­tens im Fond. Trotz der gro­ßen Tü­ren ist der Weg dort­hin be­schwer­lich, und das Platz­an­ge­bot auf den bei­den wohl­kon­tu­rier­ten, aber klei­nen Ein­zel­sit­zen hat nichts mit S-Klas­se zu tun. Da reist es sich in je­dem Kom­pak­ten be­que­mer. Scha­de, denn im Langstre­cken­kom­fort ist die­ses opu­len­te Ca­brio kaum zu schla­gen. Na­he­zu kom­plett ent­kop­pelt die sen­si­bel agie­ren­de Luft­fe­de­rung den zu gro­ßen Tei­len aus Alu­mi­ni­um ge­fer­tig­ten Auf­bau von jeg­li­chen Fahr­bahnu­n­eben­hei­ten. Sanft und lei­se schwebt der Mer­ce­des da­hin, und wem das zu syn­the­tisch vor­kommt, der kann je­der­zeit in den Sport­mo­dus wech­seln, um ei­ne Ah­nung von der As­phalt­gü­te zu be­kom­men. Zum Su­per­sport­ler wird das gro­ße Ca­brio­let auch dann nicht, lässt sich aber durch­aus be­herzt und mit ei­ner er­staun­li­chen Prä­zi­si­on durch Wech­sel­kur­ven be­we­gen. Die traut man den 2,15 Ton­nen eben­so we­nig zu wie die ra­bia­te Ver­zö­ge­rung mit Brems­we­gen von un­ter 34 Me­tern aus Tem­po 100. Dass vom An­trieb bis­her kei­ne Re­de war, liegt an sei­ner po­si­ti­ven Un­auf­fäl­lig­keit. Die 455 PS des 4,7-Li­ter-V8-Bi­tur­bo füh­len sich stets nach mehr an, auch weil sie von 700 Nm Dreh­mo­ment un­ter­füt­tert wer­den, das fast im­mer ver­füg­bar ist. Und soll­te es mal nicht rei­chen, schal­tet die Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik zu­rück, wenn auch nicht im­mer ganz ruck­frei . Da­bei lässt der V8 ab und zu ein woh­li­ges Grol­len von sich hö­ren, mehr nicht. Wem Sound und Kraft aus un­er­find­li­chen Grün­den nicht rei­chen, der kann sich mit den 585 und 630 PS star­ken AMG-Ver­sio­nen in an­de­re Um­lauf­bah­nen schie­ßen, wird da­bei je­doch deut­lich mehr ver­brau­chen als die an­ge­mes­se­nen 13,4 Li­ter Su­per, die sich der S 500 im ge­misch­ten Test­be­trieb ge­neh­mig­te. Dr­un­ter geht’s nicht, denn der 500er ist das Ba­sis­mo­dell der Bau­rei­he für 139.052 Eu­ro. In Wahr­heit kom­men al­ler­dings leicht noch ein paar Tau­sen­der oder auch Zehn­tau­sen­der da­zu. Ein Muss ist zum Bei­spiel das vol­le Fahras­sis­ten­zAr­senal so­wie das im Test­wa­gen in­stal­lier­te, im­pul­siv und de­tail­reich klin­gen­de Au­dio-Hig­hEnd-Sys­tem von Bur­mes­ter (7497 Eu­ro), auch wenn die Emp­fangs­qua­li­tät des di­gi­ta­len DABRa­di­os – wie in vie­len Mer­ce­des-Mo­del­len – zu wün­schen üb­rig lässt.

Lie­fert stets be­ru­hi­gend viel Kraft: wohl­klin­gen­der 4,7-Li­ter-V8-Bi­tur­bo mit 455 PS

Kun­st­ob­jekt: ei­ne von vie­len Laut­spre­cher­ab­de­ckun­gen der Bur­mes­ter-High-End-An­la­ge

Vor­bild­li­che Sitz­ein­stel­lung, um­ge­ben von Holz und Le­der. Tür­öff­ner zu weit hin­ten

Der für ei­ne S-Klas­se knap­pe Kof­fer­raum schrumpft bei of­fe­nem Dach von 350 auf 250 Li­ter

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