In­fi­niti QX30 und Q30

Mit Daim­ler-Tech­nik soll der In­fi­niti QX30 die Ver­käu­fe der Nis­san-Edel­mar­ke wei­ter stei­gern

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Paul Eng­lert

Wenn Sie von bü­cher­di­cken Preis­lis­ten mit un­zäh­li­gen Fuß­no­ten ge­nervt sind, soll­ten Sie sich ein­mal den Pro­spekt des neu­en In­fi­niti QX30 an­se­hen: zwei Aus­stat­tungs­li­ni­en, drei Op­ti­ons­pa­ke­te und nur vier Ein­zel-Ex­tras auf zwei luf­tig be­schrie­be­nen Sei­ten – fer­tig. Kein Wun­der, denn an­triebs­sei­tig gibt es le­dig­lich den 2.2d mit Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be und All­rad­an­trieb aus dem Mer­ce­des-Re­gal. Au­ßer­dem hat der im Vergleich zum Q30 um drei Zen­ti­me­ter hö­her­ge­leg­te QX30, der auf dem Mer­ce­des GLA ba­siert, ab Werk be­reits vie­le De­tails an Bord, die wo­an­ders ex­tra kos­ten: So ge­hö­ren et­wa Kli­ma­au­to­ma­tik, Na­vi, Blue­tooth, Di­gi­tal­ra­dio, Ein­park­hil­fe, Re­gen­sen­sor, Spur­hal­te- und Not­brems­as­sis­tent zum In­fi­niti-Stan­dard – al­ler­dings zum nicht ge­ra­de güns­ti­gen Preis ab 38.600 Eu­ro. In­nen wirkt der in Le­der ge­klei­de­te Test­wa­gen (Aus­stat­tung Pre­mi­um Tech, ab 43.170 Eu­ro) edel und an­stän­dig ver­ar­bei­tet, die He­bel und Schal­ter für elek­tri­sche Sitz­ein­stel­lung, Fens­ter, Kli­ma oder Schei­ben­wi­scher ken­nen wir von Daim­ler. Auch das via Mul­ti­funk­ti­ons­lenk­rad (Se­rie) steu­er­ba­re Zen­t­ral­dis­play kommt aus Stutt­gart. Beim Na­vi- und Mul­ti­me­dia- Sys­tem geht In­fi­niti eigene We­ge mit gut zur Hand lie­gen­dem Dreh- DrückS­tel­ler vor der Mit­tel­arm­leh­ne. In dem 4,43-Me­ter-SUV hat man vorn ge­nü­gend Platz und sitzt aus­rei­chend be­quem, wo­bei die Schen­kel­auf­la­ge der Be­stuh­lung et­was län­ger aus­fal­len dürf­te. Im Fond ist das Rau­m­an­ge­bot mä­ßig, be- reits beim Ein­stieg müs­sen Groß­ge­wach­se­ne we­gen der ab­fal­len­den Dach­li­nie den Kopf ein­zie­hen. Fürs Ge­päck blei­ben durch­schnitt­li­che 430 Li­ter Vo­lu­men bei auf­ge­stell­ten Rück­sitz­leh­nen. Der 170-PS-Tur­bo­die­sel – we­gen ho­her Nach­fra­ge­pro­gno­sen der­zeit das ein­zig ver­füg­ba­re Ag­gre­gat – muss sich mit dem 1535 kg schwe­ren QX30 nicht ab­quä­len: Aus dem Stand geht es zü­gig los, da­zu ar­bei­tet das Start-Stopp-Sys­tem er­freu­lich flott. 4,9 Li­ter Die­sel schluckt der Selbst­zün­der auf dem Prüf­stand, bei un­se­rer ers­ten Aus­fahrt war es laut Bord­com­pu­ter gut ein Li­ter mehr. Ein­zi­ges Man­ko des Vier­zy­lin­ders ist sein

recht rau­er, ker­ni­ger Klang, den wir be­reits von Mer­ce­des ken­nen. Ei­ne Ge­le­gen­heit, den Pre­mi­um­An­spruch mit ex­tra Dämm-Ma­te­ri­al noch stär­ker zu un­ter­strei­chen, gä­be es: Der QX30 rollt nicht vom Mer­ce­des-Band, son­dern wird im bri­ti­schen Nis­san-Werk in Sun­der­land mon­tiert. Die Über­ar­bei­tung des Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be (DCT) macht sich durch kom­for­ta­ble Schalt­vor­gän­ge be­merk­bar – ob­jek­tiv läuft der Gang­wech­sel schnell ab, sub­jek­tiv er­in­nert er an den ei­ner Wand­ler­au­to­ma­tik. Auch die Len­kung mit jetzt di­rek­te­rem Über­set­zungs­ver­hält­nis im Vergleich zu der des Q30 ge­fällt mit gu­tem An­sprech­ver­hal­ten und aus­rei­chend Rück­mel­dung. Der QX30 soll In­fi­niti in punc­to Ab- satz Rü­cken­wind ge­ben, so ist der Plan. Doch im be­lieb­ten Kom­pak­tSUV-Seg­ment dürf­te es der GLAAb­le­ger nicht leicht ha­ben. Im­mer­hin: Im ers­ten Halb­jahr 2016 wur­den in Deutsch­land 1120 In­fi­niti zu­ge­las­sen und da­mit mehr als vom di­rek­ten Wett­be­wer­ber Le­xus. Hin­zu kommt ei­ne suk­zes­si­ve Aus­wei­tung des deut­schen Händ­ler­net­zes von der­zeit zehn auf ge­plan­te 25 In­fi­niti-Zen­tren bis En­de 2017.

Le­der-Land­schaft: Be­zü­ge aus fei­ner Kuh­haut sind Se­rie bei der Aus­stat­tung Pre­mi­um Tech. Die meis­ten Be­dien­ele­men­te stam­men von Mer­ce­des

Ty­pisch In­fi­niti: fla­che, spitz zu­lau­fen­de Rück­leuch­ten, auf­wän­dig ge­form­te Ka­ros­se­rie-Ble­che, D-Säu­le in Si­chel­form

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