Por­sche 718 Cay­man

Über­ar­bei­te­ter Por­sche 718 Cay­man mit Vier­zy­lin­der-Tur­bo-Bo­xer

AUTO ZEITUNG - - Inhalt - Mar­tin Ur­ban­ke

Erst­mals kos­tet die Cou­pé-Ver­si­on der klei­nen Por­sche-Bau­rei­he we­ni­ger als die Roads­ter-Va­ri­an­ten, wo­mit der 718 Cay­man zum güns­tigs­ten Mo­dell der Stutt­gar­ter Sport­wa­gen­schmie­de avan­ciert. Mit dem von Grund auf neu kon­stru­ier­ten Zwei­li­ter-Vier­zy­lin­der-Bo­xer­mo­tor und ma­nu­el­lem Sechs­gang-Ge­trie­be er­öff­net der Zwei­sit­zer für ex­akt 51.623 Eu­ro den Zu­tritt zur Por­sche-Welt. Da­mit ist der güns­tigs­te Cay­man nur um 238 Eu­ro teu­rer als bis­her, mit 300 PS aber deut­lich stär­ker (plus 25 PS). Den­noch müs­sen die Kun­den erst ein­mal ver­dau­en, dass der Mit­tel­mo­tor-Flit­zer jetzt nur noch vier Zy­lin­der hat. Nach dem Start klingt der Por­sche zu­nächst et­was nach Kä­fer. Über­dies neigt er im Leer­lauf da­zu, sich merk­lich zu Schüt­teln. Im Sport­mo­dus steigt sein Ru­he­puls auf 1000 Um­dre­hun- gen, was ei­nen run­de­ren Mo­tor­lauf mit sich bringt, aber den Ge­räusch­pe­gel an­hebt – zu­mal un­ser Test­wa­gen mit dem op­tio­na­len Sport­aus­puff (2249 Eu­ro) aus­ge­rüs­tet war. Aber wer will ei­nen Por­sche schon im Stand er­le­ben? Al­so los! Der Schalt­he­bel er­for­dert ei­ne fes­te Hand, ist aber ex­akt ge­führt und ras­tet prä­zi­se in den ein­zel­nen Gän­gen ein. Kupp­lung kom­men las­sen, und – und, na, jetzt aber. Zu-

nächst nimmt der Zwei­li­ter-Tur­bo mit er­staun­lich we­nig En­thu­si­as­mus Fahrt auf. In den ers­ten bei­den Gän­gen tut sich im Dreh­zahl­kel­ler we­nig. Ab 2000 Tou­ren geht es dann los, und jen­seits der 4000er-Mar­ke wird ein zwei­ter Wind spür­bar. Wer das Sprint­ver­mö­gen des Cou­pés aus­kos­ten will, darf da­her beim An­fah­ren nicht zu zim­per­lich agie­ren, sonst ver­ebbt der Start im Tur­bo­loch. Wer sich dar­auf ein­stellt und mit ent­spre­chend viel Schma­ckes los­fährt, er­lebt ein völ­lig an­de- res Au­to: Dann näm­lich prescht der 718 aus­ge­spro­chen lust­voll vor­wärts und soll nach nur 5,1 Se­kun­den die 100-km/ h-Mar­ke kna­cken. Ober­halb von 2000 Tou­ren nimmt der Bo­xer jetzt auch aus­ge­spro­chen wil­lig Gas an und baut dank Tur­bo­auf­la­dung ei­nen be­acht­li­chen Schub auf. Ein kom­ple­xes Sys­tem hält den La­de­druck bei kurz­fris­ti­gen Schub­pha­sen auf­recht, wo­durch der Bo­xer er­freu­lich spon­tan am Gas hängt. Je hö­her der ein­ge­leg­te Gang, des­to druck­vol­ler scheint der Zwei­li­ter zu mar-

schie­ren, be­vor er bei 275 km/ h vor den Fahr­wi­der­stän­den ka­pi­tu­lie­ren muss. Stei­gen­de Dreh­zah­len und hö­he­re Las­ten las­sen au­ßer­dem die akus­ti­sche Ähn­lich­keit zum se­li­gen VW-Urahn ver­stum­men. Es mischt sich viel­mehr ein knur­ri­ger Un­ter­ton ins Klang­spek­trum, und der La­der sorgt mit keh­li­gem Fau­chen für Ab­wechs­lung – und Ori­gi­na­li­tät. So wie die­ser Vier­zy­lin­der-Bo­xer klingt kein an­de­rer Mo­tor. Da­mit dif­fe­ren­ziert sich der 718 stär­ker denn je vom gro­ßen Bru­der 911 Car­re­ra. Beim Fahr­ge­fühl in­des rückt der Cay­man noch ein Stück dich­ter an ihn her­an: Der Tur­bo baut mit 380 Nm zwi­schen 1950 und 4500 Um­dre­hun­gen ein enor­mes Dreh­mo­ment auf, was ei­ne schalt­fau­le­re Fahr­wei­se er- laubt und so­mit für mehr Ru­he in kur­vi­gen Pas­sa­gen sorgt. Über­dies zeigt das über­ar­bei­te­te Fahr­werk mit stei­fe­ren Fe­dern und Sta­bi­li­sa­to­ren so­wie brei­te­ren Hin­ter­rä­dern noch mehr Prä­zi­si­on und Qu­er­dy­na­mik als bis­her. Die di­rek­ter über­setz­te Len­kung stei­gert die Agi­li­tät. Be­son­ders in Kom­bi­na­ti­on mit den ad­ap­ti­ven Dämp­fern (PASM, 1428 Eu­ro) und üp­pi­ger 20- Zoll- Be­rei­fung ( ab 2499 Eu­ro) legt der Cay­man ein Fahr­ver­hal­ten an den Tag, das ihn nicht nur in sei­ner Leis­tungs­klas­se zur sport­li­chen Re­fe­renz adelt. Des Wei­te­ren bringt die Mo­dell­über­ar­bei­tung dem Cay­man ak­tua­li­sier­te In­fo­tain­ment- so­wie er­wei­ter­te As­sis­tenz­sys­te­me: Der Tem­po­mat kann neu­er­dings mo­de­rat brem­sen, um die Ge­schwin­dig­keit zu hal­ten, und der To­te Win­kel wird per Ra­dar über­wacht. Au­ßer­dem las­sen sich die se­ri­en­mä­ßi­gen Bi-Xe­n­on­schein­wer­fer ge­gen Auf­preis (1975 Eu­ro) durch LED-Leuch­ten mit dy­na­mi­schem Kur­ven­so­wie Fern­licht er­set­zen.

FA­ZIT: Die tief­grei­fen­de Über­ar­bei­tung schärft die sport­li­chen Kern­tu­gen­den des Por­sche 718 Cay­man. Das op­ti­mier­te Fahr­werk stei­gert so­wohl die Dy­na­mik als auch den Kom­fort. Der neu kon­stru­ier­te Zwei­li­ter-Bo­xer mit nur noch vier Zy­lin­dern und Tur­bo­auf­la­dung hat viel mehr Po­wer als der 2,7-Li­ter-Sechs­zy­lin­der, of­fen­bart in Kom­bi­na­ti­on mit dem Schalt­ge­trie­be aber ei­ne An­fahr­schwä­che und klingt un­ge­wohnt rau.

718: schär­fer kon­tu­rier­te Kot­flü­gel und neu ge­stal­te­te Front

Der Heck­spoi­ler fügt sich har­mo­nisch in das kna­ckig ge­styl­te Heck des 718 Cay­man und fährt ab 120 km/h au­to­ma­tisch aus. Un­ter die Heck­klap­pe pas­sen 184 Li­ter Ge­päck, un­ter die Front­hau­be wei­te­re 150 Li­ter

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