For­mel-1-Fah­rim­pres­sio­nen: RTL-Ex­per­te Chris­ti­an Dan­ner fuhr den Welt­meis­ter-Mer­ce­des von Le­wis Ha­mil­ton

RTL-Ex­per­te und Ex-For­mel-1-Pi­lot Chris­ti­an Dan­ner durf­te den 2014er-Welt­meis­terMer­ce­des von Le­wis Ha­mil­ton fah­ren

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Chris­ti­an Dan­ner hat als ak­ti­ver Renn­fah­rer ei­ne be­weg­te Ver­gan­gen­heit hin­ter sich. Von Re­nault 5-Po­kal über Le Mans, DTM, die For­mel 1 bis in die US-ame­ri­ka­ni­sche In­dy Car-Se­rie be­wäl­tig­te Dan­ner vie­le mo­tor­sport­li­chem Pro­gram­me. Und auch heu­te juckt es ihn noch, in ein Cock­pit zu stei­gen. En­de Ju­ni in Ho­cken­heim be­kam Dan­ner die Chan­ce, den Welt­meis­ter-Mer­ce­des W05 von Le­wis Ha­mil­ton aus der Sai­son 2014 zu fah­ren.

Rich­ti­ge Vor­be­rei­tung mit Sitz an­pas­sen und Si­mu­la­tor-Trai­ning

Vor­aus­ge­gan­gen war zu­nächst ein Trip nach Brack­ley. Im Haupt­quar­tier des Mer­ce­des­AMG-F1-Teams wur­de Dan­ner ein Sitz an­ge­passt, au­ßer­dem wur­den Übun­gen im Si­mu­la­tor an­be­raumt: „Der Si­mu­la­tor hilft sehr gut bei der Be­die­nung: Knöp­fe drü­cken, Ab­läu­fe ken­nen­ler­nen, wie sind die Funk­ti­ons­wei­sen – da gibt es so vie­le Sa­chen, auf die man ach­ten muss“, sagt Dan­ner. Das wis­sen auch die Stamm­fah­rer. „Wie sonst hät­te Ni­co Ros­berg so schnell re­agie­ren kön­nen, als er in Bar­ce­lo­na kurz nach dem Start merk­te, dass er im fal­schen Pro­gramm un­ter­wegs ist?“Mer­ce­des hat für Dan­ner ei­nen mi­nu­tiö­sen Ablauf auf­ge­stellt. 21 Run­den darf der schlak­si­ge Bay­er ins­ge­samt fah­ren, un­ter­teilt in acht „Ou­tings“, al­so Fahr­ten. Drei Rei­fen­sät­ze ste­hen ihm da­für zur Ver­fü­gung. Vor­sich­tig nä­hert sich der ehe­ma­li­ge Zak­speed-, Osel­la-, Ar­row­sund Ri­al-Pi­lot sei­nem Li­mit, im­mer spä­ter wählt er den Bremspunkt, und statt vor der Nord­kur­ve zwei­mal her­un­ter­zu­schal­ten, be­lässt er es bei nur ei­nem Gang­wech­sel. Schnell stellt er sich auf das für ihn un­ge­wohn­te Links­brem­sen ein. „Man merkt so­fort, dass Chris­ti­an Renn­fah­rer ist“, ur­teilt Ren­nin­ge­nieur Do­mi­ni­que Rief­stahl, „er hat Re­spekt vor dem Au­to, aber auch nicht zu gro­ßen Re­spekt. Das kön­nen wir auf den Da­ten er­ken­nen.“

Zwei St­un­den lang sitzt Dan­ner im W05, die meis­te Zeit geht für Fo­to­fahr­ten drauf. „Das macht ei­ne Rie­sen­lau­ne, weil es ein­fach sau­schnell ist“, rap­por­tiert Dan­ner nach sei­ner Test­ses­si­on. Der 58-Jäh­ri­ge ist be­ein­druckt: „Wahn­sinn: Da will mich ei­ner um­brin­gen, ha­be ich ge­dacht, als ich das ers­te Mal aus der Spitz­keh­re voll aufs Gas ge­gan­gen bin.“Durch­dre­hen­de Hin­ter­rä­der ge­hö­ren da­zu. „ Aber schon in der zwei­ten Run­de merkst du, wie du dich so­fort an das Ge­fühl ge­wöhnt hast.“Wich­tig ist Dan­ner die Ein­schät­zung des Trieb­werks. Schnell zieht er Ver­glei­che zu den Mo­to­ren, die er aus sei­ner ak­ti­ven Zeit kennt: „Am bes­ten ver­gleich­bar ist der V6-Tur­bo noch mit ei­nem In­dy Car-Mo­tor der 90er-Jah­re: un­heim­lich kraft­voll. Der Mer­ce­des ist aber noch mehr: sehr sanft, sehr gut fahr­bar, sehr vor­her­seh­bar. Das Ding hat aber fast 1000 PS!“Sein BMW-Tur­bo von 1986 ha­be ei­ne völ­lig un­zi­vi­li­sier­te Leis­tungs­ent­fal­tung ge­habt, die zu be­herr­schen Mut er­for­der­te. Und die V8-Sau­ger der 2000er-Jah­re? „Die pro­du­zier­ten doch nur ho­he Dreh­zah­len, kaum Dreh­mo­ment. Im Ver­gleich zum Mer­ce­des wa­ren das Luft­pum­pen, die kei­ne Wurst vom Tel­ler ge­zo­gen ha­ben. Al­le heu­ti­gen Pi­lo­ten, die bei­de Mo­to­ren­ge­ne­ra­tio­nen er­lebt ha­ben, müss­ten ei­gent­lich je­den Abend ein Dank­ge­bet da­für auf­sa­gen, dass es jetzt die­se tol­len, kraft­vol­len V6-Tur­bo­mo­to­ren gibt“, meint der RTL-For­mel-1-Ex­per­te und fügt hin­zu: „Wenn die Fans nur an­satz­wei­se wüss­ten, wie schnell die­se Din­ger sind, sie wür­den je­den Tag ei­nen Knie­fall ma­chen und sa­gen: Die­se For­mel-1Fah­rer, das sind ech­te Hel­den!“

Fach­sim­pe­lei­en mit Ren­nin­ge­nieur Do­mi­ni­que Rief­stahl: Für Dan­ner ist der Welt­meis­terMer­ce­des von 2014 „mit gro­ßem Ab­stand das bes­te Au­to, das ich je ge­fah­ren bin“

Mis­si­on ab­ge­schlos­sen Die Mecha­ni­ker schie­ben den W05 zu­rück in die Box. Dan­ner hat 21 Run­den ab­sol­viert

stark be­ein­druckt Mer­ce­des-Youngs­ter Pas­cal Wehr­lein lauscht Dan­ners Im­pres­sio­nen

Tipps vom WM-Le­a­der Kurz vor dem Raus­fah­ren gibt Ni­co Ros­berg schnell noch ab­schlie­ßen­de Rat­schlä­ge

Ar­beits­be­ginn Dan­ner bug­siert sei­nen 1,84-Me­terKör­per be­hut­sam ins aus­rei­chend gro­ße Cock­pit

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