Ral­lye-WM: Ford-Fah­rer Ott Tänak ver­pass­te in Po­len nur ganz knapp den Sieg

… ist auch vor­bei: For­dFah­rer Ott Tänak ver­pass­te den Sen­sa­ti­ons­sieg beim sieb­ten Lauf zur Ral­lye-WM in Po­len, weil ihn auf der vor­letz­ten Prü­fung ein Rei­fen­scha­den er­eil­te. So kam Volks­wa­gen-Pi­lot Andre­as Mik­kel­sen zu sei­nem zwei­ten WM-Tri­umph

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Es hät­te so ein schö­ner Sonn­tag für Ott Tänak wer­den kön­nen. Der 28-jäh­ri­ge Es­te, im pri­vat fi­nan­zier­ten Fies­ta WRC un­ter­wegs, führ­te sen­sa­tio­nell den WM-Lauf durch das ma­le­ri­sche Ma­su­ren an: Mit 4,2 Se­kun­den Vor­sprung lag der stil­le Blon­de nach dem ers­ten Ver­an­stal­tungs­tag vorn; mit 21,3 Se­kun­den führ­te er am Sams­tag­abend nach rund 250 Ki­lo­me­tern Voll­gas. Nun stan­den noch 60 Ki­lo­me­ter am Sonn­tag aus. Al­les schien mach­bar. Tänak hat­te sei­nen ers­ten WM-Sieg in Griff­wei­te.

Tor­tur für die Rei­fen: Tem­po 200, spit­ze St­ei­ne

Doch dann das: Nach we­ni­gen 100 Me­tern in der vor­letz­ten, 21,15 Ki­lo­me­ter lan­gen Prü­fung fing sich Tänak ei­nen Rei­fen­de­fekt ein. Zu­nächst ent­wich nur lang­sam Luft aus dem rech­ten Vor­der­rei­fen, doch als­bald ro­del­te Tänaks Ford auf der blan­ken Fel­ge über den stei­ni­gen Un­ter­grund: 40 Se­kun­den ein­ge­büßt. Nichts wur­de es mit dem Sen­sa­ti­ons­er­folg. „Wir hat­ten die Hand am Sieg, wir hat­ten al­les un­ter Kon­trol­le“, jam­mer­te Tänak. „Ich ha­be noch al­les ge­ge­ben, doch mit nur drei Rä­dern ist mehr nicht drin.“Die bit­te­re Nie­der­la­ge konn­te Tänak nur schwer er­tra­gen, aber er gab sich schnell ge­fasst: „Ral­lye­sport ist eben manch­mal so.“Auf den pol­ni­schen Schot­ter­pis­ten geht es rich­tig zü­gig zur Sa­che: Nur bei der Ral­lye Finn­land er­rei­chen die Tur­bo-All­rad­ler noch hö­he­rer End- und Durch­schnitts­ge­schwin­dig­kei­ten. Nicht sel­ten wird die 200-km/ h-Mar­ke durch­bro­chen. Stre­cken­spe­zi­fi­sche Be­las­tun­gen kom­men hin­zu: In dem ver­gleichs­wei­se wei­chen Un­ter­grund bil­den sich oft tie­fe Spur­ril­len, in de­nen vor al­lem bei der zwei­ten Pas­sa­ge spit­ze, auch et­was grö­ße­re St­ei­ne lau­ern. Die wur­den Tänak zum Ver­häng­nis. Ins­ge­samt be­trach­tet be­deu­tet der hei­ße Ritt des Un­der­dogs im­mer noch ein groß­ar­ti­ges Er­geb­nis ge­gen das Esta­blish­ment von Volks­wa­gen und Hy­un­dai. „Aus mei­ner Sicht hat­te ich ei­ne per­fek­te Ral­lye. Ich ha­be kei­nen ein­zi­gen Feh­ler ge­macht“, rap­por­tier­te Tänak. Zu­spruch kam vom Sie­ger: „Ich weiß ge­nau, was Ott jetzt fühlt. Die Ral­lye Schwe­den im ver­gan­ge­nen Jahr ha­be ich auf der letz­ten Sta­ge nur hauch­dünn ver­lo­ren. Das schlimms­te Fee­ling, dass ich je hat­te“, sag­te Andre­as Mik­kel­sen. Der Volks­wa­gen-Pi­lot fühl­te sich den­noch als ver­dien­ter Sie­ger: „Wir ha­ben das gan­ze Wo­che­n­en­de Druck ge­macht. Die vor­letz­te Prü­fung war viel­leicht die schwie­rigs­te, die ich je ab­sol­viert ha­be. Ich muss­te kon­zen­triert schnell sein, um Tänak kei­ne Ge­le­gen­heit zu ge­ben, nach­zu­las­sen.“Triple-Cham­pi­on Sé­bas­ti­en Ogier ge­wann die ab­schlie­ßen­de Po­wer­S­ta­ge, be­klag­te sich aber wie im­mer, dass er als am­tie­ren­der Meis­ter an den bei­den ers­ten Ta­gen den lo­sen Schot­ter von den Pis­ten keh­ren muss­te. Er war aber auch der Ers­te, der Pech­vo­gel Tänak im Ziel trös­te­te. Der blick­te bald wie­der nach vorn: „Ich ha­be drei Wo­chen Zeit, mich auf die Ral­lye Finn­land vor­zu­be­rei­ten. Wir soll­ten da ein gu­tes Pa­cka­ge ha­ben. Wenn al­les passt, kön­nen wir dort um den Sieg fah­ren.“

Wie 2015 in Spa­ni­en pro­fi­tier­ten Mik­kel­sen (r.) und Bei­fah­rer Jæ­ger vom Mal­heur an­de­rer auf den letz­ten Me­tern

Nach Un­fäl­len in Por­tu­gal und Sar­di­ni­en wie­der ein Er­folgs­er­leb­nis: Pad­don wur­de Drit­ter

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