SPORTKOMMISSARE: STRAFWÜTIG UND FRAG­WÜR­DIG

Gre­gor Mes­ser

AUTO ZEITUNG - - FORMEL 1 · SPORT -

57.000 zah­len­de Zu­schau­er pil­ger­ten am Renn­sonn­tag zum 90. Gro­ßen Preis von Deutsch­land nach Ho­cken­heim. Das ist mehr als die Hälf­te we­ni­ger als beim For­mel-1-De­büt im Mo­to­drom, da­mals, 1970. Und doch wa­ren es ein paar tau­send Fans mehr als 2014, als die For­mel 1 zu­letzt in Ho­cken­heim gas­tier­te. Der Trend zeigt nach oben. Das In­ter­es­se an Mer­ce­des, Vet­tel, Ros­berg und Co scheint zu­rück­zu­keh­ren. Dass die Fans dann doch nur ei­nes der span­nungs­ärms­ten Rennen der Sai­son er­le­ben konn­ten – scha­de. Viel schlim­mer je­doch wiegt, dass die Show durch nicht nach­voll­zieh­ba­re Blitz­ur­tei­le der Sportkommissare ka­putt ge­macht wird. Was bit­te soll am Über­hol­ma­nö­ver von Ni­co Ros­berg vor­bei an Max Ver­stap­pen un­fair und be­stra­fungs­wür­dig ge­we­sen sein? Das war pu­res, har­tes Ra­c­ing, nichts an­de­res – das, was die Fans se­hen wol­len. Hat Ros­berg den Nie­der­län­der von der Stre­cke ge­drängt, wie Ver­stap­pen re­flex­ar­tig und laut­hals am Funk re­kla­mier­te? Blöd­sinn. Ver­stap­pen selbst hat in der Brems­zo­ne – wie schon zu­vor in Un­garn ge­gen Ki­mi Räik­kö­nen – sei­ne Li­nie ge­än­dert, nach­dem er Ros­bergs spä­te Aus­brems-Atta­cke ver­schla­fen hat­te. Dass die­ser die gan­ze Stre­cke für sich be­an­spru­chen muss­te, ist sein gu­tes Recht. Ver­stap­pen konn­te nur des­we- gen eis­kalt ne­ben dem Mer­ce­des blei­ben, weil die asphal­tier­ten Aus­lauf­zo­nen ge­nau das er­lau­ben. Asphal­tier­te Aus­lauf­zo­nen ma­chen ab­so­lut Sinn, be­son­ders in der di­rek­ten Ver­län­ge­rung der Brems­zo­nen. Aber wie­so müs­sen am Kur­ven­aus­gang die Sturz­räu­me auch asphal­tiert sein? Nur die­ser Um­stand lässt sol­che Si­tua­tio­nen erst zu, wie sie Ver­stap­pen mit sei­nem kind­li­chen Ge­schrei jetzt ge­schickt zu nut­zen wuss­te. Der Be­tro­ge­ne in die­sem Fall ist nicht nur Ros­berg. Mehr noch sind es die zah­len­den Fans. Der Wett­be­werb „Au­to­ren­nen“ver­kommt im­mer mehr zur harm­lo­sen Hin­ter­her­fahr-Ver­an­stal­tung. Wer will sich das noch an­se­hen? Die mitt­ler­wei­le chro­ni­schen Fehl­ur­tei­le der Sportkommissare tra­gen ein ho­hes Maß an Mit­schuld, dass das In­ter­es­se am Renn­sport ins­ge­samt schwin­det. Denn das, was in der For­mel 1 so strafwütig vor­ge­lebt wird, wird in sämt­li­chen wei­te­ren Ka­te­go­ri­en un­ter­halb der Kö­nigs­klas­se kläg­lich nach­ge­ahmt.

Für sein Über­hol­ma­nö­ver vor­bei an Ver­stap­pen muss­te Ros­berg zur Stra­fe fünf Se­kun­den län­ger stop­pen

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