VW-Ent­wick­lungs­vor­stand Dr. Frank Welsch be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Le­ser­fra­gen

AU­TO ZEI­TUNG tes­te: Was taugt die neue Ab­gas­rei­ni­gung beim VW Pas­sat 2.0 TDI? Vie­le Le­ser­brie­fe wa­ren die Fol­ge. VW-Ent­wick­lungs­chef Frank Welsch be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen

AUTO ZEITUNG - - Inhalt - Das Ge­spräch führ­te Ste­fan Mie­te

Herr Dr. Welsch, es ist schön zu wis­sen, dass der Pas­sat kei­ne Nach­tei­le mit der neu­en Soft­ware hat. Aber was ist mit dem 2.0 TDI mit 170 PS, den vie­le Kun­den fah­ren? Ha­be ich dort auch kei­nen Leis­tungs­ver­lust oder Mehr­ver­brauch zu er­war­ten?

Un­ser kla­res Ziel ist, dass durch das Soft­ware-Up­date we­der die Leis­tung noch der Ver­brauch oder das Ge­räusch be­ein­träch­tigt wer­den. Das hat auch beim EA 189 mit 170 PS obers­te Prio­ri­tät. Das KBA hat dies für frei­ge­ge­be­ne Mo­del­le be­stä­tigt.

Der Fach­mann staunt, der Laie wun­dert sich: Nach dem Up­date ist al­les bes­ser. Ab­gas und Ver­brauch her­un­ter, Leis­tung in et­wa gleich. Be­schäf­ti­gen VW und Bosch nun bes­se­re Pro­gram­mie­rer, oder wur­de gar ei­ne neue Pro­gram­mier­spra­che kre­iert?

Seit Ein­füh­rung un­se­rer ers­ten Die­sel­mo­to­ren mit Com­mon-Rail ha­ben wir ei­ne Men­ge da­zu­ge­lernt. Die­se Er­kennt­nis­se sind in das Soft­ware-Up­date ein­ge­flos­sen. Über die Mo­torsoft­ware ha­ben wir in be­stimm­ten Kenn­feld­be­rei­chen die Ein­spritz­stra­te­gie, die Do­sie­rung der ein­ge­spritz­ten Kraft­stoff­men­ge und die AGR-Ra­te op­ti­miert so­wie den Rail­druck neu ab­ge­stimmt. Die be­tref­fen­den An­pas­sun­gen wur­den um­fang­reich ab­ge­si­chert und neu­tral über­prüft.

Mit wel­chem Ab­gas nachb eh andlungs sys­tem sind die Test­wa­gen aus­ge­rüs­tet? Mit oder oh­ne AdBlue?

In den Fahr­zeu­gen, in de­nen wir die neu­en Soft­ware-Va­ri­an­ten er­pro­ben, wer­den die glei­chen Ab­gas nachb eh andlungs sys­te­me ver­wen­det, wie sie auch in den ori­gi­nal Fahr­zeu­gen un­se­rer Kun­den zum Ein­satz kom­men.

Mit wel­chen Nach­tei­len wur­den denn die po­si­ti­ven Ef­fek­te bei Ab­gas und Ver­brauch er­kauft? Durch grö­ße­re Be­las­tun­gen der In­jek­to­ren oder ei­ne hö­he­re Ab­gas­rück­führ­men­ge? Der­lei ist wohl ge­eig­net, ei­nen schnel­le­ren Mo­torEx­itus her­bei­zu­füh­ren, oder nicht?

Da kann ich Sie be­ru­hi­gen. So et­was kommt für uns nicht in Fra­ge. Wir wol­len in den kom­men­den Jah­ren das ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Ver­trau­en un­se­rer Kun­den zu- rück­ge­win­nen, denn das Kun­den­ver­trau­en ist ein sehr ho­hes Gut. Ab­stell­maß­nah­men, die die Dau­er­halt­bar­keit der Mo­to­ren zum Nach­teil un­se­rer Kun­den be­ein­flus­sen, kom­men nicht in Fra­ge. Kurz ge­sagt: Die Nach­rüst­lö­sun­gen be­las­ten die Mo­to­ren in Sum­me nicht hö­her als die bis­he­ri­ge Se­ri­en­soft­ware.

Wenn die neue Soft­ware so wirk­sam ist, drängt sich die Fra­ge auf, ob Au­tos nicht ge­ne­rell per Soft­ware-Er­neue­rung sau­be­rer wer­den kön­nen? Wä­ren nicht re­gel­mä­ßi­ge Up­dates sinn­voll?

In den EU VI-Mo­to­ren ar­bei­ten heu­te schon sehr auf­wen­di­ge und teu­re Ab­gas nachb eh andlungs­sys­te­me. Die ein­ge­setz­te Soft­ware ent­spricht– nicht zu­letzt durch die tech­ni­schen Fort­schrit­te der letz­ten Jah­re–dem neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Stand. Up­dates sind des­halb an die­sen Fahr­zeu­gen nicht not­wen­dig.

Im Test wur­de kei­ne Ve­rän­de­rung der Lauf­kul­tur be­män­gelt. Aber was ist, wenn ich den Ein­druck ha­be, dass mein TDI nach der Da­ten-Kur an­ders klingt?

Wie ge­sagt: Über Ein­grif­fe in die Mo­torsoft­ware ha­ben wir in ver­schie­de­nen Kenn­feld­be­rei­chen die Ein­spritz­stra­te­gie, die Men­ge des ein­ge­spritz­ten Kraft­stoffs und die AGR-Ra­te op­ti­miert. Zu­dem ha­ben wir den Rail­druck neu de­fi­niert. Da­durch kann sich in ein­zel­nen Be­trieb­spunk­ten das Fre­quenz­spek­trum leicht ver­schie­ben. Dies könn­te in Ein­zel­fäl­len von we­ni­gen Kun­den wahr­ge­nom­men wer­den. Die Laut­stär­ke ver­än­dert sich nicht.

Wenn ei­ne un­ab­hän­gi­ge Test­zeit­schrift die Wirk­sam­keit der von VW in Aus­sicht ge­stell­ten und vom KBA frei­ge­ge­be­nen

Tech­nik be­stä­tigt, dann glau­be ich das. Trotz­dem: Ich bin mit mei­nem Pas­sat zu­frie­den, so wie er ist, und möch­te nicht, dass sich die Werk­statt an der Steue­rung zu schaf­fen macht. Muss die neue Soft­ware zwin­gend in­stal­liert wer­den?

Das KBA hat sich hier­zu sehr deut­lich ge­äu­ßert: Fahr­zeug­hal­ter, die an der Nach­rüs­tungs­ak­ti­on nicht teil­neh­men, müs­sen mit Sank­tio­nen der ört­li­chen Zu­las­sungs­be­hör­den rech­nen.

Nach dem Up­date nahm das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment des ei­nen Fahr­zeugs von 317 auf 315 New­ton­me­ter ab, wäh­rend es beim zwei­ten Test­wa­gen von 315 auf 319 Nm an­stieg. Wie er­klä­ren Sie sich die­se Streu­ung?

To­le­ran­zen bei der Fer­ti­gung von Kom­po­nen­ten kön­nen zu ge­rin­gen Schwan­kun­gen zum Bei­spiel beim Dreh­mo­ment oder auch beim Ver­brauch füh­ren. Das ist voll­kom­men nor­mal. Dar­über hin­aus kann es auch im Rah­men von Mes­sun­gen zu ge­rin­gen Ab­wei­chun­gen kom­men. Die hier an­ge­führ­ten mi­ni­ma­len Schwan­kun­gen lie­gen im nor­ma­len Be­reich der Mes­s­to­le­ran­zen und sind kein Grund zur Be­un­ru­hi­gung.

Ich fah­re kei­nen Pas­sat, son­dern ei­nen Golf 2.0 TDI. Ist die Soft­ware bei bei­den Mo­del­len in et­wa die­sel­be?

Für die drei Hu­b­raum­va­ri­an­ten, die in den fünf be­trof­fe­nen Mar­ken in et­wa 60 Mo­del­len mit sechs Ge­trie­be­va­ri­an­ten zum Ein­satz kom­men, ha­ben wir ca. 1000 Soft­ware­va­ri­an­ten ent­wi­ckelt. Das be­deu­tet, auch der 2,0-Li­ter TDI hat ei­nen ei­ge­nen fahr­zeug­spe­zi­fi­schen Da­ten­satz.

Dr. Frank Welsch ist seit De­zem­ber 2015 Ent­wick­lungs­vor­stand der Mar­ke VW. Der 1964 in Köln ge­bo­re­ne, pro­mo­vier­te Ma­schi­nen­bauIn­ge­nieur war zu­vor Ent­wick­lungs­vor­stand von Sko­da Au­to

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